Bernd Ohm

Autorenblog

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»Das Schattenkorps« — erste Rezension

Das Buch selbst berei­tet sich in der Dru­cke­rei noch ein wenig auf die kom­men­den Anstren­gun­gen vor (aktu­el­ler Lie­fer­ter­min des Ver­lags: 13. Juni). In der Zwi­schen­zeit gibt es in der Jun­i/­Ju­li-Aus­ga­be des »Bücher-Maga­zins« die ers­te Rezen­si­on. Mei­ke Dan­nen­berg schreibt u. a.:

Bernd Ohm […] bewegt sich als stu­dier­ter His­to­ri­ker in der Zeit, als sei er dabei gewe­sen. Non­cha­lant mischt er Zeit­ge­nos­sen mit fik­ti­ven Figu­ren, die zum Teil auch rea­le Vor­bil­der haben, und ver­schie­de­ne Inter­es­sen­grup­pen des Kal­ten Krie­ges mit­ein­an­der. Beson­ders char­mant sind die Beschrei­bun­gen der dama­li­gen Bege­ben­hei­ten, von Fern­ge­sprä­chen in der Post­fi­lia­le über den Nord­deut­schen, der das ers­te Mal die ita­lie­ni­sche Küs­te bereist, bis zum inter­na­tio­na­len Waf­fen­han­del qua­si aus dem Kof­fer­raum heraus.

Dem habe ich eigent­lich nichts hin­zu­zu­fü­gen … Nähe­res dann ab Juni im Maga­zin selbst!

In dubio pro Carrie Mathison

Zur­zeit befin­den wir uns wie­der im Bin­ge-Viewing-Modus – die sechs­te Staf­fel von »Home­land« ist kom­plett abruf­be­reit, und wir konn­ten ein­fach nicht wider­ste­hen. Nach­dem der Aus­flug nach Ber­lin in Staf­fel 5 ein wenig an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen schien (allein die­ser selt­sa­me »Phil­an­throp Otto Düring« …), hat man die­ses Mal die wei­se Ent­schei­dung getrof­fen, nicht schon wie­der einen isla­mis­ti­schen Anschlag auf die freie Welt ver­hin­dern zu müs­sen. Statt­des­sen geht es – ganz in der Tra­di­ti­on des Polit­thril­lers der 1970er – um ein Kom­plott des »Deep Sta­te« gegen die eige­ne Regie­rung, die mit unar­ti­gen Din­gen wie Trup­pen­ab­zug aus dem Nahen Osten und Reor­ga­ni­sa­ti­on der Geheim­diens­te droht. Wer also Fil­me wie »Die drei Tage des Con­dors«, »Zeu­ge einer Ver­schwö­rung« oder »Die Unbe­stech­li­chen« mag, kommt hier voll auf sei­ne Kosten.

Wir haben vor Jah­ren mal ver­sucht, etwas Ähn­li­ches für deut­sche Ver­hält­nis­se auf die Bei­ne zu stel­len, aber im Nach­hin­ein muss ich lei­der sagen, dass das Ergeb­nis in künst­le­ri­scher Hin­sicht doch recht stark gegen die ame­ri­ka­ni­schen Vor­bil­der abfällt. Ganz abge­se­hen davon, dass die Res­te des angeb­li­chen »RAF-Phan­toms« natür­lich in Wirk­lich­keit irgend­wo hier in Nord­west­deutsch­land her­um­schwir­ren und einen Geld­trans­por­ter nach dem ande­ren überfallen …

Update 22. Mai: Nach­dem wir jetzt durch sind, muss ich mei­nen Hut noch tie­fer zie­hen: ein Kom­plott des »Deep Sta­te« gegen die eige­ne Regie­rung – und am Ende hat der »Deep Sta­te« auch noch Recht gehabt. Das muss man erst­mal hinkriegen …!

Geschafft!

Uff, das Ding ist in der Dru­cke­rei… Nach­dem auch die letz­te unpas­sen­de Wort­wahl und die letz­te Weit­schwei­fig­keit besei­tigt waren, haben wir noch ein wenig am Cover her­um­ge­bas­telt, und ich fin­de, es sieht jetzt wirk­lich ziem­lich cool aus!

Wer also — pas­send übri­gens zum SPIE­GEL-Titel neu­lich — schon immer mal wis­sen wollte,

  • was aus den Geheim­ar­me­en wur­de, die in den frü­hen 1950ern von den West-Alli­ier­ten in der BRD auf­ge­stellt wurden,
  • wie Ame­ri­ka­ner und Bri­ten im Unter­grund mit Alt- und Neo-Nazis mauschelten,
  • war­um die USA der Mei­nung waren, wäh­rend der Kuba­kri­se ihre Atom­waf­fen vor den west­deut­schen Ver­bün­de­ten schüt­zen zu müssen,
  • was die SS 1943 in Tunis zu tun hat­te und
  • wel­che the­ra­peu­ti­sche Wir­kung eine Rei­se ans Mit­tel­meer auf dunk­le, ver­zwei­fel­te See­len am rech­ten Rand der Gesell­schaft hat,

soll­te jetzt auf jeden Fall »Das Schat­ten­corps« bestel­len. Erhält­lich beim Buch­händ­ler Ihres Ver­trau­ens oder auf Ama­zon.

Zu Trump: alles schon gesagt

Man kann dem neu­en ame­ri­ka­ni­schen Cäsar so eini­ges vor­wer­fen – sicher nicht, dass er sei­ne Wahl­kampf­ver­spre­chen wie üblich am Tag des Amts­an­tritts ver­ges­sen hät­te. Wäh­rend er die Dekre­te unter­zeich­net, mit denen der Bau einer Mau­er an der Gren­ze zu Mexi­ko, die Abschaf­fung der öffent­li­chen För­de­rung von Kunst und Kul­tur und die Ver­ban­nung der Kli­ma­for­schung von den Web­sei­ten ame­ri­ka­ni­scher Behör­den ein­ge­lei­tet wird, soll­te man sich einen Augen­blick Zeit neh­men, um den grie­chi­schen His­to­ri­ker Poly­bi­os zu lesen, der sich vor über zwei­tau­send Jah­ren mit der Fra­ge beschäf­tigt hat, wie sich im Ver­lauf der (ihm damals bekann­ten) Geschich­te ver­schie­de­ne Regie­rungs­for­men ent­wi­ckel­ten und wie­der­um von ande­ren abge­löst wurden.

Aus dem Wer­de­gang der grie­chi­schen Stadt­staa­ten destil­lier­te er dabei einen Kreis­lauf, bei dem in anfäng­li­cher Anar­chie ent­schlos­se­ne Gewalt­men­schen die Initia­ti­ve ergrei­fen und als Tyran­nen und Köni­ge die Macht ergrei­fen, um dann von rebel­lie­ren­den Aris­to­kra­ten und Olig­ar­chen abge­löst zu wer­den, die aller­dings wie­der­um der all­ge­mei­nen Volks­herr­schaft Platz machen müs­sen, wenn sich der demos gegen sie erhebt. Wei­ter geht es so:

Haben sie dann die einen von ihnen getö­tet die andern in die Ver­ban­nung gejagt, so wagen sie weder einen König an ihre Spit­ze zu stel­len, da sie deren frü­he­re Unge­rech­tig­keit noch fürch­ten, noch haben sie den Mut, den Staat einer Schar von Weni­gen anzu­ver­trau­en, da ihnen noch deren bis­he­ri­ge Ver­blen­dung vor Augen steht, so wen­den sie sich denn, da ihnen nur eine ein­zi­ge Hoff­nung unge­trübt bleibt, die zu sich sel­ber, die­ser zu, machen die Staats­ver­fas­sung aus einer olig­ar­chi­schen zu einer Demo­kra­tie und über­neh­men sel­ber die Vor­sor­ge und den Schutz des Gemein­we­sens. Und so lan­ge noch eini­ge von denen am Leben sind, wel­che die Will­kür- und Gewalt­herr­schaft durch Erfah­rung ken­nen­ge­lernt haben, hal­ten sie zufrie­den mit der nun­meh­ri­gen Ver­fas­sung die Gleich­be­rech­ti­gung und die Frei­heit der Rede in Ehren.

Wenn aber ein jun­ges Geschlecht an deren Stel­le tritt und die Demo­kra­tie wie­der an Kin­der und Kin­des­kin­der über­lie­fert wird, dann suchen eini­ge, indem sie wegen der lan­gen Gewohn­heit die Gleich­be­rech­ti­gung und Frei­heit der Rede nicht mehr für etwas Gro­ßes ach­ten, mehr zu gel­ten als das Volk; haupt­säch­lich aber gera­ten die, wel­che an Ver­mö­gen her­vor­ra­gen, auf die­sen Abweg. Wenn sol­che nun­mehr sich nach Ämtern drän­gen und die­se nicht durch sich sel­ber und durch eige­ne Tüch­tig­keit erlan­gen kön­nen, so ver­geu­den sie Hab und Gut indem sie die Men­ge auf jede Wei­se zu ködern und zu ver­füh­ren suchen. Haben sie die­se nun ein­mal in Fol­ge ihrer unsin­ni­gen Ämter­gier emp­fäng­lich und gie­rig nach Geschen­ken gemacht, dann löst sich auch die Demo­kra­tie wie­der auf, und an die Stel­le der Demo­kra­tie tritt Gewalt und Herr­schaft der Faust. Denn ist die Men­ge ein­mal dar­an gewöhnt, sich von frem­dem Gute zu näh­ren und ihre Bli­cke bei ihrem Lebens­un­ter­halt auf die Besit­zun­gen ande­rer zu rich­ten, und bekommt sie einen hoch­stre­ben­den und ent­schlos­se­nen Füh­rer, der aber durch Armut von den Ehren­stel­len im Staa­te aus­ge­schlos­sen ist, so schafft die­ser dann eine Herr­schaft der Faust, und um ihn geschart schrei­tet das Volk zu Mord, Ver­ban­nun­gen und neu­en Ver­tei­lun­gen des Lan­des, bis es völ­lig ver­wil­dert wie­der einen Zwing­herrn und Mon­ar­chen findet.

(Quel­le, Recht­schrei­bung und Wort­wahl leicht modernisiert)

Es wäre noch zu dis­ku­tie­ren, ob Trump zu den­je­ni­gen gehört, »wel­che an Ver­mö­gen her­vor­ra­gen« und mehr gel­ten wol­len als das Volk (das könn­ten aber auch die Clin­tons und ihre Gesell­schafts­schicht sein), oder zu den »ent­schlos­se­nen Füh­rern«, um die her­um sich das Volk schart, um die Ver­hält­nis­se zum Tan­zen brin­gen (wie man vor ein paar Jahr­zehn­ten zu sagen pfleg­te). Durch »Armut« zeich­net er sich natür­lich nicht gera­de aus, aber der Wil­le zur Umwäl­zung alles Bestehen­dem scheint ihm ja nicht abzu­ge­hen. Viel­leicht spielt er bei­de Rol­len auf einmal.

Wer es noch etwas apo­ka­lyp­ti­scher haben möch­te, darf die­se Woche beim Erz­drui­den vor­bei­schau­en (nein, nicht der von Reichs­bür­gern): How Gre­at the Fall Can Be.

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