Autorenblog

Kategorie: Religion und Mythologie (Seite 1 von 2)

Damals unter den Taliban

Ich mecke¬≠re ja immer ganz ger¬≠ne √ľber die¬≠ses und jenes und fin¬≠de an der moder¬≠nen Welt viel Anlass zu Kri¬≠tik. Ande¬≠rer¬≠seits bin ich aber heil¬≠froh, dass ich nicht im Jahr 1898 gelebt habe, als der hie¬≠si¬≠ge Kir¬≠chen¬≠vor¬≠stand fol¬≠gen¬≠den klei¬≠nen Antrag auf der Bezirks-Syn¬≠ode einbrachte:

Syn¬≠ode wol¬≠le der √ľber¬≠hand¬≠neh¬≠men¬≠den Zucht¬≠lo¬≠sig¬≠keit der Dienst¬≠bo¬≠ten bei¬≠der¬≠lei Geschlechts, wel¬≠che sich nament¬≠lich dar¬≠in zeigt, dass die¬≠sel¬≠ben des Abends ohne Erlaub¬≠nis der Herr¬≠schaf¬≠ten den herr¬≠schaft¬≠li¬≠chen Hof ver¬≠las¬≠sen, sich auf den Stra¬≠√üen umher¬≠trei¬≠ben und an bestimm¬≠ten Pl√§t¬≠zen sich zusam¬≠men¬≠scha¬≠ren, um mit scham¬≠lo¬≠sen Redens¬≠ar¬≠ten und nur zu leicht fol¬≠gen¬≠den Schlech¬≠tig¬≠kei¬≠ten sich die Zeit zu ver¬≠trei¬≠ben und ihr See¬≠len¬≠heil zu ver¬≠scher¬≠zen, dadurch zu weh¬≠ren suchen, dass sie nicht blo√ü die Kir¬≠chen¬≠vor¬≠st√§n¬≠de, son¬≠dern alle Haus¬≠v√§¬≠ter und Herr¬≠schaf¬≠ten der gan¬≠zen Inspec¬≠tion ernst¬≠lich ver¬≠mahnt, gegen die¬≠ses Unwe¬≠sen, gegen das ein Ein¬≠zel¬≠ner und auch eine ein¬≠zel¬≠ne Gemein¬≠de nichts aus¬≠zu¬≠rich¬≠ten ver¬≠mag, weil in sol¬≠chem Fal¬≠le die Dienst¬≠bo¬≠ten sofort k√ľn¬≠di¬≠gen w√ľr¬≠den, gemein¬≠sam vor¬≠zu¬≠ge¬≠hen und mit aller Stren¬≠ge durch¬≠f√ľh¬≠ren, dass kein Dienst¬≠bo¬≠te abends ohne Erlaub¬≠nis den herr¬≠schaft¬≠li¬≠chen Hof ver¬≠las¬≠sen darf, kei¬≠ner die Erlaub¬≠nis bekommt, sich zu sol¬≠chen abend¬≠li¬≠chen Umher¬≠schwei¬≠fen zu betei¬≠li¬≠gen, fre¬≠che Zuwi¬≠der¬≠hand¬≠lun¬≠gen aber min¬≠des¬≠tens im Dienst¬≠buch ver¬≠merkt wer¬≠den, und wegen sol¬≠cher Zuwi¬≠der¬≠hand¬≠lun¬≠gen etwa ent¬≠las¬≠se¬≠ne Dienst¬≠bo¬≠ten nicht von andern Herr¬≠schaf¬≠ten wie¬≠der in Dienst genom¬≠men werden.

Der Kir¬≠chen¬≠vor¬≠stand von ‚Ķ

Was neben dem Wet¬≠ter wohl die zwei¬≠te Ursa¬≠che ist, war¬≠um hier¬≠zu¬≠lan¬≠de auch im Som¬≠mer nicht gera¬≠de s√ľd¬≠l√§n¬≠disch-fro¬≠hes Trei¬≠ben auf den Dorf¬≠stra¬≠√üen herrscht‚Ķ

Der Kohlestrom des B√∂sen

Kohlekraftwerk Mehrum

Neu¬≠lich frag¬≠ten die Kin¬≠der, wie eigent¬≠lich Ver¬≠schw√∂¬≠rungs¬≠theo¬≠rien ent¬≠ste¬≠hen. Auch in unse¬≠rem ver¬≠tr√§um¬≠ten klei¬≠nen Dorf kein unge¬≠w√∂hn¬≠li¬≠ches The¬≠ma, denn es gibt wohl nichts, von dem unse¬≠re Zeit so beses¬≠sen w√§re, wie die Vor¬≠stel¬≠lung, irgend¬≠wel¬≠che fins¬≠te¬≠ren M√§ch¬≠te w√ľr¬≠den im Hin¬≠ter¬≠grund die F√§den zie¬≠hen. Auch unter den Alters¬≠ka¬≠me¬≠ra¬≠den unse¬≠res Nach¬≠wuch¬≠ses haben sich schon gewis¬≠se Zwei¬≠fel an Neil Arm¬≠strongs Mond¬≠spa¬≠zier¬≠gang oder der Unge¬≠f√§hr¬≠lich¬≠keit von Kon¬≠dens¬≠strei¬≠fen breit¬≠ge¬≠macht, und sp√§¬≠te¬≠re His¬≠to¬≠ri¬≠ker wer¬≠den unse¬≠re Epo¬≠che sicher als ¬ĽKon¬≠spi¬≠ra¬≠ti¬≠ve¬ę bezeichnen.

Nun h√§t¬≠te ich ein¬≠fach ant¬≠wor¬≠ten k√∂n¬≠nen, dass es eben manch¬≠mal Ver¬≠schw√∂¬≠run¬≠gen gibt ‚Äď Water¬≠ga¬≠te, Sad¬≠dam Hus¬≠seins angeb¬≠li¬≠che Mas¬≠sen¬≠ver¬≠nich¬≠tungs¬≠waf¬≠fen oder die Rol¬≠le der CIA bei der F√∂r¬≠de¬≠rung der abs¬≠trak¬≠ten Kunst. Und bei den √ľbli¬≠cher¬≠wei¬≠se als ¬ĽTheo¬≠rie¬ę bezeich¬≠ne¬≠ten Ver¬≠schw√∂¬≠run¬≠gen wis¬≠se man es nur noch nicht so genau. Aber gemeint waren nat√ľr¬≠lich Gedan¬≠ken¬≠kon¬≠struk¬≠te, die so weit jen¬≠seits der Plau¬≠si¬≠bi¬≠li¬≠t√§t ange¬≠sie¬≠delt sind, dass ande¬≠re Fak¬≠to¬≠ren im Spiel sein m√ľs¬≠sen: au√üer¬≠ir¬≠di¬≠sche Rep¬≠ti¬≠lo¬≠ide, Area 51, Prieu¬≠r√© de Sion und der¬≠glei¬≠chen. Ich kram¬≠te also zusam¬≠men, was mir so ein¬≠fiel: die mensch¬≠li¬≠che Nei¬≠gung zur Reduk¬≠ti¬≠on kom¬≠ple¬≠xer Zusam¬≠men¬≠h√§n¬≠ge auf ¬ĽGut gegen B√∂se¬ę, die unbe¬≠wuss¬≠te Pro¬≠jek¬≠ti¬≠on der eige¬≠nen schlech¬≠ten Eigen¬≠schaf¬≠ten auf ande¬≠re (C. G. Jungs ¬ĽSchat¬≠ten¬ę), die Selbst¬≠sti¬≠li¬≠sie¬≠rung der Ver¬≠schw√∂¬≠rungs¬≠gl√§u¬≠bi¬≠gen zu Teil¬≠ha¬≠bern von eli¬≠t√§¬≠rem ¬ĽGeheim¬≠wis¬≠sen¬ę und die Nei¬≠gung, in Stress¬≠si¬≠tua¬≠tio¬≠nen Kau¬≠sa¬≠li¬≠t√§¬≠ten zu sehen, wo kei¬≠ne sind. So rich¬≠tig zufrie¬≠den war ich damit aller¬≠dings selbst nicht.

Bis dann eini¬≠ge Tage sp√§¬≠ter im Lokal¬≠teil unse¬≠rer Zei¬≠tung eine Mel¬≠dung ins Haus flat¬≠ter¬≠te, die mir eine unver¬≠hoff¬≠te Erleuch¬≠tung ver¬≠schaff¬≠te. Dazu muss ich erl√§u¬≠tern, dass der Teil Nord¬≠deutsch¬≠lands, in dem wir leben, in den letz¬≠ten zwan¬≠zig Jah¬≠ren mit nicht uner¬≠heb¬≠li¬≠chen Men¬≠gen von Wind¬≠r√§¬≠dern voll¬≠ge¬≠stellt wor¬≠den ist, deren Strom nun dort¬≠hin trans¬≠por¬≠tiert wer¬≠den soll, wo er gebraucht wird ‚Äď also in der Regel ein paar hun¬≠dert Kilo¬≠me¬≠ter wei¬≠ter s√ľd¬≠lich. Wenn man Strom an Orten erzeugt, wo vor¬≠her kein Strom erzeugt wur¬≠de, ist es nur logisch, dass man neue Strom¬≠tras¬≠sen und Umspann¬≠wer¬≠ke bau¬≠en muss, bei¬≠des ist bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se in der N√§he unse¬≠res ver¬≠tr√§um¬≠ten klei¬≠nen Dor¬≠fes geplant. Ich selbst bin abso¬≠lut dage¬≠gen und habe auch kei¬≠ne mora¬≠li¬≠schen Bauch¬≠schmer¬≠zen des¬≠we¬≠gen ‚Äď es ist nichts ver¬≠kehrt an dem Wunsch, die Strom¬≠pro¬≠duk¬≠ti¬≠on auf erneu¬≠er¬≠ba¬≠re Quel¬≠len umzu¬≠stel¬≠len, aber solan¬≠ge es kei¬≠ne tech¬≠nisch zuver¬≠l√§s¬≠si¬≠gen, kos¬≠ten¬≠g√ľns¬≠ti¬≠gen Spei¬≠cher¬≠m√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten und kei¬≠ne wirk¬≠lich trag¬≠f√§¬≠hi¬≠ge Neu¬≠kon¬≠zep¬≠ti¬≠on des Strom¬≠net¬≠zes gibt, ist das alles nur plan- und kopf¬≠lo¬≠ser Aktio¬≠nis¬≠mus, der ver¬≠tr√§um¬≠te klei¬≠ne D√∂r¬≠fer in einen rie¬≠si¬≠gen, trost¬≠lo¬≠sen Indus¬≠trie¬≠park verwandelt.

Ener­gie­wen­de am Spätnachmittag

√Ąhn¬≠li¬≠cher Ansicht, so ver¬≠riet es mir jeden¬≠falls das Lokal¬≠blatt, scheint ein Rats¬≠mit¬≠glied in einer nahen Klein¬≠stadt zu sein, an der eben¬≠falls eine der neu geplan¬≠ten Strom¬≠tras¬≠sen vor¬≠bei¬≠f√ľh¬≠ren soll. Die Gew√§hrs¬≠per¬≠son (n√§he¬≠re Anga¬≠ben spa¬≠re ich mir) hat sogar eine Online-Peti¬≠ti¬≠on gestar¬≠tet, in der das Bun¬≠des¬≠um¬≠welt¬≠mi¬≠nis¬≠te¬≠ri¬≠um auf¬≠ge¬≠for¬≠dert wird, den Hoch¬≠span¬≠nungs-Tras¬≠sen¬≠bau umge¬≠hend zu stop¬≠pen. Etwas ver¬≠wir¬≠rend ist aller¬≠dings, dass es sich dabei um das Mit¬≠glied einer Par¬≠tei han¬≠delt, die in ihrem Namen die Far¬≠be fri¬≠schen Gra¬≠ses f√ľhrt und eben jenes ¬ĽErneu¬≠er¬≠ba¬≠re-Ener¬≠gien-Gesetz¬ę mit auf den Weg gebracht hat, dem wir das meta¬≠sta¬≠sen¬≠ar¬≠ti¬≠ge Wachs¬≠tum von Wind¬≠parks und neu¬≠en Lei¬≠tun¬≠gen √ľber¬≠haupt zu ver¬≠dan¬≠ken haben. Noch ver¬≠wir¬≠ren¬≠der: Das besag¬≠te Rats¬≠mit¬≠glied sitzt sogar im Vor¬≠stand einer √∂rt¬≠li¬≠chen Genos¬≠sen¬≠schaft, deren Zweck die ¬ĽErrich¬≠tung und Unter¬≠hal¬≠tung von Anla¬≠gen zur Erzeu¬≠gung rege¬≠ne¬≠ra¬≠ti¬≠ver Ener¬≠gien, ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re Solar¬≠an¬≠la¬≠gen und Wind¬≠kraft¬≠an¬≠la¬≠gen¬ę ist.

Und am ver¬≠wir¬≠rends¬≠ten ist schlie√ü¬≠lich die Begr√ľn¬≠dung f√ľr die Online-Peti¬≠on. Dort wird n√§m¬≠lich behaup¬≠tet, dass zwei von drei der neu¬≠en Tras¬≠sen dem Trans¬≠port von Koh¬≠le¬≠strom dien¬≠ten.

Wei­ter­le­sen

Gefangen auf Sol 3

Mit 14 ver¬≠liert man sich ger¬≠ne in Ph√§¬≠no¬≠me¬≠nen, die einem sp√§¬≠ter herz¬≠lich pein¬≠lich sind: Tee¬≠nie-Musik, Elek¬≠tronik¬≠bas¬≠teln, Bibel¬≠kreis. Oder, in mei¬≠nem Fall, Sci¬≠ence-Fic¬≠tion. Woche um Woche fie¬≠ber¬≠te ich dem Erschei¬≠nen der neu¬≠en Per¬≠ry-Rho¬≠dan-Heft¬≠chen (1. und 4. Auf¬≠la¬≠ge) ent¬≠ge¬≠gen, ver¬≠schlang alles aus Heynes SF-Taschen¬≠buch¬≠rei¬≠he, das ich in die Fin¬≠ger bekam, und sa√ü atem¬≠los auf der vor¬≠de¬≠ren Kan¬≠te des Kino¬≠sit¬≠zes, w√§h¬≠rend Offi¬≠zier Ripley sich mit den Krea¬≠tio¬≠nen H. R. Gigers her¬≠um¬≠schlug (die Kino¬≠le¬≠u¬≠te nah¬≠men es damals mit der FSK nicht so genau). Ganz zu schwei¬≠gen von den zahl¬≠rei¬≠chen Fol¬≠gen Raum¬≠schiff Enter¬≠pri¬≠se und Mond¬≠ba¬≠sis Alpha, in denen Abge¬≠sand¬≠te der Mensch¬≠heit frei¬≠wil¬≠lig oder unfrei¬≠wil¬≠lig mit Warp-Antrieb oder durch ‚ÄúWurm¬≠l√∂¬≠cher‚ÄĚ beschleu¬≠nigt durchs Uni¬≠ver¬≠sum d√ľs¬≠ten und sich mit den ver¬≠schie¬≠dens¬≠ten au√üer¬≠ir¬≠di¬≠schen Kul¬≠tu¬≠ren her¬≠um¬≠schlu¬≠gen. Sogar Cap¬≠tain Future habe ich mir noch gegeben.

Irgend¬≠wann legt man das ab wie den Par¬≠ka und die Puma-Turn¬≠schu¬≠he, ohne die sich unser¬≠eins damals nicht aus dem Hau¬≠se trau¬≠te. Trotz¬≠dem blieb ich dem Welt¬≠raum¬≠fie¬≠ber, das ich mir schon im Grund¬≠schul¬≠al¬≠ter bei der Live-√úber¬≠tra¬≠gung der letz¬≠ten Mond¬≠lan¬≠dun¬≠gen zuge¬≠zo¬≠gen hat¬≠te, noch ein paar Jah¬≠re l√§n¬≠ger treu, wenn auch in einem etwas rea¬≠lis¬≠ti¬≠sche¬≠ren Modus. Ich tr√§um¬≠te davon, als Astro¬≠naut auf der von Pr√§¬≠si¬≠dent Rea¬≠gan ange¬≠k√ľn¬≠dig¬≠ten inter¬≠na¬≠tio¬≠na¬≠len Raum¬≠sta¬≠ti¬≠on (die damals noch Free¬≠dom hei¬≠√üen soll¬≠te) zu arbei¬≠ten, und begann ein Stu¬≠di¬≠um der Lauft- und Raum¬≠fahrt¬≠tech¬≠nik ‚Äď das ich bald wie¬≠der hin¬≠warf, da man schon im Prak¬≠ti¬≠kum gen√∂¬≠tigt wur¬≠de, an irgend¬≠wel¬≠chen Kampf¬≠jets her¬≠um¬≠zu¬≠schrau¬≠ben, was mir die tat¬≠s√§ch¬≠li¬≠chen Berufs¬≠per¬≠spek¬≠ti¬≠ven in die¬≠sem Bereich nur all¬≠zu dras¬≠tisch vor Augen f√ľhr¬≠te: Maschi¬≠nen bau¬≠en, die t√∂ten. Nach ein paar Semes¬≠tern Phy¬≠sik hat¬≠te ich end¬≠g√ľl¬≠tig die Nase voll von Tech¬≠nik und Welt¬≠all und fand mei¬≠ne wah¬≠re Beru¬≠fung dort, wo ich heu¬≠te bin: bei Geschich¬≠te, Spra¬≠chen und √Ėko¬≠lo¬≠gie. Als die ISS end¬≠lich zusam¬≠men¬≠ge¬≠schraubt war und im Orbit schweb¬≠te, war mir das so pie¬≠pe¬≠gal, als ob in Kan¬≠ton ein Reis¬≠korn vom Tisch gefal¬≠len w√§re.

Ande­re sind nicht so leicht davon­ge­kom­men. Wei­ter­le­sen

Gärten des Grauens

Jeder kennt das: Der Rasen sieht aus wie ein Tep¬≠pich. Die gehark¬≠ten Wege drum her¬≠um ver¬≠lau¬≠fen wie mit dem Line¬≠al gezo¬≠gen. Damit das Gras nicht √ľber die R√§n¬≠der wuchert, hat man es mit Spe¬≠zi¬≠al¬≠werk¬≠zeug gestutzt und zur Sicher¬≠heit noch genau gleich¬≠m√§¬≠√üig den Rand des Sodens neben der Weg¬≠ein¬≠fas¬≠sung abge¬≠sto¬≠chen. Auf den Bee¬≠ten fin¬≠det sich nicht eine ein¬≠zi¬≠ge ver¬≠welk¬≠te Bl√ľ¬≠te, daf√ľr ist alles h√ľbsch in Torf ein¬≠ge¬≠packt, und an den schat¬≠ti¬≠gen Stel¬≠len kommt die che¬≠mi¬≠sche Keu¬≠le zum Ein¬≠satz, um den Giersch aus¬≠zu¬≠mer¬≠zen. Pas¬≠send dazu eine Gar¬≠ten¬≠m√∂¬≠bel¬≠gar¬≠ni¬≠tur, von deren leder¬≠nen Sitz¬≠fl√§¬≠chen man essen k√∂nn¬≠te, und eine Hecke, die alle zwei Wochen mit der Nagel¬≠sche¬≠re auf 1 Meter 55 gehal¬≠ten wird. Im Herbst nicht ein ein¬≠zi¬≠ges Blatt Laub. Und wenn doch, wird sofort die H√∂l¬≠len¬≠ma¬≠schi¬≠ne ange¬≠wor¬≠fen, um es wegzublasen.

War¬≠um macht man so etwas? Muss das sein? Ist das sch√∂n? Sicher, auch Hip¬≠pie-G√§r¬≠ten brau¬≠chen Pfle¬≠ge, und dass der Giersch sich √ľber¬≠all breit macht, ist nir¬≠gend¬≠wo ger¬≠ne gese¬≠hen. Aber war¬≠um muss alles so geord¬≠net und geo¬≠me¬≠trisch sein? Was treibt Men¬≠schen dazu, viel Schwei√ü und Arbeit dar¬≠in zu inves¬≠tie¬≠ren, jedes biss¬≠chen Leben¬≠dig¬≠keit aus ihren G√§r¬≠ten zu vertreiben?

Gut, sagt ihr, das sind Spie¬≠√üer, und Spie¬≠√üer sind eben so. Aber da macht man es sich in biss¬≠chen leicht. Was ist das schlie√ü¬≠lich √ľber¬≠haupt, ein Spie¬≠√üer? Und war¬≠um mag er kei¬≠nen Wild¬≠wuchs? Er k√∂nn¬≠te sich ja vor den Fern¬≠se¬≠her h√§n¬≠gen (ja, es han¬≠delt sich meist um √§lte¬≠re Zeit¬≠ge¬≠nos¬≠sen), ein Bier auf¬≠ma¬≠chen und in Ruhe das Gras wach¬≠sen las¬≠sen. Was st√∂rt ihn daran?

Und was mag er da in Wirk¬≠lich¬≠keit nicht? Gehen wir in der Zeit zur√ľck, ein paar hun¬≠dert oder tau¬≠send Jah¬≠re. Da gab es noch wirk¬≠li¬≠che Wild¬≠nis, rie¬≠si¬≠ge W√§l¬≠der vol¬≠ler gef√§hr¬≠li¬≠cher Tie¬≠re und wild wuchern¬≠der Natur. Und dann kamen Leu¬≠te mit Stein¬≠√§x¬≠ten, sp√§¬≠ter waren sie aus Metall, und f√§ll¬≠ten B√§u¬≠me, bau¬≠ten aus dem Holz und Lehm geo¬≠me¬≠trisch sau¬≠ber geord¬≠ne¬≠te Struk¬≠tu¬≠ren, in denen sie leb¬≠ten, und teil¬≠ten das gero¬≠de¬≠te Land in vier¬≠ecki¬≠ge St√ľ¬≠cke, auf denen Sie Boh¬≠nen oder Ein¬≠korn anbau¬≠ten und die sie mit Flecht¬≠z√§u¬≠ne gegen das im Wald wei¬≠den¬≠de Vieh und fre¬≠che Rehe sch√ľtz¬≠ten. Jedes ein¬≠ge¬≠z√§un¬≠te St√ľck Land war ein Sieg √ľber die Natur, die das Men¬≠schen¬≠tier in sei¬≠ner Inkar¬≠na¬≠ti¬≠on als J√§ger und Samm¬≠ler nur recht d√ľrf¬≠tig an ihren Sch√§t¬≠zen teil¬≠ha¬≠ben lie√ü. Gera¬≠de Lini¬≠en sind prak¬≠tisch, um beim Pfl√ľ¬≠gen nicht die Ori¬≠en¬≠tie¬≠rung zu ver¬≠lie¬≠ren, und wer sein Gem√ľ¬≠se von Wild¬≠kr√§u¬≠tern √ľber¬≠wu¬≠chern l√§sst, wird im n√§chs¬≠ten Win¬≠ter Pro¬≠ble¬≠me haben, an aus¬≠rei¬≠chend Vit¬≠ami¬≠ne zu kommen.

So weit, so gut. Aber, so sagt ihr zu Recht, das gilt heu¬≠te doch gar nicht mehr. Drau¬≠√üen, jen¬≠seits des Gar¬≠ten¬≠zauns erstreckt sich kei¬≠ne wuchern¬≠de Wild¬≠nis, son¬≠dern ein eben¬≠so geo¬≠me¬≠trisch geord¬≠ne¬≠tes Acker¬≠land, auf dem hekt¬≠ar¬≠wei¬≠se √∂de Mono¬≠kul¬≠tu¬≠ren aus Raps, Wei¬≠zen oder Mais anein¬≠an¬≠der¬≠ge¬≠reiht ste¬≠hen. In Deutsch¬≠land gibt es nicht ein ein¬≠zi¬≠ges Fle¬≠cken Erde, dass dem Gestal¬≠tungs¬≠wil¬≠len des Men¬≠schen ent¬≠kom¬≠men w√§re, sogar ‚ÄúNatio¬≠nal¬≠parks‚ÄĚ muss man ein¬≠rich¬≠ten und so ummo¬≠deln, dass sie aus¬≠se¬≠hen wie der Urwald, von dem die St√§d¬≠ter tr√§u¬≠men. Und trotz¬≠dem wird der eige¬≠ne Gar¬≠ten gehegt und gepflegt, als gel¬≠te es immer noch, die b√∂se Natur im Schach zu hal¬≠ten, die einem die Fr√ľch¬≠te schwei√ü¬≠trei¬≠ben¬≠der Feld¬≠ar¬≠beit weg¬≠neh¬≠men will. Haben sich die Leu¬≠te nur irgend¬≠wie im Jahr¬≠hun¬≠dert geirrt oder k√∂n¬≠nen ein¬≠fach nicht von alten Gewohn¬≠hei¬≠ten lassen?

Die Ant¬≠wort d√ľrf¬≠te tief in den dunk¬≠len Geheim¬≠nis¬≠sen der deut¬≠schen See¬≠le, ja der See¬≠le des Euro¬≠p√§¬≠ers schlecht¬≠hin ver¬≠bor¬≠gen lie¬≠gen. Nein, ich kom¬≠me jetzt nicht mit Freuds ana¬≠ler Pha¬≠se und Ador¬≠nos auto¬≠ri¬≠t√§¬≠rem Cha¬≠rak¬≠ter. Sehen wir uns lie¬≠ber an, was C.G. Jung in Traum und Traum¬≠deu¬≠tung √ľber die Bezie¬≠hung des Unbe¬≠wuss¬≠ten zur Natur zu sagen hatte:

Wir haben kei­ne Busch­see­le mehr, die uns mit einem wil­den Tier iden­ti­fi­ziert. Unse­re direk­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Natur ist zusam­men mit der damit ver­bun­de­nen beträcht­li­chen emo­tio­na­len Ener­gie im Unbe­wuss­ten versunken.

Soll¬≠te der Gar¬≠ten des Grau¬≠ens also eine Art unbe¬≠wuss¬≠ter Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠on mit der Natur sein? Noch zen¬≠tra¬≠ler ist hier wohl der Vor¬≠gang der Pro¬≠jek¬≠ti¬≠on: Die Inhal¬≠te des Unbe¬≠wuss¬≠ten k√∂n¬≠nen wir direkt nicht erfas¬≠sen (sonst w√§re es ja nicht unbe¬≠wusst), son¬≠dern nur auf dem Wege der Pro¬≠ji¬≠zie¬≠rung die¬≠ser Inhal¬≠te auf die Objek¬≠te der Au√üen¬≠welt. Die¬≠se Pro¬≠ji¬≠zie¬≠rung funk¬≠tio¬≠niert ganz auto¬≠ma¬≠tisch, und sie funk¬≠tio¬≠niert des¬≠halb, weil es irgend¬≠et¬≠was in die¬≠ser Au√üen¬≠welt gibt, das √ľber eine asso¬≠zia¬≠ti¬≠ve gedank¬≠li¬≠che Ver¬≠kn√ľp¬≠fung mit einem Inhalt der unbe¬≠wuss¬≠ten Psy¬≠che par¬≠al¬≠lel gesetzt wer¬≠den kann.

Was aber fin¬≠den wir, wenn wir tief in das Unbe¬≠wuss¬≠te des abend¬≠l√§n¬≠di¬≠schen Chris¬≠ten¬≠men¬≠schen eben¬≠so wie in das sei¬≠nes athe¬≠is¬≠tisch-auf¬≠ge¬≠kl√§r¬≠ten Vet¬≠ters schau¬≠en? All jene m√ľh¬≠sam ver¬≠dr√§ng¬≠te Wild¬≠heit, Grau¬≠sam¬≠keit und Unb√§n¬≠dig¬≠keit, die wir tra¬≠di¬≠tio¬≠nell der ‚ÄúNatur‚ÄĚ zuschrei¬≠ben (mit his¬≠to¬≠risch durch¬≠aus guten Gr√ľn¬≠den, sie¬≠he oben), und die vom Chris¬≠ten¬≠tum zu den Wer¬≠ken des Satans gez√§hlt, von der Auf¬≠kl√§¬≠rung aber in die Schmud¬≠del¬≠ecke des Aso¬≠zia¬≠len ver¬≠wie¬≠sen wird ‚Äď mit jeweils √§hn¬≠li¬≠chem Resul¬≠tat. C.G. Jung zufol¬≠ge ist das gro¬≠√üe Pro¬≠blem der euro¬≠p√§i¬≠schen Kul¬≠tur die feh¬≠len¬≠de Inte¬≠gra¬≠ti¬≠on die¬≠ses ‚ÄúSchat¬≠ten¬≠ar¬≠che¬≠typs‚ÄĚ in die Gesamt¬≠per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keit, d. h. die ein¬≠sei¬≠ti¬≠ge Beto¬≠nung des Chris¬≠tus¬≠vor¬≠bilds, das noch im Ide¬≠al des auf¬≠ge¬≠kl√§r¬≠ten Men¬≠schen wei¬≠ter¬≠wirkt, der sich Tech¬≠nik und Natur¬≠wis¬≠sen¬≠schaf¬≠ten bedient, um die Welt sei¬≠nem Wil¬≠len zu unter¬≠wer¬≠fen. Ein voll ent¬≠wi¬≠ckel¬≠tes ‚ÄúSelbst‚ÄĚ kann erst ent¬≠ste¬≠hen, wenn der Schat¬≠ten im Ver¬≠lauf einer Indi¬≠vi¬≠dua¬≠ti¬≠on bewusst und zum akzep¬≠tier¬≠ten Teil der Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keit wird ‚Äď ohne die¬≠se zu beherr¬≠schen und ohne die F√§hig¬≠keit des Men¬≠schen zum Leben in Gemein¬≠schaft mit ande¬≠ren zu beeintr√§chtigen.

Das ist nat√ľr¬≠lich eine schwie¬≠ri¬≠ge Kunst, die der Psy¬≠che eini¬≠ges an Ener¬≠gie abver¬≠langt (‚ÄúEs muss aller¬≠dings aner¬≠kannt wer¬≠den, da√ü man nichts schwe¬≠rer ertr√§gt als sich selbst.‚ÄĚ, C.G. Jung: Die Bezie¬≠hun¬≠gen zwi¬≠schen dem Ich und dem Unbe¬≠wu√ü¬≠ten, Zwei¬≠ter Teil, Die Indi¬≠vi¬≠dua¬≠ti¬≠on, S. 110), und so ver¬≠wun¬≠dert es nicht, dass man den gan¬≠zen Plun¬≠der am liebs¬≠ten ein¬≠fach in den Kel¬≠ler tr√§gt, mit g√∂tt¬≠li¬≠chem Bei¬≠stand die T√ľr zum Auf¬≠gang ver¬≠ram¬≠melt und hofft, ihn dadurch los¬≠zu¬≠wer¬≠den. Was nat√ľr¬≠lich nie¬≠mals gelingt.

Denn der Schat¬≠ten klopft sofort wie¬≠der an der Vor¬≠der¬≠t√ľr an und will her¬≠ein, dies¬≠mal aber nicht als offen¬≠sicht¬≠li¬≠cher Teil der eige¬≠nen Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keit, son¬≠dern in Gestalt des macht¬≠l√ľs¬≠ter¬≠nen Aus¬≠l√§n¬≠ders (die eige¬≠ne Macht¬≠lust!), des hab¬≠gie¬≠ri¬≠gen Juden (die eige¬≠ne Hab¬≠gier!), des gei¬≠zi¬≠gen Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠ten (der eige¬≠ne Geiz!) oder eben in Form der wild wuchern¬≠den Natur, die man unbe¬≠dingt in Schach hal¬≠ten muss, um die eige¬≠ne Wild¬≠heit nicht aner¬≠ken¬≠nen zu m√ľs¬≠sen. So wird doch auf recht ein¬≠fa¬≠che Wei¬≠se ein Schuh draus ‚Äď der Gar¬≠ten Eden in der west¬≠li¬≠chen Tra¬≠di¬≠ti¬≠on ist nun mal ein Gar¬≠ten, kein Urwald. Man fin¬≠det die¬≠se Men¬≠ta¬≠li¬≠t√§t nicht zuf√§l¬≠lig beson¬≠ders aus¬≠ge¬≠pr√§gt in den pro¬≠tes¬≠tan¬≠ti¬≠schen Gebie¬≠ten, wo der Kampf mit dem Teu¬≠fel bekannt¬≠lich im eige¬≠nen Gewis¬≠sen aus¬≠ge¬≠foch¬≠ten wer¬≠den muss, w√§h¬≠rend man katho¬≠li¬≠scher¬≠seits wie √ľblich ein biss¬≠chen g‚Äôschlamperter sein kann, weil man‚Äôs in der Beich¬≠te dann ja eh wie¬≠der loswird.

Wie die¬≠se Men¬≠ta¬≠li¬≠t√§t in den letz¬≠ten zwei¬≠hun¬≠dert Jah¬≠ren die Umwand¬≠lung Deutsch¬≠lands in die wohl¬≠ge¬≠ord¬≠ne¬≠te √Ėdnis unse¬≠rer Gegen¬≠wart vor¬≠an¬≠ge¬≠trie¬≠ben hat, wird ein¬≠ge¬≠hend ‚Äď wenn auch ohne die Bezug¬≠nah¬≠me auf das Unbe¬≠wuss¬≠te und die Ana¬≠ly¬≠ti¬≠sche Psy¬≠cho¬≠lo¬≠gie ‚Äď in dem sehr erhel¬≠len¬≠den Buch Die Erobe¬≠rung der Natur: Eine Geschich¬≠te der Deut¬≠schen Land¬≠schaft des bri¬≠ti¬≠schen His¬≠to¬≠ri¬≠kers David Black¬≠bourne beschrie¬≠ben. Wir sehen hier in dem Spie¬≠gel, den uns ein aus¬≠l√§n¬≠di¬≠scher Wis¬≠sen¬≠schaft¬≠ler vor¬≠h√§lt, all jene ‚Äúgro¬≠√üen Pro¬≠jek¬≠te‚ÄĚ, mit denen die Deut¬≠schen ihre Natur unter¬≠wor¬≠fen haben ‚Äď von der Begra¬≠di¬≠gung des Rheins durch Tul¬≠la √ľber die Tro¬≠cken¬≠le¬≠gung des Oder¬≠bruchs und die Ein¬≠dei¬≠chung der nord¬≠west¬≠deut¬≠schen See¬≠mar¬≠schen bis hin zu den Kul¬≠ti¬≠vie¬≠rungs¬≠pro¬≠jek¬≠ten der Nazis im besetz¬≠ten Ost¬≠eu¬≠ro¬≠pa. Zwar sahen eini¬≠ge Zeit¬≠ge¬≠nos¬≠sen auch den enor¬≠men Ver¬≠lust an Bio¬≠di¬≠ver¬≠si¬≠t√§t, den etwa Theo¬≠dor Fon¬≠ta¬≠ne am Bei¬≠spiel des Oder¬≠bruchs als ‚ÄúVer¬≠nich¬≠tungs¬≠krieg gegen Wild¬≠bret und Gefl√ľ¬≠gel‚ÄĚ bezeich¬≠ne¬≠te, aber viel wich¬≠ti¬≠ger ist das Gef√ľhl der neu¬≠en Sied¬≠ler und ihrer Nach¬≠kom¬≠men, nun in einem ‚ÄúPara¬≠dies‚ÄĚ zu leben (das dann im Fall der Gebie¬≠te √∂st¬≠lich der Oder nach 1945 zu einem ‚Äúver¬≠lo¬≠re¬≠nen‚ÄĚ Para¬≠dies wur¬≠de), das von Men¬≠schen¬≠hand in √úber¬≠ein¬≠stim¬≠mung mit dem g√∂tt¬≠li¬≠chen Plan geschaf¬≠fen wor¬≠den war.

Zwangs¬≠l√§u¬≠fig konn¬≠ten Ver¬≠trie¬≠ben¬≠en¬≠dich¬≠ter wie Agnes Mie¬≠gel die Abtre¬≠tung der Hei¬≠mat an Polen und die Sowjet¬≠uni¬≠on auch nicht anders sehen als unter dem Vor¬≠zei¬≠chen einer vor¬≠geb¬≠li¬≠chen R√ľck¬≠kehr der Wildnis:

O kalt weht der Wind √ľber lee¬≠res Land,
O leich¬≠ter weht Asche als Staub und Sand!
Und die Nes¬≠sel w√§chst hoch an geborst¬≠ner Wand,
Aber höher die Dis­tel am Ackerrand!

Fr√ľ¬≠her aber:

Da wog¬≠te der Rog¬≠gen wie See so weit,
Da klang aus den Erlen der Spros­ser Singen
Wenn Her­de und Foh­len zur Trän­ke gingen,
Hof auf, Hof ab, wie ein Herz so sacht,
Klang das Klop¬≠fen der Sen¬≠sen in hel¬≠ler Nacht,
Und Heu¬≠kahn an Heu¬≠kahn lag still auf dem Strom

[…]

Gar¬≠be an Gar¬≠be im Fel¬≠de stand.
H√ľgel auf, H√ľgel ab, bis zum H√ľnengrab
Stan¬≠den die Hocken, brot¬≠duf¬≠tend und hoch,

(Agnes Mie­gel, Es war ein Land)

Hier klingt das Bild einer wohl¬≠ge¬≠ord¬≠ne¬≠ten, gr√ľ¬≠nen Kul¬≠tur¬≠land¬≠schaft an, die der wil¬≠den Natur abge¬≠run¬≠gen wur¬≠de, und die nun wie¬≠der, unter sowje¬≠ti¬≠scher Herr¬≠schaft, in den Zustand der wil¬≠den, z√ľgel¬≠lo¬≠sen Natur zur√ľck¬≠kehrt, der die deut¬≠schen Sied¬≠ler einst¬≠mals Ein¬≠halt gebo¬≠ten hatten.

Das also ist das anfangs beschrie¬≠be¬≠ne Spie√ü¬≠er¬≠gl√ľck: ein Gar¬≠ten Eden, aus dem alles B√∂se und Wil¬≠de ver¬≠trie¬≠ben wur¬≠de und des¬≠sen Gren¬≠zen st√§n¬≠dig gegen den Wie¬≠der¬≠ein¬≠fall der ver¬≠dr√§ng¬≠ten D√§mo¬≠nen des eige¬≠nen Unbe¬≠wuss¬≠ten ver¬≠tei¬≠digt wer¬≠den m√ľs¬≠sen. Him¬≠mel hilf den armen, ver¬≠lo¬≠re¬≠nen See¬≠len! Jungs gro¬≠√ües Pro¬≠jekt der Indi¬≠vi¬≠dua¬≠ti¬≠on und der Inte¬≠gra¬≠ti¬≠on des Schat¬≠tens ist so n√∂tig wie eh und je, und mit jedem Tag w√§chst die Sehn¬≠sucht nach Wildnis.

Trotz­dem muss ich jetzt mal raus und das Aus­le­ger­wirr­war im Erd­beer­beet besei­ti­gen. Man muss halt irgend­wie die Balan­ce finden…

 

 

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