Bernd Ohm

Autorenblog

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1929 mit Ufos

Historiker sollten sich eigentlich keine historischen Filme ansehen, man ärgert sich ja doch bloß. Manchmal ist allerdings die Versuchung zu groß – zum Beispiel konnte man in der ARD-App gerade die ersten beiden Staffeln von Babylon Berlin bingen, und man hatte doch so viel davon gelesen …

Mein Eindruck? Ich schwanke zwischen Enthusiasmus und mittelschwerer Genervtheit. Einerseits sind Kamera, Ausstattung, Licht und Drehbuch wirklich toll. Die Schauspieler machen einen exzellenten Job (allen voran Peter Kurth), und man kann mal sehen, was in ihnen steckt, wenn sie vor höheren Anforderungen stehen als dem durchschnittlichen deutschen Fernsehkrimi. Sogar die ziemlich unplausible Anlage der Rolle von Lotte Ritter (einerseits kunstseidenes Mädchen, andererseits Möchtegern-Polizistin) und die alberne »Chicagoisierung« der Berliner Ringvereine lass ich mal durchgehen, man kann ja nicht immer nur meckern.

Was mir allerdings wirklich sauer aufstößt, sind die Szenen im Nachtleben. Es muss eine fatale Produktionskonferenz gegeben haben, bei der man beschloss, quasi als Brechtschen V-Effekt Bordelle, Nachtbars und das »Moka Efti« wie Ufos zu inszenieren, die per Zeitreise aus dem Berlin der Jetztzeit in die Weimarer Republik gebeamt wurden. Das Lied der russischen Gräfin hört sich an, als ob irgendwo noch eine alte »Rosenstolz«-Demokassette herumlag, die man mit allerlei Soundtechnik zur Techno-Minioper aufgeblasen hat. In der letzten Folge der ersten Staffel gab’s den Delta-Blues. Und dann zappeln sie alle herum, als ob sie gerade im »Berghain« oder im »KitKat Club« wären. Man merkt die Absicht – he, Zuschauer: dieser Tanz auf dem Vulkan damals ist genauso wie dein eigener Tanz!!! – und ist verstimmt. So viel Holzhammer muss doch nun wirklich nicht sein … Wenn man, wie ich, die Populärmusik der Weimarer Republik mit ihrer unnachahmlichen Mischung aus jüdisch-ironischer Leichtigkeit und deutsch-sentimentaler Melancholie für eine der edelsten Hervorbringungen der mitteleuropäischen Kultur überhaupt hält, leidet man beim Zuschauen tausend Qualen.

Na gut. Ich guck trotzdem weiter. Hier ein bisschen wirkliche Musik von damals:

Panik auf dem Narrenschiff

Politik ist natürlich auch immer irgendwie Familiendrama: Die CDU spielt dabei die Rolle der etwas altmodischen Eltern, die den Laden zusammenhalten müssen, die SPD ist die streberhafte Tochter mit eigener Familie, die im Management einer gemeinnützigen Organisation arbeitet, die FDP der kinderlose Sohn mit Zahnarztpraxis, und die AfD gibt den peinlichen Onkel, der auf der Konfirmationsfeier zu später Stunde anfängt, im Suff die erste Strophe des Deutschlandlieds zu singen. Die Grünen hingegen sind der ewig jugendliche Rebell, der alle mit seinem kompromisslosen Moralismus und seinen radikalen Ideen nervt. Er hat zwar die anderen dazu gebracht, ihren Müll zu trennen und Biofleisch zu kaufen (selbst die Eltern geben zu, dass es besser schmeckt), aber niemand würde erwarten, dass er irgendwann einmal Familienvorstand wird. Am allerwenigsten er selbst.

In diesem Sinne ist wohl die Beklemmung zu verstehen, die Robert Habeck bei seinen Fernsehinterviews am Sonntagabend nach der Europawahl deutlich anzumerken war. Die Wahlergebnisse legen nahe, dass der Grünen-Kapitän sein »Narrenschiff Utopia« (FJS) demnächst zum Staatsdampfer umtakeln muss und damit vor der unangenehmen Aufgabe steht, all den großen Worten endlich Taten folgen zu lassen. Aber wie soll das gehen? Die Grünen haben vor langer Zeit das Ziel eines fundamentalen Wandels aufgegeben und sich dem Märchen verschrieben, man könne den großen, Ressourcen und Energie verschlingenden Behemoth Industriegesellschaft am Leben erhalten (und ihm gleichzeitig seine suizidale Tendenz nehmen), indem man ihn mit Sonnen- und Windenergie antreibt und mit seinen eigenen Ausscheidungen füttert. In den Worten von weiland Rudolf Bahro: die Brücke der Titanic mit Sonnenblumen schmücken.

Die Wähler lieben diese Geschichte, weil sie ihnen das beruhigende Gefühl verschafft, irgendwie ihren eigenen, ressourcen- und energieverschlingenden Lebensstil (wir sind selbst der Behemoth!) aufrechterhalten zu können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Irgendjemand wird schon ein Passagierflugzeug bauen, das mit Strom fliegt. Irgendjemand wird Power-to-Fuel so billig machen, dass auch die Unterschichten damit ihre Autos betanken können. Irgendjemand wird ein intelligentes Netz konzipieren, das den Strom bedarfsgerecht verteilt, auch wenn es keine Atom- und Kohlekraftwerke mehr gibt.

Aber Habeck ist nicht dumm. Irgendwo tief in sich drin wird er schon ahnen, dass er auf der Welle eines Schneeballsystems segelt, die in absehbarer Zukunft auf den Strand schlagen wird. Irgendwann wird man merken, dass es wenig Sinn hat, ab und zu mal auf eine Flugreise zu verzichten, wenn gleichzeitig in China dutzende neuer Flughäfen entstehen. Irgendwann wird die monströse Steuerlast dazu führen, dass auch hierzulande die Unterschichten die gelben Westen anziehen, den Knüppel in die Hand nehmen und den bösen Onkel wählen. Irgendwann wird die Bundesregierung zugeben müssen, dass man fossile und Kernkraftwerke gar nicht abschalten kann, ohne einen landesweiten Blackout mit katastrophalen Folgen zu riskieren. Und wer möchte dann schon Kapitän sein …?

Auf der Blutbeeren-Brücke

Ein Lied, das ich gerade dauernd höre, verrät einem wahrscheinlich mehr über die Aussichten, dass wir jemals die »Vereinigten Staaten von Europa« gründen werden, als sämtliche Wahlprogramme zur Europawahl zusammen. Dabei hat es gar nichts mit der EU zu tun, sondern stammt aus einem 2007 erschienenen Konzeptalbum der polnischen Sängerin Aga Zaryan über den Aufstand der »Polnischen Heimatarmee« gegen die deutschen Besatzer im Spätsommer und Herbst 1944. Wer jetzt brechtisch-biermanneske Bedeutungshuberei erwartet, liegt allerdings völlig daneben: Zaryan ist als Jazz-Interpretin weit über die Grenzen ihres Heimatlands hinaus bekannt, die musikalische Umsetzung ist dementsprechend, und der Text ist weder heroisch-patriotisch, noch prangert er in flammenden Farben die apokalyptische Zerstörungswut an, mit der in jenem Jahr Wehrmacht, SS und ihre osteuropäischen Hilfstruppen (von Lehmann in Wolfsstadt immer als »Kosaken oder Kalmücken oder so« verunglimpft) die polnische Hauptstadt überzogen.

Stattdessen wird hier ein Gedicht der außerhalb ihres Heimatlands mehr oder weniger unbekannten Dichterin Krystyna Krahelska vertont, die währen der deutschen Besatzung selbst bei den Partisanen kämpfte, am Warschauer Aufstand als Sanitäterin der Heimatarmee teilnahm und dabei gleich in den ersten Augusttagen ihr Leben lassen musste. Hier eine Ad-hoc-Übersetzung der ersten Strophen:

Ich ging über die Blutbeeren-Brücke
Die Blutbeeren-Brücke schaukelte
Der Wind pfiff ein Lied über das Schilf
Und schrieb mit Federn in das Wasser

Die roten Beeren fielen
Bis auf den Grund des dunklen Wassers
Ich ging über die Blutbeeren-Brücke
Die Blutbeeren-Brücke bog sich nach unten

Ich wollte mich an dich erinnern
Aber du bist mir nicht eingefallen
Da waren Räder auf dem dunklen Wasser
Da war ein Blutbeeren-Herz in mir

Man denkt unwillkürlich an die düstere Welt, in der Andrzej Sapkowskis Romane und The Witcher spielen, und in der Tat ist Kalinowy Most, die »Schneeball-« oder »Blutbeeren-Brücke«, in den altslawischen Märchen und Heldensagen eine Brücke zwischen der Welt der Lebenden und der Toten und der Ort des Kampfes zwischen Gut und Böse. Eine düstere Vorahnung des eigenen Todes liegt in Krahelskas Zeilen ebenso wie die Angst des Soldaten am Abend vor dem Angriff, die Trauer um tote Kameraden und die Schwere des Schicksals, das auf dem Land lastet. Auf deutsche Verhältnisse übertragen: als würde Lisa Bassenge ein Lied über die Münchner Räterepublik singen, in dem die rechtsradikalen Freikorps mit Muspells Söhnen beim Ragnarök verglichen werden.

Ein solches Lied werden wir wohl niemals zu hören bekommen, was schon auf einen gewichtigen Unterschied beim Blick auf die eigene Geschichte und Überlieferung dies- und jenseits der Oder hindeutet: In Polen schämt man sich nicht für seine Vorfahren, man ist stolz drauf, nie das Haupt gebeugt zu haben – selbst wenn keine der zahlreichen Erhebungen zur Zeit der Partitionen oder dann im Kommunismus jemals von Erfolg gekrönt war. Und der souveräne Nationalstaat wird weithin nicht als Quelle allen Übels gesehen, sondern als endlich eingelöstes Versprechen nach einer langen Durststrecke, während derer man unter der Knute der mächtigen Nachbarn stand und nicht einmal einen eigenen Staat vorweisen konnte. Geschweige denn, dass man seine Flagge auf fernen Kontinenten aufgepflanzt oder mit afrikanischen Sklaven gehandelt hätte.

Man sagt ja, dass jedes Land seine eigene Erwartungen an das geeinte Europa hat: Für die Franzosen sei es ein Mittel, ihren eigenen Einfluss in der Welt halbwegs auf dem von früher gewohnten Niveau zu halten, für die Südländer ein Weg zum Reichtum des Nordens, für die Deutschen die Hoffnung, keine Deutschen mehr sein zu müssen, sondern »Europäer«. Für Polen und die anderen kleinen Länder Ostmitteleuropas ist es ein sicherer Hafen, in dem sie vor den Zumutungen des großen östlichen Nachbarn geschützt sind. Aber eben ein Hafen, in dem man anlegen kann; kein Schiffsfriedhof, auf dem man abwracken muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich jemals in Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Europa verwandeln werden, ist praktisch null. Was also werden die Pan-Europäer tun, wenn sie ihren Willen nicht bekommen, die Panzer wieder in Bewegung setzen und dort einmarschieren …?

Kleiner Nachtrag: Anna Maria Jopek haut in die gleiche Kerbe …

 

 

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Der Teufel und die Phase Drei

Faust wäre eigentlich der Mann der Stunde. Sein unstillbarer Wissensdurst, seine maßlose Dynamik und Machtgier, seine Sehnsucht nach Rausch und Spiritualität – all das sind zweifellos immer noch wir. Auch einen nicht ganz unbedeutenden Teufelspakt haben wir geschlossen, der uns die wissenschaftliche Revolution, fossile Brennstoffe und tausend unverzichtbare technische Helferlein beschert hat, nun aber langsam darauf zusteuert, dass der Fürst der Finsternis seinen üblichen Lohn einfordert. Nicht ganz zufällig hat Spengler unsere Kultur, die im Spätmittelalter aus der Ursuppe von Alchimie und Entdeckungsfahrten entstand, als »faustisch« bezeichnet.

Was wohl das heutige Theater daraus macht? Ich bin leider nicht so im Thema drin – das letzte positive Bühnenerlebnis, an das ich mich erinnern kann, muss irgendwann gegen Ende der 1980er Jahre in den Münchner Kammerspielen gewesen sein; ich glaube, es war eine Aufführung von Tschechows Möwe. Die Kostüme entsprachen der Zeit des Stückes, das Bühnenbild sah aus wie ein russischer Gutshof Ende des 19. Jahrhunderts von innen ausgesehen haben mag, und die Schauspieler verkörperten die Rollen so, wie es der Autor vorgesehen hatte, ohne dass der Text einer Figur auf verschiedene Sprecher verteilt wurde oder ein einsamer Mime sämtliche Rollentexte mit verstellter Stimme aus dem Reclam-Heft ablas. Nicht mal Videoeinspielungen oder Gesangseinlagen gab es. Später ging ich immer seltener ins Theater; irgendwann habe ich es ganz aufgegeben.

Ich schweife ab. Vor kurzem entdeckte ich das Konterfei Mephistos auf dem Cover einer etwas merkwürdigen, nach einem römischen Schriftsteller benannten Zeitschrift, die mir eine Erklärung dafür versprach, »was Goethes Meisterwerk unsterblich macht«. Gesehen, gekauft, ärgerlich wieder weggelegt. Der Haupttext mäandert so vor sich hin, irgendwas mit Gretchen und »Metoo« sowie eine Parade der absonderlichsten Inszenierungsideen, die gerade auf den deutschsprachigen Bühnen im Umlauf sind. Wichtiger als der Inhalt des Stücks scheint mittlerweile zu sein, welche Rolle der Goethekult im »3. Reich« spielte. Ein paar Seiten weiter meint irgendjemand sogar, der Dichterfürst hätte etwas gegen Bodenspekulation schreiben wollen … Der einzige, der auch nur in die Nähe des Problems kommt, ist ein gewisser Nicolas Stemann, der aber auf halbem Weg stehenbleibt und Goethes Drama der »Geburt des modernen Kapitalismus« zuweist – als wäre Fausts grandiose Neulandgewinnung nicht ebenso gut ein Vorläufer kommunistischer oder faschistischer Megaprojekte. Mephisto, das ist ja das Dilemma, hat die Moderne insgesamt gebracht, nicht nur die liberal-kapitalistische Variante.

Thema also leider verfehlt. Woran mag das liegen? Vielleicht daran, dass wir noch nicht bereit für die Depression sind. Nein, das ist jetzt keine erneute Abschweifung – ich meine damit die dritte der fünf Phasen des Sterbeprozesses, die um 1970 von der schweizerisch-amerikanischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross in ihrem Buch Interviews mit Sterbenden identifiziert wurden. Kübler-Ross hatte aus ihrer Beschäftigung mit Todeskandidaten die Erkenntnis gewonnen, dass die meisten Menschen auf die Nachricht ihres bevorstehenden Todes zunächst mit Nichtwahrhabenwollen (denial), dann mit Zorn (anger) und Verhandeln (bargaining), schließlich mit trauernder Depression (depression and grief) und Hinnahme (acceptance) reagieren.

Das Modell lässt sich problemlos auf die langsam allgemein dämmernde Erkenntnis übertragen, dass die Menschheit dank Mephistos Geschenk dabei ist, durch globale Erwärmung, Erschöpfung der Ressourcen und Naturzerstörung nachhaltig ihre eigene Existenzgrundlage zu beseitigen. Allerdings ist dabei nicht jeder gleich schnell: Bei ScienceFiles und in AfD-Kreisen etwa hat man sich fest in Phase Eins einbetoniert, während die Gelbwesten und die Extinction Rebels ungehemmt ihren Zorn ausleben und das Dark Mountain Project schon melancholisch überlegt, wie es nach dem Zusammenbruch weitergehen könnte.

Interessanter ist die dritte Phase, in der sich wohl die meisten von uns befinden. Kübler-Ross meinte damit den Glauben von Todgeweihten, das drohende Unheil etwa durch einen »Handel mit Gott« (indem man etwa sein Vermögen der Kirche stiftet) noch irgendwie abwenden zu können. Auch eine ganz banale Änderung ihrer Lebensweise kann angeboten werden: Wenn man sich radikal ändert, ab sofort aufhört zu rauchen, zu trinken, Drogen zu nehmen und ungesund zu essen, wenn man Sport treibt, meditiert und Yoga macht – dann könnte man doch noch ein paar Jahre herausschinden, oder …? Das entspricht in etwa unserer Hoffnung, wir müssten nur Unmassen von Windrädern in die Landschaft stellen, Dieselmotoren verbieten und genügend Geldmittel in die Wasserstoffforschung stecken, um damit den Untergang unserer Zivilisation nochmal ein Schnippchen zu schlagen. Wie in dem Märchen vom Bauern und dem Teufel, in dem der clevere Landmann den Höllenfürsten überlistet und ihm einen Schatz abtrotzt, ohne seine Seele dafür hergeben zu müssen.

Aber ist der Teufel wirklich so dumm? Damit wären wir wieder beim Fauststoff, der in seiner klassischen Variante, also in der Volkssage und in Marlowes Doktor Faustus, eine eindeutige Antwort darauf gibt: Der Wittenberger Gelehrte erhält als Lohn für den Verkauf seiner Seele einen von Drachen gezogenen Himmelswagen, eine Audienz beim Papst, eine Stellung als Berater des Kaisers, Zaubermittel jeder Art und als letztes Extra die Gunst der schönsten Frau der Antike, der berühmten Helena. Aber dann kommt die Nacht, in der abgerechnet wird, und es bleibt der Phantasie des Lesers oder Zuschauers überlassen, wie wohl die Blutspritzer und Gehirnreste, die sein Famulus am nächsten Morgen an den Wänden von Fausts Studierstube entdeckt, dorthin gekommen sein mögen.

Nicht so Goethe: Von den Idealen der Aufklärung beseelt konnte er seinen tragischen Helden nicht einfach so zur Hölle fahren lassen. Stattdessen läutert sich der Teufelspaktierer am Schluss, indem er den Sinn des Lebens darin findet, selbstlos den bedürftigen Massen durch sein großes Eindeichungsprojekt zu helfen und dadurch unsterblichen Ruhm zu erlangen. Mephisto hingegen mutiert ganz wie im Märchen zum lüsternen Trottel, der sich von den appetitlich anzusehenden Hintern der Engel ablenken lässt und dadurch Fausts Seele nicht mehr in die Hände bekommt. Eine Inkarnation der Großen Muttergöttin segnet alles ab, selbst die Sache mit Gretchen ist verziehen und vergeben, und ein mystischer Chor beschwört das »Ewig-Weibliche«.

Auf unsere Situation übertragen: Können wir trotz unserer vielen schweren Sünden darauf hoffen, doch noch das Ruder herumzureißen und Erlösung in einer sonnen- und windgetriebenen Welt zu finden, in der spirituell beseelte Naturverbundenheit und technische Zivilisation sich nicht mehr gegenseitig ausschließen? Oder gar, wie von Elon Musk und Jeff Bezos erträumt, mit neuem Schwung den Weltraum erobern und die Natur hier unten sich selbst überlassen …? Die Antwort darauf mag jeder sich selbst geben, aber ich würde vermutlich sogar wieder ins Theater gehen, wenn nur mal jemand den Faust unter diesem Aspekt inszenieren würde (aber bitte keine Reclam-Heftchen!) …

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