Es gibt der¬≠zeit lei¬≠der auf Deutsch kei¬≠ne zusam¬≠men¬≠h√§n¬≠gen¬≠de Dar¬≠stel¬≠lung des Nazi-V√∂l¬≠ker¬≠mords auf dem Gebiet der heu¬≠ti¬≠gen Ukrai¬≠ne f√ľr das all¬≠ge¬≠mei¬≠ne Publi¬≠kum. Im Bewusst¬≠sein der √Ėffent¬≠lich¬≠keit sind vor allem die Mas¬≠sa¬≠ker von Babyn Jar und Kamen¬≠ez-Podol¬≠sk geblie¬≠ben, die¬≠se stel¬≠len aber nur die Spit¬≠ze eines enor¬≠men Eis¬≠bergs dar: Sch√§t¬≠zun¬≠gen spre¬≠chen von meh¬≠re¬≠ren Hun¬≠dert¬≠tau¬≠send Juden und Roma, die damals in die¬≠sem Gebiet ermor¬≠det wur¬≠den, aller¬≠dings weni¬≠ger in den Gas¬≠kam¬≠mern der wei¬≠ter west¬≠lich im Gene¬≠ral¬≠gou¬≠ver¬≠ne¬≠ment gele¬≠ge¬≠nen Ver¬≠nich¬≠tungs¬≠la¬≠ger als viel¬≠mehr durch Aus¬≠hun¬≠ge¬≠rung und vor allem durch Erschie¬≠√üun¬≠gen. Aus die¬≠sem Grund ist es wohl ange¬≠bracht, die gr√∂¬≠√üe¬≠ren Ent¬≠wick¬≠lun¬≠gen, vor deren Hin¬≠ter¬≠grund ein Teil von Wolfs¬≠stadt spielt, kurz zu skizzieren.

Die dama¬≠li¬≠ge Ukrai¬≠ni¬≠sche Sozia¬≠lis¬≠ti¬≠sche Sowjet¬≠re¬≠pu¬≠blik (USSR) geriet nach Beginn des √úber¬≠falls auf die Sowjet¬≠uni¬≠on im Juni 1941 rela¬≠tiv schnell unter deut¬≠sche Besat¬≠zung. Nach der Kes¬≠sel¬≠schlacht von Kiew im Sep¬≠tem¬≠ber waren der Wes¬≠ten und die Mit¬≠te des Gebiets f√ľr die SU ver¬≠lo¬≠ren, f√ľr den Ost¬≠teil der USSR jen¬≠seits von Char¬≠kiw und Donezk war dies im Fr√ľh¬≠jahr 1942 der Fall. Im Sep¬≠tem¬≠ber 1941 wur¬≠de aus Gebie¬≠ten, die vor¬≠her dem Befehls¬≠ha¬≠ber des R√ľck¬≠w√§r¬≠ti¬≠gen Hee¬≠res¬≠ge¬≠biets (Ber√ľck) S√ľd bzw. dem Mili¬≠t√§r¬≠be¬≠fehls¬≠ha¬≠ber im Gene¬≠ral¬≠gou¬≠ver¬≠ne¬≠ment unter¬≠stellt waren, das Reichs¬≠kom¬≠mis¬≠sa¬≠ri¬≠at Ukrai¬≠ne gebil¬≠det, das bis zum Jahr 1943 bestand, als die Rote Armee die¬≠se Gebie¬≠te all¬≠m√§h¬≠lich wie¬≠der zur√ľckeroberte.

Im Gefolge der Panzer

Kiev_Jew_Killings_in_Ivangorod_(1942)

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In die¬≠sen bei¬≠den Jah¬≠ren spiel¬≠te sich die Ermor¬≠dung der ukrai¬≠ni¬≠schen Juden und Roma ab, bei der zwei Wel¬≠len unter¬≠schie¬≠den wer¬≠den k√∂n¬≠nen. Die ers¬≠te Wel¬≠le erfolg¬≠te unmit¬≠tel¬≠bar im Anschluss auf die Erobe¬≠rung durch die Wehr¬≠macht und wur¬≠de von den so genann¬≠ten Ein¬≠satz¬≠grup¬≠pen aus¬≠ge¬≠f√ľhrt. Die¬≠se Son¬≠der¬≠ver¬≠b√§n¬≠de bestan¬≠den zum Gro√ü¬≠teil aus SS-M√§n¬≠nern, aber auch aus Gesta¬≠po-Beam¬≠ten, Kri¬≠mi¬≠nal¬≠po¬≠li¬≠zis¬≠ten, SD-Leu¬≠ten und Ange¬≠h√∂¬≠ri¬≠gen der soge¬≠nann¬≠ten Ord¬≠nungs¬≠po¬≠li¬≠zei, die in ihrer ‚Äěnor¬≠ma¬≠len‚Äú Funk¬≠ti¬≠on in etwa der heu¬≠ti¬≠gen Schutz- und Bereit¬≠schafts¬≠po¬≠li¬≠zei ent¬≠sprach, aller¬≠dings wie alle Poli¬≠zei¬≠trup¬≠pen des Rei¬≠ches der SS unter¬≠stellt war. Die¬≠se Ein¬≠hei¬≠ten hat¬≠ten zun√§chst die Auf¬≠ga¬≠be, die erober¬≠ten Gebie¬≠te zu sichern und f√ľr die wirt¬≠schaft¬≠li¬≠che Aus¬≠beu¬≠tung vor¬≠zu¬≠be¬≠rei¬≠ten, aller¬≠dings f√ľhr¬≠ten sie von Anfang an auch Exe¬≠ku¬≠tio¬≠nen von ‚Äěj√ľdi¬≠schen Bol¬≠sche¬≠wis¬≠ten‚Äú durch, die sich im Lau¬≠fe der Zeit zu Mas¬≠sen¬≠er¬≠schie¬≠√üun¬≠gen aus¬≠wei¬≠te¬≠ten, bei denen auch Frau¬≠en und Kin¬≠der get√∂¬≠tet wurden.

Es ist his¬≠to¬≠risch nicht v√∂l¬≠lig gekl√§rt, wie es zu die¬≠ser Eska¬≠la¬≠ti¬≠on kom¬≠men konn¬≠te, f√ľr die kein zen¬≠tra¬≠ler Befehl nach¬≠weis¬≠bar ist, aber die Ent¬≠de¬≠ckung von Mas¬≠sen¬≠mor¬≠den, die der sowje¬≠ti¬≠sche Geheim¬≠dienst NKVD in den Gef√§ng¬≠nis¬≠sen der West¬≠ukrai¬≠ne an poli¬≠ti¬≠schen Gefan¬≠ge¬≠nen began¬≠gen hat¬≠te, der anti¬≠se¬≠mi¬≠ti¬≠sche Ver¬≠nich¬≠tungs¬≠wunsch der NS-Funk¬≠ti¬≠ons¬≠tr√§¬≠ger vor Ort und die Unter¬≠st√ľt¬≠zung durch die ein¬≠hei¬≠mi¬≠sche Bev√∂l¬≠ke¬≠rung, die eben¬≠falls ten¬≠den¬≠zi¬≠ell eher juden¬≠feind¬≠lich ein¬≠ge¬≠stellt war, d√ľrf¬≠ten wesent¬≠lich dazu bei¬≠getra¬≠gen haben. Zudem hat¬≠ten vie¬≠le gali¬≠zi¬≠sche Juden die Okto¬≠ber¬≠re¬≠vo¬≠lu¬≠ti¬≠on als Befrei¬≠ung begr√ľ√üt und dien¬≠ten der Sowjet¬≠uni¬≠on, in der sie zum ers¬≠ten Mal in ihrer Geschich¬≠te gleich¬≠be¬≠rech¬≠tig¬≠te B√ľr¬≠ger waren, tat¬≠s√§ch¬≠lich √ľber¬≠pro¬≠por¬≠tio¬≠nal h√§u¬≠fig als Funk¬≠tio¬≠n√§¬≠re und Verwaltungsbeamte.

Die Ein¬≠satz¬≠grup¬≠pen folg¬≠ten nun der vor¬≠r√ľ¬≠cken¬≠den Wehr¬≠macht nach Osten, trie¬≠ben Juden und Roma eines bestimm¬≠ten Ortes zusam¬≠men und erschos¬≠sen sie vor Gru¬≠ben fern¬≠ab der Sied¬≠lun¬≠gen im Wald, die die Mord¬≠op¬≠fer vor¬≠her selbst gra¬≠ben muss¬≠ten. Noch √ľber 60 Jah¬≠re sp√§¬≠ter berich¬≠te¬≠ten ukrai¬≠ni¬≠sche Augen¬≠zeu¬≠gen dem fran¬≠z√∂¬≠si¬≠schen Pfar¬≠rer Patrick Des¬≠bo¬≠is davon, dass der Boden sich √ľber den halb¬≠to¬≠ten Opfern noch tage¬≠lang bewegt habe. Debo¬≠is macht sich seit 2002 um die Auf¬≠de¬≠ckung die¬≠ser Ver¬≠bre¬≠chen ver¬≠dient, er hat dazu die Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠on Yahad ‚Äď In Unum gegr√ľn¬≠det, die es sich unter ande¬≠rem zur Auf¬≠ga¬≠be gemacht hat, die exak¬≠te Posi¬≠ti¬≠on der Mas¬≠sen¬≠mor¬≠de zu loka¬≠li¬≠sie¬≠ren, um den Toten eine w√ľr¬≠di¬≠ge letz¬≠te Ruhe zu erm√∂glichen.

Ukraine, ermordete Familie

Bun¬≠des¬≠ar¬≠chiv, Bild 183-A0706-0018‚Äď030 / CC-BY-SA [CC-BY-SA‚ÄĎ3.0‚ÄĎde], via Wiki¬≠me¬≠dia Commons

Zu gr√∂¬≠√üe¬≠ren Mas¬≠sa¬≠kern kam es in Lem¬≠berg (√ľber 3000 Opfer), Luck (√ľber 1000), Kamen¬≠ez-Podol¬≠sk (√ľber 23.000), Shi¬≠to¬≠mir (√ľber 3000), Ber¬≠di¬≠chev (√ľber 18.000), Babyn Jar (√ľber 33.000), Char¬≠kiv (12‚Äď15.000), Vin¬≠ny¬≠c¬≠ja (ca. 10.000), Dnje¬≠pro¬≠pe¬≠trowsk (ca. 15.000). Ein¬≠ge¬≠setzt waren hier die Ein¬≠satz¬≠grup¬≠pen C und D, durch beson¬≠de¬≠re Grau¬≠sam¬≠keit zeich¬≠ne¬≠te sich u. a. das Son¬≠der¬≠kom¬≠man¬≠do 4a unter SS-Stan¬≠dar¬≠ten¬≠f√ľh¬≠rer Paul Blo¬≠bel aus, der nach dem Krieg bei den N√ľrn¬≠ber¬≠ger Pro¬≠zes¬≠sen zum Tod durch den Strang ver¬≠ur¬≠teilt wur¬≠de. Aber auch Ord¬≠nungs¬≠po¬≠li¬≠zei¬≠ba¬≠tail¬≠lo¬≠ne, die gar nicht den Ein¬≠satz¬≠grup¬≠pen unter¬≠stellt waren, f√ľhr¬≠ten zu die¬≠sem Zeit¬≠punkt Erschie¬≠√üun¬≠gen durch.

Völkermord im Reichskommissariat

Mit der Bil¬≠dung des Reichs¬≠kom¬≠mis¬≠sa¬≠ri¬≠ats ende¬≠te die¬≠se ers¬≠te Wel¬≠le der Ver¬≠nich¬≠tung, der bis zu die¬≠sem Zeit¬≠punkt ca. 300.000 Juden und Roma zum Opfer gefal¬≠len waren. Danach kam es zu einer Zeit rela¬≠ti¬≠ver Ruhe, in der in Ber¬≠lin u. a. dis¬≠ku¬≠tiert wur¬≠de, ob man nicht zur ‚ÄěEnd¬≠l√∂¬≠sung der Juden¬≠fra¬≠ge‚Äú ein ‚ÄěJuden¬≠re¬≠ser¬≠vat‚Äú im Grenz¬≠be¬≠reich von Ukrai¬≠ne und Wei√ü¬≠russ¬≠land ein¬≠rich¬≠ten soll¬≠te. Nach Ver¬≠wer¬≠fung die¬≠ser Idee begann im Mai 1942 die zwei¬≠te Wel¬≠le der Ver¬≠nich¬≠tung, die jetzt von der Zivil¬≠ver¬≠wal¬≠tung initi¬≠iert wur¬≠de und vor allem die Zen¬≠tral¬≠ukrai¬≠ne betraf, in der min¬≠des¬≠tens noch wei¬≠te¬≠re 300.000 Juden leb¬≠ten, vor allem im Gebiet Wol¬≠hy¬≠ni¬≠en-Podo¬≠li¬≠en-Shi¬≠to¬≠mir, das von der ers¬≠ten Wel¬≠le nicht oder nur teil¬≠wei¬≠se erfasst wor¬≠den war.

Bun¬≠des¬≠ar¬≠chiv, Bild 183-A0706-0018‚Äď029 / CC-BY-SA [CC-BY-SA‚ÄĎ3.0‚ÄĎde], via Wiki¬≠me¬≠dia Commons

Aus¬≠f√ľh¬≠ren¬≠de Orga¬≠ne der Mor¬≠de waren bei der zwei¬≠ten Wel¬≠le vor allem Ein¬≠hei¬≠ten der Ord¬≠nungs¬≠po¬≠li¬≠zei, unter¬≠st√ľtzt wur¬≠den sie von Ange¬≠h√∂¬≠ri¬≠gen der Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠on Todt sowie ein¬≠hei¬≠mi¬≠schen Frei¬≠wil¬≠li¬≠gen, den soge¬≠nann¬≠ten ‚ÄěHiwis‚Äú (Hilfs¬≠wil¬≠li¬≠gen) oder ‚ÄěTraw¬≠ni¬≠ki‚Äú (nach einem Ort im Gene¬≠ral¬≠gou¬≠ver¬≠ne¬≠ment, in dem die¬≠se Kr√§f¬≠te aus¬≠ge¬≠bil¬≠det wur¬≠den). Die Hiwi-Ein¬≠hei¬≠ten wur¬≠den von reichs¬≠deut¬≠schen Offi¬≠zie¬≠ren befeh¬≠ligt, die Unter¬≠of¬≠fi¬≠zie¬≠re waren oft¬≠mals Russlanddeutsche.

Auch bei der zwei¬≠ten Wel¬≠le lie¬≠fen die Erschie¬≠√üun¬≠gen immer nach dem¬≠sel¬≠ben Sche¬≠ma ab:

  • Zun√§chst wur¬≠de die Juden und Roma eines Ortes oder aus einer Rei¬≠he von benach¬≠bar¬≠ten Orten zusam¬≠men¬≠ge¬≠trie¬≠ben (‚Äěkon¬≠zen¬≠triert‚Äú). In eini¬≠gen St√§d¬≠ten waren Ghet¬≠tos ein¬≠ge¬≠rich¬≠tet wor¬≠den, aber dies spiel¬≠te im Ver¬≠gleich zum Gene¬≠ral¬≠gou¬≠ver¬≠ne¬≠ment und den bal¬≠ti¬≠schen Staa¬≠ten eine rela¬≠tiv gerin¬≠ge Rol¬≠le. Es gab in der Ukrai¬≠ne au√üer der ‚ÄěDurch¬≠gangs¬≠stra¬≠√üe IV‚Äú kei¬≠ne gr√∂¬≠√üe¬≠ren Zwangs¬≠ar¬≠beits¬≠pro¬≠jek¬≠te, und die West- und Zen¬≠tral-Ukrai¬≠ne waren schon damals vor allem durch Land¬≠wirt¬≠schaft gepr√§gt, so dass, anders als wei¬≠ter im Wes¬≠ten, kein gr√∂¬≠√üe¬≠res Reser¬≠voir an aus¬≠ge¬≠bil¬≠de¬≠ten Hand¬≠wer¬≠kern oder Tech¬≠ni¬≠kern vor¬≠han¬≠den war. Selbst bei der ‚ÄěDurch¬≠gangs¬≠stra¬≠√üe IV‚Äú kamen haupt¬≠s√§ch¬≠lich aus Ungarn und Rum√§¬≠ni¬≠en ver¬≠schlepp¬≠te Juden zum Einsatz.
  • Als n√§chs¬≠ter Schritt wur¬≠den die Juden und Roma ent¬≠we¬≠der per Lkw zu einem Sam¬≠mel¬≠platz an einen abge¬≠le¬≠ge¬≠nen Ort gebracht, oder sie muss¬≠ten selbst dort¬≠hin mar¬≠schie¬≠ren. An dem vor¬≠ge¬≠se¬≠he¬≠nen Exe¬≠ku¬≠ti¬≠ons¬≠ort hat¬≠ten inzwi¬≠schen ent¬≠we¬≠der zwangs¬≠ver¬≠pflich¬≠te¬≠te Anwoh¬≠ner bereits Gru¬≠ben aus¬≠ge¬≠ho¬≠ben, oder dies muss¬≠te von einer Grup¬≠pe der Juden selbst erle¬≠digt wer¬≠den. Teil¬≠wei¬≠se wur¬≠den vor¬≠han¬≠de¬≠ne Sand¬≠gru¬≠ben oder Stein¬≠br√ľ¬≠che verwendet.
  • Dann wur¬≠den die Mord¬≠op¬≠fer in klei¬≠nen Grup¬≠pen vom Sam¬≠mel- zum Exe¬≠ku¬≠ti¬≠ons¬≠platz gebracht. Vor¬≠her muss¬≠ten sie sich ihrer Klei¬≠dung ent¬≠le¬≠di¬≠gen und ihre Wert¬≠sa¬≠chen abge¬≠ben. Manch¬≠mal ging es dabei durch ein Spa¬≠lier von Ord¬≠nungs¬≠po¬≠li¬≠zis¬≠ten oder Traw¬≠ni¬≠ki, die in vie¬≠len F√§l¬≠len stark alko¬≠ho¬≠li¬≠siert waren.
  • Zuletzt erfolg¬≠te die eigent¬≠li¬≠che Erschie¬≠√üung, bei der Armee¬≠ka¬≠ra¬≠bi¬≠ner, Maschi¬≠nen¬≠pis¬≠to¬≠len oder sogar Maschi¬≠nen¬≠ge¬≠weh¬≠re zum Ein¬≠satz kamen. Die Opfer wur¬≠den ent¬≠we¬≠der so posi¬≠tio¬≠niert, dass sie durch die Wucht der Kugeln nach hin¬≠ten in die vor¬≠be¬≠rei¬≠te¬≠te Gru¬≠be fie¬≠len, oder sie muss¬≠ten sich nach unten in die Gru¬≠be stel¬≠len und wur¬≠den von deren Rand aus erschos¬≠sen. Wie¬≠der f√ľll¬≠ten sich die Gru¬≠ben mit Blut, und wie¬≠der beweg¬≠te sich noch Tage sp√§¬≠ter die Erde auf¬≠grund der ver¬≠zwei¬≠fel¬≠ten Ver¬≠su¬≠che der nur Ver¬≠letz¬≠ten, durch die Mas¬≠se der Lei¬≠chen nach oben zu kommen.
Nazi_Holocaust_by_bullets_-_Jewish_mass_grave_near_Zolochiv,_west_Ukraine

By Unknown Gesta­po pho­to­gra­pher (Declas­si­fied Soviet Sta­te Archi­ves) [Public domain], via Wiki­me­dia Commons

 

Verbrannte Erde

Die zwei¬≠te Wel¬≠le ende¬≠te im Dezem¬≠ber 1942, bis dahin gab es in der deutsch besetz¬≠ten Ukrai¬≠ne fast kei¬≠ne Juden und Roma mehr. Ab dem Som¬≠mer 1943 kam es ange¬≠sichts der Wen¬≠de im Krieg mit der Sowjet¬≠uni¬≠on zu hek¬≠ti¬≠schen Ver¬≠su¬≠chen, die Spu¬≠ren der Mas¬≠sen¬≠mor¬≠de zu besei¬≠ti¬≠gen, indem die Opfer aus¬≠ge¬≠gra¬≠ben und an Ort und Stel¬≠le ver¬≠brannt wur¬≠den (‚ÄěEnt¬≠er¬≠dung‚Äú). Dies gelang aller¬≠dings nicht ein¬≠mal ansatz¬≠wei¬≠se, da die Rote Armee bis Ende 1943 bereits wie¬≠der in Kiew stand und den Rest der Ukrai¬≠ne bis zum Fr√ľh¬≠jahr 1944 zur√ľck¬≠er¬≠obert hat¬≠te. Die meis¬≠ten Mas¬≠sen¬≠gr√§¬≠ber wur¬≠den von sowje¬≠ti¬≠schen Ermitt¬≠lungs¬≠be¬≠h√∂r¬≠den auf¬≠ge¬≠fun¬≠den, aller¬≠dings gelang¬≠ten Kennt¬≠nis¬≠se dar¬≠√ľber in den meis¬≠ten F√§l¬≠len bis zum Fall der Mau¬≠er wegen des Kal¬≠ten Krie¬≠ges nicht in den Westen.

Die Gesamt¬≠zahl der Toten ist schwer zu ermit¬≠teln, da nicht f√ľr alle Erschie¬≠√üun¬≠gen ver¬≠l√§ss¬≠li¬≠che Zah¬≠len¬≠an¬≠ga¬≠ben vor¬≠han¬≠den sind. Die his¬≠to¬≠ri¬≠sche For¬≠schung geht von ca. 300.000 Opfern der ers¬≠ten Wel¬≠le und 350.000 Opfern der zwei¬≠ten Wel¬≠le aus, zu denen auch aus Ungarn und Rum√§¬≠ni¬≠en ver¬≠schlepp¬≠te Juden z√§h¬≠len. Der Anteil der ukrai¬≠ni¬≠schen Roma an den Opfern ist noch schwie¬≠ri¬≠ger abzu¬≠sch√§t¬≠zen, aller¬≠dings leb¬≠ten in den 1920er Jah¬≠ren ca. 60.000 Roma in der USSR, 1959 waren es nur noch 28.000[1]. Vor Gericht geahn¬≠det wur¬≠den die wenigs¬≠ten die¬≠ser Ver¬≠bre¬≠chen, ein Gro√ü¬≠teil davon in der UdSSR, wo ukrai¬≠ni¬≠sche T√§ter und eini¬≠ge ande¬≠re Schul¬≠di¬≠ge bis in die 1980er Jah¬≠re hin¬≠ein vor Gericht gebracht wur¬≠den. Im Wes¬≠ten wur¬≠den nur eini¬≠ge h√∂he¬≠re Mit¬≠glie¬≠der der Ein¬≠satz¬≠grup¬≠pen ver¬≠ur¬≠teilt, Beam¬≠te der tief in die Ver¬≠bre¬≠chen ver¬≠strick¬≠ten Zivil¬≠ver¬≠wal¬≠tung hin¬≠ge¬≠gen kaum. Die Ord¬≠nungs¬≠po¬≠li¬≠zei wur¬≠de in N√ľrn¬≠berg v√∂l¬≠lig √ľber¬≠se¬≠hen, erst in sp√§¬≠te¬≠ren Jahr¬≠zehn¬≠ten kam es zu ver¬≠ein¬≠zel¬≠ten Prozessen.

 

Literatur (Auswahl)

Ain­sz­tein, Reu­ben: Jewish resis­tance in Nazi-occu­p­ied Eas­tern Euro­pe, 1974

Bau¬≠er, Yehu¬≠da: Sar¬≠ny and Rokit¬≠no in the Holo¬≠caust. A Case Stu¬≠dy of Two Town¬≠ships in Wolyn. (Vol¬≠hy¬≠nia), in: Katz, S. (Hrsg.): The Shtetl: New Eva¬≠lua¬≠tions, 2007, S. 253‚Äď289.

Des¬≠bo¬≠is, Patrick: Der ver¬≠ges¬≠se¬≠ne Holo¬≠caust. Die Ermor¬≠dung der ukrai¬≠ni¬≠schen Juden, Ber¬≠lin 2009

Mall¬≠mann, Klaus-Micha¬≠el: Mensch, ich feie¬≠re heut den tau¬≠sends¬≠ten Genick¬≠schuss ‚Äď Die Sicher¬≠heits¬≠po¬≠li¬≠zei und die Sho¬≠ah in West¬≠ga¬≠li¬≠zi¬≠en. In: Ger¬≠hard Paul: Die T√§ter der Sho¬≠ah: fana¬≠ti¬≠sche Natio¬≠nal¬≠so¬≠zia¬≠lis¬≠ten oder ganz nor¬≠ma¬≠le Deut¬≠sche?, G√∂t¬≠tin¬≠gen 2002

Die¬≠ter Pohl: Schau¬≠platz Ukrai¬≠ne. Der Mas¬≠sen¬≠mord an den Juden im Mili¬≠t√§r¬≠ver¬≠wal¬≠tungs¬≠ge¬≠biet und im Reichs¬≠kom¬≠mis¬≠sa¬≠ri¬≠at 1941‚Äď1943; in: Nor¬≠bert Frei/Sybille Stein¬≠ba¬≠cher, Bernd C. Wag¬≠ner (Hrsg.): Aus¬≠beu¬≠tung, Ver¬≠nich¬≠tung, √Ėffent¬≠lich¬≠keit. Neue Stu¬≠di¬≠en zur natio¬≠nal¬≠so¬≠zia¬≠lis¬≠ti¬≠schen Lager¬≠po¬≠li¬≠tik, M√ľn¬≠chen 2000, S. 135‚Äď173

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Romani_people_in_Ukraine (abge¬≠ru¬≠fen Dezem¬≠ber 2014)

 

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