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Kategorie: Reisen (Seite 1 von 2)

Greta und die Energiesklaven

Die jun¬≠ge Schwe¬≠din hat etwas bewirkt, das muss man ihr las¬≠sen. Man wei√ü nie so recht, ob sie sich das alles selbst aus¬≠ge¬≠dacht hat oder nur ein cle¬≠ve¬≠res PR-Pro¬≠dukt ist, aber immer¬≠hin reden wir dank ihrer Aktio¬≠nen wie¬≠der √ľber Din¬≠ge, die wich¬≠tig sind, anstatt √ľber Trumps Haar¬≠tol¬≠le. Was mich etwas irri¬≠tiert, ist die¬≠se eben¬≠so pani¬≠sche wie fol¬≠gen¬≠lo¬≠se Hys¬≠te¬≠rie, die um sich greift ‚Äď pl√∂tz¬≠lich reden alle auf¬≠ge¬≠regt vom ¬ĽKli¬≠ma¬≠not¬≠stand¬ę und trom¬≠pe¬≠ten hal¬≠lu¬≠zi¬≠nie¬≠ren¬≠de For¬≠de¬≠run¬≠gen wie ¬ĽKoh¬≠le¬≠aus¬≠stieg jetzt!¬ę in die Welt, ohne dass man den Ein¬≠druck hat, dass sie sich mit den tie¬≠fe¬≠ren Dimen¬≠sio¬≠nen des Pro¬≠blems wirk¬≠lich besch√§f¬≠tigt haben. Und offen¬≠bar ohne dass sie f√ľr sich selbst Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen dar¬≠aus zie¬≠hen ‚Äď frei¬≠tags f√ľr die Future, mitt¬≠wochs zu Feri¬≠en¬≠be¬≠ginn in den Flie¬≠ger.

Welche Dimen¬≠sio¬≠nen das w√§ren? Man kann sich der Ange¬≠le¬≠gen¬≠heit von meh¬≠reren Sei¬≠ten n√§hern. Eine davon ist das simp¬≠le Ein¬≠ge¬≠st√§nd¬≠nis, dass die Erzeu¬≠gung von Koh¬≠len¬≠di¬≠oxid durch Ver¬≠hei¬≠zen fos¬≠si¬≠ler Brenn¬≠stof¬≠fe einen Rie¬≠sen¬≠spa√ü macht, den Hori¬≠zont erwei¬≠tert und zur Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keits¬≠bil¬≠dung beitr√§gt. Bei einen Flug Frank¬≠furt-Rio hin und zur√ľck bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se wer¬≠den √ľber sechs Ton¬≠nen CO2 in die Atmo¬≠sph√§¬≠re gebla¬≠sen (wer‚Äôs nach¬≠rech¬≠nen will: www.klimanko.de), aber die Rei¬≠se, die ich vor vie¬≠len Jah¬≠ren auf die¬≠se Wei¬≠se gemacht habe, war eine der pr√§¬≠gen¬≠den Erfah¬≠run¬≠gen mei¬≠nes Lebens. Ich habe gro¬≠√üe Tei¬≠le Bra¬≠si¬≠li¬≠ens und auch ein biss¬≠chen von Argen¬≠ti¬≠ni¬≠en und Para¬≠gu¬≠ay gese¬≠hen, die Was¬≠ser¬≠f√§l¬≠le von Igua¬≠√ßu, die Rui¬≠nen der Jesui¬≠ten-Mis¬≠sio¬≠nen am Paran√°, den Pelour¬≠in¬≠ho von Sal¬≠va¬≠dor, den Mons¬≠ter-Ver¬≠kehrs¬≠stau von S√£o Pau¬≠lo und und und. Ich habe an einem Can¬≠dom¬≠bl√©-Ritu¬≠al teil¬≠ge¬≠nom¬≠men und in einer Rep√ļ¬≠b¬≠li¬≠ca gewohnt. Ich habe jede Men¬≠ge Bra¬≠si¬≠lia¬≠ner ken¬≠nen¬≠ge¬≠lernt und ‚Äď wie schon Jah¬≠re zuvor in den Ver¬≠ei¬≠nig¬≠ten Staa¬≠ten ‚Äď rela¬≠tiv ern√ľch¬≠tert fest¬≠stel¬≠len m√ľs¬≠sen, dass man ein Land nicht ver¬≠steht, blo√ü weil man sei¬≠ne Popu¬≠l√§r¬≠mu¬≠sik h√∂rt und ein paar sei¬≠ner Autoren gele¬≠sen hat. Und gelernt, dass man in Rio nachts nicht an roten Ampeln h√§lt, weil sonst ein paar √ľble Bur¬≠schen mit Maschi¬≠nen¬≠pis¬≠to¬≠len kom¬≠men und einem an Geld¬≠beu¬≠tel und Leben wol¬≠len ‚Ķ Ich w√§re nicht der¬≠sel¬≠be Mensch, wenn ich die¬≠se Rei¬≠se damals nicht gemacht h√§t¬≠te. Aber es blei¬≠ben die sechs Ton¬≠nen CO2 (die dazugeh√∂¬≠ri¬≠gen bra¬≠si¬≠lia¬≠ni¬≠schen Inlands¬≠fl√ľ¬≠ge habe ich jetzt geschickt unter¬≠schla¬≠gen), und es war wei√ü Gott nicht der ein¬≠zi¬≠ge Lang¬≠stre¬≠cken¬≠flug mei¬≠nes Lebens.

Der Autor als jun­ger Spund vor Grauman’s Chi­ne­se Theatre

 Das glei¬≠che gilt nat√ľr¬≠lich auch f√ľr ein¬≠fa¬≠che¬≠re Ver¬≠gn√ľ¬≠gun¬≠gen wie den spon¬≠ta¬≠nen Auto-Aus¬≠flug an den Chiem¬≠see, die Fahrt √ľber kur¬≠vi¬≠ge K√ľs¬≠ten¬≠stra¬≠√üen in Kam¬≠pa¬≠ni¬≠en und den All-Ame¬≠ri¬≠can Road¬≠t¬≠rip von New York nach Kali¬≠for¬≠ni¬≠en. Wie w√§re wohl eine Welt, in der sol¬≠che Freu¬≠den ver¬≠bo¬≠ten oder so teu¬≠er w√§ren, dass nur ein paar Rei¬≠che das n√∂ti¬≠ge Klein¬≠geld daf√ľr auf¬≠brin¬≠gen k√∂nn¬≠ten? Ein eher tris¬≠ter Ort, neh¬≠me ich an, da kann man mir die Vor¬≠tei¬≠le von ¬ĽLoca¬≠lism¬ę und ¬ĽSlow-Bewe¬≠gung¬ę in noch so gl√ľ¬≠hen¬≠den Far¬≠ben aus¬≠ma¬≠len. Es ist ja kein Wun¬≠der, dass die Vor¬≠sit¬≠zen¬≠de der baye¬≠ri¬≠schen Gr√ľ¬≠nen ger¬≠ne √ľber den Jah¬≠res¬≠wech¬≠sel nach San Die¬≠go jet¬≠tet, um dort ein Eis zu l√∂f¬≠feln ‚Ķ Die¬≠se Schein¬≠hei¬≠lig¬≠keit kennt man aus zwei Jahr¬≠tau¬≠sen¬≠den Chris¬≠ten¬≠tum zur Gen√ľ¬≠ge, und man darf anneh¬≠men, dass die ¬ĽKli¬≠ma¬≠be¬≠we¬≠gung¬ę bei ihrem Vor¬≠ha¬≠ben, den Durch¬≠schnitts¬≠men¬≠schen auf den rech¬≠ten Pfad der Dekar¬≠bo¬≠ni¬≠sie¬≠rung zu brin¬≠gen, genau¬≠so erfolg¬≠los sein wird wie die¬≠ses, wenn die S√ľn¬≠de doch so sch√∂n ist.

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Ein ande¬≠rer Aspekt des Dilem¬≠mas besteht dar¬≠in, dass fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe nicht nur Spa√ü machen, son¬≠dern auch Kr√§f¬≠te ver¬≠lei¬≠hen, die unse¬≠re Vor¬≠fah¬≠ren nur aus M√§r¬≠chen und phan¬≠tas¬≠ti¬≠schen Erz√§h¬≠lun¬≠gen kann¬≠ten. Sie¬≠ben¬≠mei¬≠len¬≠stie¬≠fel? Easy¬≠Jet w√ľr¬≠de mich n√§chs¬≠ten Monat f√ľr schlap¬≠pe 30 Euro in zwei Stun¬≠den von Ham¬≠burg nach Niz¬≠za brin¬≠gen. Rie¬≠sen, die Zyklo¬≠pen¬≠mau¬≠ern auf¬≠t√ľr¬≠men? Macht heu¬≠te der Rau¬≠pen¬≠kran LR 13000 mit 3000 Ton¬≠nen Trag¬≠kraft und 1000 Kilo¬≠watt Motor¬≠leis¬≠tung. Feu¬≠er¬≠spei¬≠en¬≠de Dra¬≠chen? Die F‚ÄĎ22 Rap¬≠tor ver¬≠brei¬≠tet ihre t√∂d¬≠li¬≠che Fracht viel schnel¬≠ler und effi¬≠zi¬≠en¬≠ter.

Das hat einen ein¬≠fa¬≠chen Grund: Ein k√∂r¬≠per¬≠lich arbei¬≠ten¬≠der Mensch bringt lang¬≠fris¬≠tig eine durch¬≠schnitt¬≠li¬≠che phy¬≠si¬≠ka¬≠li¬≠sche Leis¬≠tung von aller¬≠h√∂chs¬≠tens 100 Watt aufs Tapet (Leis¬≠tungs¬≠sport¬≠ler kurz¬≠fris¬≠tig viel mehr, sie¬≠he unten das Video). Um t√§g¬≠lich eine ein¬≠zi¬≠ge, m√ľde Kilo¬≠watt¬≠stun¬≠de zusam¬≠men¬≠zu¬≠be¬≠kom¬≠men, muss er also schon zwei √úber¬≠stun¬≠den machen. Und die unge¬≠f√§hr drei Kilo¬≠watt¬≠stun¬≠den, die an nutz¬≠ba¬≠rer Ener¬≠gie in einem beschei¬≠de¬≠nen Liter Die¬≠sel ste¬≠cken (bei 30 % Wir¬≠kungs¬≠grad des Motors), hal¬≠ten ihn drei bis vier Tage auf Trab. Im Gegen¬≠satz dazu set¬≠zen wir Geis¬≠tes¬≠ar¬≠bei¬≠ter ein Viel¬≠fa¬≠ches die¬≠ser Leis¬≠tung auf Knopf¬≠druck frei, ohne auch nur dar¬≠√ľber nach¬≠zu¬≠den¬≠ken. Eben mal kurz den Staub¬≠sauger anwer¬≠fen? Sechs oder sie¬≠ben unsicht¬≠ba¬≠re Hel¬≠fer √† 100 Watt sau¬≠gen mit. Das Gas¬≠pe¬≠dal durch¬≠dr√ľ¬≠cken, um den SUV auf die √úber¬≠hol¬≠spur zu brin¬≠gen? Bei 100 Kilo¬≠watt Motor¬≠leis¬≠tung sind es min¬≠des¬≠tens tau¬≠send Mann, die hin¬≠ten schie¬≠ben. Und der oben erw√§hn¬≠te LR 13000 setzt eine gan¬≠ze Klein¬≠stadt an vir¬≠tu¬≠el¬≠len Hel¬≠fern ein, um sei¬≠ne Ton¬≠nen¬≠las¬≠ten zu stemmen.

Die¬≠se √úber¬≠le¬≠gun¬≠gen wur¬≠den schon vor Jahr¬≠zehn¬≠ten von dem US-Autor Richard Buck¬≠mins¬≠ter Ful¬≠ler in dem Begriff der ¬ĽEner¬≠gies¬≠kla¬≠ven¬ę zusam¬≠men¬≠ge¬≠fasst, die jedem f√ľr uns st√§n¬≠dig zu Diens¬≠ten sind, um die Viel¬≠zahl von Maschi¬≠nen zu bewe¬≠gen, deren Arbeit wir unser M√§r¬≠chen¬≠da¬≠sein ver¬≠dan¬≠ken. Nach Berech¬≠nun¬≠gen des deut¬≠schen Phy¬≠si¬≠kers Hans-Peter D√ľrr arbei¬≠ten dem¬≠nach f√ľr jeden Ame¬≠ri¬≠ka¬≠ner 110 sol¬≠cher unsicht¬≠ba¬≠ren Skla¬≠ven, f√ľr jeden Euro¬≠p√§¬≠er immer noch 60. Eine j√ľn¬≠ge¬≠re, etwas detail¬≠lier¬≠te¬≠re Rech¬≠nung kommt sogar auf eine Trup¬≠pe von 400 Mann f√ľr den durch¬≠schnitt¬≠li¬≠chen Franzosen.

Und die¬≠se freund¬≠li¬≠chen, all¬≠zeit berei¬≠ten Hel¬≠fer sind spott¬≠bil¬≠lig! Im Gegen¬≠satz zu tat¬≠s√§ch¬≠li¬≠chen Skla¬≠ven, die viel mehr Ener¬≠gie in Form von Nah¬≠rung ver¬≠brau¬≠chen w√ľr¬≠den, als sie Arbeit leis¬≠ten k√∂nn¬≠ten, ent¬≠hal¬≠ten fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe ein Mehr¬≠fa¬≠ches der Ener¬≠gie, die in ihre Gewin¬≠nung inves¬≠tiert wer¬≠den muss. Bei in den USA gef√∂r¬≠der¬≠tem Erd¬≠√∂l liegt die¬≠ses auch als ¬ĽErn¬≠te¬≠fak¬≠tor¬ę oder ¬ĽEROEI¬ę (Ener¬≠gy Retur¬≠ned on Ener¬≠gy Inves¬≠ted) bezeich¬≠ne¬≠te Ver¬≠h√§lt¬≠nis zwi¬≠schen 10:1 und 20:1, w√§h¬≠rend deut¬≠sche Koh¬≠le- oder Gas¬≠kraft¬≠wer¬≠ke sogar um die 30:1 bie¬≠ten. Auch hier¬≠f√ľr ist der Grund ganz ein¬≠fach: Fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe sind im Grun¬≠de nichts wei¬≠ter als gespei¬≠cher¬≠tes Son¬≠nen¬≠licht, das in Form von toten Tie¬≠ren und Pflan¬≠zen √ľber geo¬≠lo¬≠gi¬≠sche Zeit¬≠r√§u¬≠me hin¬≠weg im Erd¬≠in¬≠nern kon¬≠zen¬≠triert wur¬≠de, ohne dass irgend¬≠je¬≠mand etwas daf√ľr tun muss¬≠te. Es ist, als h√§t¬≠te der Pla¬≠net f√ľr uns meh¬≠re¬≠re Mil¬≠lio¬≠nen Jah¬≠re lang jedes Jahr die Sum¬≠me ange¬≠spart, die man durch ehr¬≠li¬≠che Arbeit erwirt¬≠schaf¬≠ten kann, und dann waren ein¬≠fach irgend¬≠wann meh¬≠re¬≠re Fan¬≠tas¬≠til¬≠li¬≠ar¬≠den auf dem Kon¬≠to, f√ľr deren Gewin¬≠nung man nur noch ein paar L√∂cher in den Boden gra¬≠ben muss¬≠te. Wir konn¬≠ten der Ver¬≠su¬≠chung nicht wider¬≠ste¬≠hen und haben kon¬≠se¬≠quen¬≠ter¬≠wei¬≠se in den letz¬≠ten Jahr¬≠zehn¬≠ten einen gro¬≠√üen Teil die¬≠ses unver¬≠hofft geerb¬≠ten Ver¬≠m√∂¬≠gens hem¬≠mungs¬≠los durchgebracht.

K√∂nn¬≠ten wir dar¬≠auf ver¬≠zich¬≠ten? Wie denn wohl ‚Ķ Wir alle leben in Umst√§n¬≠den, die ohne die jeder¬≠zei¬≠ti¬≠ge Ver¬≠f√ľg¬≠bar¬≠keit von Unmen¬≠gen bil¬≠li¬≠ger Ener¬≠gie nicht denk¬≠bar w√§ren. 50 oder 70 Kilo¬≠me¬≠ter Arbeits¬≠weg? Kein Pro¬≠blem. Eine Rie¬≠sen-Gefrier¬≠tru¬≠he, um nicht so oft ein¬≠kau¬≠fen zu m√ľs¬≠sen? Kein Pro¬≠blem. Trotz¬≠dem ein gro¬≠√ües Auto, weil man ja auch mal mit den Kin¬≠dern und ihren Freun¬≠den in den Frei¬≠zeit¬≠park fah¬≠ren will? Kein Pro¬≠blem. Der neu¬≠es¬≠te Rie¬≠sen¬≠fern¬≠se¬≠her aus Korea? Kein Pro¬≠blem. Wein¬≠trau¬≠ben aus Chi¬≠le? Kein Pro¬≠blem. Die sch√∂¬≠nen Boden¬≠flie¬≠sen aus Ita¬≠li¬≠en? Kein Pro¬≠blem. Ein Shop¬≠ping-Wochen¬≠en¬≠de im Big Apple? Kein Pro¬≠blem. Wir k√∂n¬≠nen uns das alles leis¬≠ten, weil wir selbst Maschi¬≠nen f√ľr uns arbei¬≠ten las¬≠sen und die Pro¬≠duk¬≠te unse¬≠rer Fabri¬≠ken in die gan¬≠ze Welt ver¬≠kau¬≠fen. Alles, was irgend¬≠je¬≠mand irgend¬≠wo mit Hil¬≠fe von Maschi¬≠nen und fos¬≠si¬≠ler Ener¬≠gie her¬≠stellt, anbaut oder trans¬≠por¬≠tiert, ist so bil¬≠lig, dass kein Erzeug¬≠nis von unmit¬≠tel¬≠ba¬≠rer Men¬≠schen¬≠hand damit kon¬≠kur¬≠rie¬≠ren kann. Das kli¬≠ma¬≠neu¬≠tra¬≠le Gem√ľ¬≠se, das wir im eige¬≠nen Gar¬≠ten zie¬≠hen, oder der Pul¬≠li aus Wol¬≠le von eige¬≠nen Scha¬≠fen sind viel¬≠mehr Kno¬≠chen¬≠jobs mit h√∂chs¬≠tens 100 Watt.

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Nach einem Wort des US-Sozio¬≠lo¬≠gen Wil¬≠liam Cat¬≠ton macht uns die¬≠se Maschi¬≠nen¬≠welt mit der hun¬≠dert¬≠fa¬≠chen Ver¬≠st√§r¬≠kung unse¬≠rer K√∂r¬≠per¬≠kr√§f¬≠te zu Homo colos¬≠sus, und selbst wenn wir √∂ko¬≠lo¬≠gisch kor¬≠rekt ein¬≠kau¬≠fen, nur noch √∂ffent¬≠li¬≠che Ver¬≠kehrs¬≠mit¬≠tel benut¬≠zen und das Wohn¬≠zim¬≠mer mit ein¬≠hei¬≠mi¬≠schem Buchen¬≠holz hei¬≠zen, schaf¬≠fen wir es damit gera¬≠de mal, zu Homo colos¬≠sus infe¬≠ri¬≠or zu schrump¬≠fen. Von ech¬≠ter ¬ĽNach¬≠hal¬≠tig¬≠keit¬ę blei¬≠ben wir weit entfernt.

Bleibt also, und das ist die drit¬≠te Sicht¬≠wei¬≠se auf das Pro¬≠blem, die Hoff¬≠nung, unse¬≠re Ener¬≠gies¬≠kla¬≠ven irgend¬≠wie anders als mit fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stof¬≠fen zu f√ľt¬≠tern. Um die damit ver¬≠bun¬≠de¬≠ne Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠rung zu ver¬≠ste¬≠hen, ist es n√ľtz¬≠lich, kurz auf den Kirch¬≠turm unse¬≠res klei¬≠nen, beschau¬≠li¬≠chen Dor¬≠fes zu stei¬≠gen, der einen guten Blick auf die Umge¬≠bung bie¬≠tet. Wir befin¬≠den uns hier in einer wei¬≠ten, von Schmelz¬≠was¬≠sern der vor¬≠letz¬≠ten Eis¬≠zeit geschaf¬≠fe¬≠nen Ebe¬≠ne (f√ľr Ken¬≠ner: ein Teil des Bres¬≠lau-Mag¬≠de¬≠burg-Bre¬≠mer Urstrom¬≠tals), √ľber der √∂fter mal ein ganz h√ľbsch stei¬≠fer West¬≠wind weht. Wie man sich den¬≠ken kann, hat die¬≠ser Umstand die Gegend in den ver¬≠gan¬≠ge¬≠nen zwan¬≠zig Jah¬≠ren f√ľr eine bestimm¬≠te Art von Bau¬≠pro¬≠jekt inter¬≠es¬≠sant gemacht.

Das ers¬≠te davon sehen wir knapp zwei Kilo¬≠me¬≠ter s√ľd¬≠lich des Dor¬≠fes: 12 Wind¬≠r√§¬≠der eines klei¬≠nen Wind¬≠parks, von denen die j√ľngs¬≠ten bei¬≠den vom neu¬≠es¬≠ten Typ und so hoch sind, dass sie seit ihrer Errich¬≠tung das Dorf optisch erschla¬≠gen. In sie¬≠ben Kilo¬≠me¬≠ter Ent¬≠fer¬≠nung in Rich¬≠tung West-Nord¬≠west fol¬≠gen 22 Wind¬≠r√§¬≠der des n√§chs¬≠ten Wind¬≠parks, direkt im Wes¬≠ten ste¬≠hen in zw√∂lf Kilo¬≠me¬≠ter Ent¬≠fer¬≠nung wei¬≠te¬≠re 8 Anla¬≠gen, und mit vier Kilo¬≠me¬≠tern wie¬≠der n√§her dran befin¬≠den sich eben¬≠falls 22 Wind¬≠r√§¬≠der im Nord¬≠wes¬≠ten des Dor¬≠fes. Im Nor¬≠den und Osten exis¬≠tiert auf¬≠grund des Weser¬≠laufs eine gewis¬≠se Wind¬≠rad¬≠l√ľ¬≠cke, aber mit 2 Anla¬≠gen in Rich¬≠tung Nord¬≠ost (2,5 km Ent¬≠fer¬≠nung) und 15 Wind¬≠r√§¬≠dern im S√ľd¬≠os¬≠ten (8‚Äď10 km Ent¬≠fer¬≠nung) arbei¬≠tet man dar¬≠an, auch die¬≠sen Bereich mit ein¬≠zu¬≠be¬≠zie¬≠hen. Bei kla¬≠rer Sicht kann man sogar noch wei¬≠ter ent¬≠fern¬≠te gr√∂¬≠√üe¬≠re Wind¬≠parks aus¬≠ma¬≠chen, aber die klei¬≠ne Aus¬≠wahl soll¬≠te wohl f√ľr einen ers¬≠ten Ein¬≠druck gen√ľ¬≠gen. Dem¬≠n√§chst kom¬≠men noch eine neue Hoch¬≠span¬≠nungs¬≠lei¬≠tung und ein gro¬≠√ües Umspann¬≠werk hin¬≠zu, weil der Strom nat√ľr¬≠lich auch irgend¬≠wie dort¬≠hin muss, wo er gebraucht wird.

Nur ein paar Windparks

Wie effek¬≠tiv ist das alles? 2018 kamen den Zah¬≠len der Arbeits¬≠ge¬≠mein¬≠schaft Ener¬≠gie¬≠bi¬≠lan¬≠zen zufol¬≠ge 35 Pro¬≠zent des gesam¬≠ten in Deutsch¬≠land erzeug¬≠ten Brut¬≠to-Stroms aus erneu¬≠er¬≠ba¬≠ren Quel¬≠len, davon gut 17 Pro¬≠zent von Wind¬≠kraft¬≠an¬≠la¬≠gen und 7 Pro¬≠zent aus Foto¬≠vol¬≠ta¬≠ik. Das klingt zun√§chst mal ganz gut ‚Äď aller¬≠dings nur, bis einem ein¬≠f√§llt, dass Strom nur eine von vie¬≠len Ener¬≠gie¬≠for¬≠men ist. H√§u¬≠ser wer¬≠den zumeist mit Erd¬≠gas oder Heiz¬≠√∂l geheizt, Autos fah¬≠ren mit Ben¬≠zin oder Die¬≠sel, und in der Indus¬≠trie braucht man neben Strom auch Erd¬≠gas und wei¬≠te¬≠re Brenn¬≠stof¬≠fe, um Pro¬≠zess¬≠w√§r¬≠me zu erzeu¬≠gen und ande¬≠re Auf¬≠ga¬≠ben zu erle¬≠di¬≠gen. Wenn man alles zusam¬≠men¬≠z√§hlt, kommt man zu dem depri¬≠mie¬≠ren¬≠den Ergeb¬≠nis, dass laut Bun¬≠des¬≠mi¬≠nis¬≠te¬≠ri¬≠um f√ľr Wirt¬≠schaft 2017 (die genau¬≠en Daten f√ľr 2018 feh¬≠len noch) der Anteil von Wind- und Solar¬≠strom zusam¬≠men¬≠ge¬≠rech¬≠net besch√§¬≠mend gerin¬≠ge 4 Pro¬≠zent des Gesamt-Pri¬≠m√§r¬≠ener¬≠gie¬≠ver¬≠brauchs betrug, w√§h¬≠rend 80 Pro¬≠zent wei¬≠ter¬≠hin durch fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe erzeugt wurden.

Als ich das gele¬≠sen habe, muss¬≠te ich mich erst mal set¬≠zen. Der gan¬≠ze WKA-Wald, der hier um das Dorf her¬≠um ent¬≠stan¬≠den ist, die gan¬≠zen Solar¬≠parks, mit denen man in S√ľd¬≠deutsch¬≠land noch die letz¬≠te Schaf¬≠wei¬≠de bebaut hat, und dann ein der¬≠art bla¬≠ma¬≠bles Ergeb¬≠nis ‚Ķ?!? Und es kommt noch schlim¬≠mer: Wenn man, was ja der neu¬≠es¬≠te Plan der Regie¬≠rung zu sein scheint, das gesam¬≠te Land bis 2050 ¬Ľkli¬≠ma¬≠neu¬≠tral¬ę machen m√∂ch¬≠te, m√ľs¬≠sen die kli¬≠ma¬≠wirk¬≠sa¬≠men 80 Pro¬≠zent ent¬≠we¬≠der abge¬≠schafft oder durch irgend¬≠et¬≠was ande¬≠res ersetzt wer¬≠den. Was k√∂nn¬≠te das sein? Sie¬≠ben Pro¬≠zent des Brut¬≠to¬≠stroms wer¬≠den mit Hil¬≠fe von Bio¬≠gas erzeugt, ein knap¬≠pes Pro¬≠zent der Pri¬≠m√§r¬≠ener¬≠gie stammt aus Bio¬≠sprit. F√ľr bei¬≠de Ener¬≠gie¬≠for¬≠men zusam¬≠men wer¬≠den aller¬≠dings bereits 20 Pro¬≠zent des deut¬≠schen Acker¬≠lands ver¬≠wen¬≠det, sodass nach oben wohl nicht mehr all¬≠zu viel Luft ist. Irgend¬≠et¬≠was wol¬≠len wir ja auch noch essen, und noch mehr Import von Bio¬≠sprit aus Palm¬≠√∂l k√∂nn¬≠te das end¬≠g√ľl¬≠ti¬≠ge Ende des tro¬≠pi¬≠schen Regen¬≠walds bedeu¬≠ten ‚Ķ Als n√§chs¬≠tes w√ľr¬≠de einem dem¬≠entspre¬≠chend der ein¬≠hei¬≠mi¬≠sche Wald ein¬≠fal¬≠len. Aber hier wer¬≠den bereits 87 % des j√§hr¬≠lich nach¬≠wach¬≠sen¬≠den Roh¬≠hol¬≠zes f√ľr ande¬≠re Zwe¬≠cke genutzt (Bau¬≠holz, M√∂bel, Brenn¬≠holz f√ľr den Wohn¬≠zim¬≠mer¬≠ka¬≠min usw.), es ist also so gut wie √ľber¬≠haupt kein Aus¬≠bau¬≠po¬≠ten¬≠zi¬≠al mehr vor¬≠han¬≠den. Zudem ist ein Trans¬≠port von Holz von vie¬≠len ver¬≠schie¬≠de¬≠nen Stand¬≠or¬≠ten zu einem zen¬≠tra¬≠len Kraft¬≠werk √∂ko¬≠no¬≠misch nicht beson¬≠ders sinn¬≠voll; bereits bei Braun¬≠koh¬≠le, die einen etwas h√∂he¬≠ren Heiz¬≠wert auf¬≠weist, wer¬≠den ja die Kraft¬≠wer¬≠ke m√∂g¬≠lichst direkt neben den Gru¬≠ben gebaut, um die Trans¬≠port¬≠kos¬≠ten zu mini¬≠mie¬≠ren. Eben¬≠so wenig darf man auf einen Aus¬≠bau der Was¬≠ser¬≠kraft hof¬≠fen: Laut Umwelt-Bun¬≠des¬≠amt hat auch die¬≠se Art der Ener¬≠gie¬≠er¬≠zeu¬≠gung ihr Poten¬≠zi¬≠al wei¬≠test¬≠ge¬≠hend aus¬≠ge¬≠sch√∂pft. Und ernst¬≠haft ‚Äď woll¬≠ten wir wirk¬≠lich Rhein, Donau und Elbe durch Stau¬≠stu¬≠fen mit Lauf¬≠was¬≠ser¬≠kraft¬≠wer¬≠ken so kana¬≠li¬≠sie¬≠ren, wie es im 20. Jahr¬≠hun¬≠dert mit der Weser gesche¬≠hen ist, um den Preis, hin¬≠ter¬≠her √∂ko¬≠lo¬≠gisch tote Fl√ľs¬≠se zu haben ‚Ķ?

Blei¬≠ben Wind und Son¬≠ne. Und eine ein¬≠fa¬≠che Kopf¬≠re¬≠chen¬≠auf¬≠ga¬≠be: Wenn momen¬≠tan 4 Pro¬≠zent der Pri¬≠m√§r¬≠ener¬≠gie aus die¬≠sen bei¬≠den Quel¬≠len stam¬≠men und wei¬≠te¬≠re 86 Pro¬≠zent dadurch ersetzt wer¬≠den sol¬≠len (die zus√§tz¬≠lich n√∂ti¬≠gen 6 Pro¬≠zent stam¬≠men von den still¬≠zu¬≠le¬≠gen¬≠den Kern¬≠kraft¬≠wer¬≠ken), um wel¬≠chen Fak¬≠tor m√ľss¬≠te die Zahl der Wind¬≠r√§¬≠der und Solar¬≠an¬≠la¬≠gen dann stei¬≠gen ‚Ķ? Wie vie¬≠le Gro√ü-Strom¬≠spei¬≠cher und Was¬≠ser¬≠stoff¬≠an¬≠la¬≠gen br√§uch¬≠te man, um die Schwan¬≠kun¬≠gen von Wind und Son¬≠ne aus¬≠zu¬≠glei¬≠chen? Und wie s√§he nach¬≠her die Umge¬≠bung unse¬≠res klei¬≠nen, beschau¬≠li¬≠chen Dor¬≠fes aus? Oder bes¬≠ser gesagt, wie s√§he dann das gan¬≠ze Land aus? Man h√§t¬≠te es zer¬≠st√∂rt, um es zu retten.

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F√ľr einen vier¬≠ten ‚Äď und letz¬≠ten ‚Äď Aspekt muss ich noch¬≠mal auf mei¬≠ne ein¬≠gangs erw√§hn¬≠ten Fern¬≠rei¬≠sen zur√ľck¬≠kom¬≠men. Eini¬≠ge davon f√ľhr¬≠ten mich im Abstand von jeweils meh¬≠re¬≠ren Jah¬≠ren nach S√ľd¬≠ost¬≠asi¬≠en, und ich hat¬≠te Gele¬≠gen¬≠heit, vor Ort ein anschau¬≠li¬≠ches Bild davon zu gewin¬≠nen, was ¬Ľwirt¬≠schaft¬≠li¬≠che Ent¬≠wick¬≠lung¬ę bedeu¬≠ten kann. Ich den¬≠ke da ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re an eine Insel im s√ľd¬≠chi¬≠ne¬≠si¬≠schen Meer, die bei Back¬≠pa¬≠ckern damals recht beliebt war, weil sie dank des g√ľns¬≠ti¬≠gen Wech¬≠sel¬≠kur¬≠ses auch f√ľr klei¬≠nes Geld ein para¬≠die¬≠sisch-tro¬≠pi¬≠sches Feri¬≠en¬≠er¬≠leb¬≠nis erm√∂g¬≠lich¬≠te. Bei mei¬≠nem ers¬≠ten ers¬≠ten Besuch, das muss 1993 gewe¬≠sen sein, kamen wir in einer Stel¬≠zen¬≠h√ľt¬≠te mit Palm¬≠blatt¬≠dach unter, die mei¬≠ner Erin¬≠ne¬≠rung nach den Gegen¬≠wert von unge¬≠f√§hr 5 US-Dol¬≠lar die Nacht kos¬≠te¬≠te. Auch der Besit¬≠zer der H√ľt¬≠ten¬≠an¬≠la¬≠ge, ein Thai mit chi¬≠ne¬≠si¬≠schen Wur¬≠zeln, wohn¬≠te mit sei¬≠ner Fami¬≠lie unter √§hn¬≠li¬≠chen Umst√§n¬≠den. Eigent¬≠lich han¬≠del¬≠te es sich um einen alten Kokos¬≠pal¬≠men¬≠hain, und er hat¬≠te sich nicht die M√ľhe gemacht, die B√§u¬≠me zu f√§l¬≠len, sodass es den gan¬≠zen Tag √ľber sch√∂n schat¬≠tig war. Die Rezep¬≠ti¬≠on bestand aus einem Fens¬≠ter mit Klapp¬≠la¬≠den, an dem man auch Bestel¬≠lun¬≠gen f√ľr das zuge¬≠h√∂¬≠ri¬≠ge Restau¬≠rant auf¬≠ge¬≠ben sowie Getr√§n¬≠ke und Snacks kau¬≠fen konn¬≠te. Man hat¬≠te nicht das Gef√ľhl, dass die Besit¬≠zer¬≠fa¬≠mi¬≠lie sich tot¬≠ar¬≠bei¬≠te¬≠te, und wir Tou¬≠ris¬≠ten √ľbten uns in Ent¬≠schleu¬≠ni¬≠gung und tro¬≠pi¬≠scher Los¬≠ge¬≠l√∂st¬≠heit vom Rum¬≠mel zu Hau¬≠se in Euro¬≠pa oder Nord¬≠ame¬≠ri¬≠ka. Was soll¬≠te sich an die¬≠sem zeit¬≠lo¬≠sen Ort jemals √§ndern ‚Ķ?

In den 1990ern sehr gem√ľtlich

Wie man sich t√§u¬≠schen kann. Zwei Jah¬≠re sp√§¬≠ter waren die Pal¬≠men im √∂st¬≠li¬≠chen Teil des Gel√§n¬≠des ver¬≠schwun¬≠den und eine Rei¬≠he von wei√ü ver¬≠putz¬≠ten Bun¬≠ga¬≠lows an ihre Stel¬≠le getre¬≠ten. Noch¬≠mal f√ľnf Jah¬≠re sp√§¬≠ter habe ich dort die ers¬≠te Fas¬≠sung von Wolfs¬≠stadt geschrie¬≠ben, und jetzt gab es nur noch Bun¬≠ga¬≠lows und ein aus Beton errich¬≠te¬≠tes neu¬≠es Restau¬≠rant direkt am Meer. Der Sohn des Besit¬≠zers war erwach¬≠sen gewor¬≠den und hat¬≠te eine h√ľb¬≠sche Papa¬≠ya-Ver¬≠k√§u¬≠fe¬≠rin gehei¬≠ra¬≠tet, die aus dem Nor¬≠den auf die Insel gekom¬≠men war. Er fuhr einen nigel¬≠na¬≠gel¬≠neu¬≠en BMW und hat¬≠te ziem¬≠li¬≠ches √úber¬≠ge¬≠wicht; die Zahl der Pal¬≠men war hin¬≠ge¬≠gen deut¬≠lich zur√ľck¬≠ge¬≠gan¬≠gen. Ein Jahr sp√§¬≠ter war das Restau¬≠rant einer Sturm¬≠flut zum Opfer gefal¬≠len, wur¬≠de aber gera¬≠de viel gr√∂¬≠√üer und sch√∂¬≠ner neu errich¬≠tet. Und als ich vor kur¬≠zem im Inter¬≠net nach¬≠ge¬≠schaut habe, was aus der Ecke so gewor¬≠den ist, muss¬≠te ich eini¬≠ger¬≠ma¬≠√üen schlu¬≠cken: Am Ort des gem√ľt¬≠li¬≠chen Kokos¬≠pal¬≠men¬≠hains mit Stel¬≠zen¬≠h√ľt¬≠ten macht sich jetzt ein 5‚ÄĎS¬≠ter¬≠ne-Beach-Resort mit Innen¬≠ar¬≠chi¬≠tek¬≠tur und Pri¬≠vat¬≠pool-Bun¬≠ga¬≠lows breit, in denen eine √úber¬≠nach¬≠tung mehr als hun¬≠dert¬≠mal so viel kos¬≠tet wie damals.

Die Anla¬≠ge wird mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le von einem inter¬≠na¬≠tio¬≠na¬≠len Hotel¬≠kon¬≠zern betrie¬≠ben, aber man macht es sich all¬≠zu leicht, wenn man das Gesche¬≠hen ein¬≠fach dem b√∂sen west¬≠li¬≠chen Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus anlas¬≠tet: Der jet¬≠zi¬≠ge Zustand ist ja nur der logi¬≠sche End¬≠punkt einer Ent¬≠wick¬≠lung, die bereits unter den ein¬≠hei¬≠mi¬≠schen Besit¬≠zern begon¬≠nen hat. Die Wahr¬≠heit d√ľrf¬≠te viel¬≠mehr dar¬≠in bestehen, dass die¬≠se Men¬≠schen der Ver¬≠su¬≠chung, zu Homo colos¬≠sus zu wer¬≠den, eben¬≠so wenig wider¬≠ste¬≠hen k√∂n¬≠nen wie wir. Anders ist wohl nicht zu erkl√§¬≠ren, war¬≠um etwa die Regie¬≠rung von Ban¬≠gla¬≠desch gera¬≠de dabei ist, in genau jenem Gan¬≠ges-Del¬≠ta, das bei einem Anstieg des Mee¬≠res¬≠spie¬≠gels als ers¬≠tes √ľber¬≠flu¬≠tet w√ľr¬≠de, ein rie¬≠si¬≠ges Koh¬≠le¬≠kraft¬≠werk zu bau¬≠en. Oder war¬≠um in Indi¬≠en f√ľr die n√§chs¬≠ten 15 Jah¬≠re der Bau von 100 neu¬≠en Flug¬≠h√§¬≠fen geplant ist. Oder war¬≠um chi¬≠ne¬≠si¬≠sche Tou¬≠ris¬≠ten mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le ein F√ľnf¬≠tel der welt¬≠wei¬≠ten Tou¬≠ris¬≠mus¬≠aus¬≠ga¬≠ben t√§ti¬≠gen. W√§h¬≠rend wir hier¬≠zu¬≠lan¬≠de √ľber das Abschal¬≠ten von 45 Giga¬≠watt Koh¬≠le¬≠strom strei¬≠ten, wer¬≠den welt¬≠weit 399 Giga¬≠watt an neu¬≠en Koh¬≠le¬≠kraft¬≠wer¬≠ken gebaut. Wol¬≠len wir es den betref¬≠fen¬≠den L√§n¬≠dern ver¬≠bie¬≠ten, weil wir selbst schon so viel CO2 pro¬≠du¬≠ziert haben ‚Ķ?

*

Um es noch¬≠mal zusam¬≠men¬≠zu¬≠fas¬≠sen: Homo colos¬≠sus m√ľss¬≠te, um den von ihm ver¬≠ur¬≠sach¬≠ten Kli¬≠ma¬≠wan¬≠del zu stop¬≠pen, ent¬≠we¬≠der auf¬≠ge¬≠ben und in die 100-Watt-Welt sei¬≠ner Vor¬≠fah¬≠ren zur√ľck¬≠keh¬≠ren oder einen neu¬≠en Weg fin¬≠den, sei¬≠ne Maschi¬≠nen anzu¬≠trei¬≠ben. Momen¬≠tan sind all unse¬≠re Anstren¬≠gun¬≠gen auf das zwei¬≠te Ziel gerich¬≠tet, aber es zeich¬≠net sich schon ab, dass der dabei ver¬≠folg¬≠te Weg hoff¬≠nungs¬≠los inad¬≠√§quat ist. Zudem wird jeder Fort¬≠schritt an Dekar¬≠bo¬≠ni¬≠sie¬≠rung, der durch den Ein¬≠satz rege¬≠ne¬≠ra¬≠ti¬≠ver Ener¬≠gien oder per¬≠s√∂n¬≠li¬≠chen Ver¬≠zicht ent¬≠steht, durch den Wunsch der rest¬≠li¬≠chen Welt, m√∂g¬≠lichst rasch unse¬≠rem Vor¬≠bild zu fol¬≠gen, wie¬≠der zunich¬≠te gemacht.

Was also tun? Zun√§chst mal: Ruhe bewah¬≠ren. Der Welt¬≠un¬≠ter¬≠gang wur¬≠de in den letz¬≠ten Jahr¬≠zehn¬≠ten schon ziem¬≠lich oft ange¬≠k√ľn¬≠digt, um dann doch nicht ein¬≠zu¬≠tre¬≠ten. Ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re Inter¬≠net¬≠mel¬≠dun¬≠gen des Kali¬≠bers ¬ĽWenn wir nicht inner¬≠halb von10 Jah¬≠ren kein CO2 mehr aus¬≠sto¬≠√üen, l√§uft die glo¬≠ba¬≠le Erw√§r¬≠mung v√∂l¬≠lig aus dem Ruder und die Erde ist 2050 unbe¬≠wohn¬≠bar¬ę sind mit √§u√üers¬≠ter Vor¬≠sicht zu genie¬≠√üen. Ob die f√ľr die jewei¬≠li¬≠ge Pro¬≠gno¬≠se ver¬≠wen¬≠de¬≠te Modell¬≠rech¬≠nung wirk¬≠lich stimmt, wer¬≠den wir erst in ein paar Jahr¬≠zehn¬≠ten sicher wis¬≠sen. Trotz¬≠dem soll¬≠te man nat√ľr¬≠lich nicht die H√§n¬≠de in den Scho√ü legen ‚Äď dass die Pro¬≠gno¬≠sen kom¬≠plett dane¬≠ben¬≠lie¬≠gen, kann man eben¬≠so wenig bewei¬≠sen wie ihre hun¬≠dert¬≠pro¬≠zen¬≠ti¬≠ge Rich¬≠tig¬≠keit. Zudem ist es mit¬≠tel- bis lang¬≠fris¬≠tig sinn¬≠voll, sich von den fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stof¬≠fen zu ver¬≠ab¬≠schie¬≠den, schlie√ü¬≠lich wer¬≠den sie nicht ewig rei¬≠chen. Daf√ľr h√§t¬≠te ich einen Vor¬≠schlag: Wir geben uns alle mal einen Ruck und akzep¬≠tie¬≠ren, dass Flug¬≠rei¬≠sen, gro¬≠√üe Autos, Kreuz¬≠fahr¬≠ten, Fleisch¬≠kon¬≠sum und √ľber¬≠haupt alle Nicht-Lebens¬≠not¬≠wen¬≠dig¬≠kei¬≠ten besteu¬≠ert wer¬≠den, dass es quietscht (womit ich mei¬≠ne: viel st√§r¬≠ker, als es momen¬≠tan Robert Habeck vor¬≠schwebt). Das hat nichts mit Aske¬≠se zu tun, denn das dadurch ein¬≠ge¬≠nom¬≠me¬≠ne Geld muss in die Grund¬≠la¬≠gen¬≠for¬≠schung gesteckt wer¬≠den, um neue Quel¬≠len bil¬≠li¬≠ger, hoch¬≠kon¬≠zen¬≠trier¬≠ter Ener¬≠gie zu erschlie¬≠√üen: Kern¬≠fu¬≠si¬≠on, hoch¬≠ef¬≠fi¬≠zi¬≠en¬≠te Was¬≠ser¬≠stoff-Elek¬≠tro¬≠ly¬≠seu¬≠re, was auch immer. Man m√ľss¬≠te zwar den G√ľr¬≠tel enger schnal¬≠len, h√§t¬≠te aber die Aus¬≠sicht, dass sich als Beloh¬≠nung ein neu¬≠er Weg auf¬≠tut, unse¬≠re High¬≠tech-Welt anzu¬≠trei¬≠ben. Einer, dem der Rest der Welt dann auch wie¬≠der bereit¬≠wil¬≠li¬≠ger folgt als unse¬≠rer chao¬≠ti¬≠schen Wind- und Solar¬≠park-Bau¬≠wut. Das w√§re es doch wert, oder?

In die¬≠sem Zusam¬≠men¬≠hang lie¬≠√üe sich √ľbri¬≠gens erw√§h¬≠nen, dass Kern¬≠kraft¬≠wer¬≠ke laut der oben ver¬≠link¬≠ten Stu¬≠die einen Ern¬≠te¬≠fak¬≠tor von nicht weni¬≠ger als 75:1 auf¬≠wei¬≠sen, von daher w√§ren die 520 Mil¬≠li¬≠ar¬≠den Euro, die die Ener¬≠gie¬≠wen¬≠de bis 2025 kos¬≠ten soll, viel¬≠leicht bes¬≠ser daf√ľr aus¬≠ge¬≠ge¬≠ben wor¬≠den, die¬≠se Tech¬≠nik so wei¬≠ter¬≠zu¬≠ent¬≠wi¬≠ckeln, dass die Anla¬≠gen nicht mehr durch¬≠ge¬≠hen k√∂n¬≠nen, kein Waf¬≠fen¬≠ma¬≠te¬≠ri¬≠al pro¬≠du¬≠zie¬≠ren und den bereits ange¬≠fal¬≠le¬≠nen Atom¬≠m√ľll als Brenn¬≠stoff nut¬≠zen k√∂n¬≠nen. Nur so mei¬≠ne beschei¬≠de¬≠ne Mei¬≠nung, aber zumin¬≠dest kurz¬≠zei¬≠tig scheint das ja auch Gre¬≠ta auf¬≠ge¬≠fal¬≠len zu sein ‚Ķ

Am Golf der Dichter

Das Sch√∂¬≠ne an der Zeit vor dem Inter¬≠net war, dass man noch von Weg abkom¬≠men konn¬≠te. Neh¬≠men wir bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se Pfings¬≠ten 1987 ‚Äď ich hat¬≠te aus irgend¬≠ei¬≠nem Grund, der mir ent¬≠fal¬≠len ist, in M√ľn¬≠chen ein Phy¬≠sik¬≠stu¬≠di¬≠um auf¬≠ge¬≠nom¬≠men, und muss¬≠te nun eine gr√∂¬≠√üe¬≠re Zahl von Ver¬≠suchs¬≠pro¬≠to¬≠kol¬≠len aus¬≠ar¬≠bei¬≠ten, um f√ľr die zuge¬≠h√∂¬≠ri¬≠ge  Lehr¬≠ver¬≠an¬≠stal¬≠tung einen Schein zu bekom¬≠men. Ich glau¬≠be, bereits vor¬≠han¬≠de¬≠ne Pro¬≠to¬≠kol¬≠le aus den vor¬≠an¬≠ge¬≠gan¬≠ge¬≠nen Semes¬≠tern spiel¬≠ten dabei eine nicht uner¬≠heb¬≠li¬≠che Rol¬≠le (schum¬≠meln konn¬≠te man auch ohne Goog¬≠le), aber dar¬≠auf woll¬≠te ich jetzt eigent¬≠lich nicht hinaus.

Ent¬≠schei¬≠dend ist, dass ich f√ľr ein paar Tage nach Ita¬≠li¬≠en her¬≠un¬≠ter¬≠tramp¬≠te, um die l√§s¬≠ti¬≠ge Auf¬≠ga¬≠be wenigs¬≠tens in ange¬≠neh¬≠mer Umge¬≠bung hin¬≠ter mich zu brin¬≠gen. Dabei spiel¬≠te auch eine gewis¬≠se Kath¬≠rin eine Rol¬≠le ‚Äď ich glau¬≠be, sie stu¬≠dier¬≠te Son¬≠der¬≠p√§d¬≠ago¬≠gik ‚Äď, die mit einer Freun¬≠din gera¬≠de s√ľd¬≠lich der Alpen unter¬≠wegs war und √ľber die Fei¬≠er¬≠ta¬≠ge eine Jugend¬≠her¬≠ber¬≠ge s√ľd¬≠lich von La Spe¬≠zia ansteu¬≠ern woll¬≠te. Ich rech¬≠ne¬≠te mir einen gewis¬≠sen √úber¬≠rum¬≠pe¬≠lungs¬≠ef¬≠fekt aus, wenn ich nun unan¬≠ge¬≠k√ľn¬≠digt in die¬≠ser Jugend¬≠her¬≠ber¬≠ge auf¬≠tau¬≠chen w√ľr¬≠de, um mei¬≠ne Chan¬≠cen bei der jun¬≠gen Dame zu erh√∂¬≠hen, und ach¬≠te¬≠te beim Tram¬≠pen dar¬≠auf, dass die Mit¬≠fahr¬≠ge¬≠le¬≠gen¬≠hei¬≠ten in die rich¬≠ti¬≠ge Rich¬≠tung gingen.

Lei¬≠der hat¬≠te ich ver¬≠ges¬≠sen, wie der Ort genau hie√ü, in dem sich das Ziel¬≠ob¬≠jekt befand. Heu¬≠te w√§re das nat√ľr¬≠lich kein Pro¬≠blem ‚Äď man geht auf die Web¬≠site des inter¬≠na¬≠tio¬≠na¬≠len Jugend¬≠her¬≠bergs¬≠ver¬≠bands und guckt kurz nach. Oder man steu¬≠ert La Spe¬≠zia in der Kar¬≠ten-App an und schaut, ob man s√ľd¬≠lich davon einen ent¬≠spre¬≠chen¬≠den Ort fin¬≠det. (Es han¬≠del¬≠te sich √ľbri¬≠gens um Mari¬≠na di Mas¬≠sa.) Aber 1987? H√§t¬≠te ich viel¬≠leicht extra zu Hugen¬≠du¬≠bel fah¬≠ren sol¬≠len, um im Regal mit den Rei¬≠se¬≠f√ľh¬≠rern die Adres¬≠se zu fin¬≠den? Teu¬≠res Geld f√ľr eine Kar¬≠te aus¬≠ge¬≠ben? Ach was, ein¬≠fach mal drauf¬≠los, in La Spe¬≠zia wis¬≠sen sie schon Bescheid ‚Ķ

Wuss¬≠ten sie lei¬≠der nicht. Die Dame im dor¬≠ti¬≠gen Tou¬≠ris¬≠mus-B√ľro offen¬≠bar¬≠te beim The¬≠ma ¬Ľostel¬≠li del¬≠la gio¬≠ven¬≠t√Ļ¬ę eine boden¬≠los tie¬≠fe Wis¬≠sens¬≠l√ľ¬≠cke und konn¬≠te sich nur d√ľs¬≠ter erin¬≠nern, irgend¬≠wann mal etwas von einer ent¬≠spre¬≠chen¬≠den Ein¬≠rich¬≠tung in Leri¬≠ci geh√∂rt zu haben, einem alten Fischer¬≠nest am S√ľd¬≠ende des Gol¬≠fes von La Spe¬≠zia, dort soll¬≠te ich mich doch am bes¬≠ten selbst umschau¬≠en. Immer¬≠hin konn¬≠te sie mir sagen, wel¬≠che Bus¬≠li¬≠nie ich daf√ľr neh¬≠men muss¬≠te, also mach¬≠te ich mich auf den Weg.

Und dann ‚Äď na ja, mei¬≠ne ers¬≠ten Ein¬≠dr√ľ¬≠cke habe ich sp√§¬≠ter so beschrieben:

Gott, er lieb¬≠te das‚Ķ! Der Bus don¬≠ner¬≠te im Kami¬≠ka¬≠ze-Tem¬≠po die engen Ser¬≠pen¬≠ti¬≠nen zum Meer hin¬≠un¬≠ter, und wenn man dabei die Ori¬≠en¬≠tie¬≠rung behielt, konn¬≠te man die¬≠ses unglaub¬≠li¬≠che Blau zwi¬≠schen den B√§u¬≠men hin¬≠durch¬≠schim¬≠mern sehen: T√ľr¬≠kis, Him¬≠mels¬≠far¬≠ben, Aqua¬≠ma¬≠rin, tie¬≠fes Dun¬≠kel wie Samt, ver¬≠mischt mit dem Umbra der Fel¬≠sen und dem Ocker der Sand¬≠b√§n¬≠ke, unter¬≠bro¬≠chen vom schat¬≠ti¬≠gen Gr√ľn der Zypres¬≠sen und Pini¬≠en, oran¬≠ge¬≠nen, gel¬≠ben und roten Fle¬≠cken; Mau¬≠er¬≠st√ľ¬≠cke, Zie¬≠gel. Ein rich¬≠ti¬≠ges Postkartengl√ľck.

Das St√§dt¬≠chen hie√ü Leri¬≠ci und lag recht male¬≠risch um eine klei¬≠ne Bucht am S√ľd¬≠ende der ita¬≠lie¬≠ni¬≠schen Rivie¬≠ra her¬≠um ver¬≠teilt. Einer von die¬≠sen bei¬≠den eng¬≠li¬≠schen Hel¬≠den der Roman¬≠tik, war es Byron oder Shel¬≠ley, soll¬≠te hier vor Urzei¬≠ten beim Baden im Meer ertrun¬≠ken sein, also war es nicht beson¬≠ders √ľber¬≠ra¬≠schend, dass jedes zwei¬≠te Hotel Shel¬≠ley, Pal¬≠ma di Byron oder Byron di Shel¬≠ley hie√ü, ganz abge¬≠se¬≠hen von den Mas¬≠sen √§lt¬≠li¬≠cher Eng¬≠l√§n¬≠de¬≠rin¬≠nen, die anschei¬≠nend einen guten Teil ihrer Bil¬≠dungs¬≠rei¬≠se durch das Land, wo die Zitro¬≠nen bl√ľh¬≠ten, damit ver¬≠brach¬≠ten, hier die Ufer¬≠pro¬≠me¬≠na¬≠de auf- und abzu¬≠lau¬≠fen. Wahr¬≠schein¬≠lich hoff¬≠ten sie dar¬≠auf, auf mys¬≠ti¬≠sche Wei¬≠se einen Hauch der See¬≠le des ver¬≠stor¬≠be¬≠nen Dich¬≠ters auf¬≠zu¬≠schnap¬≠pen; die¬≠se aber schweb¬≠te gelang¬≠weilt √ľber den Was¬≠sern und igno¬≠rier¬≠te sie.

Die Sze¬≠ne¬≠rie war so, wie man sich‚Äôs w√ľnsch¬≠te. An den bei¬≠den Ecken der Bucht stan¬≠den ein paar burg¬≠ar¬≠ti¬≠ge √úber¬≠res¬≠te von alten, genue¬≠si¬≠schen Fes¬≠tungs¬≠an¬≠la¬≠gen, im Hafen schau¬≠kel¬≠ten fried¬≠lich diver¬≠se Yach¬≠ten und Segel¬≠boo¬≠te vor sich hin, die H√§u¬≠ser hat¬≠ten alle so einen leicht ange¬≠gilb¬≠ten, s√ľd¬≠li¬≠chen Charme, gleich dahin¬≠ter stie¬≠gen die dicht¬≠be¬≠wach¬≠se¬≠nen Fel¬≠sen auf ‚Äď und √ľber¬≠haupt, wenn er je im Leben von Ita¬≠li¬≠en getr√§umt hat¬≠te, muss¬≠te das genau¬≠so aus¬≠ge¬≠se¬≠hen haben wie Lerici.

Mit ande¬≠ren Wor¬≠ten: Es war Lie¬≠be auf den ers¬≠ten Blick. Wie ich sp√§¬≠ter her¬≠aus¬≠fand, hat¬≠te die Jugend¬≠her¬≠ber¬≠ge in der alten Burg bereits Ende der 1960er zuge¬≠macht, jetzt befand sich ein Muse¬≠um f√ľr Pal√§¬≠on¬≠to¬≠lo¬≠gie in dem Gem√§u¬≠er. Aber das war mir egal. Ich such¬≠te mir ein Hotel¬≠zim¬≠mer, das ich mir gera¬≠de noch so leis¬≠ten konn¬≠te, und schweb¬≠te durch die Gas¬≠sen wie von Elfen ver¬≠zau¬≠bert. Die¬≠se Far¬≠ben! Die¬≠ser Duft! Die¬≠se Men¬≠schen! Sogar Kath¬≠rin ver¬≠ga√ü ich umge¬≠hend und lern¬≠te daf√ľr Gian¬≠na ken¬≠nen, mit der ich ein paar¬≠mal die Mole auf- und ablief, immer zwi¬≠schen dem Blick auf das wei¬≠te Meer und dem in ihre reh¬≠brau¬≠nen Augen hin und her¬≠pen¬≠delnd. Lei¬≠der beherrsch¬≠te ich die Lan¬≠des¬≠spra¬≠che nicht und sie nur die¬≠se, sodass wir nur non¬≠ver¬≠bal kom¬≠mu¬≠ni¬≠zie¬≠ren konn¬≠ten. Aber wird Spra¬≠che nicht ohne¬≠hin √ľberbewertet ‚Ķ?

Leri¬≠ci in den fr√ľ¬≠hen 1960ern

Wie man sich den¬≠ken kann, war ich sp√§¬≠ter noch √∂fter in dem klei¬≠nen St√§dt¬≠chen, das au√üer bei eng¬≠li¬≠schen Shel¬≠ley-Fans nie den Sta¬≠tus des Geheim¬≠tipps ver¬≠lo¬≠ren hat. Die typi¬≠schen deut¬≠schen Tou¬≠ris¬≠ten wan¬≠dern lie¬≠ber auf der ande¬≠ren Sei¬≠te des ¬ĽGol¬≠fo dei Poei¬≠ti¬ę in den Cin¬≠que Terre, weil man sich da so h√ľbsch an der uri¬≠gen Armut der Oli¬≠ven¬≠bau¬≠ern wei¬≠den kann, und wer ligu¬≠ri¬≠sche Fischer¬≠dorfro¬≠man¬≠tik pur will, f√§hrt eben nach Portofino.

Ich nicht. Im Lau¬≠fe der Jah¬≠re erfuhr ich, dass die bewuss¬≠te Jugend¬≠her¬≠ber¬≠ge eigent¬≠lich ein K√ľnst¬≠ler¬≠treff gewe¬≠sen war, in dem sich in den 1950ern Heming¬≠way und ande¬≠re Gr√∂¬≠√üen die Klin¬≠ke in die Hand gege¬≠ben hat¬≠ten. Die Kas¬≠tel¬≠lanin und Her¬≠bergs¬≠mut¬≠ter Mad¬≠da¬≠le¬≠na Di Car¬≠lo, eine etwas exzen¬≠tri¬≠sche alte Dame, war bekannt daf√ľr, nachts die Kat¬≠zen von Leri¬≠ci mit den Spa¬≠get¬≠ti¬≠res¬≠ten des Abend¬≠essens zu f√ľt¬≠tern, ihr Zim¬≠mer war ein Sam¬≠mel¬≠su¬≠ri¬≠um von Kunst¬≠wer¬≠ken und Kit¬≠sch¬≠ob¬≠jek¬≠ten, die ihr G√§s¬≠te aus aller Welt geschickt hat¬≠ten, sie stieg sogar gele¬≠gent¬≠lich auf den Berg¬≠fried und bete¬≠te zu den Wind¬≠g√∂t¬≠tern. Alle Welt nann¬≠te sie ¬ĽRegi¬≠na dei vag¬≠abo¬≠ni¬ę, die K√∂ni¬≠gin der Vaga¬≠bun¬≠den. Viel¬≠leicht kann¬≠te sie Rudolf Jacobs, einen aus Bre¬≠men stam¬≠men¬≠den Archi¬≠tek¬≠ten, der im 2. Welt¬≠krieg als Offi¬≠zier f√ľr die Fes¬≠tungs¬≠bau¬≠ten im Golf von La Spe¬≠zia zust√§n¬≠dig war und in Leri¬≠ci wohn¬≠te. Als er die Gr√§u¬≠el¬≠ta¬≠ten von SS und Mus¬≠so¬≠li¬≠nis Schwarz¬≠hem¬≠den nicht mehr ertrug, lief er zu den ita¬≠lie¬≠ni¬≠schen Par¬≠ti¬≠sa¬≠nen √ľber und kam bei einer Akti¬≠on im nahen Sarzana ums Leben. Noch heu¬≠te ver¬≠eh¬≠ren ihn die Ita¬≠lie¬≠ner als Helden.

Ansons¬≠ten gibt es gar nicht so viel berich¬≠ten aus die¬≠ser Ecke der Welt. Der Hafen war vor lan¬≠ger Zeit im Mit¬≠tel¬≠al¬≠ter von einer gewis¬≠sen Bedeu¬≠tung, weil sich hier die Genue¬≠sen mit den Pisanern strit¬≠ten und die hin¬≠ter den Ber¬≠gen lie¬≠gen¬≠de Luni¬≠gia¬≠na einen Zugang zum Meer brauch¬≠te. Dan¬≠te hat die Burg mal irgend¬≠wo erw√§hnt, Arnold B√∂ck¬≠lin leb¬≠te f√ľr kur¬≠ze Zeit in der Gegend, genau¬≠so D.H. Law¬≠rence und Emma Orc¬≠zy. In der Lite¬≠ra¬≠tur spielt der Ort kei¬≠ne gro¬≠√üe Rolle.

Ich fand, es war mal Zeit, das zu √§ndern ‚Ķ

Die weiße Stadt, viele Jahre später

Es ist immer ein biss¬≠chen gef√§hr¬≠lich, nach so lan¬≠ger Zeit an einen Ort zur√ľck¬≠zu¬≠keh¬≠ren, der im eige¬≠nen Leben eine, sagen wir mal, nicht ganz unbe¬≠deu¬≠ten¬≠de Rol¬≠le gespielt hat. Der ers¬≠te Anfall von sau¬≠da¬≠de erfasst mich beim Blick aus dem Fens¬≠ter der Unter¬≠kunft, der vom Gra¬≠√ßa-H√ľgel nach S√ľd¬≠os¬≠ten hin¬≠un¬≠ter zum Fluss geht. Ist da am Ufer nicht irgend¬≠wo San¬≠ta Apol√ī¬≠nia, wo ich als jun¬≠ger Spund mit einem alten Bun¬≠des¬≠wehr¬≠ruck¬≠sack auf dem R√ľcken aus dem Zug von Madrid gestol¬≠pert bin und zum ers¬≠ten Mal die Luft am West¬≠rand Euro¬≠pas geschnup¬≠pert habe? Und ist hier in Gra¬≠√ßa nicht irgend¬≠wo das muf¬≠fi¬≠ge Sechs¬≠bett¬≠zim¬≠mer, in das mich die zahn¬≠lo¬≠se Alte geschleppt hat, der ich vor dem Bahn¬≠hof in die F√§n¬≠ge gelau¬≠fen war? Das Leben vor dem Inter¬≠net war weni¬≠ger orga¬≠ni¬≠siert, daf√ľr in der Regel spannender ‚Ķ

Sp√§¬≠ter gehen wir zum n√§chst¬≠ge¬≠le¬≠ge¬≠nen Mira¬≠dou¬≠ro, und es kommt noch schlim¬≠mer. Da hin¬≠ten links die Gegend, in der mir mei¬≠ne zuk√ľnf¬≠ti¬≠ge Ex-Frau gezeigt hat, was ¬Ľum caf√© e um baga¬≠√ßo¬ę bedeu¬≠tet. Wei¬≠ter rechts, in der Unter¬≠stadt, die Alt¬≠bau¬≠woh¬≠nung von Jos√©, dem schwu¬≠len Rechts¬≠an¬≠walt, der mir (zu Recht) pro¬≠phe¬≠zei¬≠te, dass ich mich irgend¬≠wann wie¬≠der mit mei¬≠nen Eltern aus¬≠s√∂h¬≠nen w√ľr¬≠de. Noch wei¬≠ter rechts, schon oben im Chia¬≠do, die Pra¬≠√ßa Cam√Ķes, war da nicht die Vor¬≠stel¬≠lung der Zir¬≠kus¬≠schu¬≠le, mit der Pau¬≠la und Fer¬≠nan¬≠da irgend¬≠wie zu tun hat¬≠ten? Spuck¬≠te da nicht irgend¬≠wer Feu¬≠er? Fing nicht mein Freund Chris¬≠ti¬≠an sel¬≠bi¬≠ges f√ľr eine der Lusi¬≠ta¬≠nie¬≠rin¬≠nen, als sie uns sp√§¬≠ter in Deutsch¬≠land besuchten?

Gleich dane¬≠ben das ¬ĽPal¬≠pi¬≠ta-me¬ę, in dem Jo√£o Os√≥¬≠rio (der Name muss mal an die √Ėffent¬≠lich¬≠keit) mir einen der pein¬≠lichs¬≠ten Momen¬≠te mei¬≠nes Lebens ver¬≠schaff¬≠te. Wei¬≠ter¬≠le¬≠sen

Neulich im dicken, fetten B

Ich wei√ü gar nicht so genau, wor¬≠an es liegt. Viel¬≠leicht an dem Schwall aus Urin und Erbro¬≠che¬≠nem, der einem aus dem U‚ÄĎBahn-Auf¬≠gang an der M√∂ckern¬≠br√ľ¬≠cke ent¬≠ge¬≠gen¬≠ge¬≠weht kommt. Oder an den Halb¬≠star¬≠ken, die laut¬≠stark und aggres¬≠siv auf Ara¬≠bisch durch den Wag¬≠gon p√∂beln und sich dabei kei¬≠nen Deut um die ande¬≠ren Fahr¬≠g√§s¬≠te sche¬≠ren. An den jun¬≠gen T√ľr¬≠kin¬≠nen auf dem Kott¬≠bus¬≠ser Damm, die Kopf¬≠t√ľ¬≠cher und kn√∂¬≠chel¬≠lan¬≠ge M√§n¬≠tel tra¬≠gen und mit ihren Kin¬≠dern wie gewohnt in der Mut¬≠ter¬≠spra¬≠che Pr√§¬≠si¬≠dent Erdońüans reden. An den Pro¬≠le¬≠ten in Jog¬≠ging¬≠an¬≠z√ľ¬≠gen, die am hel¬≠lich¬≠ten Tag ihre Bier¬≠fla¬≠schen auf¬≠ma¬≠chen und einen aus w√§ss¬≠rig-grau¬≠en Augen lau¬≠ernd anstar¬≠ren, jeder¬≠zeit bereit zur Explo¬≠si¬≠on. An die obli¬≠ga¬≠to¬≠ri¬≠schen Matrat¬≠zen, die selbst √ľber die Oster¬≠fei¬≠er¬≠ta¬≠ge die B√ľr¬≠ger¬≠stei¬≠ge voll¬≠m√ľl¬≠len. An der unbe¬≠z√§hm¬≠ba¬≠ren Lust der Bewoh¬≠ner die¬≠ser Stadt, auch die sch√∂ns¬≠te Ein¬≠gangs¬≠t√ľr und den gl√§n¬≠zends¬≠ten neu¬≠en Haus¬≠an¬≠strich ohne Umschwei¬≠fe mit h√§ss¬≠li¬≠chem Geschreib¬≠sel zu √ľber¬≠zie¬≠hen. An dem blei¬≠er¬≠nen Him¬≠mel, der einen selbst bei fr√ľh¬≠lings¬≠haf¬≠ter W√§r¬≠me in die Depres¬≠si¬≠on treibt.

In Wirk¬≠lich¬≠keit ist es wahr¬≠schein¬≠lich ent¬≠t√§usch¬≠te Lie¬≠be. Als ich vor Jahr und Tag das schreck¬≠lich rei¬≠che und auf¬≠ge¬≠r√§um¬≠te M√ľn¬≠chen ver¬≠lie√ü, um mei¬≠ne Zel¬≠te an der Spree auf¬≠zu¬≠schla¬≠gen, gab es das alles auch schon, aber es hat mich eigent¬≠lich nicht wei¬≠ter gest√∂rt. Im Gegen¬≠teil, schien es sich doch um typi¬≠sche Cha¬≠rak¬≠ter¬≠ei¬≠gen¬≠schaf¬≠ten einer ech¬≠ten Metro¬≠po¬≠le zu han¬≠deln, allen¬≠falls um Geburts¬≠we¬≠hen einer gro√ü¬≠ar¬≠ti¬≠gen, neu¬≠en Zeit, die hier her¬≠auf¬≠d√§m¬≠mer¬≠te und mir einen Logen¬≠platz im gro¬≠√üen Thea¬≠ter der Welt¬≠ge¬≠schich¬≠te bie¬≠ten w√ľr¬≠de. All die jun¬≠gen Leu¬≠te aus aller Her¬≠ren L√§n¬≠der, all der fri¬≠sche Wind nach vier Jahr¬≠zehn¬≠ten sozia¬≠lis¬≠ti¬≠schem Mief! Die gan¬≠ze Stadt war irgend¬≠wie auf Anfang, und man konn¬≠te davon tr√§u¬≠men, dass sie an ihre eige¬≠nen gro¬≠√üen Zei¬≠ten in den 1920ern wie¬≠der ankn√ľp¬≠fen w√ľr¬≠de, an das Paris der Lost Genera¬≠ti¬≠on, Sina¬≠tras New York oder Swin¬≠ging London.

Wie albern einem das heu¬≠te erscheint ‚Ķ Wei¬≠ter¬≠le¬≠sen

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