Mit 14 ver¬≠liert man sich ger¬≠ne in Ph√§¬≠no¬≠me¬≠nen, die einem sp√§¬≠ter herz¬≠lich pein¬≠lich sind: Tee¬≠nie-Musik, Elek¬≠tronik¬≠bas¬≠teln, Bibel¬≠kreis. Oder, in mei¬≠nem Fall, Sci¬≠ence-Fic¬≠tion. Woche um Woche fie¬≠ber¬≠te ich dem Erschei¬≠nen der neu¬≠en Per¬≠ry-Rho¬≠dan-Heft¬≠chen (1. und 4. Auf¬≠la¬≠ge) ent¬≠ge¬≠gen, ver¬≠schlang alles aus Heynes SF-Taschen¬≠buch¬≠rei¬≠he, das ich in die Fin¬≠ger bekam, und sa√ü atem¬≠los auf der vor¬≠de¬≠ren Kan¬≠te des Kino¬≠sit¬≠zes, w√§h¬≠rend Offi¬≠zier Ripley sich mit den Krea¬≠tio¬≠nen H. R. Gigers her¬≠um¬≠schlug (die Kino¬≠le¬≠u¬≠te nah¬≠men es damals mit der FSK nicht so genau). Ganz zu schwei¬≠gen von den zahl¬≠rei¬≠chen Fol¬≠gen Raum¬≠schiff Enter¬≠pri¬≠se und Mond¬≠ba¬≠sis Alpha, in denen Abge¬≠sand¬≠te der Mensch¬≠heit frei¬≠wil¬≠lig oder unfrei¬≠wil¬≠lig mit Warp-Antrieb oder durch ‚ÄúWurm¬≠l√∂¬≠cher‚ÄĚ beschleu¬≠nigt durchs Uni¬≠ver¬≠sum d√ľs¬≠ten und sich mit den ver¬≠schie¬≠dens¬≠ten au√üer¬≠ir¬≠di¬≠schen Kul¬≠tu¬≠ren her¬≠um¬≠schlu¬≠gen. Sogar Cap¬≠tain Future habe ich mir noch gegeben.

Irgend¬≠wann legt man das ab wie den Par¬≠ka und die Puma-Turn¬≠schu¬≠he, ohne die sich unser¬≠eins damals nicht aus dem Hau¬≠se trau¬≠te. Trotz¬≠dem blieb ich dem Welt¬≠raum¬≠fie¬≠ber, das ich mir schon im Grund¬≠schul¬≠al¬≠ter bei der Live-√úber¬≠tra¬≠gung der letz¬≠ten Mond¬≠lan¬≠dun¬≠gen zuge¬≠zo¬≠gen hat¬≠te, noch ein paar Jah¬≠re l√§n¬≠ger treu, wenn auch in einem etwas rea¬≠lis¬≠ti¬≠sche¬≠ren Modus. Ich tr√§um¬≠te davon, als Astro¬≠naut auf der von Pr√§¬≠si¬≠dent Rea¬≠gan ange¬≠k√ľn¬≠dig¬≠ten inter¬≠na¬≠tio¬≠na¬≠len Raum¬≠sta¬≠ti¬≠on (die damals noch Free¬≠dom hei¬≠√üen soll¬≠te) zu arbei¬≠ten, und begann ein Stu¬≠di¬≠um der Lauft- und Raum¬≠fahrt¬≠tech¬≠nik ‚Äď das ich bald wie¬≠der hin¬≠warf, da man schon im Prak¬≠ti¬≠kum gen√∂¬≠tigt wur¬≠de, an irgend¬≠wel¬≠chen Kampf¬≠jets her¬≠um¬≠zu¬≠schrau¬≠ben, was mir die tat¬≠s√§ch¬≠li¬≠chen Berufs¬≠per¬≠spek¬≠ti¬≠ven in die¬≠sem Bereich nur all¬≠zu dras¬≠tisch vor Augen f√ľhr¬≠te: Maschi¬≠nen bau¬≠en, die t√∂ten. Nach ein paar Semes¬≠tern Phy¬≠sik hat¬≠te ich end¬≠g√ľl¬≠tig die Nase voll von Tech¬≠nik und Welt¬≠all und fand mei¬≠ne wah¬≠re Beru¬≠fung dort, wo ich heu¬≠te bin: bei Geschich¬≠te, Spra¬≠chen und √Ėko¬≠lo¬≠gie. Als die ISS end¬≠lich zusam¬≠men¬≠ge¬≠schraubt war und im Orbit schweb¬≠te, war mir das so pie¬≠pe¬≠gal, als ob in Kan¬≠ton ein Reis¬≠korn vom Tisch gefal¬≠len w√§re.

Ande­re sind nicht so leicht davongekommen.

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Quel­le: NASA [Public domain], aus Wiki­me­dia Commons

Neh¬≠men wir mal Jeff. Er ist eigent¬≠lich so eine Art Buch¬≠h√§nd¬≠ler, hat aber sein Sor¬≠ti¬≠ment mit der Zeit immer mehr erwei¬≠tert und ver¬≠kauft heu¬≠te alles M√∂g¬≠li¬≠che, von Win¬≠deln √ľber MP3-Play¬≠er bis hin zu Gar¬≠ten¬≠sche¬≠ren. Neu¬≠er¬≠dings geh√∂rt ihm sogar eine Zei¬≠tung. Sei¬≠ne Lei¬≠den¬≠schaft aber ist der Welt¬≠raum. In sei¬≠ner Jugend tr√§um¬≠te er davon, ‚ÄúHotels, Frei¬≠zeit¬≠parks und Kolo¬≠nien im All f√ľr 2 bis 3 Mil¬≠lio¬≠nen Men¬≠schen‚ÄĚ zu bau¬≠en, um die Erde zu ret¬≠ten. Die k√∂n¬≠ne dann n√§m¬≠lich ein Park wer¬≠den, in dem der Mensch nicht mehr st√∂¬≠ren w√ľr¬≠de. Jeff ist weit von die¬≠sen Zie¬≠len ent¬≠fernt, aber er hat immer¬≠hin eine Fir¬≠ma gegr√ľn¬≠det, um ein Rake¬≠ten¬≠sys¬≠tem ent¬≠wi¬≠ckeln zu las¬≠sen, das Men¬≠schen sicher und bil¬≠lig ins All brin¬≠gen soll.

Dabei arbei¬≠tet er neu¬≠er¬≠dings stra¬≠te¬≠gisch mit Richard zusam¬≠men. Der ist schon ein biss¬≠chen √§lter, so alt, dass er die Swin¬≠ging Six¬≠ties nicht nur vom H√∂ren¬≠sa¬≠gen kennt und ein Leben vol¬≠ler Aben¬≠teu¬≠er und sch√∂¬≠ner Frau¬≠en vor¬≠wei¬≠sen kann. Statt mit B√ľchern hat er mit Schall¬≠plat¬≠ten ange¬≠fan¬≠gen und sei¬≠ne Akti¬≠vi¬≠t√§¬≠ten im Lau¬≠fe sei¬≠nes tur¬≠bu¬≠len¬≠ten Lebens auf Flug¬≠zeu¬≠ge, Hei√ü¬≠luft¬≠bal¬≠lons und Z√ľge aus¬≠ge¬≠dehnt. In die¬≠ser Hin¬≠sicht sind die Rake¬≠ten¬≠flug¬≠zeu¬≠ge, deren Kon¬≠struk¬≠ti¬≠on er seit eini¬≠gen Jah¬≠ren finan¬≠ziert, nur ein wei¬≠te¬≠res Ver¬≠kehrs¬≠mit¬≠tel unter vie¬≠len. Die schnit¬≠ti¬≠gen Raum¬≠bo¬≠li¬≠den sol¬≠len rei¬≠che Tou¬≠ris¬≠ten f√ľr einen H√ľp¬≠fer in das Welt¬≠all, na ja, in den Bereich gera¬≠de au√üer¬≠halb der Erd¬≠at¬≠mo¬≠sph√§¬≠re brin¬≠gen und so schnell flie¬≠gen, dass die Pas¬≠sa¬≠gie¬≠re dort ein paar Minu¬≠ten Schwe¬≠re¬≠lo¬≠sig¬≠keit erle¬≠ben. Richard ist mit sei¬≠nen Pl√§¬≠nen ein biss¬≠chen wei¬≠ter als Jeff, die ers¬≠ten Test¬≠fl√ľ¬≠ge haben schon statt¬≠ge¬≠fun¬≠den. Sei¬≠nen Sub¬≠or¬≠bi¬≠tal¬≠flie¬≠ger hat der beken¬≠nen¬≠de Star-Trek-Fan nat√ľr¬≠lich Enter¬≠pri¬≠se genannt, und vie¬≠le Hol¬≠ly¬≠wood-Stars und sons¬≠ti¬≠ge Ber√ľhmt¬≠hei¬≠ten haben bereits Pl√§t¬≠ze dar¬≠in reser¬≠viert, was immer¬≠hin 200.000 US-Dol¬≠lar kos¬≠tet. Noch ist es aller¬≠dings nicht soweit.

Nicht ganz so inten¬≠siv enga¬≠gie¬≠ren sich Ser¬≠gey und Lar¬≠ry, die aller¬≠dings auch nicht so viel Zeit haben, weil sie zusam¬≠men eine gro¬≠√üe Fir¬≠ma in der Inter¬≠net¬≠bran¬≠che lei¬≠ten m√ľs¬≠sen. Ser¬≠gey hat immer¬≠hin schon mal einen Platz bei einer ande¬≠ren Fir¬≠ma gebucht, die Aus¬≠fl√ľ¬≠ge zur ISS und als Pas¬≠sa¬≠gier in rus¬≠si¬≠schen Raum¬≠kap¬≠seln ver¬≠mark¬≠tet. Und Lar¬≠ry hat f√ľr die wei¬≠te¬≠re Zukunft ganz gro¬≠√üe Pl√§¬≠ne: Zusam¬≠men mit sei¬≠nen Kum¬≠pels Eric und James m√∂ch¬≠te er in ein paar Jah¬≠ren Raum¬≠son¬≠den zu Aste¬≠ro¬≠iden schi¬≠cken, um dort nach mine¬≠ra¬≠li¬≠schen Roh¬≠stof¬≠fen sch√ľr¬≠fen zu las¬≠sen. Nicht ganz wie in Out¬≠land, dem alten Sean-Con¬≠ne¬≠ry-Film, son¬≠dern nur mit Robo¬≠tern, und vor¬≠her sol¬≠len die Aste¬≠ro¬≠iden in die Erd¬≠um¬≠lauf¬≠bahn geschleppt wer¬≠den, aber immer¬≠hin. Vor¬≠erst arbei¬≠tet man bei dem ent¬≠spre¬≠chen¬≠den Unter¬≠neh¬≠men aller¬≠dings noch an einem Welt¬≠raum¬≠te¬≠le¬≠skop, denn schlie√ü¬≠lich muss man die geeig¬≠ne¬≠ten Aste¬≠ro¬≠iden erst ein¬≠mal fin¬≠den. Das Tele¬≠skop soll so finan¬≠ziert wer¬≠den, dass Pri¬≠vat¬≠leu¬≠te das Recht kau¬≠fen k√∂n¬≠nen, sei¬≠ne Funk¬≠tio¬≠nen f√ľr ein paar Minu¬≠ten zu nut¬≠zen und die dabei auf¬≠ge¬≠nom¬≠me¬≠nen Bil¬≠der zusam¬≠men mit dem eige¬≠nen Kon¬≠ter¬≠fei in sozia¬≠len Net¬≠zen wie Face¬≠book zu verbreiten.

Am erfolg¬≠reichs¬≠ten von allen ist aber Elon. Er hat genau wie ich ein Phy¬≠sik¬≠stu¬≠di¬≠um abge¬≠bro¬≠chen, im Anschluss dar¬≠an aber eine Fir¬≠ma gegr√ľn¬≠det, deren Mit¬≠ar¬≠bei¬≠ter eine intel¬≠li¬≠gen¬≠te und n√ľtz¬≠li¬≠che Soft¬≠ware f√ľr das Bezah¬≠len im Inter¬≠net erfun¬≠den haben. Die Fir¬≠ma wur¬≠de schlie√ü¬≠lich ver¬≠kauft, und Elon hat zwei wei¬≠te¬≠re Unter¬≠neh¬≠men gegr√ľn¬≠det (in den USA spricht man in einem sol¬≠chen Fall ana¬≠log zum ‚ÄúSeri¬≠en¬≠kil¬≠ler‚ÄĚ neu¬≠er¬≠dings vom ‚ÄúSeri¬≠en¬≠un¬≠ter¬≠neh¬≠mer‚ÄĚ), von denen eines Elek¬≠tro¬≠au¬≠tos baut, die mit Note¬≠book-Bat¬≠te¬≠rien lau¬≠fen, und das ande¬≠re Rake¬≠ten. Die¬≠se Pro¬≠jek¬≠ti¬≠le sol¬≠len die Kos¬≠ten der Raum¬≠fahrt dras¬≠tisch sen¬≠ken, indem sie nicht mehr nach Gebrauch zu gro¬≠√üen Tei¬≠len in der Erd¬≠at¬≠mo¬≠sph√§¬≠re ver¬≠gl√ľ¬≠hen, son¬≠dern so zur Erde zur√ľck¬≠keh¬≠ren, dass man sofort wie¬≠der damit los¬≠flie¬≠gen kann, also ganz wie Dr. Zar¬≠kovs Rake¬≠te in Flash Gor¬≠don. Das hat vor Elon noch kei¬≠ner geschafft, aber er ist guter Hoff¬≠nung. Und wenn es soweit ist, soll es end¬≠lich los¬≠ge¬≠hen mit dem Bau von Orbi¬≠tal¬≠sta¬≠tio¬≠nen und Mond¬≠ba¬≠sen, um deren Finan¬≠zie¬≠rung sich dann nicht mehr staat¬≠li¬≠che Beh√∂r¬≠den mit knap¬≠pen Bud¬≠gets, son¬≠dern tat¬≠kr√§f¬≠ti¬≠ge Unter¬≠neh¬≠mer mit Gewinn¬≠ab¬≠sich¬≠ten k√ľm¬≠mern w√ľr¬≠den. Und so schnell wie m√∂g¬≠lich soll es dann auch zum Mars gehen, des¬≠sen Kolo¬≠ni¬≠sie¬≠rung Elon f√ľr die Mensch¬≠heit erm√∂g¬≠li¬≠chen m√∂ch¬≠te. Das kann noch ein paar Jah¬≠re war¬≠ten, und Elons Rake¬≠ten keh¬≠ren auch noch nicht so rich¬≠tig zur Wie¬≠der¬≠ver¬≠wen¬≠dung zur Erde zur√ľck, aber sie flie¬≠gen immer¬≠hin schon so zuver¬≠l√§s¬≠sig, dass die NASA Fl√ľ¬≠ge damit bucht, um Las¬≠ten auf die her¬≠k√∂mm¬≠li¬≠che Art zur ISS zu brin¬≠gen. F√ľr die n√§he¬≠re Zukunft sind Satel¬≠li¬≠ten¬≠starts und eine bemann¬≠te Raum¬≠kap¬≠sel geplant.

Die Cle¬≠ve¬≠ren haben es schon gemerkt, ich rede von Ama¬≠zon-Chef Jeff Bezos, Vir¬≠gin-Tycoon Richard Bran¬≠son, Ser¬≠gey Brin, Lar¬≠ry Page und Eric Schmidt von Goog¬≠le, dem Film¬≠re¬≠gis¬≠seur James Came¬≠ron sowie Elon Musk, der das Geld, das er mit dem Ver¬≠kauf von Paypal ver¬≠dient hat, in Tes¬≠la Motors und SpaceX gesteckt hat. Ich kann den Enthu¬≠si¬≠as¬≠mus, den all die¬≠se Mul¬≠ti¬≠mil¬≠li¬≠ar¬≠d√§¬≠re f√ľr ihre Raum¬≠fahrt¬≠pro¬≠jek¬≠te ver¬≠spr√ľ¬≠hen, noch ganz gut nach¬≠voll¬≠zie¬≠hen, schlie√ü¬≠lich habe ich sel¬≠ber mal √§hn¬≠li¬≠che Tr√§u¬≠me gehegt (ohne aller¬≠dings den Weg dort¬≠hin als Super¬≠ka¬≠pi¬≠ta¬≠list bestrei¬≠ten zu wol¬≠len). Aber wie rea¬≠lis¬≠tisch ist das alles? Lohnt es sich? Und was f√ľr eine Phi¬≠lo¬≠so¬≠phie steckt dahinter?

F√ľr Weltraumtouristen

¬© Vir¬≠gin Galactic/Mark Green¬≠berg [CC-BY-SA‚ÄĎ3.0], √ľber Wiki¬≠me¬≠dia Commons

Das mit dem Welt¬≠raum¬≠tou¬≠ris¬≠mus ist wahr¬≠schein¬≠lich kein Pro¬≠blem, poten¬≠zi¬≠el¬≠le Tou¬≠ris¬≠ten gibt es jeden¬≠falls genug. Wie die kana¬≠di¬≠sche Jour¬≠na¬≠lis¬≠tin Chrys¬≠tia Free¬≠land in ihrem k√ľrz¬≠lich auf Deutsch erschie¬≠ne¬≠nen Buch Die Super¬≠rei¬≠chen (im Ori¬≠gi¬≠nal weni¬≠ger scham¬≠haft: The Plu¬≠to¬≠crats) sehr anschau¬≠lich erkl√§rt, ist in den letz¬≠ten Jahr¬≠zehn¬≠ten eine neue Klas¬≠se von Glo¬≠bal-Play¬≠ern ent¬≠stan¬≠den, die ihren m√§r¬≠chen¬≠haf¬≠ten Reich¬≠tum sowohl Orga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠ons¬≠ta¬≠lent und har¬≠ter Arbeit als auch dem Umstand ver¬≠dankt, dass sich durch die IT-Revo¬≠lu¬≠ti¬≠on, die Glo¬≠ba¬≠li¬≠sie¬≠rung der Unter¬≠hal¬≠tungs¬≠in¬≠dus¬≠trie und die neo¬≠li¬≠be¬≠ra¬≠lis¬≠ti¬≠sche Pri¬≠va¬≠ti¬≠sie¬≠rungs¬≠wel¬≠le M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten f√ľr den Ver¬≠m√∂¬≠gens¬≠er¬≠werb auf¬≠ge¬≠tan haben, die die Welt seit den Tagen von Rocke¬≠fel¬≠ler und Car¬≠ne¬≠gie nicht mehr gese¬≠hen hat. Nicht nur geh√∂¬≠ren Bran¬≠sons Ziel¬≠kun¬≠den zur die¬≠ser neu¬≠en Klas¬≠se, son¬≠dern auch er selbst und die ande¬≠ren genann¬≠ten Raum¬≠fahrt¬≠un¬≠ter¬≠neh¬≠mer; man bleibt unter sich.

Bran¬≠sons VCC Enter¬≠pri¬≠se k√∂nn¬≠te also schon bald zah¬≠len¬≠de Kund¬≠schaft in den Bereich au√üer¬≠halb der Erd¬≠at¬≠mo¬≠sph√§¬≠re kata¬≠pul¬≠tie¬≠ren. In tech¬≠ni¬≠scher Hin¬≠sicht geht es ja eigent¬≠lich nur um einen beson¬≠ders hohen Para¬≠bel¬≠flug, und solan¬≠ge kein gr√∂¬≠√üe¬≠rer Unfall pas¬≠siert, bei dem Pas¬≠sa¬≠gie¬≠re zu Tode kom¬≠men, d√ľrf¬≠te das Gesch√§fts¬≠mo¬≠dell funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren. Was aber ist mit den ande¬≠ren Vorhaben?

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Quel­le: NASA [Public domain], aus Wiki­me­dia Commons

Eines muss dabei klar sein: Die viel¬≠f√§l¬≠ti¬≠gen unter¬≠neh¬≠me¬≠ri¬≠schen Akti¬≠vi¬≠t√§¬≠ten in Sachen Raum¬≠fahrt befin¬≠den sich momen¬≠tan in einer Pha¬≠se, die unge¬≠f√§hr der¬≠je¬≠ni¬≠gen der staat¬≠li¬≠chen Raum¬≠fahrt Ende der 1950er plus bes¬≠se¬≠ren Com¬≠pu¬≠tern ent¬≠spricht. Die Tech¬≠nik unter¬≠schei¬≠det sich nicht grund¬≠le¬≠gend von der damals kon¬≠zi¬≠pier¬≠ten: mehr¬≠stu¬≠fi¬≠ge R√ľck¬≠sto√ü¬≠ra¬≠ke¬≠ten mit Kap¬≠seln an der Spit¬≠ze, die den alten Gemi¬≠ni- oder Apol¬≠lo-Sys¬≠te¬≠men nicht un√§hn¬≠lich sind. Ideen wie die Wie¬≠der¬≠ver¬≠wen¬≠dung von Rake¬≠ten¬≠stu¬≠fen gab es damals nat√ľr¬≠lich auch schon, aber sie wur¬≠den ver¬≠wor¬≠fen, weil man m√∂g¬≠lichst schnell zum Mond woll¬≠te, und danach setz¬≠ten sowohl die USA als auch die UdSSR auf Shut¬≠tle-Sys¬≠te¬≠me (von denen nur das ame¬≠ri¬≠ka¬≠ni¬≠sche ver¬≠wirk¬≠licht wur¬≠de). Eine Rake¬≠te, die nach dem Ein¬≠satz wie¬≠der lan¬≠den soll, ver¬≠braucht aller¬≠dings wesent¬≠lich mehr Treib¬≠stoff und ist schwe¬≠rer als Weg¬≠werfl√∂¬≠sun¬≠gen, sodass ent¬≠we¬≠der die Nutz¬≠last klei¬≠ner oder die Rake¬≠te gr√∂¬≠√üer wer¬≠den muss. Ob sich das Sys¬≠tem am Ende rech¬≠net, steht sozu¬≠sa¬≠gen in den Ster¬≠nen, aber es ist ein inter¬≠es¬≠san¬≠ter Ansatz, und viel¬≠leicht kommt wirk¬≠lich etwas dabei her¬≠aus, das die Start¬≠kos¬≠ten f√ľr Welt¬≠raum¬≠frach¬≠ten deut¬≠lich sen¬≠ken kann. Den Markt f√ľr Satel¬≠li¬≠ten¬≠starts und For¬≠schungs¬≠fl√ľ¬≠ge k√∂nn¬≠ten Unter¬≠neh¬≠mer wie Musk jeden¬≠falls durch¬≠aus kr√§f¬≠tig aufmischen.

Der umtrie¬≠bi¬≠ge S√ľd¬≠afri¬≠ka¬≠ner hat aber, wie bereits erw√§hnt, in Wirk¬≠lich¬≠keit ganz ande¬≠re Zie¬≠le. Es soll ja nur der Anfang sein, Satel¬≠li¬≠ten in die Umlauf¬≠bahn zu schie¬≠√üen, um Geld damit zu ver¬≠die¬≠nen, am Ende will Musk zu unse¬≠rem √§u√üe¬≠ren Nach¬≠bar¬≠pla¬≠ne¬≠ten, auf dem eine Kolo¬≠nie der Mensch¬≠heit ent¬≠ste¬≠hen soll, um das Pro¬≠blem der √úber¬≠be¬≠v√∂l¬≠ke¬≠rung zu l√∂sen. Vom Rei¬≠se¬≠ziel Mars tr√§u¬≠men nat√ľr¬≠lich vie¬≠le, die ame¬≠ri¬≠ka¬≠ni¬≠schen Regie¬≠run¬≠gen der ver¬≠gan¬≠ge¬≠nen Jahr¬≠zehn¬≠te haben auch immer mal wie¬≠der gr√∂¬≠√üe¬≠re Pro¬≠jek¬≠te ange¬≠k√ľn¬≠digt, bei denen es um bemann¬≠te Mis¬≠sio¬≠nen und die Errich¬≠tung von per¬≠ma¬≠nen¬≠ten Basen auf dem Roten Pla¬≠ne¬≠ten geht. Jedes die¬≠ser Pro¬≠jek¬≠te aller¬≠dings wur¬≠de von den fis¬≠ka¬≠li¬≠schen Rea¬≠li¬≠t√§¬≠ten ein¬≠ge¬≠holt, und der¬≠zeit sieht es nicht so aus, als ob irgend¬≠ein Land der Erde allein oder in Zusam¬≠men¬≠ar¬≠beit mit ande¬≠ren in n√§chs¬≠ter Zeit ein ent¬≠spre¬≠chen¬≠des Mam¬≠mut¬≠un¬≠ter¬≠neh¬≠men ansto¬≠√üen w√ľrde.

Wenn es nach den Super¬≠ka¬≠pi¬≠ta¬≠lis¬≠ten geht, die an ihren Raum¬≠fahrt¬≠pro¬≠to¬≠ty¬≠pen her¬≠um¬≠bas¬≠teln, ist das auch gar nicht erfor¬≠der¬≠lich. Die meis¬≠ten von ihnen h√§n¬≠gen dem Liber¬≠ta¬≠ris¬≠mus an, einer in den USA weit ver¬≠brei¬≠te¬≠ten radi¬≠ka¬≠len Ideo¬≠lo¬≠gie, der zufol¬≠ge die Frei¬≠heit des Indi¬≠vi¬≠du¬≠ums, auch jene zur Anh√§u¬≠fung eines m√∂g¬≠lichst gro¬≠√üen Ver¬≠m√∂¬≠gens, maxi¬≠mal aus¬≠ge¬≠dehnt wer¬≠den soll¬≠te. Der Staat spielt in sol¬≠chen Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen kei¬≠ne gro¬≠√üe Rol¬≠le mehr, und eine Umver¬≠tei¬≠lung von Reich¬≠tum wird nat√ľr¬≠lich wei¬≠test¬≠ge¬≠hend abge¬≠lehnt, um den F√§hi¬≠gen kei¬≠ne Fes¬≠seln anzu¬≠le¬≠gen. Die Bibel die¬≠ser Leu¬≠te ist der Roman Atlas wirft die Welt ab der rus¬≠sisch-ame¬≠ri¬≠ka¬≠ni¬≠schen Autorin Ayn Rand, eine Art ver¬≠schro¬≠be¬≠ne Uto¬≠pie, in der die gesell¬≠schaft¬≠li¬≠che Eli¬≠te in den Streik gegen die Regie¬≠rung tritt und sich in das St√§dt¬≠chen Galt‚Äôs Gulch in den Rocky Moun¬≠tains zur√ľck¬≠zieht, w√§h¬≠rend um sie her¬≠um die Welt im Cha¬≠os ver¬≠sinkt, das von den Fau¬≠len und Inkom¬≠pe¬≠ten¬≠ten ange¬≠rich¬≠tet wird.

Auch die Raum¬≠fahrt soll¬≠te dem¬≠zu¬≠fol¬≠ge markt¬≠wirt¬≠schaft¬≠lich orga¬≠ni¬≠siert sein und durch das Gewinn¬≠stre¬≠ben ein¬≠zel¬≠ner √úber¬≠flie¬≠ger erschlos¬≠sen wer¬≠den. Aber gibt es im All √ľber¬≠haupt einen Markt jen¬≠seits von Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons- und Navi¬≠ga¬≠ti¬≠ons¬≠sa¬≠tel¬≠li¬≠ten? L√§sst sich mit Aste¬≠ro¬≠iden-Erzen und Mars¬≠fl√ľ¬≠gen Geld verdienen?

Wahr¬≠schein¬≠lich nicht.

Eine Stu¬≠die von Pla¬≠ne¬≠ta¬≠ry Resour¬≠ces, dem Unter¬≠neh¬≠men, f√ľr das sich Ser¬≠gey Brin, Eric Schmidt und James Came¬≠ron enga¬≠gie¬≠ren, kommt zu dem Ergeb¬≠nis, dass man einen 500 Ton¬≠nen schwe¬≠ren Aste¬≠ro¬≠iden bis zum Jahr 2025 f√ľr unge¬≠f√§hr 2,6 Mil¬≠li¬≠ar¬≠den US-Dol¬≠lar in eine hohe Mond¬≠um¬≠lauf¬≠bahn brin¬≠gen k√∂nn¬≠te. Selbst falls das Objekt zu einem Gro√ü¬≠teil aus dem sehr wert¬≠vol¬≠len Nickel bestehen w√ľr¬≠de, h√§t¬≠te man bis dahin schon jede Men¬≠ge Geld ver¬≠lo¬≠ren, denn bei heu¬≠ti¬≠gen Prei¬≠sen sind 500 Ton¬≠nen die¬≠ses Metalls nur gut 7 Mil¬≠lio¬≠nen US-Dol¬≠lar wert. Die Stu¬≠die spricht denn auch nicht davon, den Aste¬≠ro¬≠iden wirk¬≠lich kom¬≠mer¬≠zi¬≠ell zu nut¬≠zen, son¬≠dern schl√§gt vor, ihn zu Test¬≠zwe¬≠cken in den Mond¬≠or¬≠bit zu brin¬≠gen, um dann dort eine robo¬≠ti¬≠sche Infra¬≠struk¬≠tur auf¬≠zu¬≠bau¬≠en, die die ent¬≠hal¬≠te¬≠nen Metal¬≠le wei¬≠ter¬≠ver¬≠ar¬≠bei¬≠ten k√∂nn¬≠te. Irgend¬≠wann sp√§¬≠ter, wenn die Fracht¬≠prei¬≠se durch neue Rake¬≠ten¬≠tech¬≠nik stark gefal¬≠len sind und Bau¬≠be¬≠darf f√ľr eine indus¬≠tri¬≠el¬≠le Infra¬≠struk¬≠tur im Welt¬≠all besteht, k√∂nn¬≠te das Unter¬≠neh¬≠men dann tat¬≠s√§ch¬≠lich wirt¬≠schaft¬≠lich sein.

Das h√∂rt sich ver¬≠d√§ch¬≠tig nach einem Luft¬≠schloss an, zumal die meis¬≠ten Aste¬≠ro¬≠iden kein kom¬≠pak¬≠tes Objekt sind, son¬≠dern eher eine lose Ansamm¬≠lung von Welt¬≠raum¬≠schutt, der durch die schwa¬≠che Gra¬≠vi¬≠ta¬≠ti¬≠on der ein¬≠zel¬≠nen Tei¬≠le zusam¬≠men¬≠ge¬≠hal¬≠ten wird. Es d√ľrf¬≠te schon rein tech¬≠nisch nicht ganz ein¬≠fach sein, sie in eine ande¬≠re Umlauf¬≠bahn zu zwin¬≠gen. Und dann m√ľss¬≠ten die Fracht¬≠prei¬≠se schon extrem weit fal¬≠len, denn selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich besteht auch ein ‚Äúmetal¬≠li¬≠scher‚ÄĚ Aste¬≠ro¬≠id in Wirk¬≠lich¬≠keit nur zu einem bestimm¬≠ten Pro¬≠zent¬≠satz aus Metall, und bil¬≠li¬≠ges Eisen kommt h√§u¬≠fi¬≠ger vor als teu¬≠res Nickel.

Noch d√ľs¬≠te¬≠rer wird es, wenn wir uns dem Pro¬≠jekt ‚ÄúMars¬≠ko¬≠lo¬≠nie‚ÄĚ zuwen¬≠den. Die Vor¬≠stel¬≠lung, dass unser Nach¬≠bar¬≠pla¬≠ne¬≠ten fr√ľ¬≠her irgend¬≠wie bewohn¬≠bar war oder wir ihn in der Zukunft irgend¬≠wie bewohn¬≠bar machen k√∂n¬≠nen, ist von Ray Brad¬≠bu¬≠rys Mars-Chro¬≠ni¬≠ken √ľber Kim Stan¬≠ley Robin¬≠sons Mars-Tri¬≠lo¬≠gie bis hin zu Dis¬≠neys John-Car¬≠ter-Desas¬≠ter eine der am nach¬≠hal¬≠tigs¬≠ten im kol¬≠lek¬≠ti¬≠ven Unbe¬≠wuss¬≠ten ver¬≠an¬≠ker¬≠ten Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen der moder¬≠nen Sci¬≠ence-Fic¬≠tion, von daher erscheint es bei¬≠na¬≠he blas¬≠phe¬≠misch, nicht dar¬≠an glau¬≠ben zu wollen.

Die Gr√ľn¬≠de f√ľr eine gewis¬≠se Skep¬≠sis sind aller¬≠dings recht stich¬≠hal¬≠tig. Es ist hier nicht der Platz, um alle anzu¬≠f√ľh¬≠ren, aber allein zwei davon sind schon recht gewich¬≠tig: Zum einen hat der Mars nur ein extrem schwa¬≠ches Magnet¬≠feld und des¬≠halb auch kein dem Van-Allen-G√ľr¬≠tel ver¬≠gleich¬≠ba¬≠ren Mecha¬≠nis¬≠mus, der die Ober¬≠fl√§¬≠che des Pla¬≠ne¬≠ten frei von kos¬≠mi¬≠scher Strah¬≠lung hal¬≠ten w√ľr¬≠de. Hypo¬≠the¬≠ti¬≠sche Mars¬≠ko¬≠lo¬≠nis¬≠ten m√ľss¬≠ten die meis¬≠te Zeit √ľber in Strah¬≠len¬≠schutz¬≠kup¬≠peln oder unter der Mars¬≠ober¬≠fl√§¬≠che leben, und was das st√§n¬≠di¬≠ge Bom¬≠bar¬≠de¬≠ment mit hoch¬≠en¬≠er¬≠ge¬≠ti¬≠schen Par¬≠ti¬≠keln mit der Vege¬≠ta¬≠ti¬≠on anstel¬≠len w√ľr¬≠de, die man zum Zwe¬≠cke eines ‚ÄúTer¬≠ra¬≠forming‚ÄĚ auf dem Pla¬≠ne¬≠ten ansie¬≠deln will, kann man sich wohl vor¬≠stel¬≠len ‚Äď Muta¬≠tio¬≠nen zu Hauf. Bereits der Flug zum Roten Pla¬≠ne¬≠ten w√ľr¬≠de unge¬≠sch√ľtzt ver¬≠lau¬≠fen und daher auf¬≠grund sei¬≠ner lan¬≠gen Dau¬≠er unkal¬≠ku¬≠lier¬≠ba¬≠re Risi¬≠ken f√ľr die Raum¬≠fah¬≠rer mit sich bringen.

Des Wei¬≠te¬≠ren ist der Mars sehr viel klei¬≠ner als die Erde und hat eine gerin¬≠ge¬≠re Schwer¬≠kraft. Das k√∂nn¬≠te f√ľr Dau¬≠er¬≠be¬≠woh¬≠ner zu Mus¬≠kel¬≠schwund und ande¬≠ren gesund¬≠heit¬≠li¬≠chen Pro¬≠ble¬≠men f√ľh¬≠ren, aber vor allem ist dadurch auch die Flucht¬≠ge¬≠schwin¬≠dig¬≠keit gerin¬≠ger, und leich¬≠te Mole¬≠k√ľ¬≠le wie Was¬≠ser k√∂n¬≠nen in den obe¬≠ren Atmo¬≠sph√§¬≠re¬≠schich¬≠ten vom Son¬≠nen¬≠wind erfasst wer¬≠den und den Pla¬≠ne¬≠ten auf Nim¬≠mer¬≠wie¬≠der¬≠se¬≠hen ver¬≠las¬≠sen. Sie tun das so regel¬≠m√§¬≠√üig, dass eine erd¬≠√§hn¬≠li¬≠che Luft¬≠h√ľl¬≠le ‚Äď wie auch immer her¬≠bei¬≠ge¬≠f√ľhrt ‚Äď auf Dau¬≠er insta¬≠bil w√§re und st√§n¬≠dig durch Nach¬≠schub mit Was¬≠ser und ande¬≠ren Bestand¬≠tei¬≠len auf¬≠ge¬≠frischt wer¬≠den m√ľss¬≠te. Mars-Enthu¬≠si¬≠as¬≠ten f√ľh¬≠ren an die¬≠ser Stel¬≠le in der Regel an, das k√∂n¬≠ne durch Umlen¬≠ken von Kome¬≠ten gesche¬≠hen, deren Kern aus Was¬≠ser¬≠eis dann in der Mars¬≠at¬≠mo¬≠sph√§¬≠re ver¬≠damp¬≠fen und abreg¬≠nen w√ľr¬≠de. Aber man stel¬≠le sich das vor: Noch heu¬≠te, obwohl das meis¬≠te Was¬≠ser gefro¬≠ren ist, gehen dem Mars 500 Ton¬≠nen Was¬≠ser pro Tag ver¬≠lo¬≠ren. Die Kos¬≠ten daf√ľr, die Umlauf¬≠bahn eines Kome¬≠ten zu √§ndern, d√ľrf¬≠ten dem oben ange¬≠spro¬≠che¬≠nen Aste¬≠ro¬≠iden¬≠pro¬≠jekt √§hneln. Wir m√ľss¬≠ten also jeden Tag meh¬≠re¬≠re Mil¬≠li¬≠ar¬≠den (oder durch fort¬≠schritt¬≠li¬≠che Tech¬≠nik mei¬≠net¬≠we¬≠gen meh¬≠re¬≠re Mil¬≠lio¬≠nen) US-Dol¬≠lar daf√ľr aus¬≠ge¬≠ben, eine Men¬≠ge an Was¬≠ser her¬≠bei¬≠zu¬≠schaf¬≠fen, die auf der Erde nicht mal einem mick¬≠ri¬≠gen Dorf¬≠teich entspricht!

Die¬≠se √úber¬≠le¬≠gung ist es auch, die uns an den wah¬≠ren Kern des Pro¬≠blems bringt, und der ist √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠scher Natur: Die wirt¬≠schaft¬≠li¬≠chen Akti¬≠vi¬≠t√§¬≠ten des Men¬≠schen sind nur durch den gigan¬≠ti¬≠schen kos¬≠ten¬≠frei¬≠en Ser¬≠vice m√∂g¬≠lich, den der Pla¬≠net Erde jeden Tag f√ľr uns leis¬≠tet. Er ver¬≠sorgt uns mit atem¬≠ba¬≠rer Luft, trink¬≠ba¬≠rem Was¬≠ser, einer sich selbst repro¬≠du¬≠zie¬≠ren¬≠den Bio¬≠sph√§¬≠re, deren Mani¬≠pu¬≠la¬≠ti¬≠on wir unse¬≠re Nah¬≠rung ver¬≠dan¬≠ken, Strah¬≠len¬≠schutz, metal¬≠li¬≠schen Roh¬≠stof¬≠fen und vie¬≠len wei¬≠te¬≠ren Annehm¬≠lich¬≠kei¬≠ten, die wir uns buch¬≠st√§b¬≠lich nicht leis¬≠ten k√∂nn¬≠ten, wenn wir sie uns erst erar¬≠bei¬≠ten m√ľss¬≠ten. Man ver¬≠gisst das in der Regel, weil es so selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich ist, und auch in der klas¬≠si¬≠schen √∂ko¬≠no¬≠mi¬≠schen Theo¬≠rie kom¬≠men die¬≠se Gege¬≠ben¬≠hei¬≠ten nur als ‚ÄúExter¬≠na¬≠li¬≠t√§¬≠ten‚ÄĚ vor. Aber auf frem¬≠den, lebens¬≠feind¬≠li¬≠chen Pla¬≠ne¬≠ten kann man es nicht mehr ver¬≠ges¬≠sen, und die Vor¬≠stel¬≠lung, den Mars (oder die Venus, ande¬≠re Pla¬≠ne¬≠ten, Mon¬≠de‚Ķ) qua¬≠si wie eine rie¬≠si¬≠ge Raum¬≠sta¬≠ti¬≠on mit k√ľnst¬≠li¬≠chen Lebens¬≠er¬≠hal¬≠tungs¬≠sys¬≠te¬≠men aus¬≠zu¬≠r√ľs¬≠ten und st√§n¬≠dig betriebs¬≠be¬≠reit zu hal¬≠ten, √ľber¬≠steigt die aktu¬≠el¬≠len und f√ľr die n√§he¬≠re bis mitt¬≠le¬≠re Zukunft vor¬≠stell¬≠ba¬≠ren tech¬≠ni¬≠schen F√§hig¬≠kei¬≠ten der Mensch¬≠heit in einem der¬≠ar¬≠ti¬≠gen Aus¬≠ma√ü, dass wir uns wohl mit dem Gedan¬≠ken anfreun¬≠den m√ľs¬≠sen, bis auf Wei¬≠te¬≠res nur die¬≠sen einen Pla¬≠ne¬≠ten als Wohn¬≠st√§t¬≠te zur Ver¬≠f√ľ¬≠gung zu haben. Auf ande¬≠ren Him¬≠mels¬≠k√∂r¬≠pern ist schlicht¬≠weg die Mie¬≠te zu hoch.

Auf eine viel tie¬≠fe¬≠re Dimen¬≠si¬≠on des Pro¬≠blems ver¬≠weist Jeff Bezos‚Äô Idee von einer Mensch¬≠heit, die in Welt¬≠raum¬≠ko¬≠lo¬≠nien ein neu¬≠es Eden gefun¬≠den hat, w√§h¬≠rend die Erde qua¬≠si zu einem gigan¬≠ti¬≠schen Natur¬≠schutz¬≠ge¬≠biet wird. Sicher hat er das im jugend¬≠li¬≠chen √úber¬≠schwang gesagt und backt momen¬≠tan in Sachen Raum¬≠fahrt viel klei¬≠ne¬≠re Br√∂t¬≠chen, aber man erkennt doch in den Wor¬≠ten eine Hoff¬≠nung, die wir sonst nur aus Reli¬≠gio¬≠nen ken¬≠nen: Der Mensch l√§sst die Beschr√§n¬≠kun¬≠gen der Natur hin¬≠ter sich, steigt in den Him¬≠mel auf und wohnt den G√∂t¬≠tern gleich in sil¬≠bern schim¬≠mern¬≠den R√∂h¬≠ren, die um Lagran¬≠ge 4 krei¬≠sen. Das ist allen¬≠falls noch mit der Gnos¬≠tik zu ver¬≠glei¬≠chen, deren Ziel es war, den g√∂tt¬≠li¬≠chen Fun¬≠ken in uns zu befrei¬≠en, um der h√§ss¬≠li¬≠chen, von Teu¬≠fel oder Demi¬≠urg beherrsch¬≠ten mate¬≠ri¬≠el¬≠len Rea¬≠li¬≠t√§t und dem s√ľn¬≠di¬≠gen K√∂r¬≠per zu entkommen.

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Joe Doo­lin [Public domain], aus Wiki­me­dia Commons

Was f√ľr ein Bl√∂d¬≠sinn! Und was f√ľr eine tief sit¬≠zen¬≠de Angst vor dem Leben¬≠di¬≠gen, des¬≠sen Teil wir doch unab¬≠wend¬≠bar sind! Hier zeigt sich eine der wesent¬≠li¬≠chen Trieb¬≠fe¬≠dern der Sci¬≠ence-Fic¬≠tion in der See¬≠le ihrer jugend¬≠li¬≠chen Anh√§n¬≠ger: die Abscheu vor der alles ver¬≠schlin¬≠gen¬≠den Natur, dem Mut¬≠ter¬≠scho√ü, dem man doch gera¬≠de ent¬≠ron¬≠nen ist und zu des¬≠sen erneu¬≠ter Wert¬≠sch√§t¬≠zung auf h√∂he¬≠rer Ebe¬≠ne einen in der moder¬≠nen Welt kei¬≠ne Ritua¬≠le, kei¬≠ne Wei¬≠sun¬≠gen, kei¬≠ne Gebe¬≠te mehr hin¬≠f√ľh¬≠ren. Da wird dann die Tech¬≠nik zur Erl√∂¬≠sungs¬≠re¬≠li¬≠gi¬≠on des jun¬≠gen Man¬≠nes und die Traum¬≠welt der Sci¬≠ence-Fic¬≠tion zu sei¬≠nem Evan¬≠ge¬≠li¬≠um. Erst im Welt¬≠all sollt ihr eure wah¬≠re Bestim¬≠mung erfah¬≠ren! Wenn ich mir heu¬≠te so f√ľr Augen f√ľh¬≠re, an was ich in die¬≠sem Alter selbst geglaubt habe, gru¬≠selt mir.

Nun mag man sagen, dass all dies √úber¬≠in¬≠ter¬≠pre¬≠ta¬≠ti¬≠on, Kul¬≠tur¬≠pes¬≠si¬≠mis¬≠mus und die f√ľr Geis¬≠tes¬≠wis¬≠sen¬≠schaft¬≠ler typi¬≠sche Klug¬≠schnacke¬≠rei sei. Und schlie√ü¬≠lich muss doch allein die Tat¬≠sa¬≠che, dass hoch¬≠in¬≠tel¬≠li¬≠gen¬≠te und erfolg¬≠rei¬≠che Unter¬≠neh¬≠mer wie Jeff Bezos, Lar¬≠ry Page oder Elon Musk ihr Geld in die¬≠se Unter¬≠neh¬≠men inves¬≠tie¬≠ren, f√ľr deren Umsetz¬≠bar¬≠keit spre¬≠chen. Mag sein. Aber super¬≠reich wird man nicht, weil man die Natur¬≠ge¬≠set¬≠ze aus¬≠he¬≠beln kann (auch wenn Musk sich bei Gele¬≠gen¬≠heit schon mal √ľber New¬≠tons drit¬≠tes Gesetz beschwert), son¬≠dern weil man in Umbruch¬≠zei¬≠ten zur rich¬≠ti¬≠gen Zeit an der rich¬≠ti¬≠gen Stel¬≠le war und das rich¬≠ti¬≠ge Pro¬≠dukt auf den Markt gebracht hat. Eine ganz ande¬≠re Geschich¬≠te ist es, ein Pro¬≠dukt auf einem Markt zu lan¬≠cie¬≠ren, den es nicht gibt, f√ľr Kun¬≠den, die kei¬≠nen Nut¬≠zen davon haben. Es gibt ja einen guten Grund daf√ľr, dass die ‚ÄúErobe¬≠rung des Welt¬≠raums‚ÄĚ nicht den kolo¬≠ni¬≠sa¬≠to¬≠ri¬≠schen Ver¬≠lauf genom¬≠men hat, von dem die uto¬≠pi¬≠sche Lite¬≠ra¬≠tur in der ers¬≠ten H√§lf¬≠te des 20. Jahr¬≠hun¬≠derts noch so selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich aus¬≠ging: Au√üer Erkennt¬≠nis¬≠sen ist dort oben nichts zu gewin¬≠nen. Weder Tem¬≠pel¬≠sch√§t¬≠ze noch durch Skla¬≠ven aus¬≠beut¬≠ba¬≠re Sil¬≠ber¬≠mi¬≠nen noch l√§cheln¬≠de braun¬≠h√§u¬≠ti¬≠ge Frau¬≠en, mit denen man schla¬≠fen kann, um der repres¬≠si¬≠ven christ¬≠li¬≠chen Moral zu entkommen.

Und noch viel wich¬≠ti¬≠ger: Es mag tech¬≠nisch irgend¬≠wie m√∂g¬≠lich sein, einen metal¬≠li¬≠schen Aste¬≠ro¬≠iden umzu¬≠len¬≠ken und in eine Mond- oder Erd¬≠um¬≠lauf¬≠bahn zu brin¬≠gen, um ihn dort von Robo¬≠tern ein¬≠schmel¬≠zen zu las¬≠sen. Wie viel ein¬≠fa¬≠cher und n√ľtz¬≠li¬≠cher aber w√§re es wohl, das Wirt¬≠schafts¬≠sys¬≠tem hier unten auf Erde so umzu¬≠bau¬≠en, dass ein ewi¬≠ger Kreis¬≠lauf dar¬≠aus wird, der nicht st√§n¬≠dig neu¬≠en Nach¬≠schub an Roh¬≠stof¬≠fen braucht, ganz genau wie bei den zugrun¬≠de lie¬≠gen¬≠den Sys¬≠te¬≠men der Natur? Wahr¬≠schein¬≠lich sehr viel ein¬≠fa¬≠cher. Und extrem viel n√ľtzlicher.

Um noch mal zu Chrys¬≠tia Free¬≠land und ihrem Buch Die Super¬≠rei¬≠chen zur√ľck¬≠zu¬≠kom¬≠men: Die gan¬≠zen pri¬≠va¬≠ten Raum¬≠fahrt¬≠in¬≠itia¬≠ti¬≠ven sind eigent¬≠lich nur m√∂g¬≠lich, weil durch die wirt¬≠schaft¬≠li¬≠chen Gege¬≠ben¬≠hei¬≠ten seit Rea¬≠gans und That¬≠chers neo¬≠li¬≠be¬≠ra¬≠ler Zei¬≠ten¬≠wen¬≠de und die digi¬≠ta¬≠le Revo¬≠lu¬≠ti¬≠on eini¬≠ge weni¬≠ge so viel Geld in ihren H√§n¬≠den ver¬≠ei¬≠nen konn¬≠ten, dass sie es sich leis¬≠ten k√∂n¬≠nen, ein wenig her¬≠um¬≠zu¬≠ex¬≠pe¬≠ri¬≠men¬≠tie¬≠ren, ohne die unmit¬≠tel¬≠ba¬≠re Macht des Mark¬≠tes oder die har¬≠te Hand des Finanz¬≠mi¬≠nis¬≠ters f√ľrch¬≠ten zu m√ľs¬≠sen. Sie wer¬≠den dabei sicher Tech¬≠ni¬≠ken ent¬≠wi¬≠ckeln, die effi¬≠zi¬≠en¬≠te¬≠re Satel¬≠li¬≠ten¬≠starts erm√∂g¬≠li¬≠chen und die bestehen¬≠de Raum¬≠fahrt¬≠tech¬≠nik bil¬≠li¬≠ger machen. Aber wie viel bes¬≠ser w√§ren die daf√ľr auf¬≠ge¬≠wen¬≠de¬≠ten Res¬≠sour¬≠cen ein¬≠ge¬≠setzt, wenn man sie daf√ľr ver¬≠wen¬≠de¬≠te, ein ver¬≠n√ľnf¬≠ti¬≠ges Kreis¬≠lauf¬≠sys¬≠tem hier unten auf der Erde zu schaf¬≠fen! Dass die in weni¬≠gen Jahr¬≠zehn¬≠ten zu erwar¬≠ten¬≠den 9 Mil¬≠li¬≠ar¬≠den Men¬≠schen auf dem Pla¬≠ne¬≠ten noch irgend¬≠wie in den Genuss von Elon Musks Mars¬≠ko¬≠lo¬≠nien kom¬≠men (wenn sie denn m√∂g¬≠lich w√§ren), ist purer Bl√∂d¬≠sinn. Die gro¬≠√üen Pro¬≠ble¬≠me, die wir haben, stel¬≠len sich uns hier und jetzt. Wir wer¬≠den sie nicht durch Phan¬≠tas¬≠te¬≠rei¬≠en von einer Mensch¬≠heit, die ins Welt¬≠all geh√∂rt, l√∂sen k√∂nnen.

Die Ideo¬≠lo¬≠gie des Liber¬≠ta¬≠ris¬≠mus behaup¬≠tet, dass am bes¬≠ten der ein¬≠zel¬≠ne Mensch, der zu viel Geld gekom¬≠men ist, √ľber des¬≠sen Ver¬≠wen¬≠dung ent¬≠schei¬≠det, das Recht dazu habe er ja durch den Erwerb eben die¬≠ses Gel¬≠des erwor¬≠ben. Dum¬≠mer¬≠wie¬≠se kann es einem dann pas¬≠sie¬≠ren, dass Rie¬≠sen¬≠sum¬≠men in den H√§n¬≠den klei¬≠ner Jungs lan¬≠den, die damit ihre jugend¬≠li¬≠chen Sci¬≠ence-Fic¬≠tion-Tr√§u¬≠me wahr¬≠ma¬≠chen wol¬≠len. Wenn man noch einen bes¬≠se¬≠ren Beweis f√ľr den Irr¬≠sinn die¬≠ses zu Ende gedach¬≠ten Libe¬≠ra¬≠lis¬≠mus braucht ‚Äď mir f√§llt kei¬≠ner ein.

Und der Titel ist, √§hem, ein biss¬≠chen rei¬≠√üe¬≠risch. Es muss nat√ľr¬≠lich hei¬≠√üen: Gebor¬≠gen auf Sol 3 ‚Äď unse¬≠rer Hei¬≠mat im All.

NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise

Quel­le: Nasa [Public domain], aus Wiki­me­dia Commons

(Dem¬≠n√§chst mehr zur Raum¬≠fahrt √ľber die Gren¬≠zen des Son¬≠nen¬≠sys¬≠tems hinaus)

 

 

Fak¬≠ten, Daten, Hintergr√ľnde:

Jeff Bezos Jugendträume

Richard Bran¬≠son und Jeff Bezos

Abbau von Asteroiden-Erzen

Welt­raum­te­le­skop mit Crowdfunding

Mach­bar­keits­stu­die Asteroiden-Erze

Strah¬≠len¬≠be¬≠las¬≠tung bei Flug zum Mars

Grund­sätz­li­ches zur Marskolonisation

Musk √ľber New¬≠ton: ‚ÄúFor rockets, well, there‚Äôs no way to make a rocket electric. That‚Äôs for sure. Unfor¬≠tu¬≠n¬≠a¬≠te¬≠ly, Newton‚Äôs third law can¬≠not be escaped‚ÄĚ

Chrys­tia Free­land : Die Superreichen