Im letzt¬≠w√∂¬≠chi¬≠gen Bei¬≠trag f√ľr den Arch¬≠druid Report bin ich ein wenig von mei¬≠nem √ľbli¬≠chen The¬≠men¬≠spek¬≠trum abge¬≠wi¬≠chen und habe mich mit dem besch√§f¬≠tigt, was ich die ‚ÄúPor¬≠no¬≠gra¬≠phie der poli¬≠ti¬≠schen Angst‚ÄĚ in den USA nen¬≠ne. F√ľr die¬≠se Abwei¬≠chung hat¬≠te ich aller¬≠dings mei¬≠ne Gr√ľn¬≠de: Ich woll¬≠te die Auf¬≠merk¬≠sam¬≠keit auf die reflex¬≠haf¬≠te Ten¬≠denz so vie¬≠ler Ame¬≠ri¬≠ka¬≠ner rich¬≠ten, eine letzt¬≠end¬≠lich para¬≠no¬≠ide Mytho¬≠lo¬≠gie des leib¬≠haf¬≠ti¬≠gen B√∂sen auf den jeweils ent¬≠ge¬≠gen¬≠ge¬≠setz¬≠ten Teil des poli¬≠ti¬≠schen Spek¬≠trums zu pro¬≠ji¬≠zie¬≠ren, und auf die¬≠se Wei¬≠se eine Debat¬≠te dar¬≠√ľber in Gang brin¬≠gen, wie immens tief der Gra¬≠ben zwi¬≠schen Erwar¬≠tun¬≠gen und Rea¬≠li¬≠t√§¬≠ten ist, der jede Initia¬≠ti¬≠ve zum sozia¬≠len Wan¬≠del l√§hmt, hier in Ame¬≠ri¬≠ka wie anderswo. 

Ich muss sagen, dass die wah¬≠ren Gl√§u¬≠bi¬≠gen die¬≠ser Mytho¬≠lo¬≠gie den K√∂der mit gro¬≠√üem Enthu¬≠si¬≠as¬≠mus geschluckt haben. Ich erhielt eine rekord¬≠ver¬≠d√§ch¬≠ti¬≠ge Men¬≠ge an w√ľten¬≠den, in leb¬≠haf¬≠ter und teil¬≠wei¬≠se nicht druck¬≠f√§¬≠hi¬≠ger Spra¬≠che gehal¬≠te¬≠nen Schimpf¬≠ka¬≠no¬≠na¬≠den, weil ich den Vor¬≠schlag gemacht hat¬≠te, man sol¬≠le doch Men¬≠schen anhand ihrer Taten beur¬≠tei¬≠len, nicht anhand der Absich¬≠ten, die ihnen von ihren √§rgs¬≠ten Fein¬≠den unter¬≠stellt wer¬≠den. Am meis¬≠ten gefiel mir dar¬≠un¬≠ter eine don¬≠nern¬≠de Ankla¬≠ge¬≠re¬≠de, die mit der For¬≠de¬≠rung been¬≠det wur¬≠de, ich sol¬≠le umge¬≠hend von mei¬≠nem Amt als Erz¬≠drui¬≠de zur√ľck¬≠tre¬≠ten. Der Ver¬≠fas¬≠ser umschiff¬≠te irgend¬≠wie die Fra¬≠ge, war¬≠um die Bereit¬≠schaft, sei¬≠ne extre¬≠mis¬≠ti¬≠sche Ideo¬≠lo¬≠gie zu akzep¬≠tie¬≠ren, eine Vor¬≠aus¬≠set¬≠zung f√ľr das Beklei¬≠den die¬≠ser Posi¬≠ti¬≠on sein soll¬≠te, daher bin ich auf sei¬≠nen Rat nicht eingegangen. 

Zuf√§l¬≠li¬≠ger¬≠wei¬≠se ver¬≠brach¬≠te ich dann den Gro√ü¬≠teil des Wochen¬≠en¬≠des damit, die denk¬≠w√ľr¬≠dig bizar¬≠ren Lebens¬≠er¬≠in¬≠ne¬≠run¬≠gen Erin¬≠ne¬≠run¬≠gen, Tr√§u¬≠me, Gedan¬≠ken von C. G. Jung zu lesen, daher war es schwie¬≠rig, nicht sofort an die Bedeu¬≠tung des Jung‚Äôschen Kon¬≠zepts der Schat¬≠ten¬≠pro¬≠jek¬≠ti¬≠on f√ľr all dies zu den¬≠ken. Der ‚ÄúSchat¬≠ten‚ÄĚ ist Jungs Bezeich¬≠nung f√ľr den M√ľll¬≠con¬≠tai¬≠ner des Geis¬≠tes, in den ein¬≠zel¬≠ne Men¬≠schen und gan¬≠ze Gesell¬≠schaf¬≠ten die Aspek¬≠te ihres Selbst packen, mit denen sie nicht kon¬≠fron¬≠tiert wer¬≠den m√∂ch¬≠ten. Wenn der M√ľll¬≠con¬≠tai¬≠ner zu voll wird, f√ľhrt einer der m√∂g¬≠li¬≠chen Fluch¬≠ten vor der dro¬≠hen¬≠den Selbst¬≠er¬≠kennt¬≠nis dazu, den Inhalt auf jemand ande¬≠ren abzu¬≠la¬≠den und zu behaup¬≠ten, die frag¬≠w√ľr¬≠di¬≠gen Eigen¬≠schaf¬≠ten sei¬≠en die jenes S√ľn¬≠den¬≠bocks und nicht die eigenen. 

Man muss sich in die¬≠sem Zusam¬≠men¬≠hang vor Augen hal¬≠ten, dass S√ľn¬≠den¬≠b√∂¬≠cke nur in moder¬≠nen Moral¬≠dra¬≠men unwei¬≠ger¬≠lich tugend¬≠haft und unschul¬≠dig sind. In der Wirk¬≠lich¬≠keit ist es hin¬≠ge¬≠gen h√§u¬≠fig so, dass die betref¬≠fen¬≠de Per¬≠son durch¬≠aus Feh¬≠ler hat, auch sol¬≠che schwer¬≠wie¬≠gen¬≠der Art, und die¬≠se Feh¬≠ler wer¬≠den dann daf√ľr ver¬≠wen¬≠det, s√§mt¬≠li¬≠che Anschul¬≠di¬≠gun¬≠gen zu recht¬≠fer¬≠ti¬≠gen, mit denen sie sonst noch √ľber¬≠h√§uft wird. Die¬≠ser Mecha¬≠nis¬≠mus scheint bei allen Men¬≠schen ver¬≠brei¬≠tet zu sein ‚Äď ich zweif¬≠le sehr dar¬≠an, dass irgend¬≠je¬≠mand von uns v√∂l¬≠lig frei davon ist, den Men¬≠schen, die wir nicht m√∂gen, unse¬≠re eige¬≠nen schlimms¬≠ten Eigen¬≠schaf¬≠ten anzu¬≠dich¬≠ten ‚Äď, zeigt aber je nach Indi¬≠vi¬≠du¬≠um, Kul¬≠tur und his¬≠to¬≠ri¬≠scher Epo¬≠che ver¬≠schie¬≠den star¬≠ke Aus¬≠pr√§¬≠gun¬≠gen, und Jung hat¬≠te sicher recht damit zu beto¬≠nen, dass er dann am st√§rks¬≠ten wirkt, wenn ein Ein¬≠zel¬≠ner oder eine Gesell¬≠schaft von dem Gegen¬≠satz zwi¬≠schen dem, was sein soll, und dem, was ist, zer¬≠ris¬≠sen wird. 

Wel¬≠chen gr√∂¬≠√üe¬≠ren his¬≠to¬≠ri¬≠schen Aus¬≠bruch an gewalt¬≠t√§¬≠ti¬≠ger und mas¬≠sen¬≠haf¬≠ter Opfe¬≠rung von S√ľn¬≠den¬≠b√∂¬≠cken man auch immer betrach¬≠tet ‚Äď er fand in der Regel im Kon¬≠text eines sozi¬≠al akzep¬≠tier¬≠ten Glau¬≠bens¬≠sys¬≠tems statt, das mit einer ver¬≠√§n¬≠der¬≠ten Welt nicht mehr Schritt hal¬≠ten konn¬≠te. In den euro¬≠p√§i¬≠schen Hexen¬≠ver¬≠fol¬≠gun¬≠gen zeig¬≠te sich bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se der Zusam¬≠men¬≠bruch der sp√§t¬≠mit¬≠tel¬≠al¬≠ter¬≠li¬≠chen Welt¬≠vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen, die sich in dem Ma√üe zum Dog¬≠ma ver¬≠h√§r¬≠te¬≠ten, wie sie an den R√§n¬≠dern aus den Fugen gerie¬≠ten, und eben¬≠so spiel¬≠te die fata¬≠le Kluft zwi¬≠schen den Tr√§u¬≠men von einer deut¬≠schen Welt¬≠herr¬≠schaft und dem tat¬≠s√§ch¬≠li¬≠chen Sta¬≠tus Deutsch¬≠lands als klei¬≠nes Land ohne √Ėlre¬≠ser¬≠ven und leicht zu ver¬≠tei¬≠di¬≠gen¬≠de Gren¬≠zen in einer √Ąra raum¬≠grei¬≠fen¬≠der Erd¬≠√∂l-Impe¬≠ri¬≠en eine wich¬≠ti¬≠ge Rol¬≠le dabei, den Boden f√ľr die kata¬≠stro¬≠pha¬≠le Geschich¬≠te des Lan¬≠des im 20. Jahr¬≠hun¬≠dert zu bereiten. 

Aus die¬≠ser Per¬≠spek¬≠ti¬≠ve gese¬≠hen wird die Lage im heu¬≠ti¬≠gen Ame¬≠ri¬≠ka dadurch inter¬≠es¬≠sant, dass der dor¬≠ti¬≠ge Main¬≠stream eben¬≠so wie die ver¬≠schie¬≠de¬≠nen selbst¬≠er¬≠nann¬≠ten alter¬≠na¬≠ti¬≠ven Gegen¬≠kul¬≠tu¬≠ren in ver¬≠gleich¬≠ba¬≠re emo¬≠tio¬≠na¬≠le Zwick¬≠m√ľh¬≠len gera¬≠ten sind. Vie¬≠le mei¬≠ner Bei¬≠tr√§¬≠ge hier, und nat√ľr¬≠lich jede Men¬≠ge exzel¬≠len¬≠ter Ana¬≠ly¬≠sen ande¬≠rer Autoren, dre¬≠hen sich dar¬≠um, wie die Nar¬≠ra¬≠ti¬≠ve des heu¬≠ti¬≠gen kul¬≠tu¬≠rel¬≠len Main¬≠streams in den USA eine Welt¬≠sicht des ewi¬≠gen Fort¬≠schritts und gren¬≠zen¬≠lo¬≠sen √úber¬≠flus¬≠ses auf der Grund¬≠la¬≠ge der vor¬≠√ľber¬≠ge¬≠hen¬≠den Ver¬≠f√ľg¬≠bar¬≠keit bil¬≠li¬≠ger fos¬≠si¬≠ler Brenn¬≠stof¬≠fe geschaf¬≠fen haben, die durch das Ende des √Ėlzeit¬≠al¬≠ters hoff¬≠nungs¬≠los irrele¬≠vant wird. Weni¬≠ger oft dis¬≠ku¬≠tiert, und mei¬≠ner Mei¬≠nung nach auch weni¬≠ger h√§u¬≠fig beach¬≠tet, wird der Umstand, dass die meis¬≠ten der g√§n¬≠gi¬≠gen Vor¬≠schl√§¬≠ge, wie die jet¬≠zi¬≠ge Gesell¬≠schafts¬≠ord¬≠nung durch eine bes¬≠se¬≠re zu erset¬≠zen w√§re, eben¬≠so auf Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen von der Welt basie¬≠ren, die sich im Lich¬≠te der Rea¬≠li¬≠t√§t als kaum halt¬≠bar erweisen. 

Die¬≠se Dis¬≠kre¬≠panz l√§sst sich am bes¬≠ten ent¬≠lang einer spe¬≠zi¬≠fi¬≠schen Bruch¬≠li¬≠nie ver¬≠fol¬≠gen, die Visio¬≠nen der Zukunft von den jet¬≠zi¬≠gen Rea¬≠li¬≠t√§¬≠ten trennt. Eine typi¬≠sche Eigen¬≠schaft der in letz¬≠ter Zeit vor¬≠ge¬≠brach¬≠ten Vor¬≠schl√§¬≠ge f√ľr grund¬≠le¬≠gen¬≠den sozia¬≠len Wan¬≠del besteht dar¬≠in, dass die davon aus¬≠ge¬≠mal¬≠te bes¬≠se¬≠re Welt ‚Äď jeden¬≠falls in theo¬≠re¬≠ti¬≠scher Hin¬≠sicht ‚Äď in jeder von den jewei¬≠li¬≠gen Ver¬≠fas¬≠sern betrach¬≠te¬≠ten Hin¬≠sicht bes¬≠ser ist. Es ist sel¬≠ten von Kom¬≠pro¬≠mis¬≠sen die Rede, und man ver¬≠misst jedes Gef√ľhl f√ľr die bit¬≠te¬≠ren Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen, auf die die Wahl¬≠m√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten rea¬≠ler Gesell¬≠schaf¬≠ten in der rea¬≠len Welt so oft beschr√§nkt sind. Die Bewoh¬≠ner der gl√ľck¬≠li¬≠chen Zukunft m√ľs¬≠sen weder zwi¬≠schen Frie¬≠den und Frei¬≠heit noch zwi¬≠schen der Ern√§h¬≠rung der Hun¬≠gern¬≠den und dem Umwelt¬≠schutz w√§h¬≠len, sie m√ľs¬≠sen zwi¬≠schen √ľber¬≠haupt nichts w√§h¬≠len ‚Äď hat man erst das rich¬≠ti¬≠ge Gesell¬≠schafts¬≠sys¬≠tem, so scheint die Schluss¬≠fol¬≠ge¬≠rung, muss man offen¬≠bar kei¬≠ner¬≠lei Abstri¬≠che mehr machen. 

Wenn man nun die Wege betrach¬≠tet, auf denen die¬≠se bes¬≠se¬≠ren Wel¬≠ten erreicht wer¬≠den sol¬≠len, tut sich die¬≠sel¬≠be Kluft auf. Ob man nun auf Orga¬≠ni¬≠sa¬≠tio¬≠nen, poli¬≠ti¬≠schen Aktio¬≠nis¬≠mus und der¬≠glei¬≠chen oder auf irgend¬≠ei¬≠nen Deus ex machi¬≠na ver¬≠traut, ob die gro¬≠√üe Umw√§l¬≠zung der alten Ord¬≠nung √ľber eine Kata¬≠stro¬≠phe oder auf mys¬≠ti¬≠sche Wei¬≠se erreicht wer¬≠den soll ‚Äď bei¬≠na¬≠he immer wird vor¬≠aus¬≠ge¬≠setzt, dass das ein¬≠zi¬≠ge Hin¬≠der¬≠nis auf dem Weg nach Uto¬≠pia, der ein¬≠zi¬≠ge Fak¬≠tor, der die Men¬≠schen zu schwie¬≠ri¬≠gen und unlieb¬≠sa¬≠men Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen zwingt, in den Insti¬≠tu¬≠tio¬≠nen, Men¬≠schen und Ein¬≠stel¬≠lun¬≠gen der heu¬≠ti¬≠gen Welt begr√ľn¬≠det ist. 

Die¬≠se selt¬≠sa¬≠me Denk¬≠ge¬≠wohn¬≠heit beruht auf einer ein¬≠zi¬≠gen Annah¬≠me, n√§m¬≠lich der, dass die m√∂g¬≠li¬≠che Per¬≠fek¬≠ti¬≠on der mensch¬≠li¬≠chen Gesell¬≠schaft durch nichts wei¬≠ter als mensch¬≠li¬≠che Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen begrenzt w√§re. Der Annah¬≠me zugrun¬≠de liegt wie¬≠der¬≠um der Ver¬≠nunft¬≠kult des Auf¬≠kl√§¬≠rungs¬≠zeit¬≠al¬≠ters mit sei¬≠nem Pres¬≠ti¬≠ge und sei¬≠ner √úber¬≠zeu¬≠gung, dass allein die Kon¬≠struk¬≠ti¬≠on einer bes¬≠se¬≠ren sozia¬≠len Mau¬≠se¬≠fal¬≠le aus¬≠reicht, um die Mensch¬≠heit schnur¬≠stracks nach Uto¬≠pia zu ver¬≠set¬≠zen. Es f√§llt aller¬≠dings schwer, sich eine Annah¬≠me vor¬≠zu¬≠stel¬≠len, die von der Geschich¬≠te gr√ľnd¬≠li¬≠cher wie¬≠der¬≠legt wor¬≠den w√§re. Kon¬≠se¬≠quen¬≠ter¬≠wei¬≠se hat sich eine Gesell¬≠schaft denn auch als umso desas¬≠tr√∂¬≠ser in der Pra¬≠xis erwie¬≠sen, je uto¬≠pi¬≠scher sie sich in der Theo¬≠rie aus¬≠ge¬≠macht hat¬≠te. Wer immer f√ľr sozia¬≠len Wan¬≠del ein¬≠tritt, beharrt in der Regel dar¬≠auf, dass dies bei sei¬≠ner spe¬≠zi¬≠el¬≠len neu¬≠en Gesell¬≠schaft anders sei, aber von der heu¬≠ti¬≠gen geschicht¬≠li¬≠chen War¬≠te aus gese¬≠hen wirkt die¬≠ses Behar¬≠ren doch reich¬≠lich abgenutzt. 

Die Crux bei den meis¬≠ten der heu¬≠ti¬≠gen Ideen f√ľr sozia¬≠len Wan¬≠del k√∂nn¬≠te also genau dar¬≠in lie¬≠gen, dass sie ‚Äď auch wenn sie im Gewand √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠scher Schlag¬≠w√∂r¬≠ter ein¬≠her¬≠ge¬≠hen ‚Äď auf einer fun¬≠da¬≠men¬≠ta¬≠len Ver¬≠leug¬≠nung √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠scher Prin¬≠zi¬≠pi¬≠en beru¬≠hen. Man stel¬≠le sich f√ľr einen Moment vor, wir w√ľr¬≠den nicht √ľber mensch¬≠li¬≠che Gesell¬≠schaf¬≠ten, son¬≠dern √ľber √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠me reden, die aus ande¬≠ren Lebe¬≠we¬≠sen bestehen. Sol¬≠che √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠me haben sich √ľber vie¬≠le Genera¬≠tio¬≠nen hin¬≠weg in Bezie¬≠hung zu ande¬≠ren, leben¬≠den wie nicht-leben¬≠den Sys¬≠te¬≠men ent¬≠wi¬≠ckelt, und sie wer¬≠den √ľber kom¬≠ple¬≠xe Gleich¬≠ge¬≠wichts¬≠me¬≠cha¬≠nis¬≠men aus¬≠ta¬≠riert, deren Ana¬≠ly¬≠se die Wis¬≠sen¬≠schaft vor die gr√∂√ü¬≠ten Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠run¬≠gen stellt. Was pas¬≠siert, wenn Men¬≠schen sich dar¬≠an machen, sol¬≠che √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠me so umzu¬≠bau¬≠en, dass sie ihnen den gr√∂√üt¬≠m√∂g¬≠li¬≠chen Nut¬≠zen brin¬≠gen, ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re wenn sie glau¬≠ben, dass die neu ent¬≠stan¬≠de¬≠nen √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠me, wenn sie ihnen nur gefal¬≠len, zwangs¬≠l√§u¬≠fig auch sta¬≠bil, aus¬≠ge¬≠wo¬≠gen und gesund sein m√ľssen? 

Nat√ľr¬≠lich brau¬≠chen wir die Ant¬≠wort auf die¬≠se Fra¬≠ge nicht zu mut¬≠ma¬≠√üen ‚Äď die kata¬≠stro¬≠pha¬≠len Ergeb¬≠nis¬≠se des mensch¬≠li¬≠chen Miss¬≠ma¬≠nage¬≠ments nat√ľr¬≠li¬≠cher √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠me sind nur all¬≠zu gut doku¬≠men¬≠tiert. Unse¬≠re Spe¬≠zi¬≠es hat wie¬≠der und wie¬≠der schmerz¬≠haft erfah¬≠ren m√ľs¬≠sen, dass √Ąnde¬≠run¬≠gen an √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠men nur mit extre¬≠mer Vor¬≠sicht vor¬≠ge¬≠nom¬≠men wer¬≠den d√ľr¬≠fen. Sol¬≠che √Ąnde¬≠run¬≠gen sind nicht unm√∂g¬≠lich ‚Äď welt¬≠weit haben tra¬≠di¬≠tio¬≠nel¬≠le Gesell¬≠schaf¬≠ten Wege gefun¬≠den, wie sie ihre Umwelt zum mensch¬≠li¬≠chen Nut¬≠zen umge¬≠stal¬≠ten k√∂n¬≠nen, ohne die Gesamt¬≠in¬≠te¬≠gri¬≠t√§t des √Ėko¬≠sys¬≠tems zu gef√§hr¬≠den, und die heu¬≠ti¬≠gen Per¬≠ma¬≠kul¬≠turis¬≠ten und Ent¬≠wick¬≠ler ange¬≠pass¬≠ter Tech¬≠no¬≠lo¬≠gie zie¬≠len in die¬≠sel¬≠be Rich¬≠tung ‚Äď, aber sie k√∂n¬≠nen nur in klei¬≠nen Schrit¬≠ten erfol¬≠gen, und man braucht daf√ľr gro¬≠√ües Wis¬≠sen und noch gr√∂¬≠√üe¬≠re Geduld. 

Ich bin immer mehr der Mei¬≠nung, dass dies auch f√ľr mensch¬≠li¬≠che Gesell¬≠schaf¬≠ten gilt. Das Stu¬≠di¬≠um der √Ėko¬≠lo¬≠gie des Men¬≠schen hat gezeigt, dass unse¬≠re Spe¬≠zi¬≠es und unse¬≠re Gesell¬≠schaf¬≠ten von den¬≠sel¬≠ben Prin¬≠zi¬≠pi¬≠en geformt wer¬≠den, die auch f√ľr die Umwelt¬≠be¬≠zie¬≠hun¬≠gen ande¬≠rer Spe¬≠zi¬≠es und ande¬≠rer Gesell¬≠schaf¬≠ten gel¬≠ten. Wie die¬≠se ande¬≠ren Lebe¬≠we¬≠sen sind Men¬≠schen f√ľr ihr √úber¬≠le¬≠ben von nat√ľr¬≠li¬≠chen Zyklen abh√§n¬≠gig und unter¬≠lie¬≠gen nat√ľr¬≠li¬≠chen Gren¬≠zen. Wie die Gesell¬≠schaf¬≠ten ande¬≠rer Lebe¬≠we¬≠sen wer¬≠den mensch¬≠li¬≠che Gesell¬≠schaf¬≠ten ‚Äď vom Dorf bis zum Natio¬≠nal¬≠staat ‚Äď von ihrer Geschich¬≠te geformt, pas¬≠sen sich an ihre Umwelt an, m√ľs¬≠sen har¬≠te Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen tref¬≠fen, um zwi¬≠schen kon¬≠kur¬≠rie¬≠ren¬≠den G√ľtern zu w√§h¬≠len, und reagie¬≠ren auf radi¬≠ka¬≠le √Ąnde¬≠run¬≠gen selbst¬≠re¬≠gu¬≠lie¬≠rend mit kom¬≠pen¬≠sie¬≠ren¬≠den Gegenbewegungen. 

Sozia¬≠ler Wan¬≠del ist daher ‚Äď eben¬≠so wie der Wan¬≠del von √Ėko¬≠sys¬≠te¬≠men ‚Äď durch¬≠aus m√∂g¬≠lich, muss aber m√∂g¬≠li¬≠cher¬≠wei¬≠se ganz anders ange¬≠gan¬≠gen wer¬≠den als in den uto¬≠pi¬≠schen Ideo¬≠lo¬≠gien der Gegen¬≠wart und j√ľngs¬≠ten Ver¬≠gan¬≠gen¬≠heit vor¬≠ge¬≠se¬≠hen. Wenn wir die mensch¬≠li¬≠che √Ėko¬≠lo¬≠gie ernst¬≠neh¬≠men, soll¬≠ten wir wohl damit anfan¬≠gen, die √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Bedin¬≠gun¬≠gen ‚Äď die Bezie¬≠hun¬≠gen zwi¬≠schen Men¬≠schen, ande¬≠ren Lebe¬≠we¬≠sen und der unbe¬≠leb¬≠ten Natur ‚Äď zu stu¬≠die¬≠ren, die w√ľn¬≠schens¬≠wer¬≠ten sozia¬≠len Wan¬≠del beg√ľns¬≠ti¬≠gen k√∂nn¬≠ten. Dann k√∂n¬≠nen die¬≠je¬≠ni¬≠gen, die einen sol¬≠chen Wan¬≠del anstre¬≠ben, sich ‚Äď ganz wie die G√§rt¬≠ner in tra¬≠di¬≠tio¬≠nel¬≠len Stam¬≠mes¬≠ge¬≠mein¬≠schaf¬≠ten, die vor¬≠sich¬≠tig sch√§d¬≠li¬≠che durch Nutz¬≠pflan¬≠zen erset¬≠zen ‚Äď dar¬≠an machen, sol¬≠che Bedin¬≠gun¬≠gen zu schaf¬≠fen. Dabei m√ľs¬≠sen sie aber immer die Ergeb¬≠nis¬≠se im Auge behal¬≠ten und sich von ihrer Erfah¬≠rung lei¬≠ten las¬≠sen, nicht von irgend¬≠wel¬≠chen Ideologien. 

Soweit mir bekannt ist, keimt die Kunst der ange¬≠wand¬≠ten mensch¬≠li¬≠chen √Ėko¬≠lo¬≠gie oder sozia¬≠len √Ėko¬≠tech¬≠nik bis¬≠lang nur aus¬≠ge¬≠spro¬≠chen sp√§r¬≠lich, und es wer¬≠den kei¬≠ne gerin¬≠gen Anstren¬≠gun¬≠gen n√∂tig sein, um ihr zuk√ľnf¬≠ti¬≠ges Wachs¬≠tum zu sichern. Nichts¬≠des¬≠to¬≠trotz ist der Ver¬≠such, einer bes¬≠se¬≠re Gesell¬≠schaft zu schaf¬≠fen, indem man sie an irgend¬≠ein ideo¬≠lo¬≠gi¬≠sches Modell anpasst, so l√ľcken¬≠los schief¬≠ge¬≠gan¬≠gen, dass es h√∂chs¬≠te Zeit ist, mal etwas ande¬≠res zu probieren. 

http://thearchdruidreport.blogspot.com/2009/01/ecology-of-social-change.html

deut¬≠sche √úber¬≠set¬≠zung Bernd Ohm 2009, mit frdl. Geneh¬≠mi¬≠gung von John Micha¬≠el Greer) 

28.1.2009