Einst im Jahr 1904 stell¬≠te der Sozio¬≠lo¬≠ge Max Weber die Hypo¬≠the¬≠se auf, dass die Moder¬≠ne Zeu¬≠ge einer ‚ÄúEnt¬≠zau¬≠be¬≠rung der Welt‚ÄĚ sei, d. h. eines Pro¬≠zes¬≠ses, in dem tra¬≠di¬≠tio¬≠nel¬≠le mythi¬≠sche Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen, die der mensch¬≠li¬≠chen Exis¬≠tenz Bedeu¬≠tung ver¬≠lie¬≠hen hat¬≠ten, immer wei¬≠ter durch die ent¬≠frem¬≠den¬≠de und ent¬≠see¬≠len¬≠de Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung der mate¬≠ria¬≠lis¬≠ti¬≠schen Wis¬≠sen¬≠schaft ersetzt w√ľr¬≠den. Webers The¬≠se ent¬≠h√§lt eini¬≠ges an Wahr¬≠heit, aber ich bin mir nicht sicher, ob er die unver¬≠meid¬≠li¬≠che Gegen¬≠re¬≠ak¬≠ti¬≠on vor¬≠aus¬≠ahn¬≠te: das Deh¬≠nen oder Zurecht¬≠stut¬≠zen von wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Ideen, um sie in das Pro¬≠krus¬≠tes¬≠bett des All¬≠tags¬≠den¬≠kens zu zw√§n¬≠gen ‚Äď wobei vie¬≠le von ihnen wie¬≠der¬≠um zu Mythen wurden. 

Ein Bei¬≠spiel daf√ľr, √ľber das ich in letz¬≠ter Zeit viel nach¬≠den¬≠ke, ist die Art und Wei¬≠se, wie die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠ons¬≠theo¬≠rie in eine grob geschnitz¬≠te Ersatz¬≠my¬≠tho¬≠lo¬≠gie ver¬≠wan¬≠delt wur¬≠de. War¬≠um ich dar¬≠√ľber nach¬≠den¬≠ke, hat einen ein¬≠fa¬≠chen Grund: Wann immer ich anl√§ss¬≠lich eines Vor¬≠trags, einer Buch¬≠si¬≠gnie¬≠rung oder einer sons¬≠ti¬≠gen √∂ffent¬≠li¬≠chen Ver¬≠an¬≠stal¬≠tung auf das The¬≠ma √Ėlf√∂r¬≠der¬≠ma¬≠xi¬≠mum zu spre¬≠chen kom¬≠me, hebt garan¬≠tiert irgend¬≠je¬≠mand die Hand und fragt mich, was ich von der M√∂g¬≠lich¬≠keit hal¬≠te, dass die nahen¬≠de Kri¬≠se nur ein Teil¬≠st√ľck auf unse¬≠rem Weg zu einer neu¬≠en Ent¬≠wick¬≠lungs¬≠stu¬≠fe der Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on sei. Ich wei√ü dann in der Regel nicht, was ich ant¬≠wor¬≠ten soll, denn die¬≠se Art von Fra¬≠ge beruht so gut wie immer auf der Vor¬≠stel¬≠lung, dass die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on eine linea¬≠re Bewe¬≠gung dar¬≠stellt, die √ľber eine Rei¬≠he klar unter¬≠scheid¬≠ba¬≠rer Pha¬≠sen oder Stu¬≠fen vor¬≠w√§rts und nach oben ver¬≠l√§uft ‚Äď und die¬≠se Vor¬≠stel¬≠lung hat so gut wie gar nichts damit zu tun, wie die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on in der Natur tat¬≠s√§ch¬≠lich funktioniert. 

Kaum ein Aspekt der Ideen¬≠ge¬≠schich¬≠te ist inter¬≠es¬≠san¬≠ter als das Ph√§¬≠no¬≠men, wie neue Ent¬≠de¬≠ckun¬≠gen vor den Kar¬≠ren alter Manien gespannt wer¬≠den. Als man bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se 1895 die R√∂nt¬≠gen¬≠strah¬≠len ent¬≠deck¬≠te, bestand eine der ers¬≠ten Fol¬≠gen die¬≠ser Ent¬≠de¬≠ckung in der pani¬≠schen Fra¬≠ge, ob man mit den neu¬≠en Strah¬≠len durch Klei¬≠dung hin¬≠durch¬≠se¬≠hen k√∂nn¬≠te; das Par¬≠la¬≠ment des US-Bun¬≠des¬≠staats New Jer¬≠sey beriet sogar √ľber ein Gesetz, mit dem man den Gebrauch von R√∂nt¬≠gen¬≠strah¬≠len in Opern¬≠gl√§¬≠sern ver¬≠bie¬≠ten woll¬≠te. So abwe¬≠gig die¬≠se Sor¬≠ge auch sein moch¬≠te, sie wur¬≠zel¬≠te in tie¬≠fen, sexu¬≠ell get√∂n¬≠ten √Ąngs¬≠ten, und es dau¬≠er¬≠te daher Jahr¬≠zehn¬≠te, bis sie zer¬≠streut war ‚Äď als ich klein war, gab es in Comic-Hef¬≠ten immer noch Anzei¬≠gen, die angeb¬≠li¬≠che ‚ÄúR√∂nt¬≠gen¬≠bril¬≠len‚ÄĚ ver¬≠kau¬≠fen woll¬≠ten, mit denen man ande¬≠re nackt sehen k√∂nnte. 

Der Evo¬≠lu¬≠ti¬≠ons¬≠theo¬≠rie erging es mehr oder weni¬≠ger √§hn¬≠lich, und so kann man bei¬≠na¬≠he alle popu¬≠l√§¬≠ren Ansich¬≠ten √ľber die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on als Tr√ľm¬≠mer¬≠schutt betrach¬≠ten, der von dem Zusam¬≠men¬≠prall der Dar¬≠win¬≠schen Theo¬≠rien mit den Obses¬≠sio¬≠nen sei¬≠ner Zeit √ľbrig¬≠ge¬≠blie¬≠ben ist. Statt der Sexua¬≠li¬≠t√§t war hier die Klas¬≠sen¬≠ge¬≠sell¬≠schaft der trei¬≠ben¬≠de Fak¬≠tor: Je faden¬≠schei¬≠ni¬≠ger die reli¬≠gi√∂¬≠sen Begr√ľn¬≠dun¬≠gen des eng¬≠li¬≠schen Klas¬≠sen¬≠sys¬≠tems wur¬≠den, des¬≠to eif¬≠ri¬≠ger wur¬≠de nach wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Recht¬≠fer¬≠ti¬≠gun¬≠gen daf√ľr gesucht, und kaum waren die ers¬≠ten Exem¬≠pla¬≠re von ‚ÄúDer Ursprung der Arten‚ÄĚ in den Buch¬≠l√§¬≠den ange¬≠kom¬≠men, wur¬≠de die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠ons¬≠leh¬≠re bereits f√ľr die¬≠se dubio¬≠sen Zwe¬≠cke ver¬≠ein¬≠nahmt. Das resul¬≠tie¬≠ren¬≠de Glau¬≠bens¬≠sys¬≠tem war so etwas wie eine vor¬≠grei¬≠fen¬≠de Par¬≠odie auf ‚ÄúDie Farm der Tie¬≠re‚ÄĚ ‚Äď alle Lebe¬≠we¬≠sen ent¬≠wi¬≠ckeln sich, aber eini¬≠ge ent¬≠wi¬≠ckeln sich wei¬≠ter als andere. 

Das ist nat√ľr¬≠lich voll¬≠kom¬≠me¬≠ner Bl√∂d¬≠sinn. Ein Mensch, ein Gecko, ein L√∂wen¬≠zahn oder ein ein¬≠zelli¬≠ges Cya¬≠no¬≠bak¬≠te¬≠ri¬≠um sind alle gleich weit ent¬≠wi¬≠ckelt ‚Äď d. h. sie wur¬≠den alle im sel¬≠ben Ma√üe durch den Druck ihrer Umwelt geformt, und ihre Vor¬≠fah¬≠ren waren alle einem gleich hohen Grad an nat√ľr¬≠li¬≠cher Selek¬≠ti¬≠on unter¬≠wor¬≠fen. Wir hal¬≠ten Men¬≠schen f√ľr ‚Äúwei¬≠ter ent¬≠wi¬≠ckelt‚ÄĚ als Cya¬≠no¬≠bak¬≠te¬≠ri¬≠en, weil Sozi¬≠al¬≠dar¬≠wi¬≠nis¬≠ten des sp√§¬≠ten 19. Jahr¬≠hun¬≠derts wie Her¬≠bert Spen¬≠cer einen kon¬≠zep¬≠tio¬≠nel¬≠len Taschen¬≠spie¬≠ler¬≠trick anwand¬≠ten und den amor¬≠phen Drang des Lebens in ver¬≠f√ľg¬≠ba¬≠re √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠sche Nischen hin¬≠ein in eine sozia¬≠le Sta¬≠tus¬≠hier¬≠ar¬≠chie ver¬≠wan¬≠del¬≠ten, an deren Spit¬≠ze der eng¬≠li¬≠sche Gen¬≠tle¬≠man stand, dem alle und alles wei¬≠ter unten zu fol¬≠gen hat¬≠te. Das Kon¬≠zept der evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Ent¬≠wick¬≠lungs¬≠stu¬≠fen war von ent¬≠schei¬≠den¬≠der Bedeu¬≠tung f√ľr die¬≠sen Illu¬≠sio¬≠nis¬≠tentrick, denn dadurch konn¬≠ten sozia¬≠le Schran¬≠ken, die zwi¬≠schen den Klas¬≠sen bestan¬≠den, auf die bio¬≠lo¬≠gi¬≠sche Welt √ľber¬≠tra¬≠gen werden. 

In der Natur ist es aller¬≠dings so, dass die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on kei¬≠ne Ent¬≠wick¬≠lungs¬≠stu¬≠fen kennt, son¬≠dern nur Anpas¬≠sun¬≠gen. Es gibt kei¬≠ne gera¬≠de Linie, an der ent¬≠lang die Lebe¬≠we¬≠sen einem Rang ent¬≠spre¬≠chend geord¬≠net wer¬≠den k√∂nn¬≠ten. Statt¬≠des¬≠sen wach¬≠sen evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠re Abstam¬≠mungs¬≠li¬≠ni¬≠en von ihrem Ursprung weg nach au√üen wie die Zwei¬≠ge eines wild wuchern¬≠den Strau¬≠ches. Manch¬≠mal gibt es bei die¬≠ser Aus¬≠w√§rts¬≠be¬≠we¬≠gung uner¬≠war¬≠te¬≠te Rich¬≠tungs¬≠wech¬≠sel, aber sol¬≠che evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Durch¬≠br√ľ¬≠che k√∂n¬≠nen eben¬≠so wenig hier¬≠ar¬≠chisch geglie¬≠dert wer¬≠den wie die Orga¬≠nis¬≠men selbst. Die Zwei¬≠ge wach¬≠sen in neue ver¬≠f√ľg¬≠ba¬≠re Nischen hin¬≠ein, nicht ‚Äúnach oben‚ÄĚ auf ein ima¬≠gi¬≠n√§¬≠res Ziel zu. Man k√∂nn¬≠te daf√ľr jedes belie¬≠bi¬≠ge Bei¬≠spiel aus der Natur anf√ľh¬≠ren; an die¬≠ser Stel¬≠le wer¬≠de ich mich auf die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on der Fle¬≠der¬≠m√§u¬≠se beschr√§nken. 

Die Vor¬≠fah¬≠ren der ers¬≠ten Fle¬≠der¬≠m√§u¬≠se waren spitz¬≠maus¬≠ar¬≠ti¬≠ge, insek¬≠ten¬≠fres¬≠sen¬≠de und nacht¬≠ak¬≠ti¬≠ve S√§u¬≠ge¬≠tie¬≠re, die vor knapp 60 Mil¬≠lio¬≠nen Jah¬≠ren im Bl√§t¬≠ter¬≠dach der W√§l¬≠der des Eoz√§n her¬≠um¬≠flitz¬≠ten. F√ľr Tie¬≠re, die auf B√§u¬≠men woh¬≠nen, stellt die Gefahr des Her¬≠un¬≠ter¬≠fal¬≠lens eine st√§n¬≠di¬≠ge Quel¬≠le des Selek¬≠ti¬≠ons¬≠drucks dar, und Anpas¬≠sun¬≠gen, die die¬≠se Gefahr beherrsch¬≠ba¬≠rer machen, brei¬≠ten sich in der Regel inner¬≠halb einer Popu¬≠la¬≠ti¬≠on schnell aus ‚Äď auf die¬≠se Wei¬≠se kamen die Faul¬≠tie¬≠re zu ihren Klau¬≠en, Neu¬≠welt¬≠af¬≠fen zu ihren Greif¬≠schw√§n¬≠zen und vie¬≠le Tie¬≠re, sowohl aus¬≠ge¬≠stor¬≠be¬≠ne als auch rezen¬≠te, zu zus√§tz¬≠li¬≠chen Haut¬≠lap¬≠pen, die als eine Art Fall¬≠schirm die¬≠nen. Wenn die¬≠se zus√§tz¬≠li¬≠chen Haut¬≠lap¬≠pen die Kluft zwi¬≠schen Vor¬≠der- und Hin¬≠ter¬≠bei¬≠nen √ľber¬≠br√ľ¬≠cken, was die h√§u¬≠figs¬≠te Anpas¬≠sung dar¬≠stellt, erh√§lt das Tier die F√§hig¬≠keit zu glei¬≠ten, wie etwa bei Gleit¬≠h√∂rn¬≠chen oder Riesengleitern. 

Wenn sich die zus√§tz¬≠li¬≠chen Haut¬≠lap¬≠pen dage¬≠gen haupt¬≠s√§ch¬≠lich um die vor¬≠de¬≠ren Extre¬≠mi¬≠t√§¬≠ten her¬≠um bil¬≠den, tut sich eine neue Welt auf, denn nun kann das Tier die Gleit¬≠be¬≠we¬≠gung sehr viel genau¬≠er steu¬≠ern und zu ihrer Unter¬≠st√ľt¬≠zung Mus¬≠kel¬≠kraft ein¬≠set¬≠zen ‚Äď in ande¬≠ren Wor¬≠ten: flie¬≠gen. Je akti¬≠ver au√üer¬≠dem sei¬≠ne Bewe¬≠gung √ľber den ein¬≠fa¬≠chen gesteu¬≠er¬≠ten Fall hin¬≠aus wird, des¬≠to mehr von den Mil¬≠li¬≠ar¬≠den schmack¬≠haf¬≠ter Insek¬≠ten, die durch die Wald¬≠luft huschen, lan¬≠den auf sei¬≠ner Spei¬≠se¬≠kar¬≠te. Das Ergeb¬≠nis ist ein unauf¬≠halt¬≠sa¬≠mer Selek¬≠ti¬≠ons¬≠druck in Rich¬≠tung einer Ver¬≠bes¬≠se¬≠rung der Flug¬≠f√§¬≠hig¬≠keit, und nach ein paar hun¬≠dert¬≠tau¬≠send Genera¬≠tio¬≠nen kann man √§u√üerst geschick¬≠te Flug¬≠tie¬≠re bewun¬≠dern. So ist es den Fle¬≠der¬≠m√§u¬≠sen ergan¬≠gen, und nichts ande¬≠res geschah 200 Mil¬≠lio¬≠nen Jah¬≠re fr√ľ¬≠her mit den Vor¬≠fah¬≠ren der Flugsaurier. 

Bereits vor 55 Mil¬≠lio¬≠nen Jah¬≠ren schos¬≠sen insek¬≠ten¬≠fres¬≠sen¬≠de Fle¬≠der¬≠m√§u¬≠se, die mehr oder weni¬≠ger iden¬≠tisch mit ihren heu¬≠ti¬≠gen Ver¬≠wand¬≠ten waren, durch die L√ľf¬≠te des Eoz√§ns. F√ľr die Ent¬≠wick¬≠lung der Ultra¬≠schall¬≠or¬≠tung war offen¬≠bar etwas mehr Zeit erfor¬≠der¬≠lich, und dies gilt auch f√ľr eini¬≠ge Neben¬≠li¬≠ni¬≠en wie etwa Frucht¬≠fle¬≠der¬≠m√§u¬≠se oder Flug¬≠hun¬≠de, aber die grund¬≠s√§tz¬≠li¬≠che Anpas¬≠sung war abge¬≠schlos¬≠sen und hat sich ‚Äď zum Miss¬≠ver¬≠gn√ľ¬≠gen zahl¬≠lo¬≠ser Genera¬≠tio¬≠nen von M√ľcken und Mot¬≠ten ‚Äď seit¬≠dem nicht mehr wesent¬≠lich ge√§n¬≠dert. Wie das bei evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Durch¬≠br√ľ¬≠chen so der Fall ist, war der Sprung zur Flug¬≠f√§¬≠hig¬≠keit ein enor¬≠mer Erfolg, schlie√ü¬≠lich sind Fle¬≠der¬≠tie¬≠re zah¬≠len¬≠m√§¬≠√üig die zweit¬≠gr√∂√ü¬≠te Unter¬≠ord¬≠nung der S√§u¬≠ge¬≠tie¬≠re, nur von den Nage¬≠tie¬≠ren √ľber¬≠trof¬≠fen. Aber es ist unm√∂g¬≠lich, die¬≠sen Durch¬≠bruch in ein linea¬≠res Sche¬≠ma einzupassen. 

Bei der √úber¬≠tra¬≠gung von Kon¬≠zep¬≠ten aus der Evo¬≠lu¬≠ti¬≠ons¬≠theo¬≠rie auf mensch¬≠li¬≠che Gesell¬≠schaf¬≠ten hakt es immer irgend¬≠wo ein biss¬≠chen, aber es besteht guter Grund zu der Annah¬≠me, dass auch Sozi¬≠al¬≠ord¬≠nun¬≠gen einem Evo¬≠lu¬≠ti¬≠ons¬≠pro¬≠zess unter¬≠lie¬≠gen: Wie die Popu¬≠la¬≠tio¬≠nen ande¬≠rer Lebe¬≠we¬≠sen auch sind mensch¬≠li¬≠che Gemein¬≠schaf¬≠ten Dr√ľ¬≠cken durch ihre Umwelt aus¬≠ge¬≠setzt, auf die sie durch Anpas¬≠sung oder Unter¬≠gang reagie¬≠ren. Aber auch hier ver¬≠zweigt sich der evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠re Pro¬≠zess in alle m√∂g¬≠li¬≠chen Rich¬≠tun¬≠gen und kann nicht in eine stu¬≠fen¬≠m√§¬≠√üig anstei¬≠gen¬≠de Hier¬≠ar¬≠chie geglie¬≠dert wer¬≠den. J√§ger- und Samm¬≠ler-Gesell¬≠schaf¬≠ten waren offen¬≠bar die urspr√ľng¬≠li¬≠che Form der mensch¬≠li¬≠chen Sozi¬≠al¬≠ord¬≠nung, aber ande¬≠re Lini¬≠en zweig¬≠ten von die¬≠sem Stamm ab und er√∂ff¬≠ne¬≠ten ihren Ange¬≠h√∂¬≠ri¬≠gen neue M√∂g¬≠lich¬≠kei¬≠ten, die so ver¬≠lo¬≠ckend wir¬≠ken muss¬≠ten wie wohl der mit Insek¬≠ten gef√ľll¬≠te Nacht¬≠him¬≠mel auf die ers¬≠ten, unbe¬≠hol¬≠fen flat¬≠tern¬≠den Ur-Flederm√§use. 

Wo man gro¬≠√üe Pflan¬≠zen¬≠fres¬≠ser z√§h¬≠men konn¬≠te, ent¬≠stan¬≠den daher noma¬≠di¬≠sche Hir¬≠ten¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠ten; wo vie¬≠le Nah¬≠rungs¬≠pflan¬≠zen im inten¬≠si¬≠ven Gar¬≠ten¬≠bau ange¬≠pflanzt wer¬≠den konn¬≠ten, f√ľhr¬≠te dies zu Hack¬≠bau¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠ten; wo der exten¬≠si¬≠ve Anbau samentra¬≠gen¬≠der Gr√§¬≠ser die bes¬≠ten √úber¬≠le¬≠bens¬≠chan¬≠cen bot, ent¬≠wi¬≠ckel¬≠ten sich Acker¬≠bau¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠ten. Wie sich zei¬≠gen soll¬≠te, konn¬≠te man Getrei¬≠de so z√ľch¬≠ten, dass gro¬≠√üe, trans¬≠port- und lage¬≠rungs¬≠f√§¬≠hi¬≠ge √úber¬≠sch√ľs¬≠se erzielt wur¬≠den, und auf die¬≠se Wei¬≠se √∂ff¬≠ne¬≠te der Acker¬≠bau die T√ľr zu umfas¬≠send arbeits¬≠tei¬≠li¬≠gen Gesell¬≠schaf¬≠ten und zum Auf¬≠stieg der St√§d¬≠te. Dies wie¬≠der¬≠um erm√∂g¬≠lich¬≠te die Ent¬≠ste¬≠hung einer kom¬≠ple¬≠xen mate¬≠ri¬≠el¬≠len Kul¬≠tur und f√ľhr¬≠te letzt¬≠end¬≠lich zur Ent¬≠wick¬≠lung der Maschi¬≠nen, mit deren Hil¬≠fe das Reser¬≠voir der Erde an fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stof¬≠fen erschlos¬≠sen wer¬≠den konn¬≠te, dem die moder¬≠ne Welt ihr drei Jahr¬≠hun¬≠der¬≠te w√§h¬≠ren¬≠des Zeit¬≠al¬≠ter der √úppig¬≠keit zu ver¬≠dan¬≠ken hat. 

Die Indus¬≠trie¬≠ge¬≠sell¬≠schaft ist eben¬≠so wenig ‚Äúwei¬≠ter ent¬≠wi¬≠ckelt‚ÄĚ als ande¬≠re Gesell¬≠schafts¬≠for¬≠men, wie sie ‚Äúweni¬≠ger ent¬≠wi¬≠ckelt‚ÄĚ ist. Sie stell¬≠te ein¬≠fach die erfolg¬≠reichs¬≠te Anpas¬≠sung an den Selek¬≠ti¬≠ons¬≠druck dar, der durch die Ver¬≠f√ľg¬≠bar¬≠ma¬≠chung der fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stof¬≠fe ent¬≠stand, und sie setz¬≠te sich gegen ande¬≠re Sozi¬≠al¬≠ord¬≠nun¬≠gen auf √§hn¬≠li¬≠che Wei¬≠se durch wie eine inva¬≠si¬≠ve exo¬≠ti¬≠sche Art gegen weni¬≠ger robus¬≠te ein¬≠hei¬≠mi¬≠sche Orga¬≠nis¬≠men. Je wei¬≠ter aber die Ersch√∂p¬≠fung der fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stoff¬≠vor¬≠r√§¬≠te und der Kli¬≠ma¬≠wan¬≠del vor¬≠an¬≠schrei¬≠ten, des¬≠to mehr √§ndern sich die evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Kr√§f¬≠te¬≠ver¬≠h√§lt¬≠nis¬≠se, und je mehr die neue Rea¬≠li¬≠t√§t begrenz¬≠ter Res¬≠sour¬≠cen ihre Wir¬≠kung ent¬≠fal¬≠tet, des¬≠to eher wer¬≠den durch die Selek¬≠ti¬≠on sol¬≠che Sys¬≠te¬≠me bevor¬≠zugt, die bes¬≠ser an die neu¬≠en √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Zw√§n¬≠ge von glo¬≠ba¬≠ler Kli¬≠ma¬≠in¬≠sta¬≠bi¬≠li¬≠t√§t, Ener¬≠gie¬≠knapp¬≠heit und Res¬≠sour¬≠cen¬≠man¬≠gel ange¬≠passt sind. 

Der Umstand, dass die¬≠se neu¬≠en Sys¬≠te¬≠me bes¬≠ser an die neu¬≠en Rea¬≠li¬≠t√§¬≠ten ange¬≠passt sind, bedeu¬≠tet aller¬≠dings nicht, dass sie nicht eben¬≠falls der Bedingt¬≠heit aller mensch¬≠li¬≠chen Exis¬≠tenz unter¬≠lie¬≠gen. Und damit kom¬≠men wir nun zum Aus¬≠gangs¬≠punkt zur√ľck, denn die Leu¬≠ten, die mich nach den Aus¬≠sich¬≠ten f√ľr das Errei¬≠chen einer neu¬≠en Ent¬≠wick¬≠lungs¬≠stu¬≠fe der Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on fra¬≠gen, wol¬≠len nur sel¬≠ten wis¬≠sen, ob die Gesell¬≠schaf¬≠ten der Zukunft bes¬≠ser an eine durch Res¬≠sour¬≠cen¬≠knapp¬≠heit gekenn¬≠zeich¬≠ne¬≠te Umwelt ange¬≠passt sein wer¬≠den. In der Regel geht es ihnen viel¬≠mehr dar¬≠um, ob die nach einem ima¬≠gi¬≠n√§¬≠ren evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Durch¬≠bruch ent¬≠ste¬≠hen¬≠den Gesell¬≠schaf¬≠ten frei von Pro¬≠ble¬≠men wie Armut, Krieg und Umwelt¬≠zer¬≠st√∂¬≠rung sind. 

Die¬≠se Fra¬≠ge l√§sst sich, wie mir scheint, am bes¬≠ten dadurch beant¬≠wor¬≠ten, dass man sich den letz¬≠ten evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Durch¬≠bruch zu einer neu¬≠en Lebens¬≠form ansieht, den es in der sozia¬≠len Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on des Men¬≠schen gege¬≠ben hat, n√§m¬≠lich den Auf¬≠stieg der Indus¬≠trie¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠ten ab ca. 1750. Land¬≠wirt¬≠schaft¬≠li¬≠che Gesell¬≠schaf¬≠ten lit¬≠ten unter Armut, Krieg und Umwelt¬≠zer¬≠st√∂¬≠rung, und dies gilt genau¬≠so f√ľr alle ande¬≠ren ‚Äúevo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠ren Ent¬≠wick¬≠lungs¬≠stu¬≠fen‚ÄĚ (bes¬≠ser gesagt: Anpas¬≠sun¬≠gen) bis zur√ľck zu den J√§gern und Samm¬≠lern. Bei vie¬≠len J√§ger- und Samm¬≠ler¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠ten der indi¬≠ge¬≠nen V√∂l¬≠ker Nord¬≠ame¬≠ri¬≠kas bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se gab es kras¬≠se sozia¬≠le Gegen¬≠s√§t¬≠ze, einen flo¬≠rie¬≠ren¬≠den Skla¬≠ven¬≠markt und end¬≠lo¬≠se, blu¬≠ti¬≠ge Stam¬≠mes¬≠krie¬≠ge. Ihre Ein¬≠bet¬≠tung in die Gesamt-√Ėko¬≠lo¬≠gie war weni¬≠ger pro¬≠ble¬≠ma¬≠tisch, denn die¬≠je¬≠ni¬≠gen indi¬≠ge¬≠nen Gesell¬≠schaf¬≠ten, die kein Gleich¬≠ge¬≠wicht mit der Natur gefun¬≠den hat¬≠ten, etwa die Mount¬≠buil¬≠der oder die Leu¬≠te vom Cha¬≠co Can¬≠yon, waren lan¬≠ge vor 1492 zusammengebrochen. 

Eben¬≠so wie Fle¬≠der¬≠m√§u¬≠se sich hin¬≠sicht¬≠lich Hun¬≠ger, Rang¬≠ord¬≠nungs¬≠k√§mp¬≠fen und uner¬≠w√ľnsch¬≠ter Auf¬≠merk¬≠sam¬≠keit durch Raub¬≠tie¬≠re mit den¬≠sel¬≠ben Pro¬≠ble¬≠men her¬≠um¬≠schla¬≠gen m√ľs¬≠sen wie ihre Vor¬≠fah¬≠ren, waren auch die Gesell¬≠schaf¬≠ten, die die indus¬≠tri¬≠el¬≠le Lebens¬≠wei¬≠se annah¬≠men, nicht anders als fr√ľ¬≠he¬≠re Gesell¬≠schaf¬≠ten mit Armut, Krieg und Umwelt¬≠zer¬≠st√∂¬≠rung kon¬≠fron¬≠tiert, und man muss sich schon fra¬≠gen, war¬≠um wohl die Gesell¬≠schaf¬≠ten, die als Reak¬≠ti¬≠on auf den Selek¬≠ti¬≠ons¬≠druck der Deindus¬≠tria¬≠li¬≠sie¬≠rung ent¬≠ste¬≠hen wer¬≠den, von die¬≠sen Schwie¬≠rig¬≠kei¬≠ten aus¬≠ge¬≠nom¬≠men blei¬≠ben soll¬≠ten. Evo¬≠lu¬≠tio¬≠n√§¬≠re Anpas¬≠sun¬≠gen k√∂n¬≠nen Lebe¬≠we¬≠sen bestimm¬≠te Din¬≠ge erleich¬≠tern ‚Äď eini¬≠ge der Raub¬≠tie¬≠re des Eoz√§n d√ľrf¬≠ten eher unwirsch reagiert haben, als die Fle¬≠der¬≠m√§u¬≠se die F√§hig¬≠keit erwar¬≠ben, in Sicher¬≠heit zu flat¬≠tern ‚Äď, aber kein Lebe¬≠we¬≠sen ist von den Aus¬≠ta¬≠rie¬≠run¬≠gen der Natur aus¬≠ge¬≠nom¬≠men. Es ist, anders gesagt, ein Feh¬≠ler, die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on so zu ver¬≠ste¬≠hen, dass dadurch ein uto¬≠pi¬≠scher Zustand erreicht wer¬≠den soll. 

Wann immer ich irgend¬≠ei¬≠nen der vor¬≠ste¬≠hen¬≠den Gedan¬≠ken √∂ffent¬≠lich vor¬≠brin¬≠ge, besteht aller¬≠dings irgend¬≠je¬≠mand ‚Äď es muss nicht der¬≠je¬≠ni¬≠ge sein, der die urspr√ľng¬≠li¬≠che Fra¬≠ge gestellt hat ‚Äď dar¬≠auf, das ja viel¬≠leicht die bio¬≠lo¬≠gi¬≠sche Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on so funk¬≠tio¬≠nie¬≠re, die spi¬≠ri¬≠tu¬≠el¬≠le Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on aber sei etwas ande¬≠res. Eini¬≠ge mei¬≠ner Leser for¬≠mu¬≠lie¬≠ren viel¬≠leicht gera¬≠de den¬≠sel¬≠ben Ein¬≠wand. Ich kann dar¬≠auf nur ant¬≠wor¬≠ten, dass ich kei¬≠ne der gro¬≠√üen spi¬≠ri¬≠tu¬≠el¬≠len Tra¬≠di¬≠tio¬≠nen der Welt ken¬≠ne, die dahin¬≠ge¬≠hend zu inter¬≠pre¬≠tie¬≠ren w√§re, dass Men¬≠schen, die ein pri¬≠vi¬≠le¬≠gier¬≠tes Leben in Wohl¬≠stand und Luxus f√ľh¬≠ren ‚Äď und letz¬≠ten Endes ist die¬≠se Beschrei¬≠bung des Lebens in den moder¬≠nen Indus¬≠trie¬≠ge¬≠sell¬≠schaf¬≠ten vom Stand¬≠punkt der √ľbri¬≠gen Mensch¬≠heits¬≠ge¬≠schich¬≠te aus voll¬≠kom¬≠men zutref¬≠fend ‚Äď, einen pl√∂tz¬≠li¬≠chen Sprung in ein Leben mit noch mehr Luxus und Kom¬≠fort zu erwar¬≠ten h√§t¬≠ten, allein weil sie dies zuf√§l¬≠lig w√ľn¬≠schens¬≠wert fin¬≠den, und dies au√üer¬≠dem ein beque¬≠mer Weg f√ľr sie w√§re, den Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen ihrer eige¬≠nen, kurz¬≠sich¬≠ti¬≠gen Ent¬≠schei¬≠dun¬≠gen aus dem Weg zu gehen. 

Die¬≠se Wor¬≠te klin¬≠gen viel¬≠leicht unan¬≠ge¬≠mes¬≠sen harsch. Nichts¬≠des¬≠to¬≠trotz ist die Vor¬≠stel¬≠lung, ein Sprung auf eine h√∂he¬≠re Stu¬≠fe der Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on w√ľr¬≠de uns vor dem Schla¬≠mas¬≠sel bewah¬≠ren, das wir selbst ange¬≠rich¬≠tet haben, nicht weni¬≠ger eine Ver¬≠zer¬≠rung des tat¬≠s√§ch¬≠li¬≠chen Evo¬≠lu¬≠ti¬≠ons¬≠pro¬≠zes¬≠ses als jedes belie¬≠bi¬≠ge sozi¬≠al¬≠dar¬≠wi¬≠nis¬≠ti¬≠sche Mach¬≠werk. Wer glau¬≠ben m√∂ch¬≠te, dass uns ein Wun¬≠der vor dem ver¬≠h√§ng¬≠nis¬≠vol¬≠len Schick¬≠sal der Indus¬≠trie¬≠ge¬≠sell¬≠schaft bewah¬≠ren k√∂nn¬≠te, hat jedes Recht dazu, die¬≠sen Glau¬≠ben aus¬≠zu¬≠√ľben, aber der Gedan¬≠ken¬≠aus¬≠tausch dar¬≠√ľber w√ľr¬≠de sich durch¬≠aus ver¬≠ein¬≠fa¬≠chen, wenn man das Wun¬≠der auch als sol¬≠ches bezeich¬≠ne¬≠te, anstatt es in den geborg¬≠ten Anzug der Dar¬≠win¬≠schen Theo¬≠rien zu ste¬≠cken. Viel¬≠leicht han¬≠delt es sich da um ein Vor¬≠ur¬≠teil, dass sich mei¬≠nem eige¬≠nen Drui¬≠den-Glau¬≠ben ver¬≠dankt, aber mir scheint doch, dass wir die Evo¬≠lu¬≠ti¬≠on nur dann als Meta¬≠pher ver¬≠wen¬≠den soll¬≠ten, wenn wir sie auch wirk¬≠lich ernst neh¬≠men, anstatt unse¬≠re eige¬≠nen Phan¬≠ta¬≠sie¬≠vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen auf die ganz anders fun¬≠dier¬≠ten Geschich¬≠ten zu pro¬≠ji¬≠zie¬≠ren, die uns die Natur erz√§hlt. 

http://thearchdruidreport.blogspot.com/2008/12/taking-evolution-seriously.html

3.12.2008