In einem fr√ľ¬≠he¬≠ren Bei¬≠trag (Die √Ėko¬≠lo¬≠gie des sozia¬≠len Wan¬≠dels) habe ich die The¬≠se auf¬≠ge¬≠stellt, dass die meis¬≠ten Vor¬≠schl√§¬≠ge, wie sozia¬≠ler Wan¬≠del zu errei¬≠chen w√§re, unter dem schwe¬≠ren Man¬≠gel lei¬≠den, die √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Dimen¬≠sio¬≠nen der mensch¬≠li¬≠chen Gesell¬≠schaft zu igno¬≠rie¬≠ren. Es ist aller¬≠dings bei¬≠na¬≠he unm√∂g¬≠lich, die¬≠sen Feh¬≠ler nicht zu bege¬≠hen, denn er gr√ľn¬≠det nicht ein¬≠fach in bewusst ver¬≠tre¬≠te¬≠nen √úber¬≠zeu¬≠gun¬≠gen; vie¬≠le der¬≠je¬≠ni¬≠gen, die sich f√ľr sozia¬≠len Wan¬≠del ein¬≠set¬≠zen, sind ja in √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠scher Hin¬≠sicht nicht unge¬≠bil¬≠det. Es sind viel¬≠mehr die sol¬≠chen Pl√§¬≠nen zugrun¬≠de¬≠lie¬≠gen¬≠den unge¬≠pr√ľf¬≠ten und oft¬≠mals unbe¬≠wuss¬≠ten Vor¬≠an¬≠nah¬≠men, die ihre Bef√ľr¬≠wor¬≠ter den √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Rea¬≠li¬≠t√§¬≠ten gegen¬≠√ľber blind machen ‚Äď und die Anstren¬≠gung, sich den eige¬≠nen Vor¬≠an¬≠nah¬≠men zu stel¬≠len, wird in der Regel eher sel¬≠ten unternommen. 

Einer der Fak¬≠to¬≠ren, die das Ende des Indus¬≠trie¬≠zeit¬≠al¬≠ters f√ľr vie¬≠le so schwer begreif¬≠bar machen, ist der Unter¬≠schied zwi¬≠schen Wis¬≠sen¬≠schaft und dem (auch als Szi¬≠en¬≠tis¬≠mus bekann¬≠ten) Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠ben. Bei der Wis¬≠sen¬≠schaft han¬≠delt es sich im Kern um eine Metho¬≠de der prak¬≠ti¬≠schen Logik, mit der Hypo¬≠the¬≠sen auf¬≠ge¬≠stellt und in der Pra¬≠xis getes¬≠tet wer¬≠den. Der Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠be hin¬≠ge¬≠gen ist eine Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung und ein Wer¬≠te¬≠sys¬≠tem. Zugrun¬≠de liegt ihm das Behar¬≠ren dar¬≠auf, dass jene Fra¬≠gen, die mit Hil¬≠fe der wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Metho¬≠de beant¬≠wor¬≠tet wer¬≠den k√∂n¬≠nen, die wich¬≠tigs¬≠ten Fra¬≠gen dar¬≠stel¬≠len, die ein Mensch stel¬≠len kann, und dass das von der Wis¬≠sen¬≠schaft gezeich¬≠ne¬≠te Bild der Welt eine bes¬≠se¬≠re Ann√§¬≠he¬≠rung an die Rea¬≠li¬≠t√§t dar¬≠stellt als jedes ande¬≠re. Wis¬≠sen¬≠schaft und Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠be sind nicht iden¬≠tisch, aber es geh√∂rt zu den am wei¬≠tes¬≠ten ver¬≠brei¬≠te¬≠ten Denk¬≠ge¬≠wohn¬≠hei¬≠ten der Moder¬≠ne, von die¬≠ser Iden¬≠ti¬≠t√§t aus¬≠zu¬≠ge¬≠hen ‚Äď oder, bes¬≠ser gesagt, von einer ‚ÄúWis¬≠sen¬≠schaft als sol¬≠cher‚ÄĚ, ohne den Unter¬≠schied zum Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠ben als Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung √ľber¬≠haupt wahrzunehmen. 

Dies ist kein neu¬≠es Ph√§¬≠no¬≠men; die Mehr¬≠heit der Werk¬≠zeu¬≠ge, deren sich der Intel¬≠lekt bedient, haben zu ent¬≠spre¬≠chen¬≠den Welt¬≠an¬≠schau¬≠un¬≠gen und Wert¬≠vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen gef√ľhrt. Dies l√§sst sich bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se am Bei¬≠spiel der klas¬≠si¬≠schen Logik bele¬≠gen. Die grie¬≠chi¬≠schen und r√∂mi¬≠schen Phi¬≠lo¬≠so¬≠phen ent¬≠wi¬≠ckel¬≠ten die Logik zu ihrem grund¬≠le¬≠gen¬≠den Werk¬≠zeug, defi¬≠nier¬≠ten die Rea¬≠li¬≠t√§t als all das, was auf ver¬≠ba¬≠le Aus¬≠sa¬≠gen redu¬≠ziert und durch logi¬≠sche Mit¬≠tel ana¬≠ly¬≠siert wer¬≠den kann, und ver¬≠bann¬≠ten den Rest in das Apei¬≠ron, das Reich des Form¬≠lo¬≠sen und Unbe¬≠stimm¬≠ba¬≠ren. Die Ergeb¬≠nis¬≠se waren ma√ü¬≠ge¬≠bend f√ľr die Mehr¬≠zahl der Erfol¬≠ge und Fehl¬≠schl√§¬≠ge der anti¬≠ken Geis¬≠tes¬≠ge¬≠schich¬≠te. Es f√§llt nicht schwer, den alten Phi¬≠lo¬≠so¬≠phen ihre Unter¬≠las¬≠sun¬≠gen vor¬≠zu¬≠hal¬≠ten ‚Äď bei den Debat¬≠ten um Gerech¬≠tig¬≠keit etwa kam es kei¬≠nem der Betei¬≠lig¬≠ten in den Sinn, die √∂ko¬≠no¬≠mi¬≠sche Abh√§n¬≠gig¬≠keit der anti¬≠ken Welt von der Skla¬≠ve¬≠rei in die Pro¬≠blem¬≠stel¬≠lung mit ein¬≠zu¬≠be¬≠zie¬≠hen ‚Äď, aber nat√ľr¬≠lich ist das moder¬≠ne Den¬≠ken von nicht weni¬≠ger gro¬≠√üen blin¬≠den Fle¬≠cken gekennzeichnet. 

Was der klas¬≠si¬≠schen Logik ihre Ver¬≠bal¬≠aus¬≠sa¬≠gen waren, ist der wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Metho¬≠de ihre Quan¬≠ti¬≠fi¬≠zie¬≠rung: Ph√§¬≠no¬≠me¬≠ne, die sich nicht in Zah¬≠len aus¬≠dr√ľ¬≠cken las¬≠sen, k√∂n¬≠nen in der Regel nicht durch die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠che Metho¬≠de unter¬≠sucht wer¬≠den. Kon¬≠se¬≠quen¬≠ter¬≠wei¬≠se haben vie¬≠le Wis¬≠sen¬≠schaft¬≠ler alles, was sich nicht quan¬≠ti¬≠fi¬≠zie¬≠ren l√§sst, in ihre eige¬≠ne Ver¬≠si¬≠on des Apei¬≠ron ver¬≠bannt. Der Hin¬≠weis auf die¬≠se schlech¬≠te Denk¬≠ge¬≠wohn¬≠heit bedeu¬≠tet kei¬≠ne Ver¬≠dam¬≠mung der Wis¬≠sen¬≠schaft oder auch nur des Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠bens; viel¬≠mehr zollt man dadurch ein¬≠fach der Tat¬≠sa¬≠che Tri¬≠but, dass kein Werk¬≠zeug f√ľr alle Arbeits¬≠ein¬≠s√§t¬≠ze geeig¬≠net ist. Trotz¬≠dem ist die nat√ľr¬≠li¬≠che Nei¬≠gung klei¬≠ner Kin¬≠der mit einem Ham¬≠mer in der Hand, die Welt um sich her¬≠um als gro¬≠√üen Nagel zu betrach¬≠ten, nicht der ein¬≠zi¬≠ge rele¬≠van¬≠te Fak¬≠tor, der hier zur Wir¬≠kung kommt. Auch die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠che Metho¬≠de selbst wird oft¬≠mals zu einem Hin¬≠der¬≠nis beim Bem√ľ¬≠hen um Klarheit. 

Denn schlie√ü¬≠lich geh√∂¬≠ren Welt¬≠an¬≠schau¬≠un¬≠gen und Wert¬≠vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen zu den Din¬≠gen, die √ľber die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Metho¬≠dik am schlech¬≠tes¬≠ten erfasst wer¬≠den k√∂n¬≠nen ¬¨‚Äď wie soll¬≠te man auch ein Wert¬≠ur¬≠teil quan¬≠ti¬≠fi¬≠zie¬≠ren? ‚Äď, und die¬≠ses Pro¬≠blem wird beson¬≠ders gra¬≠vie¬≠rend, wenn die Wis¬≠sen¬≠schaft die von ihr selbst aus¬≠ge¬≠gan¬≠ge¬≠nen Welt¬≠an¬≠schau¬≠un¬≠gen und Wert¬≠vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen unter¬≠sucht. Durch kei¬≠ne kon¬≠trol¬≠lier¬≠te Dop¬≠pel¬≠blind¬≠stu¬≠die der Welt ist her¬≠aus¬≠zu¬≠fin¬≠den, ob die von der Wis¬≠sen¬≠schaft ent¬≠h√ľll¬≠ten Wahr¬≠hei¬≠ten wich¬≠ti¬≠ger sind als sol¬≠che, die auf ande¬≠re Wei¬≠se ans Licht kom¬≠men, und noch viel weni¬≠ger, ob die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠che Metho¬≠de die gr√∂√ü¬≠te Hoff¬≠nung f√ľr die Zukunft der Mensch¬≠heit dar¬≠stellt. Nur, weil es Wis¬≠sen¬≠schaft¬≠ler sind, die sol¬≠che Behaup¬≠tun¬≠gen auf¬≠stel¬≠len, wer¬≠den sie noch lan¬≠ge nicht zu Wis¬≠sen¬≠schaft. Viel¬≠mehr geh√∂¬≠ren sie zu den Wert¬≠vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen, die vom Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠ben herr√ľhren. 

Das¬≠sel¬≠be kann man abso¬≠lut auch √ľber die angeb¬≠li¬≠che ‚ÄúErobe¬≠rung der Natur‚ÄĚ durch den Men¬≠schen sagen, viel¬≠leicht das pr√§¬≠gnan¬≠tes¬≠te Kon¬≠zept des Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠bens. Eine mili¬≠t√§¬≠ri¬≠sche Meta¬≠pher, die aus der Mensch¬≠heit den Feind der Erde macht, ist eine selt¬≠sa¬≠me Beschrei¬≠bung f√ľr unse¬≠re Bezie¬≠hun¬≠gen zu den nat√ľr¬≠li¬≠chen Sys¬≠te¬≠men, die Grund¬≠la¬≠ge unse¬≠res √úber¬≠le¬≠bens sind. Nichts¬≠des¬≠to¬≠trotz muss man nur leicht an den heu¬≠te ver¬≠brei¬≠te¬≠ten Ansich¬≠ten √ľber die Natur krat¬≠zen, und das abge¬≠dro¬≠sche¬≠ne Kli¬≠schee vom Men¬≠schen als deren ‚ÄúBezwin¬≠ger‚ÄĚ kommt zum Vor¬≠schein. Selbst die Nar¬≠ra¬≠ti¬≠ve der moder¬≠nen Umwelt¬≠be¬≠we¬≠gung stel¬≠len die¬≠se Sicht¬≠wei¬≠se nicht etwa in Fra¬≠ge, son¬≠dern ver¬≠st√§r¬≠ken sie sogar noch, denn in den meis¬≠ten F√§l¬≠len glo¬≠ri¬≠fi¬≠zie¬≠ren sie die Kr√§f¬≠te des Men¬≠schen, indem sie sich die Behaup¬≠tung zu eigen machen, dass wir der¬≠art m√§ch¬≠tig gewor¬≠den sei¬≠en, dass wir die gan¬≠ze Erde und uns selbst gleich mit zer¬≠st√∂¬≠ren k√∂nnten. 

Der Wider¬≠spruch zwi¬≠schen die¬≠sen Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen und den har¬≠schen Rea¬≠li¬≠t√§¬≠ten der Gren¬≠zen des Wachs¬≠tums k√∂nn¬≠te aus¬≠ge¬≠pr√§g¬≠ter kaum sein. Unse¬≠re gegen¬≠w√§r¬≠ti¬≠ge Lage ist durch Beschr√§n¬≠kun¬≠gen defi¬≠niert, nicht durch das mensch¬≠li¬≠che Leis¬≠tungs¬≠ver¬≠m√∂¬≠gen, denn die tech¬≠no¬≠lo¬≠gi¬≠schen Revo¬≠lu¬≠tio¬≠nen und Wirt¬≠schafts¬≠booms, die f√ľr die meis¬≠ten moder¬≠nen Men¬≠schen selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich sind, haben ihre Ursa¬≠che in einer kur¬≠zen Peri¬≠ode der Extra¬≠va¬≠ganz, in der wir eine hal¬≠be Mil¬≠li¬≠ar¬≠de Jah¬≠re an gespei¬≠cher¬≠tem Son¬≠nen¬≠licht ver¬≠schleu¬≠dert haben. Die von uns bean¬≠spruch¬≠ten Kr√§f¬≠te waren nie¬≠mals wirk¬≠lich die uns¬≠ri¬≠gen, und wir haben die Natur auch nie wirk¬≠lich besiegt; statt¬≠des¬≠sen haben wir ihre Koh¬≠len¬≠stoff¬≠spei¬≠cher gepl√ľn¬≠dert und den Gro√ü¬≠teil von deren Inhalt ver¬≠ju¬≠belt. Jetzt wer¬≠den die Rech¬≠nun¬≠gen f√§l¬≠lig, die Haben¬≠sei¬≠te der Bilanz reicht nicht aus, um unse¬≠re Schul¬≠den zu beglei¬≠chen, und frag¬≠lich bleibt ein¬≠zig, wie vie¬≠le der Reich¬≠t√ľ¬≠mer, die wir all die¬≠sem Koh¬≠len¬≠stoff ver¬≠dan¬≠ken, uns noch geh√∂¬≠ren wer¬≠den, wenn die Natur ihr Kon¬≠kurs¬≠ver¬≠fah¬≠ren been¬≠det hat. 

Sol¬≠che Aus¬≠sich¬≠ten sind unver¬≠ein¬≠bar mit der Mehr¬≠zahl der heu¬≠te ver¬≠brei¬≠te¬≠ten Ansich¬≠ten √ľber die Natur und den Platz der Mensch¬≠heit dar¬≠in, und sie pas¬≠sen genau¬≠so wenig zum Glau¬≠ben der Auf¬≠kl√§¬≠rung an die Ver¬≠nunft als Pfor¬≠te zu einer bes¬≠se¬≠ren Welt. Einer der wich¬≠tigs¬≠ten Leit¬≠s√§t¬≠ze die¬≠ses Glau¬≠bens sagt, dass jede Man¬≠gel¬≠haf¬≠tig¬≠keit ein Pro¬≠blem dar¬≠stellt, das gel√∂st wer¬≠den muss ‚Äď und kann. Die Vor¬≠stel¬≠lung, dass es √§u√üerst man¬≠gel¬≠haf¬≠te Umst√§n¬≠de geben k√∂nn¬≠te, die nicht besei¬≠tigt wer¬≠den k√∂n¬≠nen, son¬≠dern mit denen man eben leben muss, ist undenk¬≠bar und stellt f√ľr vie¬≠le Men¬≠schen eine Belei¬≠di¬≠gung dar. Aber wenn das mensch¬≠li¬≠che Dasein unnach¬≠gie¬≠bi¬≠gen √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Begren¬≠zun¬≠gen unter¬≠liegt, kol¬≠la¬≠biert das Nar¬≠ra¬≠tiv der mensch¬≠li¬≠chen All¬≠macht, und lei¬≠den¬≠schaft¬≠lich ver¬≠tre¬≠te¬≠ne Ansich¬≠ten √ľber die mensch¬≠li¬≠che Natur und Bestim¬≠mun¬≠gen tun es ihm gleich. 

Es w√ľr¬≠de all¬≠zu leicht fal¬≠len, die Rol¬≠le des Schur¬≠ken in die¬≠sem Schau¬≠spiel mit dem Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠ben zu beset¬≠zen, aber der Szi¬≠en¬≠tis¬≠mus ist ledig¬≠lich das j√ľngs¬≠te Bei¬≠spiel f√ľr die mensch¬≠li¬≠che Nei¬≠gung, eine erfolg¬≠rei¬≠che Tech¬≠no¬≠lo¬≠gie in eine all¬≠ge¬≠mei¬≠ne Defi¬≠ni¬≠ti¬≠on des Uni¬≠ver¬≠sums umzu¬≠m√ľn¬≠zen. J√§ger und Samm¬≠ler sehen in den Tie¬≠ren, die sie jagen, und den Pflan¬≠zen, die sie sam¬≠meln, die Bau¬≠stei¬≠ne des Kos¬≠mos; Acker¬≠bau¬≠v√∂l¬≠ker betrach¬≠ten ihre Welt durch die Lin¬≠se von Boden, Samen und dem Wan¬≠del der Jah¬≠res¬≠zei¬≠ten ‚Äď die Anstren¬≠gun¬≠gen der anti¬≠ken Zivi¬≠li¬≠sa¬≠ti¬≠on, in einer Welt der Logik zu leben, und die der moder¬≠nen Indus¬≠trie¬≠zi¬≠vi¬≠li¬≠sa¬≠ti¬≠on, eine voll¬≠kom¬≠men wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠che zu errich¬≠ten, sind ein¬≠fach nur zwei wei¬≠te¬≠re Bei¬≠spie¬≠le. Dar¬≠√ľber hin¬≠aus stell¬≠te der Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠be auch nicht immer eine sol¬≠che Fehl¬≠an¬≠pas¬≠sung dar wie heu¬≠te. W√§h¬≠rend der Hoch¬≠pha¬≠se des Indus¬≠trie¬≠zeit¬≠al¬≠ters lenk¬≠te er die mensch¬≠li¬≠chen Anstren¬≠gun¬≠gen auf etwas, das sei¬≠ner¬≠zeit ein erfolg¬≠rei¬≠ches mensch¬≠li¬≠ches √Ėko¬≠sys¬≠tem war. Im Nach¬≠hin¬≠ein stellt sich das gren¬≠zen¬≠lo¬≠se Ver¬≠trau¬≠en des Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠bens in die Macht der mensch¬≠li¬≠chen Ver¬≠nunft gera¬≠de¬≠zu als Mus¬≠ter¬≠bei¬≠spiel f√ľr das her¬≠aus, was die alten Grie¬≠chen Hybris nann¬≠ten, den anma¬≠√üen¬≠den Stolz der dem Unter¬≠gang geweih¬≠ten. Sei¬≠ner¬≠zeit war das aller¬≠dings alles ande¬≠re als deut¬≠lich, und man k√∂nn¬≠te mit Fug und Recht behaup¬≠ten, dass der Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠be heu¬≠te ein¬≠fach des¬≠halb zu einem Pro¬≠blem gewor¬≠den ist, weil er sein Ver¬≠falls¬≠da¬≠tum √ľber¬≠schrit¬≠ten hat. 

Wie dem auch sei ‚Äď die Kul¬≠tu¬≠ren des Zeit¬≠al¬≠ters der Deindus¬≠tria¬≠li¬≠sie¬≠rung wer¬≠den der Natur gegen¬≠√ľber eine Hal¬≠tung pfle¬≠gen m√ľs¬≠sen, die sich aus¬≠ge¬≠spro¬≠chen von jener des Szi¬≠en¬≠tis¬≠mus unter¬≠schei¬≠det: eine Hal¬≠tung, die mit Demut beginnt anstatt mit Hybris, und man beach¬≠te dabei, dass das latei¬≠ni¬≠sche Wort f√ľr die Demut, Humi¬≠li¬≠tas, die¬≠sel¬≠be Wur¬≠zel hat wie Humus, der Mut¬≠ter¬≠bo¬≠den, von dem wir alle abh√§n¬≠gen, um unse¬≠re lebens¬≠spen¬≠den¬≠de Nah¬≠rung zu gewin¬≠nen. Eine sol¬≠che Hal¬≠tung l√§sst wenig Platz f√ľr die heu¬≠ti¬≠gen arro¬≠gan¬≠ten Vor¬≠stel¬≠lun¬≠gen √ľber den Platz der Mensch¬≠heit inner¬≠halb der Natur. Aber ganz in dem Sin¬≠ne, wie die grie¬≠chi¬≠sche Logik aus dem Schutt der Anti¬≠ke gebor¬≠gen wur¬≠de und in einer Rei¬≠he von Nach¬≠fol¬≠ge¬≠kul¬≠tu¬≠ren zum Ein¬≠satz kam, w√§re es auch die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠che Metho¬≠de wert, aus den Tr√ľm¬≠mern des Indus¬≠trie¬≠zeit¬≠al¬≠ters gezo¬≠gen zu wer¬≠den, und sie k√∂nn¬≠te eben¬≠so gut in einer Kul¬≠tur der √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Demut funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren, wie sie es in der heu¬≠ti¬≠gen Kul¬≠tur der √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Hybris tut. Mei¬≠ner Ver¬≠mu¬≠tung nach ‚Äď wie zutref¬≠fend die auch sein mag ‚Äď stel¬≠len die Umwelt¬≠wis¬≠sen¬≠schaf¬≠ten das wahr¬≠schein¬≠lichs¬≠te Ter¬≠rain f√ľr ein sol¬≠ches Ret¬≠tungs¬≠un¬≠ter¬≠neh¬≠men dar. 

Jede Kul¬≠tur zehrt von den Tech¬≠ni¬≠ken, die am geeig¬≠nets¬≠ten schei¬≠nen, die zuge¬≠h√∂¬≠ri¬≠ge Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung her¬≠vor¬≠zu¬≠brin¬≠gen. Die indus¬≠tri¬≠el¬≠le Zivi¬≠li¬≠sa¬≠ti¬≠on hat in die¬≠sem Sin¬≠ne am meis¬≠ten vom Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠ben gezehrt, und sogar noch mehr von des¬≠sen Sym¬≠bo¬≠len und Emo¬≠tio¬≠na¬≠li¬≠t√§t, von den durch Gali¬≠leo und New¬≠ton im 17. Jahr¬≠hun¬≠dert er√∂ff¬≠ne¬≠ten Wel¬≠ten, die sich hun¬≠dert Jah¬≠re sp√§¬≠ter in der ers¬≠ten Wel¬≠le indus¬≠tri¬≠el¬≠ler Tech¬≠no¬≠lo¬≠gie ver¬≠k√∂r¬≠per¬≠ten. In der¬≠sel¬≠ben Wei¬≠se macht es die ent¬≠schei¬≠den¬≠de Rol¬≠le, die das √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠sche Wis¬≠sen wahr¬≠schein¬≠lich in den Nach¬≠fol¬≠ge¬≠kul¬≠tu¬≠ren des indus¬≠tri¬≠el¬≠len Zeit¬≠al¬≠ters spie¬≠len wird, extrem wahr¬≠schein¬≠lich, dass in den unmit¬≠tel¬≠bar bevor¬≠ste¬≠hen¬≠den Jahr¬≠hun¬≠der¬≠ten umfas¬≠sen¬≠de¬≠re Denk¬≠wei¬≠sen auf¬≠kom¬≠men wer¬≠den, die auf der √∂ko¬≠lo¬≠gi¬≠schen Wis¬≠sen¬≠schaft beruhen. 

Nen¬≠nen wir die¬≠se Denk¬≠wei¬≠sen √Ėko¬≠so¬≠phie: die Weis¬≠heit (sophia) des Heims, im Unter¬≠schied ‚Äď aller¬≠dings kei¬≠nes¬≠falls im Gegen¬≠satz ‚Äď zum ‚ÄúReden √ľber das Heim‚ÄĚ, der √Ėko¬≠lo¬≠gie, oder zur ‚ÄúKunst¬≠fer¬≠tig¬≠keit (tech¬≠ne) des Heims‚ÄĚ, der √Ėko¬≠tech¬≠nik. Die √Ėko¬≠so¬≠phie ist kei¬≠ne Wis¬≠sen¬≠schaft, eben¬≠so wenig wie der Wis¬≠sen¬≠schafts¬≠glau¬≠be eine ist, und sie ist auch kei¬≠ne Reli¬≠gi¬≠on ‚Äď obwohl eine √∂ko¬≠lo¬≠gisch grun¬≠dier¬≠te Art von Reli¬≠gi¬≠on im Zeit¬≠al¬≠ter der Deindus¬≠tria¬≠li¬≠sie¬≠rung zu Bedeu¬≠tung gelan¬≠gen d√ľrf¬≠te, ob sie sich nun inner¬≠halb bestehen¬≠der reli¬≠gi√∂¬≠ser For¬≠men oder au√üer¬≠halb davon ent¬≠wi¬≠ckelt. Viel¬≠mehr ist √Ėko¬≠so¬≠phie eine Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung und ein Wer¬≠te¬≠sys¬≠tem, das der √Ėko¬≠lo¬≠gie und der √Ėko¬≠tech¬≠nik Bedeu¬≠tung ver¬≠leiht und der mensch¬≠li¬≠chen Exis¬≠tenz ihren Sinn gibt ‚Äď nicht im Sin¬≠ne einer ima¬≠gi¬≠nier¬≠ten Erobe¬≠rung der Natur, son¬≠dern im Sin¬≠ne der Abh√§n¬≠gig¬≠keit unse¬≠rer Spe¬≠zi¬≠es vom gr√∂¬≠√üe¬≠ren Kreis der Bio¬≠sph√§¬≠re und ihrer Teil¬≠ha¬≠be daran. 

Eini¬≠ge Ele¬≠men¬≠te die¬≠ser √Ėko¬≠so¬≠phie exis¬≠tie¬≠ren bereits, und ande¬≠re wer¬≠den sich lang¬≠sam her¬≠aus¬≠bil¬≠den, je mehr die Abend¬≠d√§m¬≠me¬≠rung des Zeit¬≠al¬≠ters der bil¬≠li¬≠gen Ener¬≠gie uns ver¬≠bie¬≠tet, die Rea¬≠li¬≠t√§t unse¬≠rer Umwelt¬≠be¬≠din¬≠gun¬≠gen zu igno¬≠rie¬≠ren. Es ist trotz¬≠dem nicht sinn¬≠los, bereits hier und jetzt wenigs¬≠tens eini¬≠ge der Grund¬≠li¬≠ni¬≠en der √∂ko¬≠so¬≠phi¬≠schen Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung zu skiz¬≠zie¬≠ren. Die christ¬≠li¬≠che Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung des Mit¬≠tel¬≠al¬≠ters wur¬≠de lan¬≠ge, bevor sie die mit¬≠tel¬≠al¬≠ter¬≠li¬≠che Vor¬≠stel¬≠lungs¬≠welt beherrsch¬≠te, in den Schrif¬≠ten von Theo¬≠lo¬≠gen wie Augus¬≠ti¬≠nus von Hip¬≠po for¬≠mu¬≠liert; ana¬≠log erkun¬≠de¬≠ten die Begr√ľn¬≠der der moder¬≠nen Wis¬≠sen¬≠schaft von Gali¬≠leo bis Dar¬≠win die Welt¬≠an¬≠schau¬≠un¬≠gen des Szi¬≠en¬≠tis¬≠mus, bevor die¬≠se in das all¬≠ge¬≠mei¬≠ne Bewusst¬≠sein √ľber¬≠gin¬≠gen. In eini¬≠gen der Essays, die hier in den kom¬≠men¬≠den Mona¬≠ten erschei¬≠nen wer¬≠den, m√∂ch¬≠te ich Autoren vor¬≠stel¬≠len, die am meis¬≠ten zu die¬≠ser im Ent¬≠ste¬≠hen begrif¬≠fe¬≠nen √∂ko¬≠so¬≠phi¬≠schen Welt¬≠an¬≠schau¬≠ung bei¬≠getra¬≠gen haben, und Gesichts¬≠punk¬≠te unter¬≠su¬≠chen, anhand derer eine auf der √Ėko¬≠lo¬≠gie gr√ľn¬≠den¬≠de Visi¬≠on der mensch¬≠li¬≠chen Exis¬≠tenz ent¬≠wi¬≠ckelt wer¬≠den k√∂nnte. 

http://thearchdruidreport.blogspot.com/2009/02/toward-ecosophy.html

 

12.2.2009