Bernd Ohm

Autorenblog

Damals unter den Taliban (2)

Angesichts der Sorgen, die sich die gestern erwähnten »Hausväter und Herrschaften« um das Seelenheil ihrer Knechte und Mägde machten, muss man sich natürlich fragen, was wohl passierte, wenn das unverschämte Personal dann doch mal frech über die Stränge schlug. Die Fragen kann beantwortet werden – in unserem kleinen verträumten Dorf gab es früher eine einklassige Volksschule, deren Lehrer die wichtigsten Ereignisse in einer kleinen Chronik festhielt. Am 23. Februar 1923 vermerkt er:

Vollmeier Wilhelm M. schoß abends dem Schneidergesellen Heinrich T., der mit M.s Dienstmagd auf dem M.’schen Hofe ein »Stelldichein« hatte, eine Ladung Schrotkörner ins Knie. T. mußte ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen. Glücklicherweise ist das Knie gut geheilt.

Unbekannt ist bisher, wie der Dorfpolizist reagierte …

2 Kommentare

  1. Dietmar Brandstädter

    5. Januar 2018 at 18:16

    …da war wohl Ernest H. der Vollmeier- oder ?
    Egal – aber diese Verhältnisse waren relativ alltäglich,
    bei T. Fontane kann man es gut nachlesen, in Vorpommern und Brandenburg, Mecklenburg und Ostpreussen mit den großen Höfen waren diese feudalen Grundherren nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel.

    • Bernd

      5. Januar 2018 at 19:19

      Der alte Hem hat den Vorteil gemeinfrei zu sein, und er guckt halt so schön böse… Ich finde den Vergleich nicht ganz gelungen, weil so ein ostelbischer Junker mit 2000 Hektar Gutshof und niederer Gerichtsbarkeit über seine Leute dann doch noch eine andere Dimension ist als ein norddeutscher 30-Hektar-Bauer, der seinerzeit ein paar Knechte und Mädge herumkommandierte. Und der Typ, dem er ins Knie geschossen hat, ist ja sein Nachbar (wenn auch viel ärmer), nicht sein Dienstbote.

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