Autorenblog

Kategorie: Wolfsstadt (Seite 1 von 3)

Ratschlag f√ľr Autoren, die nicht im Herdenbuch stehen

Vor ein paar Tagen war Alfred D√∂blins Geburts¬≠tag. Eine gute Gele¬≠gen¬≠heit, sich ein paar Grund¬≠s√§t¬≠ze ins Ged√§cht¬≠nis zu rufen, die mir eini¬≠ges bedeu¬≠ten und die ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re beim Schrei¬≠ben von Wolfs¬≠stadt ihre Wir¬≠kung ent¬≠fal¬≠tet haben:

Die Dar¬≠stel¬≠lung erfor¬≠dert bei der unge¬≠heu¬≠ren Men¬≠ge des Geform¬≠ten einen Kino¬≠s¬≠til. In h√∂chs¬≠ter Gedr√§ngt¬≠heit und Pr√§¬≠zi¬≠si¬≠on hat die F√ľl¬≠le der Gesich¬≠te vor¬≠bei¬≠zu¬≠zie¬≠hen. Der Spra¬≠che das Aeu¬≠√üers¬≠te der Plas¬≠tik und Leben¬≠dig¬≠keit abzu¬≠rin¬≠gen. Der Erz√§hl¬≠schlen¬≠dri¬≠an hat im Roman kei¬≠nen Platz; man erz√§hlt nicht, son¬≠dern baut. Der Erz√§h¬≠ler hat sei¬≠ne b√§u¬≠ri¬≠sche Ver¬≠trau¬≠lich¬≠keit. Knapp¬≠heit, Spar¬≠sam¬≠keit der Wor¬≠te ist n√∂tig; fri¬≠sche Wen¬≠dun¬≠gen. Von Peri¬≠oden, die das Neben¬≠ein¬≠an¬≠der des Kom¬≠ple¬≠xen wie das Hin¬≠ter¬≠ein¬≠an¬≠der rasch zusam¬≠men¬≠fas¬≠sen erlau¬≠ben, ist umf√§ng¬≠li¬≠cher Gebrauch zu machen. Rapi¬≠de Abl√§u¬≠fe, Durch¬≠ein¬≠an¬≠der in blo¬≠√üen Stich¬≠wor¬≠ten; wie √ľber¬≠haupt an allen Stel¬≠len die h√∂chs¬≠te Exakt¬≠heit in sug¬≠ges¬≠ti¬≠ven Wen¬≠dun¬≠gen zu errei¬≠chen gesucht wer¬≠den mu√ü. Das Gan¬≠ze darf nicht erschei¬≠nen wie gespro¬≠chen son¬≠dern wie vor¬≠han¬≠den. Die Wort¬≠kunst muss sich nega¬≠tiv zei¬≠gen, in dem was sie ver¬≠mei¬≠det: ein feh¬≠len¬≠der Schmuck, im Feh¬≠len der Absicht, im Feh¬≠len des blo√ü sprach¬≠lich sch√∂¬≠nen oder schwung¬≠haf¬≠ten, im Fern¬≠hal¬≠ten der Mani¬≠riert¬≠heit. Bil¬≠der sind gef√§hr¬≠lich und nur gele¬≠gent¬≠lich anzu¬≠wen¬≠den; man mu√ü sich an die Ein¬≠zig¬≠ar¬≠tig¬≠keit jedes Vor¬≠gangs her¬≠an¬≠sp√ľ¬≠ren, die Phy¬≠sio¬≠gno¬≠mie und das beson¬≠de¬≠re Wachs¬≠tum eines Ereig¬≠nis¬≠ses begrei¬≠fen und scharf und sach¬≠lich geben; Bil¬≠der sind bequem.

Die Hege¬≠mo¬≠nie des Autors ist zu bre¬≠chen; nicht weit genug kann der Fana¬≠tis¬≠mus der Selbst¬≠ver¬≠leug¬≠nung getrie¬≠ben wer¬≠den. Oder der Fana¬≠tis¬≠mus der Ent¬≠√§u¬≠√üe¬≠rung: ich bin nicht ich, son¬≠dern die Stra¬≠√üe, die Later¬≠nen, dies und dies Ereig¬≠nis, wei¬≠ter nichts. Das ist es, was ich den stei¬≠ner¬≠nen Stil nenne.

[…]

Der Natu¬≠ra¬≠lis¬≠mus ist kein his¬≠to¬≠ri¬≠scher Ismus, son¬≠dern das Sturz¬≠bad, das immer wie¬≠der √ľber die Kunst her¬≠ein¬≠bricht und her¬≠ein¬≠bre¬≠chen mu√ü. Der Psy¬≠cho¬≠lo¬≠gis¬≠mus, der Ero¬≠tis¬≠mus mu√ü fort¬≠ge¬≠schwemmt wer¬≠den; Ent¬≠selbstung, Ent¬≠√§u¬≠√üe¬≠rung des Autors, Deper¬≠so¬≠na¬≠ti¬≠on. Die Erde mu√ü wie¬≠der damp¬≠fen. Los vom Men¬≠schen! Mut zur kine¬≠ti¬≠schen Phan¬≠ta¬≠sie und zum Erken¬≠nen der unglaub¬≠li¬≠chen rea¬≠len Kon¬≠tu¬≠ren! Tat¬≠sa¬≠chen¬≠phan¬≠ta¬≠sie! Der Roman mu√ü sei¬≠ne Wie¬≠der¬≠ge¬≠burt erle¬≠ben als Kunst¬≠wert und moder¬≠nes Epos.

(Alfred D√∂blin: An Roman¬≠au¬≠toren und ihre Kri¬≠ti¬≠ker, in: Der Sturm, Mai 1913)

Greta und die Energiesklaven

Die jun¬≠ge Schwe¬≠din hat etwas bewirkt, das muss man ihr las¬≠sen. Man wei√ü nie so recht, ob sie sich das alles selbst aus¬≠ge¬≠dacht hat oder nur ein cle¬≠ve¬≠res PR-Pro¬≠dukt ist, aber immer¬≠hin reden wir dank ihrer Aktio¬≠nen wie¬≠der √ľber Din¬≠ge, die wich¬≠tig sind, anstatt √ľber Trumps Haar¬≠tol¬≠le. Was mich etwas irri¬≠tiert, ist die¬≠se eben¬≠so pani¬≠sche wie fol¬≠gen¬≠lo¬≠se Hys¬≠te¬≠rie, die um sich greift ‚Äď pl√∂tz¬≠lich reden alle auf¬≠ge¬≠regt vom ¬ĽKli¬≠ma¬≠not¬≠stand¬ę und trom¬≠pe¬≠ten hal¬≠lu¬≠zi¬≠nie¬≠ren¬≠de For¬≠de¬≠run¬≠gen wie ¬ĽKoh¬≠le¬≠aus¬≠stieg jetzt!¬ę in die Welt, ohne dass man den Ein¬≠druck hat, dass sie sich mit den tie¬≠fe¬≠ren Dimen¬≠sio¬≠nen des Pro¬≠blems wirk¬≠lich besch√§f¬≠tigt haben. Und offen¬≠bar ohne dass sie f√ľr sich selbst Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen dar¬≠aus zie¬≠hen ‚Äď frei¬≠tags f√ľr die Future, mitt¬≠wochs zu Feri¬≠en¬≠be¬≠ginn in den Flie¬≠ger.

Welche Dimen¬≠sio¬≠nen das w√§ren? Man kann sich der Ange¬≠le¬≠gen¬≠heit von meh¬≠reren Sei¬≠ten n√§hern. Eine davon ist das simp¬≠le Ein¬≠ge¬≠st√§nd¬≠nis, dass die Erzeu¬≠gung von Koh¬≠len¬≠di¬≠oxid durch Ver¬≠hei¬≠zen fos¬≠si¬≠ler Brenn¬≠stof¬≠fe einen Rie¬≠sen¬≠spa√ü macht, den Hori¬≠zont erwei¬≠tert und zur Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keits¬≠bil¬≠dung beitr√§gt. Bei einen Flug Frank¬≠furt-Rio hin und zur√ľck bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se wer¬≠den √ľber sechs Ton¬≠nen CO2 in die Atmo¬≠sph√§¬≠re gebla¬≠sen (wer‚Äôs nach¬≠rech¬≠nen will: www.klimanko.de), aber die Rei¬≠se, die ich vor vie¬≠len Jah¬≠ren auf die¬≠se Wei¬≠se gemacht habe, war eine der pr√§¬≠gen¬≠den Erfah¬≠run¬≠gen mei¬≠nes Lebens. Ich habe gro¬≠√üe Tei¬≠le Bra¬≠si¬≠li¬≠ens und auch ein biss¬≠chen von Argen¬≠ti¬≠ni¬≠en und Para¬≠gu¬≠ay gese¬≠hen, die Was¬≠ser¬≠f√§l¬≠le von Igua¬≠√ßu, die Rui¬≠nen der Jesui¬≠ten-Mis¬≠sio¬≠nen am Paran√°, den Pelour¬≠in¬≠ho von Sal¬≠va¬≠dor, den Mons¬≠ter-Ver¬≠kehrs¬≠stau von S√£o Pau¬≠lo und und und. Ich habe an einem Can¬≠dom¬≠bl√©-Ritu¬≠al teil¬≠ge¬≠nom¬≠men und in einer Rep√ļ¬≠b¬≠li¬≠ca gewohnt. Ich habe jede Men¬≠ge Bra¬≠si¬≠lia¬≠ner ken¬≠nen¬≠ge¬≠lernt und ‚Äď wie schon Jah¬≠re zuvor in den Ver¬≠ei¬≠nig¬≠ten Staa¬≠ten ‚Äď rela¬≠tiv ern√ľch¬≠tert fest¬≠stel¬≠len m√ľs¬≠sen, dass man ein Land nicht ver¬≠steht, blo√ü weil man sei¬≠ne Popu¬≠l√§r¬≠mu¬≠sik h√∂rt und ein paar sei¬≠ner Autoren gele¬≠sen hat. Und gelernt, dass man in Rio nachts nicht an roten Ampeln h√§lt, weil sonst ein paar √ľble Bur¬≠schen mit Maschi¬≠nen¬≠pis¬≠to¬≠len kom¬≠men und einem an Geld¬≠beu¬≠tel und Leben wol¬≠len ‚Ķ Ich w√§re nicht der¬≠sel¬≠be Mensch, wenn ich die¬≠se Rei¬≠se damals nicht gemacht h√§t¬≠te. Aber es blei¬≠ben die sechs Ton¬≠nen CO2 (die dazugeh√∂¬≠ri¬≠gen bra¬≠si¬≠lia¬≠ni¬≠schen Inlands¬≠fl√ľ¬≠ge habe ich jetzt geschickt unter¬≠schla¬≠gen), und es war wei√ü Gott nicht der ein¬≠zi¬≠ge Lang¬≠stre¬≠cken¬≠flug mei¬≠nes Lebens.

Der Autor als jun­ger Spund vor Grauman’s Chi­ne­se Theatre

 Das glei¬≠che gilt nat√ľr¬≠lich auch f√ľr ein¬≠fa¬≠che¬≠re Ver¬≠gn√ľ¬≠gun¬≠gen wie den spon¬≠ta¬≠nen Auto-Aus¬≠flug an den Chiem¬≠see, die Fahrt √ľber kur¬≠vi¬≠ge K√ľs¬≠ten¬≠stra¬≠√üen in Kam¬≠pa¬≠ni¬≠en und den All-Ame¬≠ri¬≠can Road¬≠t¬≠rip von New York nach Kali¬≠for¬≠ni¬≠en. Wie w√§re wohl eine Welt, in der sol¬≠che Freu¬≠den ver¬≠bo¬≠ten oder so teu¬≠er w√§ren, dass nur ein paar Rei¬≠che das n√∂ti¬≠ge Klein¬≠geld daf√ľr auf¬≠brin¬≠gen k√∂nn¬≠ten? Ein eher tris¬≠ter Ort, neh¬≠me ich an, da kann man mir die Vor¬≠tei¬≠le von ¬ĽLoca¬≠lism¬ę und ¬ĽSlow-Bewe¬≠gung¬ę in noch so gl√ľ¬≠hen¬≠den Far¬≠ben aus¬≠ma¬≠len. Es ist ja kein Wun¬≠der, dass die Vor¬≠sit¬≠zen¬≠de der baye¬≠ri¬≠schen Gr√ľ¬≠nen ger¬≠ne √ľber den Jah¬≠res¬≠wech¬≠sel nach San Die¬≠go jet¬≠tet, um dort ein Eis zu l√∂f¬≠feln ‚Ķ Die¬≠se Schein¬≠hei¬≠lig¬≠keit kennt man aus zwei Jahr¬≠tau¬≠sen¬≠den Chris¬≠ten¬≠tum zur Gen√ľ¬≠ge, und man darf anneh¬≠men, dass die ¬ĽKli¬≠ma¬≠be¬≠we¬≠gung¬ę bei ihrem Vor¬≠ha¬≠ben, den Durch¬≠schnitts¬≠men¬≠schen auf den rech¬≠ten Pfad der Dekar¬≠bo¬≠ni¬≠sie¬≠rung zu brin¬≠gen, genau¬≠so erfolg¬≠los sein wird wie die¬≠ses, wenn die S√ľn¬≠de doch so sch√∂n ist.

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Ein ande¬≠rer Aspekt des Dilem¬≠mas besteht dar¬≠in, dass fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe nicht nur Spa√ü machen, son¬≠dern auch Kr√§f¬≠te ver¬≠lei¬≠hen, die unse¬≠re Vor¬≠fah¬≠ren nur aus M√§r¬≠chen und phan¬≠tas¬≠ti¬≠schen Erz√§h¬≠lun¬≠gen kann¬≠ten. Sie¬≠ben¬≠mei¬≠len¬≠stie¬≠fel? Easy¬≠Jet w√ľr¬≠de mich n√§chs¬≠ten Monat f√ľr schlap¬≠pe 30 Euro in zwei Stun¬≠den von Ham¬≠burg nach Niz¬≠za brin¬≠gen. Rie¬≠sen, die Zyklo¬≠pen¬≠mau¬≠ern auf¬≠t√ľr¬≠men? Macht heu¬≠te der Rau¬≠pen¬≠kran LR 13000 mit 3000 Ton¬≠nen Trag¬≠kraft und 1000 Kilo¬≠watt Motor¬≠leis¬≠tung. Feu¬≠er¬≠spei¬≠en¬≠de Dra¬≠chen? Die F‚ÄĎ22 Rap¬≠tor ver¬≠brei¬≠tet ihre t√∂d¬≠li¬≠che Fracht viel schnel¬≠ler und effi¬≠zi¬≠en¬≠ter.

Das hat einen ein¬≠fa¬≠chen Grund: Ein k√∂r¬≠per¬≠lich arbei¬≠ten¬≠der Mensch bringt lang¬≠fris¬≠tig eine durch¬≠schnitt¬≠li¬≠che phy¬≠si¬≠ka¬≠li¬≠sche Leis¬≠tung von aller¬≠h√∂chs¬≠tens 100 Watt aufs Tapet (Leis¬≠tungs¬≠sport¬≠ler kurz¬≠fris¬≠tig viel mehr, sie¬≠he unten das Video). Um t√§g¬≠lich eine ein¬≠zi¬≠ge, m√ľde Kilo¬≠watt¬≠stun¬≠de zusam¬≠men¬≠zu¬≠be¬≠kom¬≠men, muss er also schon zwei √úber¬≠stun¬≠den machen. Und die unge¬≠f√§hr drei Kilo¬≠watt¬≠stun¬≠den, die an nutz¬≠ba¬≠rer Ener¬≠gie in einem beschei¬≠de¬≠nen Liter Die¬≠sel ste¬≠cken (bei 30 % Wir¬≠kungs¬≠grad des Motors), hal¬≠ten ihn drei bis vier Tage auf Trab. Im Gegen¬≠satz dazu set¬≠zen wir Geis¬≠tes¬≠ar¬≠bei¬≠ter ein Viel¬≠fa¬≠ches die¬≠ser Leis¬≠tung auf Knopf¬≠druck frei, ohne auch nur dar¬≠√ľber nach¬≠zu¬≠den¬≠ken. Eben mal kurz den Staub¬≠sauger anwer¬≠fen? Sechs oder sie¬≠ben unsicht¬≠ba¬≠re Hel¬≠fer √† 100 Watt sau¬≠gen mit. Das Gas¬≠pe¬≠dal durch¬≠dr√ľ¬≠cken, um den SUV auf die √úber¬≠hol¬≠spur zu brin¬≠gen? Bei 100 Kilo¬≠watt Motor¬≠leis¬≠tung sind es min¬≠des¬≠tens tau¬≠send Mann, die hin¬≠ten schie¬≠ben. Und der oben erw√§hn¬≠te LR 13000 setzt eine gan¬≠ze Klein¬≠stadt an vir¬≠tu¬≠el¬≠len Hel¬≠fern ein, um sei¬≠ne Ton¬≠nen¬≠las¬≠ten zu stemmen.

Die¬≠se √úber¬≠le¬≠gun¬≠gen wur¬≠den schon vor Jahr¬≠zehn¬≠ten von dem US-Autor Richard Buck¬≠mins¬≠ter Ful¬≠ler in dem Begriff der ¬ĽEner¬≠gies¬≠kla¬≠ven¬ę zusam¬≠men¬≠ge¬≠fasst, die jedem f√ľr uns st√§n¬≠dig zu Diens¬≠ten sind, um die Viel¬≠zahl von Maschi¬≠nen zu bewe¬≠gen, deren Arbeit wir unser M√§r¬≠chen¬≠da¬≠sein ver¬≠dan¬≠ken. Nach Berech¬≠nun¬≠gen des deut¬≠schen Phy¬≠si¬≠kers Hans-Peter D√ľrr arbei¬≠ten dem¬≠nach f√ľr jeden Ame¬≠ri¬≠ka¬≠ner 110 sol¬≠cher unsicht¬≠ba¬≠ren Skla¬≠ven, f√ľr jeden Euro¬≠p√§¬≠er immer noch 60. Eine j√ľn¬≠ge¬≠re, etwas detail¬≠lier¬≠te¬≠re Rech¬≠nung kommt sogar auf eine Trup¬≠pe von 400 Mann f√ľr den durch¬≠schnitt¬≠li¬≠chen Franzosen.

Und die¬≠se freund¬≠li¬≠chen, all¬≠zeit berei¬≠ten Hel¬≠fer sind spott¬≠bil¬≠lig! Im Gegen¬≠satz zu tat¬≠s√§ch¬≠li¬≠chen Skla¬≠ven, die viel mehr Ener¬≠gie in Form von Nah¬≠rung ver¬≠brau¬≠chen w√ľr¬≠den, als sie Arbeit leis¬≠ten k√∂nn¬≠ten, ent¬≠hal¬≠ten fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe ein Mehr¬≠fa¬≠ches der Ener¬≠gie, die in ihre Gewin¬≠nung inves¬≠tiert wer¬≠den muss. Bei in den USA gef√∂r¬≠der¬≠tem Erd¬≠√∂l liegt die¬≠ses auch als ¬ĽErn¬≠te¬≠fak¬≠tor¬ę oder ¬ĽEROEI¬ę (Ener¬≠gy Retur¬≠ned on Ener¬≠gy Inves¬≠ted) bezeich¬≠ne¬≠te Ver¬≠h√§lt¬≠nis zwi¬≠schen 10:1 und 20:1, w√§h¬≠rend deut¬≠sche Koh¬≠le- oder Gas¬≠kraft¬≠wer¬≠ke sogar um die 30:1 bie¬≠ten. Auch hier¬≠f√ľr ist der Grund ganz ein¬≠fach: Fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe sind im Grun¬≠de nichts wei¬≠ter als gespei¬≠cher¬≠tes Son¬≠nen¬≠licht, das in Form von toten Tie¬≠ren und Pflan¬≠zen √ľber geo¬≠lo¬≠gi¬≠sche Zeit¬≠r√§u¬≠me hin¬≠weg im Erd¬≠in¬≠nern kon¬≠zen¬≠triert wur¬≠de, ohne dass irgend¬≠je¬≠mand etwas daf√ľr tun muss¬≠te. Es ist, als h√§t¬≠te der Pla¬≠net f√ľr uns meh¬≠re¬≠re Mil¬≠lio¬≠nen Jah¬≠re lang jedes Jahr die Sum¬≠me ange¬≠spart, die man durch ehr¬≠li¬≠che Arbeit erwirt¬≠schaf¬≠ten kann, und dann waren ein¬≠fach irgend¬≠wann meh¬≠re¬≠re Fan¬≠tas¬≠til¬≠li¬≠ar¬≠den auf dem Kon¬≠to, f√ľr deren Gewin¬≠nung man nur noch ein paar L√∂cher in den Boden gra¬≠ben muss¬≠te. Wir konn¬≠ten der Ver¬≠su¬≠chung nicht wider¬≠ste¬≠hen und haben kon¬≠se¬≠quen¬≠ter¬≠wei¬≠se in den letz¬≠ten Jahr¬≠zehn¬≠ten einen gro¬≠√üen Teil die¬≠ses unver¬≠hofft geerb¬≠ten Ver¬≠m√∂¬≠gens hem¬≠mungs¬≠los durchgebracht.

K√∂nn¬≠ten wir dar¬≠auf ver¬≠zich¬≠ten? Wie denn wohl ‚Ķ Wir alle leben in Umst√§n¬≠den, die ohne die jeder¬≠zei¬≠ti¬≠ge Ver¬≠f√ľg¬≠bar¬≠keit von Unmen¬≠gen bil¬≠li¬≠ger Ener¬≠gie nicht denk¬≠bar w√§ren. 50 oder 70 Kilo¬≠me¬≠ter Arbeits¬≠weg? Kein Pro¬≠blem. Eine Rie¬≠sen-Gefrier¬≠tru¬≠he, um nicht so oft ein¬≠kau¬≠fen zu m√ľs¬≠sen? Kein Pro¬≠blem. Trotz¬≠dem ein gro¬≠√ües Auto, weil man ja auch mal mit den Kin¬≠dern und ihren Freun¬≠den in den Frei¬≠zeit¬≠park fah¬≠ren will? Kein Pro¬≠blem. Der neu¬≠es¬≠te Rie¬≠sen¬≠fern¬≠se¬≠her aus Korea? Kein Pro¬≠blem. Wein¬≠trau¬≠ben aus Chi¬≠le? Kein Pro¬≠blem. Die sch√∂¬≠nen Boden¬≠flie¬≠sen aus Ita¬≠li¬≠en? Kein Pro¬≠blem. Ein Shop¬≠ping-Wochen¬≠en¬≠de im Big Apple? Kein Pro¬≠blem. Wir k√∂n¬≠nen uns das alles leis¬≠ten, weil wir selbst Maschi¬≠nen f√ľr uns arbei¬≠ten las¬≠sen und die Pro¬≠duk¬≠te unse¬≠rer Fabri¬≠ken in die gan¬≠ze Welt ver¬≠kau¬≠fen. Alles, was irgend¬≠je¬≠mand irgend¬≠wo mit Hil¬≠fe von Maschi¬≠nen und fos¬≠si¬≠ler Ener¬≠gie her¬≠stellt, anbaut oder trans¬≠por¬≠tiert, ist so bil¬≠lig, dass kein Erzeug¬≠nis von unmit¬≠tel¬≠ba¬≠rer Men¬≠schen¬≠hand damit kon¬≠kur¬≠rie¬≠ren kann. Das kli¬≠ma¬≠neu¬≠tra¬≠le Gem√ľ¬≠se, das wir im eige¬≠nen Gar¬≠ten zie¬≠hen, oder der Pul¬≠li aus Wol¬≠le von eige¬≠nen Scha¬≠fen sind viel¬≠mehr Kno¬≠chen¬≠jobs mit h√∂chs¬≠tens 100 Watt.

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Nach einem Wort des US-Sozio¬≠lo¬≠gen Wil¬≠liam Cat¬≠ton macht uns die¬≠se Maschi¬≠nen¬≠welt mit der hun¬≠dert¬≠fa¬≠chen Ver¬≠st√§r¬≠kung unse¬≠rer K√∂r¬≠per¬≠kr√§f¬≠te zu Homo colos¬≠sus, und selbst wenn wir √∂ko¬≠lo¬≠gisch kor¬≠rekt ein¬≠kau¬≠fen, nur noch √∂ffent¬≠li¬≠che Ver¬≠kehrs¬≠mit¬≠tel benut¬≠zen und das Wohn¬≠zim¬≠mer mit ein¬≠hei¬≠mi¬≠schem Buchen¬≠holz hei¬≠zen, schaf¬≠fen wir es damit gera¬≠de mal, zu Homo colos¬≠sus infe¬≠ri¬≠or zu schrump¬≠fen. Von ech¬≠ter ¬ĽNach¬≠hal¬≠tig¬≠keit¬ę blei¬≠ben wir weit entfernt.

Bleibt also, und das ist die drit¬≠te Sicht¬≠wei¬≠se auf das Pro¬≠blem, die Hoff¬≠nung, unse¬≠re Ener¬≠gies¬≠kla¬≠ven irgend¬≠wie anders als mit fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stof¬≠fen zu f√ľt¬≠tern. Um die damit ver¬≠bun¬≠de¬≠ne Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠rung zu ver¬≠ste¬≠hen, ist es n√ľtz¬≠lich, kurz auf den Kirch¬≠turm unse¬≠res klei¬≠nen, beschau¬≠li¬≠chen Dor¬≠fes zu stei¬≠gen, der einen guten Blick auf die Umge¬≠bung bie¬≠tet. Wir befin¬≠den uns hier in einer wei¬≠ten, von Schmelz¬≠was¬≠sern der vor¬≠letz¬≠ten Eis¬≠zeit geschaf¬≠fe¬≠nen Ebe¬≠ne (f√ľr Ken¬≠ner: ein Teil des Bres¬≠lau-Mag¬≠de¬≠burg-Bre¬≠mer Urstrom¬≠tals), √ľber der √∂fter mal ein ganz h√ľbsch stei¬≠fer West¬≠wind weht. Wie man sich den¬≠ken kann, hat die¬≠ser Umstand die Gegend in den ver¬≠gan¬≠ge¬≠nen zwan¬≠zig Jah¬≠ren f√ľr eine bestimm¬≠te Art von Bau¬≠pro¬≠jekt inter¬≠es¬≠sant gemacht.

Das ers¬≠te davon sehen wir knapp zwei Kilo¬≠me¬≠ter s√ľd¬≠lich des Dor¬≠fes: 12 Wind¬≠r√§¬≠der eines klei¬≠nen Wind¬≠parks, von denen die j√ľngs¬≠ten bei¬≠den vom neu¬≠es¬≠ten Typ und so hoch sind, dass sie seit ihrer Errich¬≠tung das Dorf optisch erschla¬≠gen. In sie¬≠ben Kilo¬≠me¬≠ter Ent¬≠fer¬≠nung in Rich¬≠tung West-Nord¬≠west fol¬≠gen 22 Wind¬≠r√§¬≠der des n√§chs¬≠ten Wind¬≠parks, direkt im Wes¬≠ten ste¬≠hen in zw√∂lf Kilo¬≠me¬≠ter Ent¬≠fer¬≠nung wei¬≠te¬≠re 8 Anla¬≠gen, und mit vier Kilo¬≠me¬≠tern wie¬≠der n√§her dran befin¬≠den sich eben¬≠falls 22 Wind¬≠r√§¬≠der im Nord¬≠wes¬≠ten des Dor¬≠fes. Im Nor¬≠den und Osten exis¬≠tiert auf¬≠grund des Weser¬≠laufs eine gewis¬≠se Wind¬≠rad¬≠l√ľ¬≠cke, aber mit 2 Anla¬≠gen in Rich¬≠tung Nord¬≠ost (2,5 km Ent¬≠fer¬≠nung) und 15 Wind¬≠r√§¬≠dern im S√ľd¬≠os¬≠ten (8‚Äď10 km Ent¬≠fer¬≠nung) arbei¬≠tet man dar¬≠an, auch die¬≠sen Bereich mit ein¬≠zu¬≠be¬≠zie¬≠hen. Bei kla¬≠rer Sicht kann man sogar noch wei¬≠ter ent¬≠fern¬≠te gr√∂¬≠√üe¬≠re Wind¬≠parks aus¬≠ma¬≠chen, aber die klei¬≠ne Aus¬≠wahl soll¬≠te wohl f√ľr einen ers¬≠ten Ein¬≠druck gen√ľ¬≠gen. Dem¬≠n√§chst kom¬≠men noch eine neue Hoch¬≠span¬≠nungs¬≠lei¬≠tung und ein gro¬≠√ües Umspann¬≠werk hin¬≠zu, weil der Strom nat√ľr¬≠lich auch irgend¬≠wie dort¬≠hin muss, wo er gebraucht wird.

Nur ein paar Windparks

Wie effek¬≠tiv ist das alles? 2018 kamen den Zah¬≠len der Arbeits¬≠ge¬≠mein¬≠schaft Ener¬≠gie¬≠bi¬≠lan¬≠zen zufol¬≠ge 35 Pro¬≠zent des gesam¬≠ten in Deutsch¬≠land erzeug¬≠ten Brut¬≠to-Stroms aus erneu¬≠er¬≠ba¬≠ren Quel¬≠len, davon gut 17 Pro¬≠zent von Wind¬≠kraft¬≠an¬≠la¬≠gen und 7 Pro¬≠zent aus Foto¬≠vol¬≠ta¬≠ik. Das klingt zun√§chst mal ganz gut ‚Äď aller¬≠dings nur, bis einem ein¬≠f√§llt, dass Strom nur eine von vie¬≠len Ener¬≠gie¬≠for¬≠men ist. H√§u¬≠ser wer¬≠den zumeist mit Erd¬≠gas oder Heiz¬≠√∂l geheizt, Autos fah¬≠ren mit Ben¬≠zin oder Die¬≠sel, und in der Indus¬≠trie braucht man neben Strom auch Erd¬≠gas und wei¬≠te¬≠re Brenn¬≠stof¬≠fe, um Pro¬≠zess¬≠w√§r¬≠me zu erzeu¬≠gen und ande¬≠re Auf¬≠ga¬≠ben zu erle¬≠di¬≠gen. Wenn man alles zusam¬≠men¬≠z√§hlt, kommt man zu dem depri¬≠mie¬≠ren¬≠den Ergeb¬≠nis, dass laut Bun¬≠des¬≠mi¬≠nis¬≠te¬≠ri¬≠um f√ľr Wirt¬≠schaft 2017 (die genau¬≠en Daten f√ľr 2018 feh¬≠len noch) der Anteil von Wind- und Solar¬≠strom zusam¬≠men¬≠ge¬≠rech¬≠net besch√§¬≠mend gerin¬≠ge 4 Pro¬≠zent des Gesamt-Pri¬≠m√§r¬≠ener¬≠gie¬≠ver¬≠brauchs betrug, w√§h¬≠rend 80 Pro¬≠zent wei¬≠ter¬≠hin durch fos¬≠si¬≠le Brenn¬≠stof¬≠fe erzeugt wurden.

Als ich das gele¬≠sen habe, muss¬≠te ich mich erst mal set¬≠zen. Der gan¬≠ze WKA-Wald, der hier um das Dorf her¬≠um ent¬≠stan¬≠den ist, die gan¬≠zen Solar¬≠parks, mit denen man in S√ľd¬≠deutsch¬≠land noch die letz¬≠te Schaf¬≠wei¬≠de bebaut hat, und dann ein der¬≠art bla¬≠ma¬≠bles Ergeb¬≠nis ‚Ķ?!? Und es kommt noch schlim¬≠mer: Wenn man, was ja der neu¬≠es¬≠te Plan der Regie¬≠rung zu sein scheint, das gesam¬≠te Land bis 2050 ¬Ľkli¬≠ma¬≠neu¬≠tral¬ę machen m√∂ch¬≠te, m√ľs¬≠sen die kli¬≠ma¬≠wirk¬≠sa¬≠men 80 Pro¬≠zent ent¬≠we¬≠der abge¬≠schafft oder durch irgend¬≠et¬≠was ande¬≠res ersetzt wer¬≠den. Was k√∂nn¬≠te das sein? Sie¬≠ben Pro¬≠zent des Brut¬≠to¬≠stroms wer¬≠den mit Hil¬≠fe von Bio¬≠gas erzeugt, ein knap¬≠pes Pro¬≠zent der Pri¬≠m√§r¬≠ener¬≠gie stammt aus Bio¬≠sprit. F√ľr bei¬≠de Ener¬≠gie¬≠for¬≠men zusam¬≠men wer¬≠den aller¬≠dings bereits 20 Pro¬≠zent des deut¬≠schen Acker¬≠lands ver¬≠wen¬≠det, sodass nach oben wohl nicht mehr all¬≠zu viel Luft ist. Irgend¬≠et¬≠was wol¬≠len wir ja auch noch essen, und noch mehr Import von Bio¬≠sprit aus Palm¬≠√∂l k√∂nn¬≠te das end¬≠g√ľl¬≠ti¬≠ge Ende des tro¬≠pi¬≠schen Regen¬≠walds bedeu¬≠ten ‚Ķ Als n√§chs¬≠tes w√ľr¬≠de einem dem¬≠entspre¬≠chend der ein¬≠hei¬≠mi¬≠sche Wald ein¬≠fal¬≠len. Aber hier wer¬≠den bereits 87 % des j√§hr¬≠lich nach¬≠wach¬≠sen¬≠den Roh¬≠hol¬≠zes f√ľr ande¬≠re Zwe¬≠cke genutzt (Bau¬≠holz, M√∂bel, Brenn¬≠holz f√ľr den Wohn¬≠zim¬≠mer¬≠ka¬≠min usw.), es ist also so gut wie √ľber¬≠haupt kein Aus¬≠bau¬≠po¬≠ten¬≠zi¬≠al mehr vor¬≠han¬≠den. Zudem ist ein Trans¬≠port von Holz von vie¬≠len ver¬≠schie¬≠de¬≠nen Stand¬≠or¬≠ten zu einem zen¬≠tra¬≠len Kraft¬≠werk √∂ko¬≠no¬≠misch nicht beson¬≠ders sinn¬≠voll; bereits bei Braun¬≠koh¬≠le, die einen etwas h√∂he¬≠ren Heiz¬≠wert auf¬≠weist, wer¬≠den ja die Kraft¬≠wer¬≠ke m√∂g¬≠lichst direkt neben den Gru¬≠ben gebaut, um die Trans¬≠port¬≠kos¬≠ten zu mini¬≠mie¬≠ren. Eben¬≠so wenig darf man auf einen Aus¬≠bau der Was¬≠ser¬≠kraft hof¬≠fen: Laut Umwelt-Bun¬≠des¬≠amt hat auch die¬≠se Art der Ener¬≠gie¬≠er¬≠zeu¬≠gung ihr Poten¬≠zi¬≠al wei¬≠test¬≠ge¬≠hend aus¬≠ge¬≠sch√∂pft. Und ernst¬≠haft ‚Äď woll¬≠ten wir wirk¬≠lich Rhein, Donau und Elbe durch Stau¬≠stu¬≠fen mit Lauf¬≠was¬≠ser¬≠kraft¬≠wer¬≠ken so kana¬≠li¬≠sie¬≠ren, wie es im 20. Jahr¬≠hun¬≠dert mit der Weser gesche¬≠hen ist, um den Preis, hin¬≠ter¬≠her √∂ko¬≠lo¬≠gisch tote Fl√ľs¬≠se zu haben ‚Ķ?

Blei¬≠ben Wind und Son¬≠ne. Und eine ein¬≠fa¬≠che Kopf¬≠re¬≠chen¬≠auf¬≠ga¬≠be: Wenn momen¬≠tan 4 Pro¬≠zent der Pri¬≠m√§r¬≠ener¬≠gie aus die¬≠sen bei¬≠den Quel¬≠len stam¬≠men und wei¬≠te¬≠re 86 Pro¬≠zent dadurch ersetzt wer¬≠den sol¬≠len (die zus√§tz¬≠lich n√∂ti¬≠gen 6 Pro¬≠zent stam¬≠men von den still¬≠zu¬≠le¬≠gen¬≠den Kern¬≠kraft¬≠wer¬≠ken), um wel¬≠chen Fak¬≠tor m√ľss¬≠te die Zahl der Wind¬≠r√§¬≠der und Solar¬≠an¬≠la¬≠gen dann stei¬≠gen ‚Ķ? Wie vie¬≠le Gro√ü-Strom¬≠spei¬≠cher und Was¬≠ser¬≠stoff¬≠an¬≠la¬≠gen br√§uch¬≠te man, um die Schwan¬≠kun¬≠gen von Wind und Son¬≠ne aus¬≠zu¬≠glei¬≠chen? Und wie s√§he nach¬≠her die Umge¬≠bung unse¬≠res klei¬≠nen, beschau¬≠li¬≠chen Dor¬≠fes aus? Oder bes¬≠ser gesagt, wie s√§he dann das gan¬≠ze Land aus? Man h√§t¬≠te es zer¬≠st√∂rt, um es zu retten.

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F√ľr einen vier¬≠ten ‚Äď und letz¬≠ten ‚Äď Aspekt muss ich noch¬≠mal auf mei¬≠ne ein¬≠gangs erw√§hn¬≠ten Fern¬≠rei¬≠sen zur√ľck¬≠kom¬≠men. Eini¬≠ge davon f√ľhr¬≠ten mich im Abstand von jeweils meh¬≠re¬≠ren Jah¬≠ren nach S√ľd¬≠ost¬≠asi¬≠en, und ich hat¬≠te Gele¬≠gen¬≠heit, vor Ort ein anschau¬≠li¬≠ches Bild davon zu gewin¬≠nen, was ¬Ľwirt¬≠schaft¬≠li¬≠che Ent¬≠wick¬≠lung¬ę bedeu¬≠ten kann. Ich den¬≠ke da ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re an eine Insel im s√ľd¬≠chi¬≠ne¬≠si¬≠schen Meer, die bei Back¬≠pa¬≠ckern damals recht beliebt war, weil sie dank des g√ľns¬≠ti¬≠gen Wech¬≠sel¬≠kur¬≠ses auch f√ľr klei¬≠nes Geld ein para¬≠die¬≠sisch-tro¬≠pi¬≠sches Feri¬≠en¬≠er¬≠leb¬≠nis erm√∂g¬≠lich¬≠te. Bei mei¬≠nem ers¬≠ten ers¬≠ten Besuch, das muss 1993 gewe¬≠sen sein, kamen wir in einer Stel¬≠zen¬≠h√ľt¬≠te mit Palm¬≠blatt¬≠dach unter, die mei¬≠ner Erin¬≠ne¬≠rung nach den Gegen¬≠wert von unge¬≠f√§hr 5 US-Dol¬≠lar die Nacht kos¬≠te¬≠te. Auch der Besit¬≠zer der H√ľt¬≠ten¬≠an¬≠la¬≠ge, ein Thai mit chi¬≠ne¬≠si¬≠schen Wur¬≠zeln, wohn¬≠te mit sei¬≠ner Fami¬≠lie unter √§hn¬≠li¬≠chen Umst√§n¬≠den. Eigent¬≠lich han¬≠del¬≠te es sich um einen alten Kokos¬≠pal¬≠men¬≠hain, und er hat¬≠te sich nicht die M√ľhe gemacht, die B√§u¬≠me zu f√§l¬≠len, sodass es den gan¬≠zen Tag √ľber sch√∂n schat¬≠tig war. Die Rezep¬≠ti¬≠on bestand aus einem Fens¬≠ter mit Klapp¬≠la¬≠den, an dem man auch Bestel¬≠lun¬≠gen f√ľr das zuge¬≠h√∂¬≠ri¬≠ge Restau¬≠rant auf¬≠ge¬≠ben sowie Getr√§n¬≠ke und Snacks kau¬≠fen konn¬≠te. Man hat¬≠te nicht das Gef√ľhl, dass die Besit¬≠zer¬≠fa¬≠mi¬≠lie sich tot¬≠ar¬≠bei¬≠te¬≠te, und wir Tou¬≠ris¬≠ten √ľbten uns in Ent¬≠schleu¬≠ni¬≠gung und tro¬≠pi¬≠scher Los¬≠ge¬≠l√∂st¬≠heit vom Rum¬≠mel zu Hau¬≠se in Euro¬≠pa oder Nord¬≠ame¬≠ri¬≠ka. Was soll¬≠te sich an die¬≠sem zeit¬≠lo¬≠sen Ort jemals √§ndern ‚Ķ?

In den 1990ern sehr gem√ľtlich

Wie man sich t√§u¬≠schen kann. Zwei Jah¬≠re sp√§¬≠ter waren die Pal¬≠men im √∂st¬≠li¬≠chen Teil des Gel√§n¬≠des ver¬≠schwun¬≠den und eine Rei¬≠he von wei√ü ver¬≠putz¬≠ten Bun¬≠ga¬≠lows an ihre Stel¬≠le getre¬≠ten. Noch¬≠mal f√ľnf Jah¬≠re sp√§¬≠ter habe ich dort die ers¬≠te Fas¬≠sung von Wolfs¬≠stadt geschrie¬≠ben, und jetzt gab es nur noch Bun¬≠ga¬≠lows und ein aus Beton errich¬≠te¬≠tes neu¬≠es Restau¬≠rant direkt am Meer. Der Sohn des Besit¬≠zers war erwach¬≠sen gewor¬≠den und hat¬≠te eine h√ľb¬≠sche Papa¬≠ya-Ver¬≠k√§u¬≠fe¬≠rin gehei¬≠ra¬≠tet, die aus dem Nor¬≠den auf die Insel gekom¬≠men war. Er fuhr einen nigel¬≠na¬≠gel¬≠neu¬≠en BMW und hat¬≠te ziem¬≠li¬≠ches √úber¬≠ge¬≠wicht; die Zahl der Pal¬≠men war hin¬≠ge¬≠gen deut¬≠lich zur√ľck¬≠ge¬≠gan¬≠gen. Ein Jahr sp√§¬≠ter war das Restau¬≠rant einer Sturm¬≠flut zum Opfer gefal¬≠len, wur¬≠de aber gera¬≠de viel gr√∂¬≠√üer und sch√∂¬≠ner neu errich¬≠tet. Und als ich vor kur¬≠zem im Inter¬≠net nach¬≠ge¬≠schaut habe, was aus der Ecke so gewor¬≠den ist, muss¬≠te ich eini¬≠ger¬≠ma¬≠√üen schlu¬≠cken: Am Ort des gem√ľt¬≠li¬≠chen Kokos¬≠pal¬≠men¬≠hains mit Stel¬≠zen¬≠h√ľt¬≠ten macht sich jetzt ein 5‚ÄĎS¬≠ter¬≠ne-Beach-Resort mit Innen¬≠ar¬≠chi¬≠tek¬≠tur und Pri¬≠vat¬≠pool-Bun¬≠ga¬≠lows breit, in denen eine √úber¬≠nach¬≠tung mehr als hun¬≠dert¬≠mal so viel kos¬≠tet wie damals.

Die Anla¬≠ge wird mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le von einem inter¬≠na¬≠tio¬≠na¬≠len Hotel¬≠kon¬≠zern betrie¬≠ben, aber man macht es sich all¬≠zu leicht, wenn man das Gesche¬≠hen ein¬≠fach dem b√∂sen west¬≠li¬≠chen Kapi¬≠ta¬≠lis¬≠mus anlas¬≠tet: Der jet¬≠zi¬≠ge Zustand ist ja nur der logi¬≠sche End¬≠punkt einer Ent¬≠wick¬≠lung, die bereits unter den ein¬≠hei¬≠mi¬≠schen Besit¬≠zern begon¬≠nen hat. Die Wahr¬≠heit d√ľrf¬≠te viel¬≠mehr dar¬≠in bestehen, dass die¬≠se Men¬≠schen der Ver¬≠su¬≠chung, zu Homo colos¬≠sus zu wer¬≠den, eben¬≠so wenig wider¬≠ste¬≠hen k√∂n¬≠nen wie wir. Anders ist wohl nicht zu erkl√§¬≠ren, war¬≠um etwa die Regie¬≠rung von Ban¬≠gla¬≠desch gera¬≠de dabei ist, in genau jenem Gan¬≠ges-Del¬≠ta, das bei einem Anstieg des Mee¬≠res¬≠spie¬≠gels als ers¬≠tes √ľber¬≠flu¬≠tet w√ľr¬≠de, ein rie¬≠si¬≠ges Koh¬≠le¬≠kraft¬≠werk zu bau¬≠en. Oder war¬≠um in Indi¬≠en f√ľr die n√§chs¬≠ten 15 Jah¬≠re der Bau von 100 neu¬≠en Flug¬≠h√§¬≠fen geplant ist. Oder war¬≠um chi¬≠ne¬≠si¬≠sche Tou¬≠ris¬≠ten mitt¬≠ler¬≠wei¬≠le ein F√ľnf¬≠tel der welt¬≠wei¬≠ten Tou¬≠ris¬≠mus¬≠aus¬≠ga¬≠ben t√§ti¬≠gen. W√§h¬≠rend wir hier¬≠zu¬≠lan¬≠de √ľber das Abschal¬≠ten von 45 Giga¬≠watt Koh¬≠le¬≠strom strei¬≠ten, wer¬≠den welt¬≠weit 399 Giga¬≠watt an neu¬≠en Koh¬≠le¬≠kraft¬≠wer¬≠ken gebaut. Wol¬≠len wir es den betref¬≠fen¬≠den L√§n¬≠dern ver¬≠bie¬≠ten, weil wir selbst schon so viel CO2 pro¬≠du¬≠ziert haben ‚Ķ?

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Um es noch¬≠mal zusam¬≠men¬≠zu¬≠fas¬≠sen: Homo colos¬≠sus m√ľss¬≠te, um den von ihm ver¬≠ur¬≠sach¬≠ten Kli¬≠ma¬≠wan¬≠del zu stop¬≠pen, ent¬≠we¬≠der auf¬≠ge¬≠ben und in die 100-Watt-Welt sei¬≠ner Vor¬≠fah¬≠ren zur√ľck¬≠keh¬≠ren oder einen neu¬≠en Weg fin¬≠den, sei¬≠ne Maschi¬≠nen anzu¬≠trei¬≠ben. Momen¬≠tan sind all unse¬≠re Anstren¬≠gun¬≠gen auf das zwei¬≠te Ziel gerich¬≠tet, aber es zeich¬≠net sich schon ab, dass der dabei ver¬≠folg¬≠te Weg hoff¬≠nungs¬≠los inad¬≠√§quat ist. Zudem wird jeder Fort¬≠schritt an Dekar¬≠bo¬≠ni¬≠sie¬≠rung, der durch den Ein¬≠satz rege¬≠ne¬≠ra¬≠ti¬≠ver Ener¬≠gien oder per¬≠s√∂n¬≠li¬≠chen Ver¬≠zicht ent¬≠steht, durch den Wunsch der rest¬≠li¬≠chen Welt, m√∂g¬≠lichst rasch unse¬≠rem Vor¬≠bild zu fol¬≠gen, wie¬≠der zunich¬≠te gemacht.

Was also tun? Zun√§chst mal: Ruhe bewah¬≠ren. Der Welt¬≠un¬≠ter¬≠gang wur¬≠de in den letz¬≠ten Jahr¬≠zehn¬≠ten schon ziem¬≠lich oft ange¬≠k√ľn¬≠digt, um dann doch nicht ein¬≠zu¬≠tre¬≠ten. Ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re Inter¬≠net¬≠mel¬≠dun¬≠gen des Kali¬≠bers ¬ĽWenn wir nicht inner¬≠halb von10 Jah¬≠ren kein CO2 mehr aus¬≠sto¬≠√üen, l√§uft die glo¬≠ba¬≠le Erw√§r¬≠mung v√∂l¬≠lig aus dem Ruder und die Erde ist 2050 unbe¬≠wohn¬≠bar¬ę sind mit √§u√üers¬≠ter Vor¬≠sicht zu genie¬≠√üen. Ob die f√ľr die jewei¬≠li¬≠ge Pro¬≠gno¬≠se ver¬≠wen¬≠de¬≠te Modell¬≠rech¬≠nung wirk¬≠lich stimmt, wer¬≠den wir erst in ein paar Jahr¬≠zehn¬≠ten sicher wis¬≠sen. Trotz¬≠dem soll¬≠te man nat√ľr¬≠lich nicht die H√§n¬≠de in den Scho√ü legen ‚Äď dass die Pro¬≠gno¬≠sen kom¬≠plett dane¬≠ben¬≠lie¬≠gen, kann man eben¬≠so wenig bewei¬≠sen wie ihre hun¬≠dert¬≠pro¬≠zen¬≠ti¬≠ge Rich¬≠tig¬≠keit. Zudem ist es mit¬≠tel- bis lang¬≠fris¬≠tig sinn¬≠voll, sich von den fos¬≠si¬≠len Brenn¬≠stof¬≠fen zu ver¬≠ab¬≠schie¬≠den, schlie√ü¬≠lich wer¬≠den sie nicht ewig rei¬≠chen. Daf√ľr h√§t¬≠te ich einen Vor¬≠schlag: Wir geben uns alle mal einen Ruck und akzep¬≠tie¬≠ren, dass Flug¬≠rei¬≠sen, gro¬≠√üe Autos, Kreuz¬≠fahr¬≠ten, Fleisch¬≠kon¬≠sum und √ľber¬≠haupt alle Nicht-Lebens¬≠not¬≠wen¬≠dig¬≠kei¬≠ten besteu¬≠ert wer¬≠den, dass es quietscht (womit ich mei¬≠ne: viel st√§r¬≠ker, als es momen¬≠tan Robert Habeck vor¬≠schwebt). Das hat nichts mit Aske¬≠se zu tun, denn das dadurch ein¬≠ge¬≠nom¬≠me¬≠ne Geld muss in die Grund¬≠la¬≠gen¬≠for¬≠schung gesteckt wer¬≠den, um neue Quel¬≠len bil¬≠li¬≠ger, hoch¬≠kon¬≠zen¬≠trier¬≠ter Ener¬≠gie zu erschlie¬≠√üen: Kern¬≠fu¬≠si¬≠on, hoch¬≠ef¬≠fi¬≠zi¬≠en¬≠te Was¬≠ser¬≠stoff-Elek¬≠tro¬≠ly¬≠seu¬≠re, was auch immer. Man m√ľss¬≠te zwar den G√ľr¬≠tel enger schnal¬≠len, h√§t¬≠te aber die Aus¬≠sicht, dass sich als Beloh¬≠nung ein neu¬≠er Weg auf¬≠tut, unse¬≠re High¬≠tech-Welt anzu¬≠trei¬≠ben. Einer, dem der Rest der Welt dann auch wie¬≠der bereit¬≠wil¬≠li¬≠ger folgt als unse¬≠rer chao¬≠ti¬≠schen Wind- und Solar¬≠park-Bau¬≠wut. Das w√§re es doch wert, oder?

In die¬≠sem Zusam¬≠men¬≠hang lie¬≠√üe sich √ľbri¬≠gens erw√§h¬≠nen, dass Kern¬≠kraft¬≠wer¬≠ke laut der oben ver¬≠link¬≠ten Stu¬≠die einen Ern¬≠te¬≠fak¬≠tor von nicht weni¬≠ger als 75:1 auf¬≠wei¬≠sen, von daher w√§ren die 520 Mil¬≠li¬≠ar¬≠den Euro, die die Ener¬≠gie¬≠wen¬≠de bis 2025 kos¬≠ten soll, viel¬≠leicht bes¬≠ser daf√ľr aus¬≠ge¬≠ge¬≠ben wor¬≠den, die¬≠se Tech¬≠nik so wei¬≠ter¬≠zu¬≠ent¬≠wi¬≠ckeln, dass die Anla¬≠gen nicht mehr durch¬≠ge¬≠hen k√∂n¬≠nen, kein Waf¬≠fen¬≠ma¬≠te¬≠ri¬≠al pro¬≠du¬≠zie¬≠ren und den bereits ange¬≠fal¬≠le¬≠nen Atom¬≠m√ľll als Brenn¬≠stoff nut¬≠zen k√∂n¬≠nen. Nur so mei¬≠ne beschei¬≠de¬≠ne Mei¬≠nung, aber zumin¬≠dest kurz¬≠zei¬≠tig scheint das ja auch Gre¬≠ta auf¬≠ge¬≠fal¬≠len zu sein ‚Ķ

Auf der Blutbeeren-Br√ľcke

Ein Lied, das ich gera¬≠de dau¬≠ernd h√∂re, ver¬≠r√§t einem wahr¬≠schein¬≠lich mehr √ľber die Aus¬≠sich¬≠ten, dass wir jemals die ¬ĽVer¬≠ei¬≠nig¬≠ten Staa¬≠ten von Euro¬≠pa¬ę gr√ľn¬≠den wer¬≠den, als s√§mt¬≠li¬≠che Wahl¬≠pro¬≠gram¬≠me zur Euro¬≠pa¬≠wahl zusam¬≠men. Dabei hat es gar nichts mit der EU zu tun, son¬≠dern stammt aus einem 2007 erschie¬≠ne¬≠nen Kon¬≠zept¬≠al¬≠bum der pol¬≠ni¬≠schen S√§n¬≠ge¬≠rin Aga Zaryan √ľber den Auf¬≠stand der ¬ĽPol¬≠ni¬≠schen Hei¬≠mat¬≠ar¬≠mee¬ę gegen die deut¬≠schen Besat¬≠zer im Sp√§t¬≠som¬≠mer und Herbst 1944. Wer jetzt brech¬≠tisch-bier¬≠man¬≠nes¬≠ke Bedeu¬≠tungs¬≠hu¬≠be¬≠rei erwar¬≠tet, liegt aller¬≠dings v√∂l¬≠lig dane¬≠ben: Zaryan ist als Jazz-Inter¬≠pre¬≠tin weit √ľber die Gren¬≠zen ihres Hei¬≠mat¬≠lands hin¬≠aus bekannt, die musi¬≠ka¬≠li¬≠sche Umset¬≠zung ist dem¬≠entspre¬≠chend, und der Text ist weder hero¬≠isch-patrio¬≠tisch, noch pran¬≠gert er in flam¬≠men¬≠den Far¬≠ben die apo¬≠ka¬≠lyp¬≠ti¬≠sche Zer¬≠st√∂¬≠rungs¬≠wut an, mit der in jenem Jahr Wehr¬≠macht, SS und ihre ost¬≠eu¬≠ro¬≠p√§i¬≠schen Hilfs¬≠trup¬≠pen (von Leh¬≠mann in Wolfs¬≠stadt immer als ¬ĽKosa¬≠ken oder Kal¬≠m√ľ¬≠cken oder so¬ę ver¬≠un¬≠glimpft) die pol¬≠ni¬≠sche Haupt¬≠stadt √ľberzogen.

Statt­des­sen wird hier ein Gedicht der außer­halb ihres Hei­mat­lands mehr oder weni­ger unbe­kann­ten Dich­te­rin Kry­sty­na Kra­hels­ka ver­tont, die wäh­ren der deut­schen Besat­zung selbst bei den Par­ti­sa­nen kämpf­te, am War­schau­er Auf­stand als Sani­tä­te­rin der Hei­mat­ar­mee teil­nahm und dabei gleich in den ers­ten August­ta­gen ihr Leben las­sen muss­te. Hier eine Ad-hoc-Über­set­zung der ers­ten Strophen:

Ich ging √ľber die Blutbeeren-Br√ľcke
Die Blut¬≠bee¬≠ren-Br√ľ¬≠cke schaukelte
Der Wind pfiff ein Lied √ľber das Schilf
Und schrieb mit Federn in das Wasser

Die roten Bee­ren fielen
Bis auf den Grund des dunk­len Wassers
Ich ging √ľber die Blutbeeren-Br√ľcke
Die Blut¬≠bee¬≠ren-Br√ľ¬≠cke bog sich nach unten

Ich woll­te mich an dich erinnern
Aber du bist mir nicht eingefallen
Da waren Räder auf dem dunk­len Wasser
Da war ein Blut¬≠bee¬≠ren-Herz in mir

Man denkt unwill¬≠k√ľr¬≠lich an die d√ľs¬≠te¬≠re Welt, in der Andrzej Sap¬≠kow¬≠skis Roma¬≠ne und The Wit¬≠cher spie¬≠len, und in der Tat ist Kali¬≠nowy Most, die ¬ĽSchnee¬≠ball-¬ę oder ¬ĽBlut¬≠bee¬≠ren-Br√ľ¬≠cke¬ę, in den alt¬≠sla¬≠wi¬≠schen M√§r¬≠chen und Hel¬≠den¬≠sa¬≠gen eine Br√ľ¬≠cke zwi¬≠schen der Welt der Leben¬≠den und der Toten und der Ort des Kamp¬≠fes zwi¬≠schen Gut und B√∂se. Eine d√ľs¬≠te¬≠re Vor¬≠ah¬≠nung des eige¬≠nen Todes liegt in Kra¬≠hels¬≠kas Zei¬≠len eben¬≠so wie die Angst des Sol¬≠da¬≠ten am Abend vor dem Angriff, die Trau¬≠er um tote Kame¬≠ra¬≠den und die Schwe¬≠re des Schick¬≠sals, das auf dem Land las¬≠tet. Auf deut¬≠sche Ver¬≠h√§lt¬≠nis¬≠se √ľber¬≠tra¬≠gen: als w√ľr¬≠de Lisa Bas¬≠sen¬≠ge ein Lied √ľber die M√ľnch¬≠ner R√§te¬≠re¬≠pu¬≠blik sin¬≠gen, in dem die rechts¬≠ra¬≠di¬≠ka¬≠len Frei¬≠korps mit Mus¬≠pells S√∂h¬≠nen beim Ragna¬≠r¬≠√∂k ver¬≠gli¬≠chen werden.

Ein sol¬≠ches Lied wer¬≠den wir wohl nie¬≠mals zu h√∂ren bekom¬≠men, was schon auf einen gewich¬≠ti¬≠gen Unter¬≠schied beim Blick auf die eige¬≠ne Geschich¬≠te und √úber¬≠lie¬≠fe¬≠rung dies- und jen¬≠seits der Oder hin¬≠deu¬≠tet: In Polen sch√§mt man sich nicht f√ľr sei¬≠ne Vor¬≠fah¬≠ren, man ist stolz drauf, nie das Haupt gebeugt zu haben ‚Äď selbst wenn kei¬≠ne der zahl¬≠rei¬≠chen Erhe¬≠bun¬≠gen zur Zeit der Par¬≠ti¬≠tio¬≠nen oder dann im Kom¬≠mu¬≠nis¬≠mus jemals von Erfolg gekr√∂nt war. Und der sou¬≠ve¬≠r√§¬≠ne Natio¬≠nal¬≠staat wird weit¬≠hin nicht als Quel¬≠le allen √úbels gese¬≠hen, son¬≠dern als end¬≠lich ein¬≠ge¬≠l√∂s¬≠tes Ver¬≠spre¬≠chen nach einer lan¬≠gen Durst¬≠stre¬≠cke, w√§h¬≠rend derer man unter der Knu¬≠te der m√§ch¬≠ti¬≠gen Nach¬≠barn stand und nicht ein¬≠mal einen eige¬≠nen Staat vor¬≠wei¬≠sen konn¬≠te. Geschwei¬≠ge denn, dass man sei¬≠ne Flag¬≠ge auf fer¬≠nen Kon¬≠ti¬≠nen¬≠ten auf¬≠ge¬≠pflanzt oder mit afri¬≠ka¬≠ni¬≠schen Skla¬≠ven gehan¬≠delt h√§tte.

Man sagt ja, dass jedes Land sei¬≠ne eige¬≠ne Erwar¬≠tun¬≠gen an das geein¬≠te Euro¬≠pa hat: F√ľr die Fran¬≠zo¬≠sen sei es ein Mit¬≠tel, ihren eige¬≠nen Ein¬≠fluss in der Welt halb¬≠wegs auf dem von fr√ľ¬≠her gewohn¬≠ten Niveau zu hal¬≠ten, f√ľr die S√ľd¬≠l√§n¬≠der ein Weg zum Reich¬≠tum des Nor¬≠dens, f√ľr die Deut¬≠schen die Hoff¬≠nung, kei¬≠ne Deut¬≠schen mehr sein zu m√ľs¬≠sen, son¬≠dern ¬ĽEuro¬≠p√§¬≠er¬ę. F√ľr Polen und die ande¬≠ren klei¬≠nen L√§n¬≠der Ost¬≠mit¬≠tel¬≠eu¬≠ro¬≠pas ist es ein siche¬≠rer Hafen, in dem sie vor den Zumu¬≠tun¬≠gen des gro¬≠√üen √∂st¬≠li¬≠chen Nach¬≠barn gesch√ľtzt sind. Aber eben ein Hafen, in dem man anle¬≠gen kann; kein Schiffs¬≠fried¬≠hof, auf dem man abwra¬≠cken muss. Die Wahr¬≠schein¬≠lich¬≠keit, dass sie sich jemals in Bun¬≠des¬≠staa¬≠ten der Ver¬≠ei¬≠nig¬≠ten Staa¬≠ten von Euro¬≠pa ver¬≠wan¬≠deln wer¬≠den, ist prak¬≠tisch null. Was also wer¬≠den die Pan-Euro¬≠p√§¬≠er tun, wenn sie ihren Wil¬≠len nicht bekom¬≠men, die Pan¬≠zer wie¬≠der in Bewe¬≠gung set¬≠zen und dort einmarschieren ‚Ķ?

Klei¬≠ner Nach¬≠trag: Anna Maria Jop¬≠ek haut in die glei¬≠che Kerbe ‚Ķ

 

 

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Die Sache mit den Wölfen

Inter¬≠es¬≠sant. Jemand schreibt ein Sach¬≠buch √ľber die ers¬≠ten Jah¬≠re in Deutsch¬≠land nach dem 2. Welt¬≠krieg und gibt dem Gan¬≠zen den Titel Wolfs¬≠zeit ‚Äď ein Fall von Jung‚Äôscher Synchronizit√§t ‚Ķ?

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