Autorenblog

Autor: Bernd (Seite 1 von 20)

Vom Segen des Feindes

Von Syd Field bis Robert McKee ver¬≠s√§umt es kei¬≠ner der bekann¬≠ten Dreh¬≠buch-Gurus, auf die Wich¬≠tig¬≠keit des Ant¬≠ago¬≠nis¬≠ten hin¬≠zu¬≠wei¬≠sen, wenn es um die dra¬≠ma¬≠ti¬≠sche Form einer Geschich¬≠te geht. Die¬≠ser Gegen¬≠spie¬≠ler der Haupt¬≠fi¬≠gur ist das Haupt¬≠hin¬≠der¬≠nis auf deren Weg zum dra¬≠ma¬≠ti¬≠schen Ziel, der Kata¬≠ly¬≠sa¬≠tor, um neue Erkennt¬≠nis¬≠se zu erlan¬≠gen, und die trei¬≠ben¬≠de Kraft, von der die ent¬≠schei¬≠den¬≠den Ereig¬≠nis¬≠se des Plots in Gang gesetzt wer¬≠den. Jedem Har¬≠ry Pot¬≠ter sein Lord Vol¬≠de¬≠mort, jeder Ripley ihr Ali¬≠en, jedem J. J. Git¬≠tes sein Noah Cross. Ohne Ant¬≠ago¬≠nist ist eine Geschich¬≠te kei¬≠ne Geschich¬≠te, son¬≠dern nur eine belie¬≠bi¬≠ge Anein¬≠an¬≠der¬≠rei¬≠hung von Gege¬≠ben¬≠hei¬≠ten und Vor¬≠komm¬≠nis¬≠sen. Dabei muss die¬≠ses dra¬≠ma¬≠ti¬≠sche Grund¬≠prin¬≠zip nicht unbe¬≠dingt von einer Per¬≠son ver¬≠k√∂r¬≠pert wer¬≠den ‚Äď es kann auch ein abge¬≠spal¬≠te¬≠ner Teil der Per¬≠s√∂n¬≠lich¬≠keit sein wie Tyler Durden in Fight Club, eine tota¬≠li¬≠t√§¬≠re Ideo¬≠lo¬≠gie wie in 1984 oder gar ein gan¬≠zer Pla¬≠net wie in Der Marsia¬≠ner.

Was pas¬≠sie¬≠ren kann, wenn ein zen¬≠tra¬≠ler und √ľber¬≠zeu¬≠gen¬≠der Ant¬≠ago¬≠nist fehlt, l√§sst sich bei¬≠spiel¬≠haft in der drit¬≠ten Staf¬≠fel der Serie Baby¬≠lon Ber¬≠lin ver¬≠fol¬≠gen, die gera¬≠de in der ARD-Media¬≠thek ver¬≠f√ľg¬≠bar ist. Ich war ja schon von den ers¬≠ten bei¬≠den Staf¬≠feln nur so halb √ľber¬≠zeugt, aber im Nach¬≠hin¬≠ein wird mir bewusst, wie sehr der wun¬≠der¬≠ba¬≠re Peter Kurth als ¬ĽOber¬≠kom¬≠mis¬≠sar Bru¬≠no Wol¬≠ter¬ę den Laden sei¬≠ner¬≠zeit zusam¬≠men¬≠ge¬≠hal¬≠ten hat. Er war der Haupt¬≠geg¬≠ner des stets etwas t√§pp¬≠si¬≠gen Gere¬≠on Rath, er hat¬≠te die F√§den in jeder Hin¬≠sicht in der Hand, und er konn¬≠te so schnell vom Kom¬≠man¬≠do¬≠ton in ver¬≠schla¬≠ge¬≠ne Leut¬≠se¬≠lig¬≠keit wech¬≠seln, dass es dem Zuschau¬≠er kalt den R√ľcken her¬≠un¬≠ter¬≠lief. Ein Pracht¬≠ex¬≠em¬≠plar von einem Antagonisten!

Lei¬≠der starb Bru¬≠no Wol¬≠ter am Ende der 2. Staf¬≠fel (in einem, mit Ver¬≠laub, doch etwas Bruce-Wil¬≠lis-haf¬≠ti¬≠gen Fina¬≠le), und man hat es nicht ver¬≠stan¬≠den, in den neu¬≠en Fol¬≠gen f√ľr ad√§qua¬≠ten Ersatz zu sor¬≠gen. Statt¬≠des¬≠sen pr√§¬≠sen¬≠tiert man uns den durch¬≠ge¬≠knall¬≠ten Lei¬≠ter des poli¬≠zei¬≠li¬≠chen Erken¬≠nungs¬≠diens¬≠tes (der bei sei¬≠nen fr√ľ¬≠he¬≠ren Auf¬≠trit¬≠ten in der Serie auf¬≠f√§l¬≠lig wenig Durch¬≠ge¬≠knallt¬≠heit erken¬≠nen lie√ü), einen natio¬≠na¬≠lis¬≠ti¬≠schen Intri¬≠gan¬≠ten, der genau¬≠so h√∂l¬≠zern agier¬≠te wie in den ers¬≠ten bei¬≠den Staf¬≠feln, sowie einen farb¬≠lo¬≠sen unga¬≠ri¬≠schen Gau¬≠ner, der noch eine Rech¬≠nung mit dem ¬ĽArme¬≠ni¬≠er¬ę offen hat¬≠te. Der Plot f√§llt dadurch v√∂l¬≠lig aus¬≠ein¬≠an¬≠der, und man hat den Ein¬≠druck, einer Kol¬≠lek¬≠ti¬≠on zusam¬≠men¬≠hang¬≠lo¬≠ser, aber gewollt hoch¬≠dra¬≠ma¬≠ti¬≠scher Sze¬≠nen bei¬≠zu¬≠woh¬≠nen, die alle aus ganz unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Fil¬≠men stam¬≠men: in einem davon wird die Poli¬≠zei von einem Psy¬≠cho¬≠pa¬≠then in den eige¬≠nen Rei¬≠hen genarrt, im zwei¬≠ten k√§mpft ein inte¬≠grer Beam¬≠ter gegen eine per¬≠fi¬≠de poli¬≠ti¬≠sche Ver¬≠schw√∂¬≠rung an, und im drit¬≠ten wird das ewi¬≠ge Lied vom Bru¬≠der¬≠zwist im Gano¬≠ven¬≠mil¬≠lieu gesungen.

Dies ist nat√ľr¬≠lich teil¬≠wei¬≠se der ¬Ľhori¬≠zon¬≠ta¬≠len¬ę Erz√§hl¬≠wei¬≠se geschul¬≠det, aber in den ers¬≠ten bei¬≠den Staf¬≠feln wur¬≠den die ver¬≠schie¬≠de¬≠nen Hand¬≠lungs¬≠str√§n¬≠ge noch wie erw√§hnt von der ¬ĽBru¬≠no Wolter¬ę-Figur zusam¬≠men¬≠ge¬≠hal¬≠ten; hier gibt es nichts der¬≠glei¬≠chen. Dadurch tre¬≠ten die vie¬≠len klei¬≠nen Schwach¬≠stel¬≠len der Pro¬≠duk¬≠ti¬≠on um so deut¬≠li¬≠cher her¬≠vor: die an Selbst¬≠par¬≠odie gren¬≠zen¬≠den bedeu¬≠tungs¬≠schwan¬≠ge¬≠ren Dia¬≠lo¬≠ge, der alber¬≠ne Ver¬≠such, der treu¬≠deut¬≠schen Welt der Ring¬≠ver¬≠ei¬≠ne ein knall¬≠har¬≠tes Chi¬≠ca¬≠go-Image zu ver¬≠pas¬≠sen, die ner¬≠vi¬≠gen Osti¬≠na¬≠ti der Film¬≠mu¬≠sik, die eher an das Post¬≠punk-Kreuz¬≠berg der 1980er als an die Gol¬≠de¬≠nen Zwan¬≠zi¬≠ger erin¬≠nert, die Ein¬≠falls¬≠lo¬≠sig¬≠keit des Plots (schon wie¬≠der eine natio¬≠na¬≠lis¬≠ti¬≠sche Ver¬≠schw√∂¬≠rung ‚Ķ!), die voy¬≠eu¬≠ris¬≠ti¬≠sche Lust der Kame¬≠ra am Ekel. Sogar einen Ste¬≠phen-King-Moment der ¬ĽKri¬≠mi¬≠nal-Tele¬≠pa¬≠thie¬ę muss¬≠te man ertragen.

Immer¬≠hin ist die deut¬≠sche Pres¬≠ti¬≠ge-Serie nicht die ein¬≠zi¬≠ge Pro¬≠duk¬≠ti¬≠on, die nach dem Able¬≠ben des Haupt-Wider¬≠sa¬≠chers ihren Schwung ver¬≠lo¬≠ren hat. Schon The Wire krankt nach dem Sieg √ľber die Barks¬≠da¬≠le-Ban¬≠de am Ende der 3. Staf¬≠fel dar¬≠an, dass die Erz√§h¬≠lung sich zer¬≠fa¬≠sert und immer neue B√∂se¬≠wich¬≠te aus dem Hut gezau¬≠bert wer¬≠den, die aber nie wie¬≠der das For¬≠mat von Avon Barks¬≠da¬≠le und Strin¬≠ger Bell errei¬≠chen. Glei¬≠ches gilt f√ľr Home¬≠land nach dem Ende Bro¬≠dys am Bau¬≠kran in Tehe¬≠ran und Sher¬≠lock nach dem Ver¬≠schwin¬≠den Moriar¬≠tys. Wor¬≠aus man m√∂g¬≠li¬≠cher¬≠wei¬≠se die Erkennt¬≠nis mit¬≠neh¬≠men soll¬≠te, dass auch ein hori¬≠zon¬≠ta¬≠ler Plot, der sich √ľber meh¬≠re¬≠re Epi¬≠so¬≠den oder Staf¬≠feln einer Serie hin¬≠zieht, irgend¬≠wann ein¬≠mal aus¬≠er¬≠z√§hlt ist. N√§m¬≠lich genau dann, wenn der Ant¬≠ago¬≠nist besiegt ist.

Und jetzt: ¬ĽSechs Tage im Herbst¬ę!

Mit gro¬≠√üer Freu¬≠de darf ich ver¬≠k√ľn¬≠den, dass mein n√§chs¬≠ter Roman, ein Polit¬≠thril¬≠ler, im Fr√ľh¬≠jahr 2021 bei Gra¬≠fit in K√∂ln erschei¬≠nen wird.
 
Wer immer schon wis¬≠sen woll¬≠te, wie das eigent¬≠lich mit der ¬ĽDrit¬≠ten Genera¬≠ti¬≠on¬ę der Roten Armee Frak¬≠ti¬≠on so war, wel¬≠che Rol¬≠le die Pal√§s¬≠ti¬≠nen¬≠ser dabei gespielt haben und wie es sich anf√ľhlt, als ehe¬≠ma¬≠li¬≠ger mili¬≠tan¬≠ter Links¬≠ra¬≠di¬≠ka¬≠ler eine behag¬≠lich-b√ľr¬≠ger¬≠li¬≠che Vor¬≠stadt¬≠exis¬≠tenz zu f√ľh¬≠ren, soll¬≠te sich den Titel vor¬≠mer¬≠ken. Wie immer bleibt mein Stil der klas¬≠si¬≠schen deutsch¬≠spra¬≠chi¬≠gen Moder¬≠ne und der Neu¬≠en Sach¬≠lich¬≠keit verbunden.
 
Ab sofort bei den √ľbli¬≠chen Quel¬≠len vorbestellbar!

 

Bernd Ohm
Sechs Tage im Herbst
Roman. Ori­gi­nal­aus­ga­be
ca. 272 Sei­ten, bro­schiet
ca. ‚ā¨ 13,00 [D], ‚ā¨ 13,40 [A]
ISBN 978‚Äď3‚ÄĎ89425‚Äď768‚ÄĎ2
eISBN 978‚Äď3‚ÄĎ89425‚Äď769‚ÄĎ9
Waren­grup­pe: 2121
Erschei­nungs­ter­min:
April 2021

Ratschlag f√ľr Autoren, die nicht im Herdenbuch stehen

Vor ein paar Tagen war Alfred D√∂blins Geburts¬≠tag. Eine gute Gele¬≠gen¬≠heit, sich ein paar Grund¬≠s√§t¬≠ze ins Ged√§cht¬≠nis zu rufen, die mir eini¬≠ges bedeu¬≠ten und die ins¬≠be¬≠son¬≠de¬≠re beim Schrei¬≠ben von Wolfs¬≠stadt ihre Wir¬≠kung ent¬≠fal¬≠tet haben:

Die Dar¬≠stel¬≠lung erfor¬≠dert bei der unge¬≠heu¬≠ren Men¬≠ge des Geform¬≠ten einen Kino¬≠s¬≠til. In h√∂chs¬≠ter Gedr√§ngt¬≠heit und Pr√§¬≠zi¬≠si¬≠on hat die F√ľl¬≠le der Gesich¬≠te vor¬≠bei¬≠zu¬≠zie¬≠hen. Der Spra¬≠che das Aeu¬≠√üers¬≠te der Plas¬≠tik und Leben¬≠dig¬≠keit abzu¬≠rin¬≠gen. Der Erz√§hl¬≠schlen¬≠dri¬≠an hat im Roman kei¬≠nen Platz; man erz√§hlt nicht, son¬≠dern baut. Der Erz√§h¬≠ler hat sei¬≠ne b√§u¬≠ri¬≠sche Ver¬≠trau¬≠lich¬≠keit. Knapp¬≠heit, Spar¬≠sam¬≠keit der Wor¬≠te ist n√∂tig; fri¬≠sche Wen¬≠dun¬≠gen. Von Peri¬≠oden, die das Neben¬≠ein¬≠an¬≠der des Kom¬≠ple¬≠xen wie das Hin¬≠ter¬≠ein¬≠an¬≠der rasch zusam¬≠men¬≠fas¬≠sen erlau¬≠ben, ist umf√§ng¬≠li¬≠cher Gebrauch zu machen. Rapi¬≠de Abl√§u¬≠fe, Durch¬≠ein¬≠an¬≠der in blo¬≠√üen Stich¬≠wor¬≠ten; wie √ľber¬≠haupt an allen Stel¬≠len die h√∂chs¬≠te Exakt¬≠heit in sug¬≠ges¬≠ti¬≠ven Wen¬≠dun¬≠gen zu errei¬≠chen gesucht wer¬≠den mu√ü. Das Gan¬≠ze darf nicht erschei¬≠nen wie gespro¬≠chen son¬≠dern wie vor¬≠han¬≠den. Die Wort¬≠kunst muss sich nega¬≠tiv zei¬≠gen, in dem was sie ver¬≠mei¬≠det: ein feh¬≠len¬≠der Schmuck, im Feh¬≠len der Absicht, im Feh¬≠len des blo√ü sprach¬≠lich sch√∂¬≠nen oder schwung¬≠haf¬≠ten, im Fern¬≠hal¬≠ten der Mani¬≠riert¬≠heit. Bil¬≠der sind gef√§hr¬≠lich und nur gele¬≠gent¬≠lich anzu¬≠wen¬≠den; man mu√ü sich an die Ein¬≠zig¬≠ar¬≠tig¬≠keit jedes Vor¬≠gangs her¬≠an¬≠sp√ľ¬≠ren, die Phy¬≠sio¬≠gno¬≠mie und das beson¬≠de¬≠re Wachs¬≠tum eines Ereig¬≠nis¬≠ses begrei¬≠fen und scharf und sach¬≠lich geben; Bil¬≠der sind bequem.

Die Hege¬≠mo¬≠nie des Autors ist zu bre¬≠chen; nicht weit genug kann der Fana¬≠tis¬≠mus der Selbst¬≠ver¬≠leug¬≠nung getrie¬≠ben wer¬≠den. Oder der Fana¬≠tis¬≠mus der Ent¬≠√§u¬≠√üe¬≠rung: ich bin nicht ich, son¬≠dern die Stra¬≠√üe, die Later¬≠nen, dies und dies Ereig¬≠nis, wei¬≠ter nichts. Das ist es, was ich den stei¬≠ner¬≠nen Stil nenne.

[…]

Der Natu¬≠ra¬≠lis¬≠mus ist kein his¬≠to¬≠ri¬≠scher Ismus, son¬≠dern das Sturz¬≠bad, das immer wie¬≠der √ľber die Kunst her¬≠ein¬≠bricht und her¬≠ein¬≠bre¬≠chen mu√ü. Der Psy¬≠cho¬≠lo¬≠gis¬≠mus, der Ero¬≠tis¬≠mus mu√ü fort¬≠ge¬≠schwemmt wer¬≠den; Ent¬≠selbstung, Ent¬≠√§u¬≠√üe¬≠rung des Autors, Deper¬≠so¬≠na¬≠ti¬≠on. Die Erde mu√ü wie¬≠der damp¬≠fen. Los vom Men¬≠schen! Mut zur kine¬≠ti¬≠schen Phan¬≠ta¬≠sie und zum Erken¬≠nen der unglaub¬≠li¬≠chen rea¬≠len Kon¬≠tu¬≠ren! Tat¬≠sa¬≠chen¬≠phan¬≠ta¬≠sie! Der Roman mu√ü sei¬≠ne Wie¬≠der¬≠ge¬≠burt erle¬≠ben als Kunst¬≠wert und moder¬≠nes Epos.

(Alfred D√∂blin: An Roman¬≠au¬≠toren und ihre Kri¬≠ti¬≠ker, in: Der Sturm, Mai 1913)

1929 mit Ufos

His¬≠to¬≠ri¬≠ker soll¬≠ten sich eigent¬≠lich kei¬≠ne his¬≠to¬≠ri¬≠schen Fil¬≠me anse¬≠hen, man √§rgert sich ja doch blo√ü. Manch¬≠mal ist aller¬≠dings die Ver¬≠su¬≠chung zu gro√ü ‚Äď zum Bei¬≠spiel konn¬≠te man in der ARD-App gera¬≠de die ers¬≠ten bei¬≠den Staf¬≠feln von Baby¬≠lon Ber¬≠lin bin¬≠gen, und man hat¬≠te doch so viel davon gelesen ‚Ķ

Mein Ein¬≠druck? Ich schwan¬≠ke zwi¬≠schen Enthu¬≠si¬≠as¬≠mus und mit¬≠tel¬≠schwe¬≠rer Genervt¬≠heit. Einer¬≠seits sind Kame¬≠ra, Aus¬≠stat¬≠tung, Licht und Dreh¬≠buch wirk¬≠lich toll. Die Schau¬≠spie¬≠ler machen einen exzel¬≠len¬≠ten Job (allen vor¬≠an Peter Kurth), und man kann mal sehen, was in ihnen steckt, wenn sie vor h√∂he¬≠ren Anfor¬≠de¬≠run¬≠gen ste¬≠hen als dem durch¬≠schnitt¬≠li¬≠chen deut¬≠schen Fern¬≠seh¬≠kri¬≠mi. Sogar die ziem¬≠lich unplau¬≠si¬≠ble Anla¬≠ge der Rol¬≠le von Lot¬≠te Rit¬≠ter (einer¬≠seits kunst¬≠sei¬≠de¬≠nes M√§d¬≠chen, ande¬≠rer¬≠seits M√∂ch¬≠te¬≠gern-Poli¬≠zis¬≠tin) und die alber¬≠ne ¬ĽChi¬≠ca¬≠goi¬≠sie¬≠rung¬ę der Ber¬≠li¬≠ner Ring¬≠ver¬≠ei¬≠ne lass ich mal durch¬≠ge¬≠hen, man kann ja nicht immer nur meckern.

Was mir aller¬≠dings wirk¬≠lich sau¬≠er auf¬≠st√∂√üt, sind die Sze¬≠nen im Nacht¬≠le¬≠ben. Es muss eine fata¬≠le Pro¬≠duk¬≠ti¬≠ons¬≠kon¬≠fe¬≠renz gege¬≠ben haben, bei der man beschloss, qua¬≠si als Brecht¬≠schen V‚ÄĎEffekt Bor¬≠del¬≠le, Nacht¬≠bars und das ¬ĽMoka Efti¬ę wie Ufos zu insze¬≠nie¬≠ren, die per Zeit¬≠rei¬≠se aus dem Ber¬≠lin der Jetzt¬≠zeit in die Wei¬≠ma¬≠rer Repu¬≠blik gebeamt wur¬≠den. Das Lied der rus¬≠si¬≠schen Gr√§¬≠fin h√∂rt sich an, als ob irgend¬≠wo noch eine alte ¬ĽRosenstolz¬ę-Demokassette her¬≠um¬≠lag, die man mit aller¬≠lei Sound¬≠tech¬≠nik zur Tech¬≠no-Minioper auf¬≠ge¬≠bla¬≠sen hat. In der letz¬≠ten Fol¬≠ge der ers¬≠ten Staf¬≠fel gab‚Äôs den Del¬≠ta-Blues. Und dann zap¬≠peln sie alle her¬≠um, als ob sie gera¬≠de im ¬ĽBerg¬≠hain¬ę oder im ¬ĽKit¬≠Kat Club¬ę w√§ren. Man merkt die Absicht ‚Äď he, Zuschau¬≠er: die¬≠ser Tanz auf dem Vul¬≠kan damals ist genau¬≠so wie dein eige¬≠ner Tanz!!! ‚Äď und ist ver¬≠stimmt. So viel Holz¬≠ham¬≠mer muss doch nun wirk¬≠lich nicht sein ‚Ķ Wenn man, wie ich, die Popu¬≠l√§r¬≠mu¬≠sik der Wei¬≠ma¬≠rer Repu¬≠blik mit ihrer unnach¬≠ahm¬≠li¬≠chen Mischung aus j√ľdisch-iro¬≠ni¬≠scher Leich¬≠tig¬≠keit und deutsch-sen¬≠ti¬≠men¬≠ta¬≠ler Melan¬≠cho¬≠lie f√ľr eine der edels¬≠ten Her¬≠vor¬≠brin¬≠gun¬≠gen der mit¬≠tel¬≠eu¬≠ro¬≠p√§i¬≠schen Kul¬≠tur √ľber¬≠haupt h√§lt, lei¬≠det man beim Zuschau¬≠en tau¬≠send Qualen.

Na gut. Ich guck trotz­dem wei­ter. Hier ein biss­chen wirk­li­che Musik von damals:

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