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Schlagwort: Bundeswehr

Quark 83

Ich ertra­ge die Her­vor­brin­gun­gen des deut­schen Fern­se­hens in der Regel nur in homöo­pa­thi­scher Dosie­rung, von daher war ich eini­ger­ma­ßen gespannt, wie sich wohl die all­seits in den Him­mel gelob­te Serie Deutsch­land 83 machen wür­de, die ja dem Ver­neh­men nach die Erzähl­wei­se der neu­en US-Seri­en auf hie­si­ge Ver­hält­nis­se über­tra­gen soll­te und durch „Erfolg in den USA“ geadelt war. Zudem fällt mein eige­nes Gast­spiel bei der Bun­des­wehr in die Zeit kurz nach der dar­ge­stell­ten Hand­lung, da will man natür­lich wis­sen, ob alles kor­rekt dar­ge­stellt ist.

Das Posi­ti­ve zuerst: klas­se Aus­stat­tung! Genau so, mit die­sen Stahl­rohr­bet­ten und den blau­en oder oran­gen Reso­pal­mö­beln, sah damals eine Wehr­pflich­ti­gen­stu­be beim west­deut­schen Mili­tär aus. Womit aber gleich die Pro­ble­me begin­nen, denn natür­lich waren Offi­zie­re, zumal sol­che beim Stab, in Zwei­bett­zim­mern unter­ge­bracht, die eine gewis­se Frei­heit zur per­sön­li­chen Gestal­tung lie­ßen. Und die Art, wie die Jungs ihre Baret­te tru­gen, hät­te unse­ren Spieß sicher zu einer sei­ner berüch­tig­ten „Seid ihr Pizzabäcker?“-Tiraden angestachelt.

Der All­tag beim Barras zeich­net sich eben durch vie­ler­lei Details aus, die man durch ober­fläch­li­ches Recher­chie­ren nicht so schnell in den Griff bekommt. Und genau da liegt die Crux der dra­ma­tur­gi­schen Prä­mis­se: Die Vor­stel­lung, man könn­te einen Ange­hö­ri­gen der bewaff­ne­ten Orga­ne der DDR mal eben durch einen Crash-Kurs bei einem lin­ken Uni-Pro­fes­sor und die Lek­tü­re der Zen­tra­len Dienst­vor­schrift zu einem über­zeu­gend wir­ken­den Bun­des­wehr­of­fi­zier machen, ist so aben­teu­er­lich wie unglaub­wür­dig. Wei­ter­le­sen

Wollte Strauß Atombomben über der Ostsee?

Beim Recher­chie­ren im Inter­net stößt man ja auf die irrs­ten Sachen. Zum Bei­spiel die erstaun­li­che Tat­sa­che, dass es die „Mar­xis­ti­schen Blät­ter“ noch gibt, die wäh­rend mei­ner Stu­di­en­zeit immer von irgend­wel­chen sek­tie­rer­haf­ten Gestal­ten umsonst vor der Men­sa an der Leo­pold­stra­ße ver­teilt wur­den und mir so man­ches unver­gess­li­che Lese­er­leb­nis ver­schaff­ten, wäh­rend ich Stam­mes­sen III, Dampf­nu­del mit Vanil­le­so­ße, ver­drück­te. Heu­te erschei­nen die ent­spre­chen­den Arti­kel auf einer Sei­te namens Links­net, und ich kann naht­los an alte Erfah­run­gen anknüp­fen. Da wird zum Bei­spiel auf die­ser Sei­te hier behauptet:

Nach der Abrie­ge­lung der DDR-Gren­ze am 13. August 1961 erklär­te die Bun­des­re­gie­rung den Mau­er­bau zum NATO-Bünd­nis­fall und for­der­te die Umset­zung der NATO-Stra­te­gie der „mas­si­ven Ver­gel­tung“ mit vol­lem Ein­satz von Atom­waf­fen. Gene­ral Stein­hoff ver­lang­te als deut­scher mili­tä­ri­scher Ver­tre­ter bei der NATO zumin­dest den selek­ti­ven Atom­waf­fen­ge­brauch. Noch im Dezem­ber 1961 dräng­ten Strauß und Oberst Beer­mann in Washing­ton dar­auf, zumin­dest eini­ge Atom­bom­ben demons­tra­tiv über der Ost­see oder einem DDR-Trup­pen­übungs­platz zu zünden.

Man traut ja Strauß und Ade­nau­er aller­hand zu. Aber der Mau­er­bau als Bünd­nis­fall? Atom­pil­ze über der Ost­see? Das weicht der­art von der Stan­dard-Geschichts­schrei­bung ab, dass es gera­de­zu eine Sen­sa­ti­on wäre, wenn die Anga­ben sich bewahr­hei­ten wür­den. Aber tun sie das? Eine ent­spre­chen­de Dis­kus­si­on im Geschichts­fo­rum bringt kei­ne Klä­rung, wei­te­re Fund­stel­len im Netz bezie­hen sich ein­fach nur (meis­tens ohne Nen­nung, aber rela­tiv offen­sicht­lich) auf die Linksnet-Seite.

Aber wozu hat man schließ­lich selbst Geschich­te stu­diert … Die Fuß­no­te zu dem zitier­ten Absatz führt zur Quel­le der Infor­ma­tio­nen, dem 2005 erschie­ne­nen Buch Die Bun­des­wehr. Eine kri­ti­sche Geschich­te 1955–2005 des Münch­ner Poli­to­lo­gen und His­to­ri­kers Det­lef Bald, der sei­ner Wiki­pe­dia-Sei­te zufol­ge frü­her einen Lehr­auf­trag an der Bun­des­wehr-Uni in Neu­bi­berg hat­te, aber wegen kri­ti­scher Äuße­run­gen zur Bun­des­wehr-Tra­di­ti­ons­pfle­ge heu­te nicht mehr für die Streit­kräf­te arbei­tet. Das Buch ist aus­zugs­wei­se auf Goog­le Books ver­füg­bar, zum Glück sind die Sei­ten 58 und 59, die die ange­spro­che­nen Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten, für jeder­mann in der Vor­schau sicht­bar (ich selbst bin ein paar Euro im Anti­qua­ri­at los­ge­wor­den und ver­fü­ge über ein voll­stän­di­ges Exem­plar). Zum Ver­ständ­nis der fol­gen­den Dis­kus­si­on soll­te man die Sei­ten gele­sen haben. Wei­ter­le­sen

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