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Kategorie: Sechs Tage im Herbst (Seite 1 von 2)

Warum ich das Wort »Faschismus« nicht mehr hören kann

Putin tut es. Nan­cy Fae­ser tut es. Ali­ce Schwar­zer tut es. Und selbst­ver­ständ­lich tut es auch der zum Sozi­al­kun­de­leh­rer der Nati­on mutier­te Jan Böh­mer­mann. Alle reden vom »Faschis­mus«. War­um eigent­lich? Aus Sicht des His­to­ri­kers han­delt es sich um ein unge­len­kes Bläh­wort. Außer dem ita­lie­ni­schen Ori­gi­nal hat kei­nes der auto­ri­tä­ren Regimes, die man für gewöhn­lich damit bezeich­net, den Begriff als Selbst­be­zeich­nung ver­wen­det. Und auch inhalt­lich wichen sie trotz schein­bar iden­ti­scher Mas­sen­auf­mär­sche und Durch­uni­for­mie­rung der Gesell­schaft alle mehr oder weni­ger stark von­ein­an­der ab. Unter Mus­so­li­ni ver­such­te man damals mehr oder weni­ger, den mit­tel­al­ter­li­chen Stän­de­staat gewalt­sam mit der indus­tri­el­len Moder­ne und der Lösung der Arbei­ter­fra­ge zu ver­ei­nen, und Ele­men­te davon fin­den sich auch in den ande­ren Bewe­gun­gen, wie etwa der spa­ni­schen Falan­ge oder dem Stras­ser-Flü­gel der NSDAP. Die Schwer­punk­te aber lagen dort ganz woanders.

Die Falan­ge war eben nicht iden­tisch mit Fran­co, dem es vor allem dar­um ging, Spa­ni­en vor den Schre­cken einer als bedroh­lich emp­fun­de­nen Moder­ne zu bewah­ren. Er stütz­te sich bei sei­ner Herr­schaft mehr auf Armee, katho­li­sche Kir­che und reak­tio­nä­res Groß­bür­ger­tum als auf die rabau­ken­haf­ten Blau­hem­den und hielt sich außen­po­li­tisch extrem bedeckt, selbst als Hit­ler-Deutsch­land gegen den gemein­sa­men Feind Sowjet­uni­on in den Krieg zog. Was mit dem Stras­ser-Flü­gel pas­sier­te, sah man dann ja in dem bekann­ten »Röhm-Putsch«. Und der Wesens­kern der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Welt­an­schau­ung – die wir­re Idee, dass die gesam­te Geschich­te ein­zig und allein als Ras­sen­kampf zu ver­ste­hen und die »ari­sche Ras­se« zum End­sie­ger die­ses Kamp­fes vor­her­be­stimmt wäre – fin­det sich in kei­nem der ande­ren »Faschis­men« wie­der. In die­ser Hin­sicht stif­tet der Begriff eher Ver­wir­rung, als dass er zu irgend­ei­nem Ver­ständ­nis beitrüge.

Es gibt aller­dings eines, in dem alle angeb­lich »faschis­ti­schen« Regimes über­ein­stimm­ten, näm­lich in ihrem hass­erfüll­ten Anti­kom­mu­nis­mus. Die­ser Hass scheint mir aus heu­ti­ger Sicht psy­cho­lo­gisch eher als Bru­der­zwist erklär­lich – auch auf der Rech­ten war man anti­bür­ger­lich, träum­te von tota­ler Herr­schaft und streb­te nach der gewalt­sa­men Trans­for­ma­ti­on der Gesell­schaft auf dem Wege einer Mas­sen­be­we­gung –, und er führ­te auf der Gegen­sei­te prompt zur ent­spre­chen­den Reak­ti­on: Nach­dem im Okto­ber 1923 die in Mos­kau schon als siche­re Bank ange­se­he­ne kom­mu­nis­ti­sche Revo­lu­ti­on in Deutsch­land kläg­lich schei­ter­te, fin­gen die Bol­sche­wi­ki plötz­lich an, die SPD als »Sozi­al­fa­schis­ten« zu denun­zie­ren, die das Gelin­gen des Umstur­zes ver­hin­dert hätten.

Das scheint zunächst schwer ver­ständ­lich – war­um »Faschis­ten« und war­um aus­ge­rech­net die SPD? Aber eigent­lich ist es ganz ein­fach: Wenn man damals der wir­ren Idee anhing, dass die gesam­te Geschich­te ein­zig und allein als Klas­sen­kampf zu ver­ste­hen und das »Pro­le­ta­ri­at« zum End­sie­ger die­ses Kamp­fes vor­her­be­stimmt wäre, muss­te man an der Tat­sa­che ver­zwei­feln, dass aus­ge­rech­net im wirt­schaft­lich am wei­tes­ten ent­wi­ckel­ten Land Euro­pas die Arbei­ter­schaft nicht in die Gän­ge kam und die ihr vom »dia­lek­ti­schen Mate­ria­lis­mus« zuge­dach­te Rol­le als Initia­tor der Welt­re­vo­lu­ti­on spielte. 

Also phan­ta­sier­te man sich aus den damals gras­sie­ren­den auto­ri­tä­ren Bewe­gun­gen ein Schreck­ge­spenst zusam­men, das man »Faschis­mus« nann­te, für das rät­sel­haf­te Aus­blei­ben die­ser Revo­lu­ti­on ver­ant­wort­lich mach­te und in pole­mi­scher Wei­se mit der SPD in Ver­bin­dung brach­te, die damals zu den weni­gen Par­tei­en gehör­te, die den Staat von Wei­mar tat­säch­lich aus vol­ler Über­zeu­gung unter­stütz­ten. »Faschis­mus ist eine Kampf­or­ga­ni­sa­ti­on der Bour­geoi­sie«, schrieb Genos­se Sta­lin schon 1924 und gab damit die Rich­tung vor, die dann 1935 von dem bul­ga­ri­schen Kom­mu­nis­ten Geor­gi Dimitroff auf dem VII. Welt­kon­gress der Kom­in­tern wei­ter ver­fei­nert wur­de: Faschis­mus sei die »ter­ro­ris­ti­sche Dik­ta­tur der am meis­ten reak­tio­nä­ren, chau­vi­nis­ti­schen und impe­ria­lis­ti­schen Ele­men­te des Finanz­ka­pi­tals«. Er sei ein Mit­tel der Kapi­ta­lis­ten, einem dro­hen­den kom­mu­nis­ti­schen Umsturz zu begeg­nen und die Arbei­ter­be­we­gung zu zerschlagen.

Mit ande­ren Wor­ten: Der heu­ti­ge Gebrauch des Wor­tes »Faschis­mus« geht auf ein Framing zurück, mit dem eines der bei­den gro­ßen Kro­ko­di­le des 20. Jahr­hun­derts das Schei­tern sei­ner ideo­lo­gie­ge­trie­be­nen Pro­phe­zei­un­gen dem ande­ren Kro­ko­dil in die Schu­he zu schie­ben ver­such­te. Dies setz­te sich dann im Sprach­ge­brauch der Sowjet­uni­on und der von ihr beherrsch­ten Staa­ten fort – wer ein­mal DDR-Lite­ra­tur gele­sen oder vor 1989 einen Blick in das Neue Deutsch­land gewor­fen hat, kann sich über einen Man­gel an Begeg­nun­gen mit »Faschis­ten« und »Faschis­mus« nicht bekla­gen. In allen Berich­ten über den Zwei­ten Welt­krieg war dies die selbst­ver­ständ­li­che Bezeich­nung für die Sol­da­ten der Gegen­sei­te, die Mau­er war ein »anti­fa­schis­ti­scher Schutz­wall«, die DDR-Füh­rung sti­li­sier­te sich im Nach­hin­ein selbst zu »Opfern des Faschis­mus«. Das war ein ziem­lich geschick­ter Schach­zug des roten Kro­ko­dils, denn die simp­le Tat­sa­che, dass es gegen das brau­ne Kro­ko­dil gekämpft und unter furcht­ba­ren Ver­lus­ten gesiegt hat­te, tauch­te sei­ne eige­nen Schand­ta­ten in ein wesent­lich mil­de­res Licht – so mil­de, dass der »Kampf gegen den Faschis­mus«, wie wir gera­de jeden Tag in den Nach­rich­ten sehen, als Legi­ti­ma­ti­on eines neu­en rus­si­schen Impe­ria­lis­mus her­hal­ten kann, der Marx und Engels nicht mehr braucht, um sei­ne Nach­barn erobern zu wollen.

Auch in der west­li­chen Lin­ken wur­de und wird das Framing aus den 1920ern immer wie­der auf­ge­nom­men: bei der »auto­no­men Anti­fa« seit den 1980ern, zur Denun­zie­rung des seli­gen Franz-Josef Strauß als Wie­der­gän­ger des »Füh­rers«, im Kampf gegen den »Faschis­ten Trump« oder bei der aktu­el­len Innen­mi­nis­te­rin, für die der »Kampf gegen Faschis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus, gegen Ras­sis­mus und völ­ki­sche Ideo­lo­gien« zur poli­ti­schen DNA ihrer Par­tei gehört. Ich geste­he ihr ja die aller­bes­ten Absich­ten zu, aber muss sie dazu in die Mot­ten­kis­te sta­li­nis­ti­scher Begriff­lich­kei­ten grei­fen? Sie und mitt­ler­wei­le so gut wie jeder Jour­na­list bis weit in den Teil der Pres­se hin­ein, den man frü­her ein­mal »bür­ger­lich« nannte?

Putins Abstru­si­tä­ten, die er gera­de zur Para­de am 9. Mai wie­der ein­mal unters Volks gebracht hat, soll­ten dem einen oder ande­ren viel­leicht mal zum Nach­den­ken brin­gen – wenn die­ser Ver­rück­te und sein Scher­ge Law­row dau­ernd vom »Faschis­mus« in der Ukrai­ne faseln, ohne dass jemand wüss­te, was damit über­haupt gemeint ist, soll­te man da nicht auch mal die eige­ne Wort­wahl über­den­ken …? Mich jeden­falls nervt’s kolossal.

Noch ’ne Verschwörungstheorie

Beim Schrei­ben ist es wie beim Filme­dre­hen – ein nicht unbe­deu­ten­der Teil des Roh­ma­te­ri­als endet in irgend­ei­nem Abfall­ei­mer, weil die Test­le­ser alles zu kom­pli­ziert fan­den, der Lek­tor Red­un­dan­zen bemän­gel­te oder die betref­fen­de Pas­sa­ge dem Autor selbst nicht mehr gefällt. So auch bei »Sechs Tage im Herbst«, wo die eine Sei­te der mög­li­chen Ver­schwö­run­gen viel­leicht etwas zu kurz kam, um die Les­bar­keit nicht zu beein­träch­ti­gen. Aus die­sem Grund hier welt­ex­klu­siv unver­öf­fent­lich­tes Bonus­ma­te­ri­al aus dem Kapi­tel, in dem Hen­ning und Jen­ny von Lenoir in die Geheim­nis­se der Poli­tik im Unter­grund ein­ge­weiht werden:

»Was wäre denn dei­ner Mei­nung nach eine rea­lis­ti­sche Ver­schwö­rung, die in den spä­ten Acht­zi­gern Ein­fluss auf die RAF zu neh­men versucht?«

Lenoir bleibt ste­hen und wirft in komi­scher Ver­zweif­lung die Hän­de in die Luft. »Da gab’s unend­lich vie­le! So vie­le, wie es damals Leu­te und Orga­ni­sa­tio­nen gab, deren Zie­le sich wenigs­tens teil­wei­se mit den euren gedeckt haben!«

»Ein Bei­spiel bitte!«

»Ein Bei­spiel? Also gut! Voll­kom­men ins Blaue hin­ein gespon­nen, aber kei­nes­falls unrea­lis­tisch. Wir schrei­ben die­ses Mal das Jahr 1987 oder 1988. Stell dir vor, du bist Gebiets­lei­ter bei einer bedeu­ten­den deut­schen Bank. Ein wich­ti­ger Typ mit viel Macht, Ein­fluss und diver­sen Auf­sichts­rats­pos­ten in der berühmt-berüch­tig­ten ›Deutsch­land-AG‹. Lei­der hat dein Vor­stands­vor­sit­zen­der gera­de ein Rie­sen­pro­jekt auf den Weg gebracht, in des­sen Ver­lauf die bis­he­ri­ge Gebiets­struk­tur der Bank auf­ge­löst und die Ver­flech­tung mit der ein­hei­mi­schen Indus­trie ver­rin­gert wer­den soll, um einer mehr inter­na­tio­na­len Aus­rich­tung des Geschäfts Platz zu machen. Platz machen musst für die­sen Plan aller­dings auch du, es winkt nur noch ein Pos­ten als Früh­stücks­di­rek­tor, und alles, was sich für dich dann noch irgend­wie ver­bes­sern wird, ist dein Han­di­cap beim Golf.«

Lenoir macht eine Kunst­pau­se. Wie­der hält er sein Publi­kum im Bann. »Gleich­zei­tig«, fährt er dann fort, »macht sich der Vor­stands­vor­sit­zen­de auch noch bei den ame­ri­ka­ni­schen Groß­ban­ken unbe­liebt, weil er öffent­lich für die Redu­zie­rung von Staats­schul­den der Drit­ten Welt plä­diert, wovon haupt­säch­lich eben­die­se Groß­ban­ken betrof­fen wären. Also eine Art Kriegs­er­klä­rung … Jetzt kann Ver­schie­de­nes pas­sie­ren: Viel­leicht stehst du beim Pin­keln in der Toi­let­te im 20. Stock mit Blick auf Frank­furt am Main, und neben dir schüt­telt gera­de ein ande­rer Gebiets­lei­ter sei­nen Pint aus, der genau­so, Ver­zei­hung für den schlech­ten Witz, ange­pisst ist wie du. Oder du bist viel­leicht Mit­glied in einem die­ser trans­at­lan­ti­schen Debat­tier­clubs, mit deren Hil­fe die Ame­ri­ka­ner ihr infor­mel­les Empi­re orga­ni­sie­ren, und triffst dort einen alten Stu­di­en­kol­le­gen aus Bos­ton, der bei einer der erwähn­ten Groß­ban­ken arbei­tet. Jeden­falls fällt irgend­wo irgend­wann ein­mal der nur halb spa­ßig gemein­te Satz: Wo bleibt eigent­lich die Rote Armee Frak­ti­on, wenn man sie wirk­lich mal braucht …?«

Wie­der macht Lenoir eine Pau­se. Dies­mal, um einen Schluck Whis­ky zu nehmen.

»Aber was soll dann die­ser Ban­ker mit der RAF zu tun haben?«, wen­det Jen­ny ein.

Lenoir hebt über­trie­ben dra­ma­tisch einen Zei­ge­fin­ger. »Jetzt kommt der Zufall ins Spiel, aller­dings ist er nicht an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. Du bist näm­lich, wir befin­den uns wei­ter­hin im ›Rhei­ni­schen Kapi­ta­lis­mus‹, Mit­glied einer exklu­si­ven katho­li­schen Lai­en­ver­ei­ni­gung, die sich der För­de­rung des christ­li­chen Glau­bens im Hei­li­gen Land ver­schrie­ben hat. Das ist im Grun­de wenig mehr als ein inter­na­tio­na­ler Spen­dier­ho­sen-Club, in dem man sich ab und zu trifft und Bezie­hun­gen pflegt, halt auf einer etwas höhe­ren Ebe­ne als die ört­li­chen Rota­ri­er. Aller­dings macht die­ser spe­zi­el­le Club jedes Jahr einen Betriebs­aus­flug nach Jeru­sa­lem, und bei einer die­ser Rei­sen hast du dich mit einem der dor­ti­gen Kir­chen­ver­tre­ter ange­freun­det, der nach dem drit­ten Glas Car­mel-Wein anfing, mit sei­nen exzel­len­ten Bezie­hun­gen zu diver­sen paläs­ti­nen­si­schen Befrei­ungs­or­ga­ni­sa­tio­nen zu prah­len, die ja teil­wei­se von Chris­ten gelei­tet wer­den. Du hast dir das damals ange­hört, ohne dir wei­ter etwas dabei zu den­ken, aber jetzt fällt es dir wie­der ein, und du hast einen schmut­zi­gen klei­nen Gedanken …«

»Gut, die Ver­bin­dung wäre da«, fällt Hen­ning ihm atem­los ins Wort. »Aber war­um soll­te denn einer von uns sich davon beein­flus­sen lassen?!?«

Lenoir lächelt über­le­gen. »Ja, Geld braucht man doch immer, oder? Der letz­te Bank­über­fall der RAF in Deutsch­land fand 1985 statt, wie habt ihr euch danach finan­ziert? Natür­lich, Gad­da­fi zahlt ab und zu ein biss­chen was, wenn man in sei­nem Auf­trag Hand­gra­na­ten auf US-Sol­da­ten wirft, aber reicht das? Und wäre es nicht bes­ser, eine zwei­te unab­hän­gi­ge Geld­quel­le zu haben, um nicht vom Gna­den­brot der PFLP abhän­gig zu sein? Alles, was du tun musst, ist jeman­den, der sowie­so auf der Abschuss­lis­te steht, von der fünf­ten an die ers­te Stel­le zu setzen …«

Rezensionen zu »Sechs Tage im Herbst«

Mitt­ler­wei­le haben ein paar Leu­te Sechs Tage im Herbst gele­sen und ihre Mei­nung dazu kund­ge­tan. Hier ein klei­ner Überblick:

Joa­chim Feld­mann fin­det in der Wochen­zei­tung Frei­tag, anläss­lich des Buches, dass sich der »Span­nungs­ro­man als idea­les Medi­um für das alte Kon­zept der lite­ra­ri­schen Auf­klä­rung« erweist, und hebt den »span­nend kon­stru­ier­ten Plot« her­vor – dan­ke für die Blumen!

Lukas Jen­kers Rezen­si­on in den Stutt­gar­ter Nach­rich­ten spricht von einem Thril­ler, »in dem die berüch­tig­te Geschich­te der RAF schil­lernd und gekonnt in die Hand­lung ein­ge­wo­ben ist«, aller­dings bemän­gelt er mei­ne Schil­de­rung des All­tags­le­bens – heh, sogar der Preis des Fisch­bring­diens­tes stimmt!!!

Micha­el Schul­te schreibt in den West­fä­li­schen Nach­rich­ten (lei­der nicht online): »Bernd Ohm hat sau­ber recher­chiert und prä­sen­tiert ein Polit­dra­ma, das den Abge­sang auf die Lebens­lü­gen einer gan­zen Genera­ti­on ent­hält. Das Buch unter­hält kurz­wei­lig, wirkt aber lan­ge nach« – was soll­te ich dem noch hinzufügen?

Sogar in die F.A.Z. haben es die Sechs Tage geschafft, hier fin­det Peter Kör­te in einer Kurz­re­zen­si­on (lei­der auch hin­ter Pay­wall), dass ich einen »smart kon­stru­ier­ten Roman« hin­ge­legt habe – war­um auch mehr schrei­ben, wenn man den Nagel auf den Kopf trifft …? 🙂

Etwas aus­führ­li­cher ist Mari­us Mül­ler vom ekz.bibliotheksservice (nicht online), der fin­det, dass »Ohm doch ins­ge­samt ein­mal mehr ein klas­se Roman gelun­gen [ist], der His­to­ri­sches mit Ver­schwö­rungs­spek­tu­la­tio­nen und einer tem­po­rei­chen Hatz kom­bi­niert« – das sind doch Zei­len, die man ger­ne liest!

Elke Ross­mann wid­met dem Buch im Esch­bor­ner Stadt­ma­ga­zin eine gera­de­zu hym­ni­sche Rezen­si­on: »Hoch­span­nung von Sei­te eins bis zum letz­ten Satz. Dabei wird ein Erklä­rungs­ver­such über die Zusam­men­hän­ge der RAF, mit den inter­na­tio­na­len Ter­ror­grup­pen, der ehe­ma­li­gen DDR, dem rus­si­schen Geheim­dienst und auch den euro­päi­schen Geheim­or­ga­ni­sa­tio­nen gemacht, der in man­cher Hin­sicht Hand und Fuß hat und in man­cher Hin­sicht bestimmt Ver­schwö­rungs­theo­rien beinhal­tet. Aber egal, es ist ein rich­tig unter­halt­sa­mer Thril­ler!« – nein, wir sind weder ver­wandt noch verschwägert…

Nicht weni­ger posi­tiv ist die Mei­nung Gün­ter Bielem­ei­ers vom Dach­ver­band der Katho­li­schen Biblio­the­ken Bor­ro­mäus­ver­ein: »Bernd Ohm hat bril­lant recher­chiert, um sei­nen Polit-Thril­ler so authen­tisch wie mög­lich wer­den zu las­sen: Was er an Infos über die Geschich­te der RAF und über deren natio­na­le und inter­na­tio­na­le Machen­schaf­ten und Dimen­sio­nen her­aus­ge­fun­den hat und in der Hand­lung ver­ar­bei­tet — alle Ach­tung!« – das ehrt mich, denn die mög­lichst genaue Recher­che war schließ­lich eines mei­ner Haupt­zie­le beim Ver­fas­sen des Buches.

Auf 24symbols wur­de Sechs Tage im Herbst unter die bes­ten »Bes­ten Bücher der Sai­son« gewählt, und man urteilt: »Nebst geschicht­li­cher Auf­ar­bei­tung, sowohl ihn kol­lek­ti­ver als auch indi­vi­du­el­ler Hin­sicht, über­zeugt das Buch vor allem mit einer fes­seln­den Hand­lung und viel Action« – dan­ke, danke!

Sabi­ne Lüers-Grul­ke gibt in der Har­ke (hin­ter Pay­wall) zu, dass sie »sich bis­her nicht wirk­lich für die­sen Teil deut­scher Geschich­te inter­es­siert hat«, fin­det aber, dass das Buch durch sein Lokal­ko­lo­rit fes­selt – man soll eben von dem schrei­ben, was man kennt! 😉

Neues von einem alten Gespenst

Die 3. Generation der RAF und ihre Helfer

Es ist nun schon über drei Jahr­zehn­te her, und immer noch weiß nie­mand, wer Alfred Herr­hau­sen auf dem Gewis­sen hat. Nie­mand außer den Tätern selbst natür­lich, aber die Mit­glie­der der »Roten Armee Frak­ti­on«, die man gefasst und vor Gericht gebracht hat, schwei­gen nach all den Jah­ren wei­ter­hin hart­nä­ckig über das Gesche­he­ne, und alle Auf­klä­rungs­ver­su­che sind irgend­wann im Sand ver­lau­fen. Dies führ­te schon weni­ge Jah­re nach der Tat zu Spe­ku­la­tio­nen – im Jahr 1992 sahen die Jour­na­lis­ten Ger­hard Wis­new­ski, Wolf­gang Land­gra­eber und Ekke­hard Sie­ker ange­sichts der lücken­haft erschei­nen­den offi­zi­el­len Dar­stel­lung des Tat­her­gangs und wei­te­rer Indi­zi­en eine Ver­schwö­rung am Werk, der sie den Namen »Das RAF-Phan­tom« gaben. Ihre Hypo­the­se: Die »3. Genera­ti­on« der Ter­ro­ris­ten­grup­pe sei in Wirk­lich­keit eine Erfin­dung, gegrün­det und gesteu­ert von Geheim­diens­ten, um unlieb­sa­me Poli­ti­ker oder Wirt­schafts­bos­se aus dem Weg zu räu­men und die öffent­li­che Mei­nung zu beein­flus­sen. Das gleich­na­mi­ge Buch erleb­te eini­ge Auf­la­gen und erfreu­te sich nicht nur unter Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern einer gewis­sen Beliebt­heit, die 1993 noch ver­stärkt wur­de, als allem Anschein nach das flüch­ti­ge RAF-Mit­glied Wolf­gang Grams auf dem Bahn­hof von Bad Klei­nen wäh­rend eines GSG9-Ein­sat­zes vor­sätz­lich liqui­diert wur­de. Auch die Tat­sa­che, das der wegen des Herr­hau­sen-Anschlags gesuch­te Chris­toph Seid­ler 1995 plötz­lich aus sei­nem selbst­ge­wähl­ten Liba­non-Exil wie­der auf­tauch­te und offen­bar gar nicht zur Kom­man­do­ebe­ne der RAF gehört hat­te, schien ins Bild zu passen.

Ich gebe zu, eine Zeit­lang fand auch ich selbst die The­sen des Autoren­tri­os zumin­dest nicht völ­lig abwe­gig. Das hat­te mit mei­nen dama­li­gen Lebens­um­stän­den zu tun – ich been­de­te gera­de mein Stu­di­um und lern­te durch eine Ver­ket­tung nicht wei­ter erwäh­nens­wer­ter Zufäl­le ein paar Leu­te von der Münch­ner Film­hoch­schu­le ken­nen, die einen Dreh­buch­au­tor such­ten, mit dem sie his­to­ri­sche und poli­ti­sche Stof­fe umset­zen konn­ten. Einer davon drück­te mir das »RAF-Phan­tom« in die Hand und bot mir an, gemein­sam ein Dreh­buch zu ent­wi­ckeln, das auf der dar­in ent­wi­ckel­ten Ver­schwö­rungs­theo­rie basie­ren soll­te. In die­sem Moment über­nahm der Fabu­lie­rer in mir das Kom­man­do, und der His­to­ri­ker muss­te erst ein­mal zurück­ste­hen. Was für eine Geschich­te …! Wei­ter­le­sen

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