Der bes¬≠te Zen-Leh¬≠rer w√§re einer, der noch nie etwas von Zen geh√∂rt h√§t¬≠te. Und Leh¬≠rer w√§re er auch nicht.

Mein Freund Thom jeden¬≠falls war so eine Art Haus¬≠meis¬≠ter. Und immer durs¬≠tig. Wenn ich fr√ľh¬≠mor¬≠gens laut¬≠hals g√§h¬≠nend aus mei¬≠nem Bun¬≠ga¬≠low kam, um durch ein paar Schwimm¬≠z√ľ¬≠ge im nahen Meer die Nacht aus mei¬≠nen Glie¬≠dern zu ver¬≠scheu¬≠chen, hat¬≠te er schon zwei oder drei von den klei¬≠nen, brau¬≠nen Fl√§sch¬≠chen mit Reis¬≠fu¬≠sel geleert, die so bil¬≠lig waren, dass auch ein ein¬≠hei¬≠mi¬≠scher Arbei¬≠ter damit sei¬≠nen Schnaps¬≠durst l√∂schen konn¬≠te, und kehr¬≠te ver¬≠d√§ch¬≠tig gut gelaunt, aber aus allen Poren schwit¬≠zend Laub und Sand von den Wegen oder hol¬≠te umst√§nd¬≠lich mit einer lan¬≠gen Bam¬≠bus¬≠stan¬≠ge fri¬≠sche Kokos¬≠n√ľs¬≠se von den Pal¬≠men ‚Äď wir G√§s¬≠te hat¬≠ten es ger¬≠ne auf¬≠ge¬≠r√§umt und woll¬≠ten sp√§¬≠ter zu Hau¬≠se vom baum¬≠fri¬≠schen Saft schon zum Fr√ľh¬≠st√ľck schw√§r¬≠men k√∂n¬≠nen ‚Ķ Nach dem Mit¬≠tag¬≠essen sah man ihn dann √∂fter in sei¬≠ner H√§n¬≠ge¬≠mat¬≠te lie¬≠gen als irgend¬≠wel¬≠chen Pflich¬≠ten nach¬≠ge¬≠hen (oder gar rich¬≠tig arbei¬≠ten), und p√ľnkt¬≠lich jeden Tag um f√ľnf setz¬≠te er sich auf sein altes Moped und knat¬≠ter¬≠te an die Haupt¬≠stra¬≠√üe, wo sich an einer aus Palm¬≠bl√§t¬≠tern, Plas¬≠tik¬≠fla¬≠schen und Bau¬≠schutt zusam¬≠men¬≠ge¬≠haue¬≠nen Schnaps¬≠bu¬≠de die √∂rt¬≠li¬≠chen Trin¬≠ker zu ver¬≠sam¬≠meln pfleg¬≠ten, um laut¬≠stark die Gesch√§f¬≠te der Welt erst zu bere¬≠den und dann in einem aus¬≠ge¬≠wach¬≠se¬≠nen Rausch zu ers√§ufen.

Thom ver¬≠lor aber weder bei die¬≠sen abend¬≠li¬≠chen Geheim¬≠rats¬≠sit¬≠zun¬≠gen noch zu sons¬≠ti¬≠gen Gele¬≠gen¬≠hei¬≠ten jemals die Kon¬≠trol¬≠le √ľber sich. Er tor¬≠kel¬≠te nicht halt¬≠los her¬≠um, bel√§s¬≠tig¬≠te die weib¬≠li¬≠chen G√§s¬≠te nicht, stritt sich nicht mit den m√§nn¬≠li¬≠chen und konn¬≠te m√ľhe¬≠los weit jen¬≠seits jeder Pro¬≠mil¬≠le¬≠gren¬≠ze den haus¬≠ei¬≠ge¬≠nen Pick¬≠up nach Naathon steu¬≠ern, um Ein¬≠k√§u¬≠fe zu erle¬≠di¬≠gen oder beim F√§hr¬≠an¬≠le¬≠ger neue G√§s¬≠te abzu¬≠ho¬≠len ‚Äď und das, ohne auch nur den Mit¬≠tel¬≠strei¬≠fen zu √ľber¬≠fah¬≠ren. Nur beim Weih¬≠nachts-Bar¬≠be¬≠cue, dass extra f√ľr die ja eigent¬≠lich gera¬≠de davor geflo¬≠he¬≠nen G√§s¬≠te aus dem Wes¬≠ten ver¬≠an¬≠stal¬≠tet wur¬≠de, ver¬≠ga√ü er sich ein wenig und sprach dem Rum¬≠punsch der¬≠art hef¬≠tig zu, dass er den gan¬≠zen Abend √ľber allen auf den R√ľcken hau¬≠te und lan¬≠des¬≠un¬≠ty¬≠pisch laut gr√∂¬≠lend ‚ÄúMel¬≠ly Chlist¬≠mas‚ÄĚ w√ľnsch¬≠te, was ihm aber von nie¬≠man¬≠dem √ľbel genom¬≠men wur¬≠de, denn alle hat¬≠ten ihn gern. Und als er eines Abends eine Grup¬≠pe von uns auf den besag¬≠ten Pick¬≠up lud und wir zusam¬≠men eine feucht-fr√∂h¬≠li¬≠che Nacht im Reg¬≠gae-Pub in Cha¬≠weng ver¬≠brach¬≠ten, muss¬≠te auf der R√ľck¬≠fahrt G√∂r¬≠an aus Schwe¬≠den das Lenk¬≠rad √ľber¬≠neh¬≠men, weil Thom dar¬≠√ľber ein¬≠zu¬≠schla¬≠fen drohte.

Nie¬≠mand wuss¬≠te so rich¬≠tig, womit er sei¬≠nen schnaps¬≠se¬≠li¬≠gen Lebens¬≠wan¬≠del √ľber¬≠haupt finan¬≠zier¬≠te. Sei¬≠ne Frau Dhin arbei¬≠te¬≠te in der K√ľche der Bun¬≠ga¬≠lo¬≠w¬≠an¬≠la¬≠ge, und sie pass¬≠te wie ein Schlie√ü¬≠hund auf, dass ihrer bei¬≠der Lohn nicht in der Trink¬≠bu¬≠de an der Haupt¬≠stra¬≠√üe oder den Gir¬≠lie-Bars von Cha¬≠weng lan¬≠de¬≠te. Thom bekam ein klei¬≠nes Taschen¬≠geld von ihr, dass aber nie und nim¬≠mer f√ľr das sch√§t¬≠zungs¬≠wei¬≠se gute Dut¬≠zend brau¬≠ne Fl√§sch¬≠chen aus¬≠reich¬≠te, deren Inhalt jeden Tag sei¬≠ne durs¬≠ti¬≠ge Keh¬≠le hin¬≠un¬≠ter rann, also ging die all¬≠ge¬≠mei¬≠ne Ver¬≠mu¬≠tung, dass die klei¬≠nen Plas¬≠tik¬≠s√§ck¬≠chen vol¬≠ler Mari¬≠hua¬≠na, die er manch¬≠mal aus ‚Äď so sag¬≠te er jeden¬≠falls ‚Äď Gef√§l¬≠lig¬≠keit f√ľr bestimm¬≠te G√§s¬≠te von einem Freund besorg¬≠te, der in den Ber¬≠gen eine gr√∂¬≠√üe¬≠re Plan¬≠ta¬≠ge betrieb, nur die Spit¬≠ze eines Eis¬≠bergs von pro¬≠fes¬≠sio¬≠nell betrie¬≠be¬≠nem Dro¬≠gen¬≠han¬≠del bedeu¬≠te¬≠te, und der w√§re dann sei¬≠ne eigent¬≠li¬≠che Ein¬≠nah¬≠me¬≠quel¬≠le. Viel¬≠leicht stimm¬≠te das, viel¬≠leicht auch nicht; mir schien, es h√§t¬≠te zu viel Arbeit bedeutet.

In jedem Fall ‚Äď nicht gera¬≠de ein Bodhi¬≠satt¬≠va, mein Freund Thom ‚Ķ Auf den ers¬≠ten Blick jeden¬≠falls. Auf den zwei¬≠ten, f√ľr den man eine Wei¬≠le brauch¬≠te, stell¬≠ten sich die Din¬≠ge schon ein wenig anders dar: Als ich ein¬≠mal mein in der Khao San gekauf¬≠tes Che-Gue¬≠va¬≠ra-T-Shirt zum Trock¬≠nen an die W√§sche¬≠lei¬≠ne h√§ng¬≠te, kr√§h¬≠te Thom laut: ‚ÄúI like dis man!‚ÄĚ und pries den Hel¬≠den der Sier¬≠ra Maes¬≠tra so lan¬≠ge und der¬≠art kennt¬≠nis¬≠reich in den h√∂chs¬≠ten T√∂nen, dass ich ihm das T‚ÄĎShirt schlie√ü¬≠lich schenk¬≠te und er es dar¬≠auf¬≠hin bis zu mei¬≠ner Abrei¬≠se nicht mehr aus¬≠zog. Bei einer ande¬≠ren Gele¬≠gen¬≠heit zeig¬≠te er sich glei¬≠cher¬≠ma¬≠√üen bewandt in Fra¬≠gen der euro¬≠p√§i¬≠schen Geschich¬≠te und erl√§u¬≠ter¬≠te sei¬≠ne Sicht des gro¬≠√üen Hel¬≠den ‚ÄúNapo¬≠li‚ÄĚ, der die Errun¬≠gen¬≠schaf¬≠ten der glor¬≠rei¬≠chen Fran¬≠z√∂¬≠si¬≠schen Revo¬≠lu¬≠ti¬≠on √ľber ganz Euro¬≠pa ver¬≠brei¬≠tet h√§t¬≠te. Wir strit¬≠ten uns fast deswegen.

Voll¬≠ends uner¬≠war¬≠tet traf mich dann sei¬≠ne eher neben¬≠her gemach¬≠te Bemer¬≠kung, er sei fr√ľ¬≠her drei Jah¬≠re als M√∂nch durch die Kl√∂s¬≠ter des gan¬≠zen Lan¬≠des gezo¬≠gen. Ich hat¬≠te ihn von mei¬≠nem Plan erz√§hlt, in dem Wat auf der Nach¬≠bar¬≠in¬≠sel eine Ein¬≠kehr mit¬≠zu¬≠ma¬≠chen, aber Thom wink¬≠te nur ab:

‚ÄúYou must go to Wat Suan Mokh, it is de best ‚Ķ !‚ÄĚ

Es war schwie¬≠rig, einem Men¬≠schen, der so voll¬≠kom¬≠men in der Gegen¬≠wart leb¬≠te wie er, wei¬≠te¬≠re Ein¬≠zel¬≠hei¬≠ten √ľber sei¬≠ne Ver¬≠gan¬≠gen¬≠heit zu ent¬≠lo¬≠cken, aber an all den Nach¬≠mit¬≠ta¬≠gen, die er auf mei¬≠ner Veran¬≠da in der H√§n¬≠ge¬≠mat¬≠te lag und mir gras¬≠rau¬≠chend beim Gitar¬≠re¬≠spie¬≠len zuh√∂r¬≠te, kam doch die eine oder ande¬≠re klei¬≠ne Geschich¬≠te zu Tage: Er stamm¬≠te dem¬≠nach aus der Gegend von Surat Tha¬≠ni, wo sei¬≠ne Fami¬≠lie immer noch leb¬≠te, war aber schon in jun¬≠gen Jah¬≠ren aus¬≠ge¬≠ris¬≠sen und hat¬≠te sich auf die Suche bege¬≠ben, zuerst nach der gro¬≠√üen, wei¬≠ten Welt, dann nach der Bud¬≠dha¬≠schaft. Er und Dhin hat¬≠ten eine Toch¬≠ter, die in Bang¬≠kok im Inter¬≠nat leb¬≠te und sp√§¬≠ter auf eine gute Uni¬≠ver¬≠si¬≠t√§t im Aus¬≠land gehen soll¬≠te. F√ľr die¬≠ses Kind spar¬≠ten sie all ihr Geld und leb¬≠ten selbst in einer mehr als sch√§¬≠bi¬≠gen Bam¬≠bus¬≠h√ľt¬≠te, die Thom eigen¬≠h√§n¬≠dig und even¬≠tu¬≠el¬≠le gesetz¬≠li¬≠che Hin¬≠der¬≠nis¬≠se sou¬≠ve¬≠r√§n igno¬≠rie¬≠rend auf einem ver¬≠fal¬≠le¬≠nen Bau¬≠grund¬≠st√ľck errich¬≠tet hat¬≠te, des¬≠sen Inves¬≠tor plei¬≠te gegan¬≠gen war. Fr√ľ¬≠her war er auch ein¬≠mal in Kana¬≠da gewe¬≠sen und hat¬≠te bei der Apfel¬≠ern¬≠te gear¬≠bei¬≠tet (in einer ande¬≠ren Ver¬≠si¬≠on bei der Mari¬≠hua¬≠na-Ern¬≠te), daher sprach er so gut Eng¬≠lisch, und in ein paar Jah¬≠ren, wenn die Toch¬≠ter stu¬≠die¬≠ren w√ľr¬≠de, woll¬≠ten er und Dhin eine gro¬≠√üe Welt¬≠rei¬≠se unter¬≠neh¬≠men, um end¬≠lich ein¬≠mal mit eige¬≠nen Augen zu sehen, wo denn all die Freun¬≠de wohn¬≠ten, die sie im Lauf der Jah¬≠re auf Samui gewon¬≠nen hatten.

√úber Thoms Zeit als M√∂nch erfuhr ich wenig mehr, als dass man im Wat Suan Mokh, das ist Thai¬≠l√§n¬≠disch f√ľr ‚ÄúGar¬≠ten der Befrei¬≠ung‚ÄĚ, Geh¬≠me¬≠di¬≠ta¬≠ti¬≠on betrie¬≠ben habe ‚Äď ‚ÄúYou know, we did de wal¬≠king-wal¬≠king and only tink de wal¬≠king-wal¬≠king ‚Ķ‚ÄĚ ‚Äď und es sich bei dem Klos¬≠ter, aber das wuss¬≠te ich ja schon, um das bes¬≠te ganz Thai¬≠lands han¬≠del¬≠te. Manch¬≠mal hielt er auch beim mor¬≠gend¬≠li¬≠chen Keh¬≠ren der Wege inne, blick¬≠te auf die wei¬≠te Bucht von Maenam und sag¬≠te unver¬≠mit¬≠telt ‚ÄúI must do de medi¬≠ta¬≠ti¬≠on again‚ÄĚ oder ‚ÄúDis place has lot of hah¬≠mo¬≠ny‚ÄĚ oder sogar ‚ÄúBefo¬≠re, not so many houses‚ÄĚ.

Und dann erfuhr ich noch von dem Buch. Thom hat¬≠te mir ein paar Tage vor mei¬≠ner Abrei¬≠se einen klei¬≠nen, von ihm selbst aus einem Bam¬≠bus¬≠rohr und Ker¬≠zen¬≠wachs ange¬≠fer¬≠tig¬≠ten und mit roter Far¬≠be bemal¬≠ten Did¬≠ge¬≠ri¬≠doo geschenkt. Die Bema¬≠lung wies den¬≠sel¬≠ben Stil auf wie die bun¬≠ten Ver¬≠zie¬≠run¬≠gen auf sei¬≠ner Gitar¬≠re, die schon einen gr√∂¬≠√üe¬≠ren Tai¬≠fun zwei Meter unter Schlamm begra¬≠ben √ľber¬≠lebt hat¬≠te und des¬≠halb krumm und schief und unbe¬≠spiel¬≠bar als Deko¬≠ra¬≠ti¬≠ons¬≠ob¬≠jekt in einer Ecke sei¬≠ner H√ľt¬≠te stand. Ich frag¬≠te ihn daher, ob er auch malen w√ľrde.

‚ÄúI not do any¬≠mo¬≠re‚ÄĚ, knurr¬≠te er, lie√ü sich aber schlie√ü¬≠lich ent¬≠lo¬≠cken, dass er fr√ľ¬≠her vie¬≠le Bil¬≠der, vor allem von der Bucht und den √∂rt¬≠li¬≠chen Pflan¬≠zen, gemalt, aber alle an Freun¬≠de ver¬≠schenkt habe, sodass er mir kei¬≠nes mehr zei¬≠gen k√∂n¬≠ne. Fr√ľ¬≠her habe er auch viel nach¬≠ge¬≠dacht und alles, was ihm so ein¬≠ge¬≠fal¬≠len sei, neben vie¬≠len Zeich¬≠nun¬≠gen in ein gro¬≠√ües Buch ein¬≠ge¬≠tra¬≠gen, des¬≠sen Bl√§t¬≠ter sich aber genau¬≠so in alle Win¬≠de ver¬≠streut h√§t¬≠ten wie die Bil¬≠der. Er habe das Buch die¬≠sem mit¬≠ge¬≠ge¬≠ben, an jenen ver¬≠lie¬≠hen und einem Drit¬≠ten dar¬≠aus vor¬≠ge¬≠le¬≠sen, und alle h√§t¬≠ten sie Sei¬≠ten her¬≠aus¬≠ge¬≠ris¬≠sen und w√§ren auf Nim¬≠mer¬≠wie¬≠der¬≠se¬≠hen damit verschwunden.

Was stand denn in dem Buch drin, woll­te ich wissen.

Er zuck­te mit den Schultern.

‚ÄúLife‚ÄĚ, sagt er schlie√ü¬≠lich, das Leben.

Und wo war es hin?

Sei¬≠ne Hand mach¬≠te einen gro¬≠√üen Kreis.

‚ÄúEeev-lywhe¬≠re‚ÄĚ, √ľ√ľ√ľberall ‚Ķ

Das war das letz¬≠te Mal, dass ich Thom gese¬≠hen habe. Er ver¬≠stand sich mit den Eig¬≠nern der Bun¬≠ga¬≠lo¬≠w¬≠an¬≠la¬≠ge nicht beson¬≠ders gut, und am n√§chs¬≠ten Tag geriet er in einen der¬≠art hef¬≠ti¬≠gen Streit mit ihnen, dass er nachts den Pick¬≠up stahl, nach Naathon ras¬≠te und sich mit der n√§chs¬≠ten Wagen¬≠f√§h¬≠re aufs Fest¬≠land absetz¬≠te. Dhin ver¬≠lor eben¬≠falls ihre Stel¬≠lung, und ich muss¬≠te am Tag der Abrei¬≠se noch zu der H√ľt¬≠te auf dem ver¬≠las¬≠se¬≠nen Bau¬≠grund¬≠st√ľck lau¬≠fen, um ihr auf Wie¬≠der¬≠se¬≠hen zu sagen. Sie hat¬≠te sich √ľber Thoms Mari¬≠hua¬≠na-Vor¬≠r√§¬≠te her¬≠ge¬≠macht und grins¬≠te mich gl√ľck¬≠lich bekifft an, als ich nach sei¬≠nem Ver¬≠bleib frag¬≠te. Schlie√ü¬≠lich ver¬≠such¬≠te sie, etwas auf Eng¬≠lisch zu sagen, aber im Gegen¬≠satz zu ihrem Mann beherrsch¬≠te sie die Spra¬≠che kaum. Sie sag¬≠te es dann auf Thai, was wie¬≠der¬≠um ich nicht ver¬≠stand, also nick¬≠te ich h√∂f¬≠lich l√§chelnd und ver¬≠ab¬≠schie¬≠de¬≠te mich schlie√ülich.

Viel¬≠leicht hat¬≠te ihn ja die Reue gepackt, und er war auf dem Weg zur√ľck in den Gar¬≠ten der Befrei¬≠ung, viel¬≠leicht lock¬≠te ihn auch wie¬≠der Kana¬≠da, viel¬≠leicht woll¬≠te er sich aber auch nur irgend¬≠wo zu Tode trinken.

Ich jeden¬≠falls kehr¬≠te nach Euro¬≠pa zur√ľck und leb¬≠te mein Leben, ver¬≠lieb¬≠te mich und trenn¬≠te mich wie¬≠der, jag¬≠te Luft¬≠schl√∂s¬≠sern nach oder ver¬≠kroch mich mut¬≠los in die Ecke, st√ľrz¬≠te mich in die Arbeit oder ver¬≠geu¬≠de¬≠te gan¬≠ze Tage mit Nichts¬≠tun, igno¬≠rier¬≠te wah¬≠re Freun¬≠de und umwarb die fal¬≠schen, erleb¬≠te mit stolz¬≠ge¬≠schwell¬≠ter Brust Sie¬≠ge und lie√ü mich von Nie¬≠der¬≠la¬≠gen zu Boden dr√ľ¬≠cken ‚Äď und hat¬≠te kei¬≠nen blas¬≠sen Schim¬≠mer, was das alles eigent¬≠lich soll¬≠te. Und je mehr Zeit mich von den mit Thom auf Samui ver¬≠brach¬≠ten Mona¬≠ten trenn¬≠te, des¬≠to mehr dach¬≠te ich √ľber ihn nach. Der Gedan¬≠ke wur¬≠de gera¬≠de¬≠zu √ľber¬≠m√§ch¬≠tig: Wenn Thom m√ľde war, schlief er. War er hung¬≠rig, a√ü er. Wenn er einen fau¬≠len Tag hat¬≠te, leg¬≠te er sich in die H√§n¬≠ge¬≠mat¬≠te. Hat¬≠te er Lust, mit sei¬≠ner Frau zu schla¬≠fen, ver¬≠f√ľhr¬≠te er sie. Und wenn ihn die Gier nach Alko¬≠hol √ľber¬≠mann¬≠te, trank er eben. Wenn ich m√ľde war, ging ich in die Sp√§t¬≠vor¬≠stel¬≠lung ins Kino. War ich hung¬≠rig, muss¬≠te ich erst einen Brief zu Ende schrei¬≠ben. Mei¬≠ne fau¬≠len Tage leg¬≠ten sich schwer auf mei¬≠ne pro¬≠tes¬≠tan¬≠ti¬≠sche Arbeits¬≠mo¬≠ral, und wenn ich eine Frau ver¬≠f√ľh¬≠ren woll¬≠te, betrank ich mich. Hat¬≠te ich hin¬≠ge¬≠gen nur Lust auf ein Bier, frag¬≠te ich mein Gewis¬≠sen, ob es schon fr√ľh genug am Tag daf√ľr sei. Kurz¬≠um ‚Äď Thom moch¬≠te weder Dif¬≠fe¬≠ren¬≠zi¬≠al¬≠glei¬≠chun¬≠gen l√∂sen k√∂n¬≠nen noch sechs Spra¬≠chen beherr¬≠schen, in allen wesent¬≠li¬≠chen Belan¬≠gen des Lebens war er mir mei¬≠len¬≠weit vor¬≠aus. Er h√§t¬≠te mein Leh¬≠rer wer¬≠den k√∂n¬≠nen, aber ich ‚Äď der es ja immer bes¬≠ser wis¬≠sen muss¬≠te ‚Äď hat¬≠te ihn nur f√ľr einen sym¬≠pa¬≠thi¬≠schen, aber reich¬≠lich ver¬≠sof¬≠fe¬≠nen Hal¬≠lo¬≠dri mit inter¬≠es¬≠san¬≠ter Ver¬≠gan¬≠gen¬≠heit gehal¬≠ten, und die Gele¬≠gen¬≠heit war verpasst.

Ich wur¬≠de immer unru¬≠hi¬≠ger. Ich woll¬≠te sein wie Thom ‚Äď wie war Thom zu dem gewor¬≠den, der er war? Die Ant¬≠wort konn¬≠te nur lau¬≠ten: Wat Suan Mokh! In die¬≠sem Klos¬≠ter war er w√§h¬≠rend sei¬≠ner drei¬≠j√§h¬≠ri¬≠gen Wan¬≠der¬≠schaft am liebs¬≠ten gewe¬≠sen, hier muss¬≠te er die wesent¬≠li¬≠chen Leh¬≠ren emp¬≠fan¬≠gen haben, die ihn f√ľr sein wei¬≠te¬≠res Leben gepr√§gt hat¬≠ten. Erwar¬≠tungs¬≠voll zog ich Erkun¬≠di¬≠gun¬≠gen √ľber den Gar¬≠ten der Befrei¬≠ung ein und plan¬≠te schon einen l√§n¬≠ge¬≠ren Klos¬≠ter¬≠auf¬≠ent¬≠halt, den ich in die Zeit vor dem beab¬≠sich¬≠tig¬≠ten Umzug in eine ande¬≠re Stadt legen woll¬≠te. Aber Gott, das Schick¬≠sal, mein Kar¬≠ma oder was auch immer hat¬≠ten ande¬≠re Pl√§¬≠ne: Ich fand her¬≠aus, dass Bud¬≠dha¬≠da¬≠sa Bhikk¬≠hu, der alte, hoch¬≠be¬≠r√ľhm¬≠te Abt des Klos¬≠ters, schon vor eini¬≠gen Jah¬≠ren ver¬≠stor¬≠ben war. Unter sei¬≠ner Lei¬≠tung muss¬≠te in jenem Gar¬≠ten eine wahr¬≠haft befrei¬≠en¬≠de Atmo¬≠sph√§¬≠re geherrscht haben, die sich aus dem Bes¬≠ten der Ther¬≠ava¬≠da-Schu¬≠le, den Leh¬≠ren Lao¬≠t¬≠ses, Zen-Bud¬≠dhis¬≠mus und einem huma¬≠nis¬≠tisch ver¬≠stan¬≠de¬≠nen Sozia¬≠lis¬≠mus gen√§hrt hat¬≠te. Nach sei¬≠nem Tod war aber wie¬≠der der Geist der thai¬≠l√§n¬≠di¬≠schen Ortho¬≠do¬≠xie in den Ort ein¬≠ge¬≠zo¬≠gen, und die J√ľn¬≠ger Bud¬≠dha¬≠da¬≠sas waren fort¬≠ge¬≠zo¬≠gen. Wie so oft im Leben kam ich zu sp√§t.

Ich rauf¬≠te mir die Haa¬≠re. Wenn ich wenigs¬≠tens Thoms Buch lesen k√∂nn¬≠te ‚Ķ ! Dort m√ľss¬≠te doch auch alles ste¬≠hen, sei¬≠ne gan¬≠ze Lebens¬≠phi¬≠lo¬≠so¬≠phie, sei¬≠ne Ver¬≠si¬≠on des Juwels in der Lotos¬≠bl√ľ¬≠te, wenigs¬≠tens ein klei¬≠ner Split¬≠ter von dem Dia¬≠man¬≠ten, der Wat Suan Mokh ein¬≠mal gewe¬≠sen sein muss¬≠te. Wenn ich schon nicht die Wor¬≠te ver¬≠ste¬≠hen w√ľr¬≠de, so w√ľr¬≠den mir doch sei¬≠ne Bil¬≠der einen gehei¬≠men Weg wei¬≠sen, viel¬≠leicht konn¬≠te ich ja sogar Thai¬≠l√§n¬≠disch ler¬≠nen, um mir die gesam¬≠te F√ľl¬≠le der Weis¬≠heit zu erschlie¬≠√üen. Ich kauf¬≠te Selbst¬≠lern¬≠b√ľ¬≠cher und qu√§l¬≠te mich durch das thai¬≠l√§n¬≠di¬≠sche Laut¬≠sys¬≠tem. Die Schrift erin¬≠ner¬≠te mich an ver¬≠schlun¬≠ge¬≠ne Lia¬≠nen, durch die sich wil¬≠de Affen¬≠hor¬≠den durch einen bizar¬≠ren Urwald schwin¬≠gen. Wenn ich ver¬≠such¬≠te, die W√∂r¬≠ter rich¬≠tig aus¬≠zu¬≠spre¬≠chen, h√∂r¬≠te sich das nicht an wie das sanf¬≠te Miau¬≠en der Thais selbst, son¬≠dern wie das hei¬≠se¬≠re Gejau¬≠le eines streu¬≠nen¬≠den alten Katers.

Die Sache fing an, aus dem Ruder zu lau¬≠fen: Ich mach¬≠te ohne einen Pfen¬≠nig Geld in der Tasche Rei¬≠se¬≠pl√§¬≠ne, kauf¬≠te mir Land¬≠kar¬≠ten und F√ľh¬≠rer. Ein gan¬≠zes Buch konn¬≠te doch nicht so ein¬≠fach ver¬≠schwin¬≠den ‚Ķ Ich muss¬≠te auf Samui ver¬≠su¬≠chen, sei¬≠ne Spur auf¬≠zu¬≠neh¬≠men und wie ein Jagd¬≠hund mit der Nase dicht am Boden jeder gefun¬≠de¬≠nen F√§hr¬≠te fol¬≠gen: Da gab es doch den Freund mit der Mari¬≠hua¬≠naplan¬≠ta¬≠ge oben in den Ber¬≠gen, einen ande¬≠ren hat¬≠te ich eben¬≠falls ken¬≠nen gelernt, der von der H√§u¬≠ser¬≠ver¬≠mie¬≠tung auf dem elter¬≠li¬≠chen Grund¬≠st√ľck leb¬≠te und fr√∂h¬≠lich gitar¬≠re¬≠spie¬≠lend und kif¬≠fend sei¬≠ne Tage in einer H√ľt¬≠te am Meer ver¬≠brach¬≠te. Die Bil¬≠der hat¬≠ten viel¬≠leicht Besu¬≠cher aus dem Wes¬≠ten mit¬≠ge¬≠nom¬≠men, wenn ich die √ľbli¬≠chen Orte in der Gegend abgras¬≠te, an denen sich jun¬≠ge Aus¬≠stei¬≠ger auf Zeit aus Euro¬≠pa und Nord¬≠ame¬≠ri¬≠ka zu ver¬≠sam¬≠meln pfleg¬≠ten, konn¬≠te ich viel¬≠leicht noch das eine oder ande¬≠re wie¬≠der¬≠fin¬≠den, ver¬≠ges¬≠sen an der Wand im Gemein¬≠schafts¬≠raum einer Tra¬≠vel¬≠ler-Abstei¬≠ge auf Phan¬≠gan, ein¬≠ge¬≠klebt in ein altes G√§s¬≠te¬≠buch des Swiss Hotels in Penang, miss¬≠braucht als Ver¬≠zie¬≠rung auf dem Deckel einer Spei¬≠se¬≠kar¬≠te im Blues Caf√© am Toba-See, ver¬≠steckt als kost¬≠bar geh√ľ¬≠te¬≠ten Schatz im Pri¬≠vat¬≠be¬≠sitz eines Restau¬≠rant¬≠be¬≠sit¬≠zers in Ubud auf Bali. Und wenn ich schon nichts fin¬≠den w√ľr¬≠de, so w√§re doch die Rei¬≠se schon ein Gewinn an sich, und mit ein biss¬≠chen Gl√ľck konn¬≠te mir dabei sogar Thom selbst wie¬≠der √ľber den Weg lau¬≠fen ‚Ķ ! Ich w√ľr¬≠de ihn in ein Klos¬≠ter im Nor¬≠den brin¬≠gen, bei Bang¬≠kok, ich hat¬≠te gele¬≠sen, dass dort Dro¬≠gen- und Alko¬≠hol¬≠kran¬≠ke von bud¬≠dhis¬≠ti¬≠schen M√∂n¬≠chen mit Medi¬≠ta¬≠ti¬≠on geheilt wur¬≠den, und dann konn¬≠te er end¬≠lich mein Leh¬≠rer werden ‚Ķ

Am Ende hol¬≠te mich das Leben wie¬≠der ein. Ich muss¬≠te mei¬≠ne Tag¬≠tr√§u¬≠me¬≠rei¬≠en begra¬≠ben und mich um einen Brot¬≠er¬≠werb k√ľm¬≠mern wie alle ande¬≠ren auch, die Thai-Lehr¬≠b√ľ¬≠cher ver¬≠schwan¬≠den im Regal, gleich neben die Rei¬≠se¬≠f√ľh¬≠rer f√ľr S√ľd¬≠ost¬≠asi¬≠en, die Flug¬≠pl√§¬≠ne schmiss ich weg, und der gan¬≠ze Plan, nach Thoms Buch zu suchen, wur¬≠de immer vager, bis die Erin¬≠ne¬≠rung an die¬≠ses einst so gro¬≠√üe Vor¬≠ha¬≠ben beim Gedan¬≠ken dar¬≠an nur noch ein schwa¬≠ches, wenn auch mil¬≠des L√§cheln aus¬≠l√∂s¬≠te. Thom selbst blieb mir immer pr√§¬≠sent, immer¬≠hin. Ich schloss mich einer Sangha an, in der Zen gelehrt wur¬≠de, medi¬≠tier¬≠te, sang Sutren, hat¬≠te Unter¬≠re¬≠dun¬≠gen mit den Dhar¬≠ma-Meis¬≠tern und dach¬≠te mir irgend¬≠wann, dass Weis¬≠heit ja ohne¬≠hin nicht in B√ľchern ste¬≠he, man sie des¬≠halb dort auch nicht fin¬≠den k√∂n¬≠ne, und √ľber¬≠haupt muss¬≠te ich jetzt erst ein¬≠mal her¬≠aus¬≠fin¬≠den, ob ein Hund die Bud¬≠dha-Natur hat oder nicht, dann w√ľr¬≠de ich schon kla¬≠rer sehen.

In die¬≠ser Zeit erz√§hl¬≠te mir eine Tan¬≠te eine Geschich¬≠te von mei¬≠ner Gro√ü¬≠mutter, die ein wirk¬≠li¬≠cher preu¬≠√üi¬≠scher Ara¬≠hat war und schon vor vie¬≠len Jah¬≠ren gestor¬≠ben ist. Danach h√§t¬≠te die¬≠se ein¬≠mal sie und mei¬≠nen Onkel in der klei¬≠nen Stadt besucht, in der sich die bei¬≠den nach dem Krieg als Ver¬≠trie¬≠be¬≠ne eine neue Exis¬≠tenz auf¬≠ge¬≠baut hat¬≠ten. Alle zusam¬≠men h√§t¬≠ten im Gar¬≠ten geses¬≠sen und Kaf¬≠fee getrun¬≠ken, dann sei aber mei¬≠ne Gro√ü¬≠mutter unver¬≠mit¬≠telt auf¬≠ge¬≠stan¬≠den und zu den gera¬≠de auf¬≠bl√ľ¬≠hen¬≠den Rosen¬≠st√∂¬≠cken gegan¬≠gen, habe dort eine beson¬≠ders sch√∂¬≠ne Bl√ľ¬≠te, die ihr wohl vom Kaf¬≠fee¬≠tisch aus schon auf¬≠ge¬≠fal¬≠len war, ein¬≠ge¬≠hend betrach¬≠tet, schlie√ü¬≠lich mei¬≠ne Tan¬≠te zu sich gewun¬≠ken und gefl√ľs¬≠tert: ‚ÄúIch m√∂ch¬≠te die¬≠se Rose k√ľssen ‚Ķ‚ÄĚ

Das wirk¬≠te wie ein Sprung in das kal¬≠te Was¬≠ser der Maenam-Bucht. Mit einem Mal sah ich kla¬≠rer. Da ich, wie gesagt, immer alles bes¬≠ser wuss¬≠te, hat¬≠te ich mei¬≠ne Gro√ü¬≠mutter bis dahin f√ľr eine her¬≠zens¬≠gu¬≠te, beschei¬≠de¬≠ne und auf¬≠op¬≠fernd hilfs¬≠be¬≠rei¬≠te, aber doch ein¬≠fa¬≠che Land¬≠ar¬≠bei¬≠ter¬≠frau aus Hin¬≠ter¬≠pom¬≠mern gehal¬≠ten. Jetzt wuss¬≠te ich, dass sie in Wirk¬≠lich¬≠keit mei¬≠ne Leh¬≠re¬≠rin gewe¬≠sen war. Ich sch√§m¬≠te mich sehr, sie so ver¬≠kannt zu haben: ‚ÄúIch m√∂ch¬≠te die¬≠se Rose k√ľs¬≠sen ‚Ķ‚ÄĚ Ohne es zu wis¬≠sen (oder doch?) hat¬≠te sie mir nichts anders als ein Koan mit auf den Weg gege¬≠ben wie einst der Welt¬≠er¬≠ha¬≠be¬≠ne auf dem Gei¬≠er¬≠berg sei¬≠nem Sch√ľ¬≠ler Kas¬≠hya¬≠pa, denn das war es ja, was ich selbst woll¬≠te, die Rose k√ľs¬≠sen ‚Ķ ! Ich muss¬≠te mich nur b√ľcken und den Mund spitzen ‚Ķ

Und da ging mir auf, dass sie nicht die ein¬≠zi¬≠ge war, bei der es sich so ver¬≠hielt, dass auch Thoms Buch nichts wei¬≠ter war als ein ein¬≠zi¬≠ges gro¬≠√ües tor¬≠lo¬≠ses Tor, durch das ich hin¬≠durch¬≠ge¬≠hen konn¬≠te, ohne den Flie¬≠ger nach Bang¬≠kok √ľber¬≠haupt bestei¬≠gen zu m√ľs¬≠sen, ein R√§t¬≠sel, das sich der Gro¬≠√üe Zen-Meis¬≠ter im Him¬≠mel lis¬≠tig aus¬≠ge¬≠dacht hat¬≠te, um mich an der Nase her¬≠um¬≠zu¬≠f√ľh¬≠ren. Ich muss¬≠te Thom gar nicht mehr sehen, um ihn zu mei¬≠nem Leh¬≠rer zu machen, er war es l√§ngst gewe¬≠sen, und sein Buch muss¬≠te ich nicht suchen, ich muss¬≠te es selbst schreiben ‚Ķ !

Und je l√§n¬≠ger ich dar¬≠√ľber nach¬≠dach¬≠te, des¬≠to mehr Meis¬≠ter fie¬≠len mir ein, die mir auf die eine oder ande¬≠re Wei¬≠se einen Teil ihres Dhar¬≠mas mit auf den Weg gege¬≠ben hat¬≠ten: den Lei¬≠ter unse¬≠rer Grund¬≠schu¬≠le, wenn er vor den Gro¬≠√üen Feri¬≠en alle Sch√ľ¬≠ler auf dem Pau¬≠sen¬≠hof ver¬≠sam¬≠mel¬≠te und dann ‚ÄúWem Gott will rech¬≠te Gunst erwei¬≠sen‚ÄĚ auf sei¬≠ner Gei¬≠ge anstimm¬≠te, der alte Pole mit der Ausch¬≠witz-T√§to¬≠wie¬≠rung auf dem Unter¬≠arm, der mich beim Auto¬≠stopp in S√ľd¬≠frank¬≠reich mit¬≠nahm und mir lachend ver¬≠si¬≠cher¬≠te, aber gewiss doch, alle Men¬≠schen sei¬≠en Br√ľ¬≠der, die G√§rt¬≠ne¬≠rei¬≠be¬≠sit¬≠ze¬≠rin, f√ľr die ich fr√ľ¬≠her ein¬≠mal gear¬≠bei¬≠tet hat¬≠te und die nie Urlaub mach¬≠te, nur jeden Mor¬≠gen auf¬≠stand und den Kampf mit den Schne¬≠cken und dem stei¬≠ni¬≠gen Boden auf¬≠nahm, und das war alles, was sie brauch¬≠te, um gl√ľck¬≠lich zu sein, und, und, und ‚Ķ

Erst jetzt begriff ich, dass es beim Dhar¬≠ma nicht um eine exo¬≠ti¬≠sche Phi¬≠lo¬≠so¬≠phie geht, die man mit geheim¬≠nis¬≠vol¬≠len Ritua¬≠len in Asi¬≠en erler¬≠nen und dann in Euro¬≠pa in ver¬≠schwie¬≠ge¬≠nen Zir¬≠keln Ein¬≠ge¬≠weih¬≠ter in Hin¬≠ter¬≠hof-Dojos pfle¬≠gen muss, son¬≠dern um das Leben jedes ein¬≠zel¬≠nen Men¬≠schen an jedem Ort und zu jeder Zeit der Geschich¬≠te. Dass man Acht¬≠sam¬≠keit bei der Zen-Ein¬≠kehr pfle¬≠gen kann, aber noch weit mehr davon beim Kaf¬≠fee¬≠ko¬≠chen not¬≠wen¬≠dig ist. Dass jeder Mensch das Dhar¬≠ma wei¬≠ter¬≠ge¬≠ben kann, ohne je den Namen Bud¬≠dha geh√∂rt zu haben.

Der bes¬≠te Zen-Leh¬≠rer w√§re einer, der noch nie etwas von Zen geh√∂rt h√§t¬≠te. Du hast ihm ges¬≠tern die Hand gege¬≠ben und dich f√ľr immer von ihm verabschiedet.

(2005)